Bienvenue!

Erotik - ein Teilbereich des Lebens, der immer weiter einschrumpft. Überwältigt von einer Flutwelle der expliziten sexuellen Darstellung, der Mainstream-Pornographie auf der einen, Stress und Hektik des Alltags auf der anderen Seite, gehört die Erotik zu einer bedrohten Spezies.

In diesem Blog werde ich mich drum bemühen, der Erotik einen kleinen aber feinen Lebensraum zu geben. Nimm Dir Zeit, Dich ihrer anzunehmen, lasse die Belange des Alltags von Dir abfallen und ihren Zauber auf Dich wirken.

Doch hat Erotik eine vielzahl von Facetten, es gibt unzählige Arten und Weisen, über die Lust ausgelöst und wie sie empfunden wird. Aus diesem Grund werde ich mich auch mit Themen befassen, die in der Öffentlichkeit und Medien großräumig ausgeklammert werden, wie Fetisch und BDSM. Denn auch diese sind Teil einer bunten, lustvollen und vergnüglichen Welt.

Ein gewisses Maß an Toleranz und Offenheit gegenüber Praktiken, die noch nicht vollkommen salonfähig geworden sind, können beim Genuss dieser Seite also hilfreich sein, denn es ist mir ein großes Anliegen, stilvoll über die Vielfalt der Erotik zu schreiben und wenn es mir denn möglich ist, das Image der Gelüste jenseits des Mainstreams, positiv zu beeinflussen.

Wenn Du Anregungen, Lob oder Kritik loswerden möchtest, schreib mir doch an v.petitsplaisirs@gmx.de


Freitag, 20. November 2009

Das Verschwinden der Erotik

Ein Klassiker aus meinem ersten Blog, ursprünglich erschienen am 01.04.2008.

Eigentlich sollte ich schon längst im Bett liegen. Und eigentlich sollte ich gerade auch garnicht mehr die Zeit finden, mich dieser Seite zu widmen. Ich stehe nun 8 Tage vorm Abi und habe nun nichts besseres zu tun, als etwas in meinen Blog zu schreiben. Unfassbar.

Doch es ist ein Thema, was mich schon seit geraumer Zeit beschäftigt. Und nun, in nächtlicher Umnachtung, ist die Zeit gekommen, sich der Sinnlichkeit, der Erotik zu widmen.

Nein, ich selbst werde hierzu nichts wirklich priklend ansprechendes schreiben. Wie immer möchte ich auch, was dieses Thema angeht, ein wenig zum Nachdenken anregen, wachrütteln, sensibilisieren. Man muss nicht prüde sein, um von mir angeprangerte Missstände zu erkennen.

Wir leben in einer Welt, in der herzlich wenig unerforscht ist, nicht frei gelegt wird. Nackte Körper, Fleischbeschauung, Sex begleiten uns unweigerlich durch das nachmittagliche Fernsehprogramm. Man schaue nur mal flüchtig bei Big Brother vorbei, wie häufig dort gepoppt wird, das ganze läuft dann von 19h - 20h auf RTL2.

Mit Erotik hat das alles rein garnichts zu tun.

Persönlich frage ich mich, ob das Verständniss von Erotik sich einfach gewandelt hat, oder ob wir garnicht mehr sensibel genug sind, diese wahr zu nehmen. Sind wir abgestumpft? Oder bin ich abgestumpft? Dass ich subtile Erotik garnicht mehr erkenne, wobei sie doch noch vorhanden ist? Vielleicht kann mich ja jemand darauf aufmerksam machen, sollte letzteres der Fall sein. Ich lasse mir gerne helfen.

Jedenfalls finde ich es immer sehr erfrischend, mir ältere Filme, aus den 50gern oder frühen 60gern anzuschauen, in denen auf diesem Gebiet nicht so dick aufgetragen wird, wie heute. Auch interessant finde ich in diesem Zusammenhang, mir die früheren Bilder aus dem Playboy anzuschauen, die wesentlich mehr hergeben, als die aktuellen - vor allem, weil sie nicht retouchiert sind. Und: Erst 1972 sieht man die erste vollkommen nackte Frau in diesem renomierten Männermagazin. Jawohl, ich habe mir die Mühe gemacht, mir jedes einelne Bild des Playmates des Monats anzusehen, um die Entwicklung, die in Bezug auf Nacktheit vonstatten gegangen ist, nachzuvollziehen. Es ist wirklich sehr interessant gewesen. Zu erwähnen wäre auch, dass sich da nach 1972 nicht ein absolut radikaler Wandel vollzogen hat. Nein, nach dieser ersten kompletten Nacktheit, gab es doch noch einige Monate hinter einander, in denen man vom Schambereich garnichts gesehen hat. Auch wenn es vielleicht überflüssig sein mag, ich erwähne dennoch, dass die gezeigten Damen - obwohl sie Schambehaarung aufweisen, durchaus angenehm zu betrachten sind, schöne Körper und schöne Gesichter haben. Dies nurmal so am Rande. Wichtig ist, dass komplette Nacktheit nur optional war. Kein Zwang, nicht wie heute.

Ich frage mich, wann ich das letzte Mal in einem Film etwas gesehen habe, was eine erotische Wirkung auf mich hatte, ohne dass es gleich ums Ganze ging. Mir fällt beim besten Willen nichtst ein.

Vielleicht ist ein subtiles erotisches Ansprechen auch viel zu individuell? In groß angelegten Produktionen geht es ja eher darum, kollektiv zu wirken, die Emotionen der Masse zu bewegen. Auf die Feinheiten, die den einzelnen anregen kann keine Rücksicht genommen werden. Möglich. Und mit dem Wort Produktionen beziehe ich mich nicht auf die Pornoindustrie. Das ist ein ganz anderes Thema.

Mir fehlt etwas. Ich weiß nicht, was es genau ist, aber ich möchte in einem Film etwas sehen, was mir einen Schauer über den Rücken jagt - und zwar keinen kalten! Ich möchte keinen ewig schnulzigen Kitschkram ertragen müssen, der Mädchen unter 16 und Frauen über 40 anspricht. Vielleicht auch noch ein paar dazwischen, aber in jedem Fall nicht mich.

Ich will Leidenschaft, Gefühle, Abgründe, Sinnlichkeit, Erotik... aber ohne expliziten Sex. Ist das so schwer? Muss in jeden verdammten Film eine Sexszene rein, ob es mit der Story was zu tun hat, oder nicht? Einfach so, auf Teufel komm raus, wie man es erst Anfang des Jahres im zweiten Teil von Elisabeth mit Cate Blanchett hatte. DA hab ich mich vielleicht aufgeregt! Aber wenn ich so weiter mache, komme ich nur wieder vom Thema ab.

Und nun weg von der Mattscheibe, hinein ins Leben: Ist Euch mal aufgefallen, wie Frauen heutzutage so rumlaufen? Wie Mädchen zur Schule gehen? Die Kluft eignet sich bestenfalls für die Disco, im schlimmsten Fall für den Swinger Club. Da kann man doch nur den Kopf schütteln. Ich verstehe ja nicht, warum einem die aufgepuschten Titten 15jähriger Mädchen ins Gesicht hoppsen müssen. Wer will mit sowas konfrontiert werden? Mensch, das vermeindlich "geile Stück" ist ein Kind! Und hat bestimmt so viel Ahnung von Erotik, wie ich von Kernphysik. Aber Sex praktiziert sie wahrscheinlich schon, seit etwas längerem wahrscheinlich auch.

Witzig wird es in diesem Zusammenhang auch, wenn man sein Unwesen in der Schwarzen Szene, in der ich mich beheimattet fühle, treibt. Die Gothics von gestern trugen wallende schwarze - eher sackförmige - Gewandungen, oder verspielte schwarze Kleider, die an böse Märchenköniginnen erinnerten. Heute sind Hotpans, Strümpfe und schwarze über die Brustwarzen geklebte Xe , in. Mehr ist tatsächlich auch mehr, denn erotisch ist so ein Aufzug nur bedingt. Zumindest was meine Ansicht angeht, aber jedem das seine.

Hm... zunehmenst habe ich das Gefühl, dass es doch nicht ich bin, die abgestumpft ist. Wäre dem so, hätte ich an der ganzen Entwicklung wohl nichts auszusetzen.

Aber nun gut: Ich suche Erotik und finde keine. Hilft mir wer suchen?

Mittwoch, 18. November 2009

JA ist JA nicht NEIN

In zwischengeschlechtlichen Beziehungen kommt es oft und gerne mal zu Kommunikationsproblemen. Das ist nichts neues. Ich möchte mit diesem Artikel gerne mein Augenmerk auf ein Problem richten, welches mir sehr am Herzen liegt. Weil es mich in gewisser Weise belastet. Es führt sehr leicht zu Missverständnissen, zu Unbefriedigtheit und wenn es eskaliert, kann man von einer Vergewaltigung sprechen.

Es geht um das Unvermögen, JA zu sagen. 

Irgendwo, ich weiß nicht mehr in welchem Abschnitt zwischen Kindheit und Erwachsensein es war, da habe auch ich hier und da gelernt, dass sich eine Frau von einem Mann erobern lässt. Und dass nichts schlampiger ist, als es dem guten Mann leicht zu machen und sich schnell auf ihn einzulassen.

Diese Masche wird wohl schon seit Jahrhunderten propagiert und ist auch immer noch nicht aus der Mode gekommen. Sie führt dazu, dass wir uns in Momenten noch zieren, in denen wir eigentlich nichts lieber hätten, als den Kopf unseres "Verführers" in unserem Schoß. Sie führt dazu, dass diese Abart, sich zu zieren regelrecht kultiviert wird. Frauen "machen auf süß", laufen künstlich rot an, schauen betreten zu boden und geben sich alles in allem mädchenhaft, kaum noch geschlechtsreif.

Ich gebe zu, ab und an kann diese Masche ganz nett sein, um ein wenig rumzuspielen - mit einem Partner, dem man längst gezeigt hat, wie viel Frau in einer steckt. Doch leider gehört dies in das Repartoire des Verführt-werdens so einiger Frauen dazu. Dazu gehört auch, den Partner abzuweisen, ihn beiseite zu schieben, nein zu sagen, dabei zu kichern, dennoch nein zu sagen, ihn wieder weg zu schieben - wobei es doch gewollt ist. Letztendlich lässt frau sich doch "erobern", konnte der Belagerung nicht mehr stand halten, sie wird genommen, ergibt sich ihrem Schicksal und erlebt eine tolle Paarung, wie sie sie doch von Anfang an wollte. 

Dieses Szenario finde ich bedenklich. Zum einen wird dem Mann hier zu viel Verantwortung zu getragen. Er muss entscheiden, ob jedes Wegschieben, jedes NEIN, zur Strategie seiner möglichen Partnerin gehört. Ob er abbricht und damit riskiert, dass es zu keinem weiteren Treffen kommt, dass er wie ein Weichei darsteht und alles falsch verstanden hat, weitermacht und damit genau den Nerv der Partnerin trifft, oder weitermacht und nicht begreift, dass es eben kein Spiel mehr ist. Was wiederum zu zwei weiteren Enden führen kann: zum einen begreift er es dann irgendwann doch und der Abend ist so oder so gelaufen. Er wird sich sehr schlecht fühlen und sie sich auch. Oder er macht weiter und es mündet in eine Vergewaltigung. 

Und letzteres führt mich auch zum zweiten Punkt. Dieses Zieren, spielt mit Signalen, die eigentlich deutlich machen sollen, dass man etwas nicht will. Es spielt mit dem NEIN, dem NEIN von dem wir gelernt haben, dass es uns aus miesen Situationen rausholt, zumindest verdeutlicht, das hier, genau jetzt eine Grenze überschritten wird. Dass das, was jetzt geschieht, wenn nicht sofort abgebrochen wird, nicht mehr ok ist. Wo soll man nun die Grenze ziehen, zwischen dem NEIN, was irgendwie doch JA heißt, und dem NEIN im Sinne des Wortes? Gerade dann, wenn man in die aktive Rolle gepresst wird?

In SM-Kreisen wird das NEIN gerne außer Kraft gesetzt, aber in den meisten Fällen wird es durch ein anderes Wort ersätzt, welches dem NEIN im klassischen Sinne gleich kommt. Es fällt nicht einfach aus, sondern wird ersetzt. Das bietet die Möglichkeit, nach Lust und Laune nein zu schreien, ja zu meinen und sich an der wunderbaren Übergehung dieses Wortes zu erfreuen. Solche Maßnahmen werden im üblichen Verführungsgebärden allerdings nicht vorgenommen. 

Zum dritten entmündigen Frauen sich selbst mit dem NEIN, statt dem JA und wachsen nicht über sich selbst, ihre unnütze Hemmschwelle hinaus. Es steckt tief drin, es ist nicht so einfach, wie es klingen mag, das weiß ich selber. Aber es ist notwendig, dass wir uns das JA rausnehmen! Wir haben ein Recht darauf, JA zu sagen, genau so, wie wir ein recht darauf haben, dass unser NEIN auch wirklich Gehör findet! Darum ist es schließlich auch so wichtig, dass wir zwischen beiden so Gegensätzen auch radikal unterscheiden. Und nicht die Symbole des einen für das andere missbrauchen. 

Wir sind keine Schlampen, weil wir Sex wollen.
Wir sind keine Schlampen, weil der Typ, den wir mit nauch Hause nehmen, diese Woche schon der dritte ist.
Wir sind keine Schlampen, weil wir gerne harten Sex haben.
Wir müssen uns unserer Lust nicht schämen.
Wir haben ein Recht darauf, unserer Lust Ausdruck zu verleihen.
Wir haben ein Recht auf richtig guten Sex. Und dazu gehört auch, dass wir dem Mann des Abends sagen, was wir wollen, was wir brauchen, was uns anmacht.
Es ist super, laut zu sein, wenn es unserem Temperament entspricht.
Es gibt keinen Grund, sich zu schämen, weil unser Körper Geräusche macht.
Wenn wir reiten, sieht der Typ unseren Bauch nicht, er achtet viel eher auf unsere schönen Brüste.
Von hinten wird er unserer Cellulitis an den Oberschenkeln keines Blickes würdigen. In dieser Stellung kommt unser Hintern besonders prächtig zur Geltung, ist gestrafft.
Es gibt also keinen Grund, das Licht auszuschalten.
Nein, es gibt wirklich nichts, wofür wir uns schämen müssten!

Warum sich also zieren? Wir haben das doch garnicht nötig!

Ich denke auch, dass es viele Männer gibt, die es begrüßen würden, wenn wir einfach sagten, was wir wollen, statt uneindeutige Signale auszusenden, für die doch im Grunde genommen niemand empathisch genug sein kann. Signale auszusenden, die im schlimmsten Fall sehr schmerzhaft enden können. 

Verantwortung für das, was geschieht, sollten alle beteiliten haben. Weswegen ich auch an die Männer plädieren möchte, ein NEIN immer als NEIN zu sehen und zu handhaben. Auch wenn es gekeucht kommt, wenn sie sich räkelt (es sei denn, es ist vorher so vereinbart: "Weißt Du, es macht mich unglaublich an, mich zu zieren und so zu tun als wenn ich das nicht wollte und mich Dir dann hinzugeben, wenn Du nur am Ball bleibst. Sollte es mir zu viel werden, rufe ich... Perwoll!"). Auch wenn man damit riskiert, bei der Frau nicht mehr landen zu können, es könnte eine Lektion sein und helfen, dass Frauen ihr Verhalten ändern und eindeutiger werden. Und dass dieser Unsinn, sich für sexuelles Empfinden zu schämen, endlich ein Ende findet. 

Freitag, 13. November 2009

Vampirromane - 2. Teil: Laurell K. Hamilton

Es ist Herbst, dunkel, trist und trüb, das habe ich letzte Woche schon festgestellt und mich entschlossen, Euch die Zeit mit Abhandlungen über die mir liebsamen und weniger liebsamen Vampirromane zu versüßen.

Angefangen habe ich letzte Woche mit Anne Rice, weiter geht es heute mit Laurell K. Hamilton, meiner Lieblingsautorin in Bezug auf Vampire.

Laurell K. Hamilton

Zugegeben: Wer literarische Hochleistungen erwartet, ist hier falsch. Die "Anita Blake"-Reihe ist weder sprachlich noch inhaltlich in besonderem Maße anspruchsvoll. Sehr unterhaltsam und etwas anders, im Vergleich zu dem, was einen 20:15h im TV erwartet, aber nicht wesentlich komplexer. Und das macht die Werke dieser Autorin für mich als Studentin und Pendlerin so attraktiv! Wenn ich im Zug sitze und abschalten möchte, ist es kein Problem jederzeit in den Roman wieder einzusteigen. Und wieder aufzuhören. Wenngleich die Geschichte doch sehr schnell fesselt und man nicht mehr aufhören möchte - es ist einfach so unterhaltsam!

Die Vampire stehen hier, im Gegensatz zu Anne Rice, nicht im Mittelpunkt. Nein, der Fokus ist auf Anita Blake gerichtet, welche das Amt der staatlich bestellten Vampirhenkerin in Missouri und drei weiteren Bundesstaaten, einnimmt. Unter den Geschöpften der Nacht wird sie respektvoll "der Scharfrichter" genannt. Desweiteren berät Anita die Polizei von St. Louis in Fällen, die auf übernatürliche Täter hindeuten. Ja, in der Welt dieser Bücher, die sich auf die USA, hauptsächlich St. Louis der 90er konzentrieren (was man meist nur an der Beschreibung der Kleidung bemerkt), sind Vampire seit 2 Jahren legal. Sie dürfen nur, wie jeder andere Bürger auch, keine Menschen töten, sonst werden sie hingerichtet, was wiederum in Anitas Aufgabenbereich fällt. Neben Vampiren gibt es aber auch Lykanthrophen, also alle möglichen Gestaltwandler, wobei dies als Krankheit angesehen wird, übertragbar wie AIDS und noch so einige andere übernatürlichen Geschöpfe. Zombies zum Beispiel. Wo wir dann wieder bei Anita Blakes Berufsausübung wären. Diese arbeitet nämlich hauptberuflich als Animatorin. Das heisst, dass sie für Kunden nachts auf einem Friedhof einen Toten erweckt, damit dieser wichtige Fragen beantworten kann.

Eigensinnig, wie ihre Berufsausübung, ist Anita Blake selbst. Während der Meistervampir der Stadt sich in sie verliebt, muss sie sich zusammen reißen, ihn nicht zu töten. Und in brenzlichen Situationen, in die Anita Blake recht häufig gerät, ist es ihrem losen Mundwerk oft genug zu verschulden, dass sie mehr einstecken muss, als nötig.

Anita Blake ist eine Powerfrau, wie sie in Büchern und Filmen nur selten zu finden sind! Sie ist emanzipiert, kann mit Männern, die sie beschützen wollen, ihr die Tür aufhalten und in den Mantel helfen, nichts anfangen. Während andere Bücher ihre Heldinnen immer gern zu Journalistinnen, bzw. "irgendwas in Medien" arbeitenden Frauen machen, ist sie eine vielschichtige toughe Frau, die sich die Hände schmutzig macht und mit Toten hantiert. Während in Filmen Frauen in brenzligen Situationen meist in dem Augenblick gerettet werden, indem Schlimmeres verhindert werden konnte, steckt Anita im Mindesten genau so viel ein, wie Bruce Willis in den "Die Hard"-Filmen. Sie sieht hübsch aus, ist allerdings mit Knapp 1,60m viel zu klein (was mir sehr sympathisch ist), macht sich nichts aus Mode, schläft mit Stoffpinguinen ist kaffeesüchtig und christlich gläubisch und sieht Vampire als Monster an.

In jedem Band erfährt man mehr über sie, ihre Vergangenheit, ihre Interessen, wunde Punkte und moralische Vorstellungen, was den Charakter immer greifbarer macht und eine realistische Annährung an ihn ermöglicht. Der Leser wird in den Büchern von Anita selbst angesprochen, was recht amüsant und flott zu lesen ist.

Eine erotische Grundstimmung kommt auch in diesen Büchern gerne auf, trotz gelegentlicher Splatter-Orgien in guter Horror-Manier. Der Meister der Stadt ist echt ein charmanter Hingucker wenngleich seine Exzentrik ihn auch ein wenig schrullig macht. An sich hält die Reihe schöne Personen und intime Momente berei. Wobei: Ich habe gestern den 5. Band zuende gelesen und bisher ist es noch nie explizit geworden. Was ich auch ganz unterhaltsam finde, weil es einfach Anitas Charakter entspricht, der so schön dreidimensional ist und wird, wie nur in wenigen Geschichten, die ich so lesen durfte.

Die Anita Blake Reihe kann ich echt nur wärmstens empfehlen! Die Bücher sind so kurzweilig, spannend und amüsant, der Charakter so gut ausgepfeilt. Laurell K. Hamilton ist eine wirklich unglaublich fantasievolle Autorin, wo ich mich doch andauernd frage, wie man nur auf solche Ideen kommt. Wer allerdings weder Action noch ein wenig Horror mag, ist hier falsch, da es doch sehr drunter und drüber geht und mitunter ganz schön ekelig wird.

Die Bücher kosten rund 8€.
Band 1: Bittersüße Tode
Band 2: Bleiche Stille
Band 3: Zirkus der Verdammten
Band 4: Gierige Schatten
Band 5: Bleiche Stille
Band 6: Tanz der Toten
Band 7: Dunkle Glut
Band 8: Ruf des Blutes (glaube ich)

Nächste Woche beschäftige ich mich mit der Bis(s)-Reihe von Stephanie Meyer, dem Traum so vieler Teenies - pünktlich zum Kinostart der zweiten Verfilmung.

Samstag, 7. November 2009

Rammstein-Album auf dem Index

Liebe ist nicht mehr für alle da

An den Plakaten für die neue Rammsteinplatte bin ich gut einem Monat jeden Tag im Bus vorbei gerauscht. Das Lied "Pussy" sorgte schon für einigen Wirbel - kennt man von der Band aber auch nicht anders. Seit mitte Dezembar war dieses in der zensierten und unzensierten Fassung im Internet anzusehen. 

Nun ist der Entschluss der ie Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien offiziell: "Liebe ist für alle da" ist jugendgefährdend, steht somit auf dem Index. Das Album darf nun nicht mehr öffentlich beworben, zugänglich ausgelegt werden und natürlich nicht mehr in die Hand von Minderjährigen gelangen. 

Wie kam es zum Urteil? 

Im Detail gehe es laut Band um den Song "Ich tu dir weh" und um das Foto des Plattencovers. Grund für die Indizierung: Die Band verbreite jugendgefährdende Darstellungen von Sado-Maso-Praktiken und animiere zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr, so das Prüfungsgremium.

So der Artikel auf Welt.de.

Zu Indizierungen kann man stehen, wie man will. Ich bin ihnen nicht grundsätzlich negativ gegenüber eingestellt. Wenn ich aber bedenke, wie viele Werke so genannter "Porno-Rapper" auf die Handys 13-jähriger Schüler gelangen, wie dort über das menschliche Miteinander im allgemeinen und im sexuellen gereihmt wird, wird mir schlecht. 

Dass "Claudia hat nen Schäferhund" seinerzeit auf den Index kam, ist verständlich. Dass die Death Metal-Band "Eisregen" regelmäßig dort landet, ist anbetracht der Gewaltorgien und der nekrophilen Texte, mit denen die Band ihre Hörerschaft unterhält, ebenfalls nachvollziehbar. Nichts desto trotz ist es kein Problem, sich die Musik oder auch nur die Texte übers Internet zu besorgen. 

Dass hier in diesem aktuellen Fall allerdings indiziert wird, weil Sadomasochismus thematisiert wird, übersteigt eindeutig meine Toleranz. Den Corpus delelicti habe ich mir nun mal durchgelesen. Drastische Sprache, drastische Bilder, wie sie so für Rammstein üblich sind. Verherrlicht wird hier kein Sadomasochismus. Aufgezeigt wird eine Beziehung, die in jedem Fall zerstörerisch ist, weil die Menschen, die diese führen, zerstörerisch sind. Das ist kein SM. Es liest sich vielleicht wie solcher, es arbeitet mit Vokabular, der Herrschaftsgefälle innerhalb von Sessions wiedergeben mag, der üblich ist. Doch ist das schließlich auch eine für Rammstein typische Art, auf provokative Rethorik zurück zu greifen. "Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr" z.B. um mal meine Lieblingspassage aus "Pussy" zu zitieren. Trotzdem kann man nicht sagen, dass die Band dem rechten Spektrum angehört. Dass Rammstein mit sadomasochistischen Themen aufwartet ist eigentlich auch ein alter Hut. Würde das Lied indiziert werden, weil lebensgefährliche Praktiken "verherrlicht" werden, sowie die Würde des Menschen verletzt wird, das würde ich tatsächlich verstehen. Dass so getan wird, als würde es sich bei den im Lied dargestellten Praktiken um handelsüblichen Sadomasochismus handeln, ist grotesk. Dieser hat beim Lied "Sonne", in dem ein übergroßes Schneewittchen hart arbeitende Zwerge tyrannisiert und immer wieder spankt, noch niemanden gestört.

Im Grunde konnte der Band an sich ja nichts besseres passieren. Jetzt sind sie wirklich mal die bösen Jungs und der Anreiz, sich das Album im Orginal zu holen, wird enorm gestiegen sein. Fraglich ist nur, wie es nun mit der geplanten Tour ausschaut. Die Karten sind ja größtenteil schon verkauft, und dass sich unter der Käuferschaft auch Minderjährige tummeln, ist nicht auszuschließen.

Mich ärgert vor allem die Willkür einer Frau von der Leyen und der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Es gibt so viele Werke, die frauenverachtendes, menschenverachtendes, schwulenfeindliches und rassistisches Material enthalten, was wesentlich subtiler präsentiert wird, nicht in so einer drastischen Form, wie bei Rammstein, wo die Provokation, die Polemik, die persönliche kleine Horrorshow doch immer vorprogrammiert ist, und man es auch als Jugendlicher hört, weil es einfach eine Spur härter und drastischer ist, als einiges andere und nicht, weil man sich an Folter aufgeilt. 

Es wird Zeit, dass ich mein "Zensursula"-T-shirt wieder aus dem Schrank krame!

Freitag, 6. November 2009

Vampirromane - 1. Teil: Anne Rice

Es ist Herbst. Das zwar schon seit über einem Monat, doch nun kommt der wirklich ungemütliche Teil. Wenn man so aus dem Fenster schaut, ach, jetzt ist es schon dunkel. Also gut, wenn man vor zwei Stunden aus dem Fenster sah, so war nichts zu sehen, außer tristem, trüben grau und dem Rest rotem und gelbem Laubes. Bedenkt man nun, dass der Herbst noch bis zum 21. Dezember anhält... Welch schaurige Prognose.

Schaurig, das ist das Stichwort. Genau die richtige Zeit, um sich mit Vampirromanen ein klein wenig Lebensfreude zu erhalten, bzw. die herbstlich-melancholische Stimmung zu kultivieren.

Ich möchte nun jede Woche eine Reihe Vampirromane vorstellen, die ich selbst gelesen habe, samt Urteil. So sollte es gelingen, die dunkle Zeit zu überstehen ohne der besonderen Stimmung des Herbstes vollkommen zu trotzen.



Anne Rice

Was Vampirromane angeht, so bin ich Expertin. Angefangen habe ich mit 15, als ich gruftig wurde und mitbekam, dass Anne Rice gruftige Pflichtlektüre ist. Nicht nur gruftige. Wer noch nie "Gespräch mit einem Vampir" gelesen hat, sollte es schleunigst nachholen! Brad Pitt ist in dem Film ja ganz schnuckelig, aber mit dem Buch ist der Film nicht zu vergleichen. Für Anne Rice Verhältnisse liest es sich auch sehr flüssig und verzettelt sich nicht in haarspaltende Details und den seitenlangen Schilderungen der Biographien Unsterblicher, wie es in den meisten ihrer Romane so üblich ist.

Auch "Fürst der Finsternis" darf nicht verschmäht werden. Hier erhaschen wir einen anderen Blickwinkel auf den Rockstar unter den Vampiren, auf Lestat de Liancourt, der in "Gespräch mit einem Vampir" nicht ganz so gut weg kommt.

Chronologisch gesehen folgt weiter "Königin der Verdammten", der einigen aus einer unglaublich schlechten Verfilmung bekannt sein dürfte. Hier wird es langsam knifflig, bei der Stange zu bleiben. Ich habe irgendwann aufgehört es zu lesen, weil mir Rices Schreibstil, die detailreichen Biographien der Nebendarsteller ziemlich auf die Nerven gingen. Wenn es sich so im Detail verliert, ist es schwierig, der Handlung zu folgen. Doch gibt es auch dafür besondere Liebhaber. Vielleicht war es auch einfach die Zeit und ich wage es nochmal.

Im Vergleich zu den meisten anderen Vampir-Reihen ist die von Anne Rice doch ziemlich anspruchsvoll. Die Sprache ist komplex, in der Handlung, den Charakteren, deren Dialogen und Gedankengänge offenbaren sich mach philosophische Fragen. Während die meisten anderen Vampirromane doch eher das Popcorn-Kino der Unterhaltungslektüre sind.

Sehr gefallen hat mir "Pandora", was wohl dem neuen Vampir-Hype zu verdanken neu aufgelegt und umbenannt wurde. Nun heißt es "Die Herrin des Schattenreichs". Ganz schön verwirrend. Hierbei handelt es sich um den einzigen Roman der Vampir-Reihe, der aus der Sicht einer Frau geschrieben ist. Leider. Andere fanden diesen weniger gut. Doch mir gefiel er, weil er sich besonders auf Pandoras Lebens- oder Unlebenszeit in der Antike fokussiert. Während in anderen Romanen mehr Wert auf die Zeit der Aufklärung gelegt wird.

"Armand der Vampir" habe ich angelesen. Auch dieser wurde neu aufgelegt, heißt nun "Der Duft der Unsterblichkeit". Mit 16 Jahren war mir dieses Werk deutlich zu homoerotisch und sadomasochistisch angehaucht. In der Kombination einfach nicht das, was meinem Gusto entsprach. Vielleicht würde ich es jetzt wieder wagen.
Im Zusammenhang mit diesem Roman fällt mir eine Szene ein, die mir immer im Gedächnis bleiben wird. Was mir beweist, dass es toll ist, den Lesegenuss zu zelebrieren! Gerade Anne Rice eignet sich dafür.
Nun, es mag auch so ein finsterer Herbsttag wie der heutige gewesen sein, an dem ich abends alleine zuhause war, die Rolladen runter zog, sämtliche Kerzen im Wohnzimmer anzündete, mir ein Glas (ich weiß nicht mehr was ich da getrunken habe) gönnte und das Requiem von Mozart einlegte um in dieser besonderen Atmosphäre "Armand der Vampir" zu lesen. Es war schaurig schön!

Anne Rice sollte jeder mal angelesen haben. "Gespräch mit einem Vampir" ist der Klassiker unter den Vampirromanen und auch mit anderen Werken dieser Autorin kann man sein Vergnügen haben. Spaß macht Anne Rice jedoch nicht. Nein, sie ist nicht witzig, sie zu lesen tut manchmal auch ein bisschen weh. Aber in diesem Zusammenhang baut sich einfach auch eine besondere Stimmung auf. Gerade jetzt, wo bis Weihnachten so ziemlich nichts wirklich Spaß macht, ist Anne Rice sehr geeignet, Melancholie und Wehmut zu kultivieren.

Ihre Werke haben auch immer etwas latent erotisches. Der Stil berührt einen. Sanft, aber auch innig, wenngleich flüchtig. Unter den Vampiren, jeglichen Geschlechts, herrscht eine unglaubliche Anziehung, ohne dass es explizit oder plumt wirkt. Es ist fast schon alles zu subtil, um erotisch zu sein. Aber doch, es ist erotisch.

Nächste Woche widme ich ich mich meiner Lieblingsautorin, wenn es um Vampire geht: Laurell K. Hamilton.

Dienstag, 20. Oktober 2009

We are beautyful...

Ein Klassiker aus meinem ersten Blog. Ursprünglich erschienen am 27.02.2008.

Inspiriert haben mich die Blogs zweier Frauen, die sich ebenfalls diesem Thema gewidmet haben. Ich denke, im Grunde kann es nicht genug Menschen geben, die sich mit der Doppelmoral und der Gefahr gängiger Schönheitsideale und daraus resultierenden Süchten beschäftigen! Somit möchte ich auch an Euch beide Artikel weiterleiten, vielleicht findet Ihr ja auch gefallen dran:


Pro-Ana und Pro-Mia: Antwort auf die Knochenlutschgöttin von der Schmitti
und Knochenlutscher von der Alia

Unterernährung in unserer Überflussgesellschaft. Ein Phänomen, das an Perversion grenzt. Nein, eigentlich nicht. Es ist Perversion. Und bezeichnend für unsere Zeit.

Wie kann es sein, dass der Umgang mit dem Essen uns im Westen so schwer fällt? Wie kann es sein, dass in Deutschland ca. 100.000 Menschen von Magersucht betroffen sind - 90% davon Frauen zwischen 15 und 35 Jahren sind? 600.000 unserer Mitbürger unter Bulimie leiden?

Wie kann es sein, dass sich im Internet Imperien einer Pro-Ana und Pro-Mia Bewegung aufbauen, die ihre Erkrankung, ihre Schlankheitssucht verherrlichen und sich bis ins unermessliche abhungern?



Wie kann es sein, dass Keira Knightley, Victoria Beckham oder Lindsay Lohan zu Schönheitsidealen avancieren? Klar - die ganzen Hochglanzmagazine heucheln irgendwie schon ein geringes Maß an Besorgnis vor. Dennoch haben die ständigen Fotos, die wir von diesen Hungerhaken vor die Nase gesetzt bekommen einen anderen Effekt. Nein, sie wirken nicht warnend. Das täten sie vielleicht, wenn die Magazine genannte Damen in misslicheren Situationen als auf dem Roten Teppich, bei irgendwelchen Galas oder Aftershow-Partys zeigen würden. Nicht zu vergessen der wohl verdiente Urlaub am Strand in Hawaii oder Malibu.

Da kommen doch schon Gedanken auf, wie dass es durchaus schön wäre, ein wenig mehr so zu sein, wie sie. Nur ein bischen mehr. Selbstverständlich will man es nicht übertreiben. Aber wo hört man denn auf, wenn man plötzlich Komplimente aufgrund der schlankeren Taille bekommt? Wann wird aus dünn dürr? Wann erreicht einen die Erkenntnis, dass man am Limit ist?

We are beautiful no matter what they say
Yes, words won't bring us down , oh no
We are beautiful in every single way
Yes, words can't bring us down , oh no
So don't you bring me down today


heißt es im Lied "Beautiful" von Christina Aguilera. Eine Hymne an die Selbstakzeptanz. Der Videoclip tut sein übriges. Allerdings ist es auch nicht schwer, sowas in die Welt hinaus zu trällern, wenn man mit seiner Figur mal garnicht zu kämpfen hat. Wenn der Personaltrainer zum Tag gehört, wie das Zähneputzen auch. Den Zeitfaktor darf man beim Nacheifern gängiger Schönheitsidealen nämlich nicht außer Acht lassen. Genau so wenig wie das Geld, welches in ebenso beachtlichem Ausmaß verpulvert wird.

Dennoch: Wie kann es sein, dass wir Frauen uns in solchem Ausmaß mit unseren Maßen beschäftigen? Sage mir: Wann hast Du das letzte mal Nachmittags, nachdem Du am gleichen Tag schon gefrühstückt und zu Mittag gegessen hast einen leckeren Brownie verspeist, dazu einen Milchshake getrunken - ohne dass Dich nachher zumindest eines geplagt hat:

a) Du hattest Schuldgefühle.
b) Du hast Dir darüber Gedanken gemacht, wieviele Punkte/Kalorien das waren.
c) Du denkst über Sanktionen bei der folgenden Mahlzeit nach...
d) ... die erst am nächsten Tag stattfinden wird, bis dahin ist der Brownie hoffentlich weg.
e) Du gehst im Geiste die Termine des morgigen Tages durch um noch eine Extraschicht im Fitnessstudio einzuschieben.
f) Das war nun wirklich, wirklich die letzte Sünde, die Du Dir in Deinem Leben erlaubt hast. Ab morgen gibt es nur noch Salat!
g) ... zumindest bis Weihnachten, da kann man um das ungesunde Zeug ja nicht drum rum.
Jaja, es ist wirklich nicht leicht, heute noch ein ungezwungenes Verhältnis zu seinem Essen und seinem Körper aufzubauen. Auch ich bin mitlerweile so konditioniert, dass ich immer krampfhaft überlege, wie viele Kalorien, ich zu mir nehme. Wenn ich ins Kino gehe muss dennoch eine Tüte Popcorn und eine große Cola her. Und nachher habe ich Schuldgefühle. Das macht doch keinen Spaß.

Ich denke, wir müssen neues Selbstvertrauen in uns setzen. Wie würden wir uns finden, wenn wir uns losgelöst jeglicher Schönheitsideale betrachten würden? Wären wir dann immer noch zu fett? Zu kleinbusig? Was findest Du schön an Dir selbst?

Und was noch?

Und was macht uns als eigenständigen und als solchen liebenswerten Menschen aus? Der Körper ist nicht alles, auch wenn es in gängigen Magazinen fast ausschließlich um diesen geht. Nein, es ist noch sehr viel mehr, was uns aus macht, worauf wir setzen können. Es mag zwar auch aufs Äußere ankommen, aber Schönheit setzt sich nicht an dick oder dünn fest. Schön ist alles, was gesund ist! Ein gefährliches Maß an Übergewicht ist nicht schön, denn es ist ungesund. Ich rede jetzt nicht von den Fettpölsterchen, die bei Frau auch mal Größe L auf den Plan holen. Naja, eigentlich will ich es garnicht an den Größen festmachen. Aber wenn es nicht mehr gesund ist, sollte was dran getan werden, denn ein ungesundes Leben im Übermaß kostet genau so viel Lebensqualität wie ein ungesundes Leben im Untermaß so zu sagen.

Und so schaut es nämlich aus: Hungerhaken sind nicht sexy! Hungerhaken sollten jeden normalen Menschen an diejenigen erinnern, die unter Menschen unwürdigen Bedingungen leben müssen und leben mussten, die keine Optionen haben (es sei denn wir priviligierten Menschen im Überfluss geben sie ihnen endlich einmal) und hatten - nicht an die Laufstege unserer Welt!

Problem an der ganzen Sache ist ja einfach die, dass eben auch so extrem dürre Exemplare wie eben auch Keira Knightley großen Erfolg haben. Man schaue sich auch die Bank weg alle Schauspielerinnen an, die uns mittwochs im Rahmen der Serie "Desperate Houswives" beglücken. Das sind ja alles Frauen über 35. Oder bei "Grey's Anatomy" das selbe Rippenspektakel. Naja, da verdeckt es zumindest der Arztkittel zumeist ein wenig. Verantwortungsbewusster sollten Medien und Akteure werden. Ob dies mit Sponsoren etc. also (wie immer) mit wirtschaftlichen Faktoren zu vereinbaren ist, steht selbstredend auf einem anderen Blatt geschrieben. Klar, dass es lange nicht mehr auf das Wohl der anderen ankommt ist mir schon bewusst, seitdem bekannt wurde, dass Britney Spears doch keine Jungfrau mehr ist.

Und nun, bevor ich langsam zum Ende komme, vielleicht noch eine Checkliste, die Du, die Du grade Diät machst, doch noch befolgen solltest (nur ein Rat meinerseits, ob Du ihn befolgst ist natürlich Deine Sache):


Du solltest Deine Diät beenden, wenn...
1. Du beim Einatmen an Bodenhaftung verlierst.
2. Du Dich beim Staubsaugen anschnallen musst.
3. Dein Gesicht schon so schmal ist, dass Du mit beiden Augen durch ein
Schlüsselloch schauen kannst.
4. Du mit Deinem Arm einen Strohhalm von innen sauber machen kansst.
5. Du beim Essen dauernd vom Sessel kippst, weil Du mit dem Löffel Übergewicht
nach vorn bekommst.
6. Dich der Arzt zum Röntgen vor eine Glühbirne stellt.
7. Du beim Drachensteigen eher in der Luft bist als Dein Drachen.
8. Du Deinen Klavierunterricht beenden musst, weil Du mit Deinen Fingern immer zwischen
den Tasten stecken bleibst.
9. Du in der Dusche dauernd hin- und her springen musst, damit Du nass wirst.
10.Wenn nicht Du die Enten, sondern die Enten Dich füttern.
Vielleicht noch zu guter letzt ein Zitat aus Alias Artikel:

"Das ist nämlich die gute, alte Ausgeglichenheit. Anstrengung ist gut, Muskeln sind toll, doch diese wollen gefüttert und auch manchmal mit Kalorienbomben am Leben erhalten werden. Das ist gesund. Das hat nichts mit fett oder schwach zu tun. Das ist das Leben, liebste Schutzpatronin aller Biologieklassenzimmerskelette und auch dessen Lookalikes. Wer lebt, der sieht eben nicht aus wie ein Skelett. Skelette haben mit dem Tod zu tun. Skelette jagen Kindern Angst ein. Skelette kann man sich zu Halloween ins Zimmer hängen. Doch so aussehen sollte ein lebendiger Mensch nicht."

Meine Güte, eigentlich könnte ich einen ganzen Roman zu diesem Thema schreiben, aber ich befürchte, da würden mir dann doch langsam die Leser ausgehen... vielleicht folgt ja noch ein zweiter Teil zu diesem überaus wichtigen Thema, wir werden es sehen.

Mittwoch, 30. September 2009

Rezension: "Spieler wie wir" - Cornelia Jönsson

Gute Romane zu finden, die SM thematisieren, ist gar nicht so einfach. Nachdem mich allerdings schon das Buch „111 Gründe SM zu lieben“, von Cornelia Jönsson, welches ich hier rezensiert habe, begeistern konnte, wurde ich auf ihren Erstlingsroman doch ziemlich neugierig. Vielleicht würde es sich doch als Kleinod entpuppen?

Die Handlung

Franzi und Pauline wohnen gemeinsam in Berlin-Kreuzberg. Neben ihrer Überlebensarbeit im Theater, an der Uni, im Café sind sie vor allem mit ihrem Lust- und Liebesleben beschäftigt.

Pauline verfällt der dominanten Ann, erlebt sexuelle Erfüllung und schmerzhafte Abhängigkeit- Anns Mann, Fotograf mit Faible für junge Frauen, wird eifersüchtig. Ann ist überfordert und verlässt Pauline.

Franzi ist seit vier Jahren mit Marius – Jurist, mitte dreißig – zusammen. Ihr Sexleben stagniert. Marius blüht mit der devoten Katharina auf, während Franzi ihre dominante Seite entdeckt. Schließlich teilt Marius seine Geliebte mit seiner Freundin und beide mit anderen Männern.

Auf ihrem Weg geht es den Charakteren nie darum, Scheitern zu vermeiden, sondern darum, authentisch zu scheitern. Und natürlich ergründen sie nebenbei diesen seltsamen Zustand, den wir Liebe nennen…

Von der ersten Seite an, hat mich der Roman in seinen Bann gezogen, seine Charaktere mich gefesselt. Cornelia Jönsson legt viel Wert auf die Innensicht der Protagonisten. Den Zugang zu vielen Geschehnissen erhalten wir aus verschiedenen Perspektiven, wobei der Fokus auf den Protagonistinnen Franzi und Pauline liegt, deren Temperamente sehr unterschiedlich, beide sehr glaubhaft und authentisch ausgearbeitet sind.

Die Handlungsverläufe, Gefühle und Gedankengänge aller Figuren sind so wundervoll nachvollziehbar, schlüssig und wirken nicht konstruiert. Es fällt dem Leser sehr leicht, Anns Bann zu erliegen, genau so wie Pauline es tut, auch ohne ihre Neigungen zu teilen.

Erfreut durfte ich auch feststellen, dass es sich bei den weiblichen Charakteren nicht um trendige Sex-and-the-City-Weibchen handelt, die „irgendwas mit Medien“ machen, sondern um vielschichtige, intelligente Wesen, die einen Lehrstuhl besetzten, Theaterinszenierungen mit Gefängnisinsassinnen leiten, sich mit ihrer Doktorarbeit rumärgern und am Anfang ihres Jurastudiums stehen. Diese Vorlage liefert brauchbaren Stoff für gute Dialoge, aus denen man auch einiges lernen kann, und haucht den Figuren zusätzliches Leben ein.

Die Erotik kommt bei all dem nicht zu kurz, im Gegenteil. Die Passagen mit Pauline und Ann knistern nur so vor erotischer Energie. Und auch an expliziten sexuellen Handlungen mangelt es nicht. Dennoch gelingt es der Autorin, diese so passend in die Handlung einzugliedern, bzw. die Handlung um die Szenen herum so spannend zu gestalten, dass man nicht in die Versuchung gerät, sich von der einen Sexpassage zur nächsten zu stehlen, wie es bei anderen so genannten „erotischen Romanen“ leider oft der Fall ist.

Die Irrungen und Wirrungen, die eine offene Beziehung und SM-Komponenten der Sexualität so bereit halten, sind für die Handlung zentral und jeder, der sich mit beiden Modellen mal auseinander gesetzt hat, wird das dem Roman zugrunde liegende Konfliktpotenzial nachempfinden können. Man merkt deutlich, dass die Autorin hier keine reinen Fantasiegebilde schafft, sondern weiß, wovon sie schreibt.

Fazit

Ein fesselnder Roman der durch starke Charakteren mit allzu menschlichen Schwächen und einr nicht zu unterschätzenden erotischen Komponente, glänzt. Eine Handlung, die alternative Lebens- und Liebesformen ins Zentrum rückt, Eifersucht und Obsession als deren Schattenseiten nicht ausklammert.

„Spieler wie wir“ ist intelligent und einfühlsam geschrieben. Nicht nur die Handlungen, auch die Beziehungen zwischen den Menschen sowie deren Innensicht sind schön und glaubhaft umgesetzt. Empfehlenswert für alle, die SM praktizieren, in einer offenen Beziehung leben oder offen für solche Lebensentwürfe sind. Wobei sich die ANAIS-Reihe doch hauptsächlich an Frauen richtet und auch dieser Roman dank vornehmlich weiblicher Identifikationsfiguren eher ein weibliches Publikum ansprechen wird.

Cornelia Jönsson
Spieler wie wir
ANAIS Band2
Preis: 9,90€

Sonntag, 20. September 2009

Rezension: "Feuchtgebiete" - Charlotte Roche

Ein Klassiker aus meinem ersten Blog. Ursprünglich erschienen am 28.04.2008.

Auch ich habe es nun endlich einmal geschafft, "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche zu lesen. Nach allem, was man über dieses Buch gehört hat, habe ich es beinahe als Pflicht wahrgenommen. Ich war äußerst neugierig auf die Schweinereien, die mich erwarten würden, darauf, wie ich selbst auf dieses Werk reagieren würde.

Und? Den Hype um dieses Werk, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Wenn man mal von Helens Hobbys absieht, die die Verbreitung und Aufnahme von Bakterien mit einschließen, fand ich das alles wirklich nicht besonders wild. Einiges kam mir doch erstaunlich bekannt vor. Dinge, über die ich gewiss nicht reden werde, die allerdings in meinen Augen alles andere als furchtbar ekelerregend sind.

Was ich somit wesentlich schockierender finde, als das Buch mit seiner Helen, das sind die Reaktionen, die es ausgelöst hat. Jene zeigen mir doch sehr deutlich, wie verdammt verklemmt unsere hightech- und pornofixierte Welt eigentlich ist. Sie erinnern mich daran, wie man als Kinder, wenn man in einer Gruppe gepupst hat, immer den anderen unterstellte, sie wären es gewesen - selber lässt man natürlich nie seinen Blähungen freien Lauf. Schon garnicht als Mädchen.

Nein, Mädchen furzen nicht, saubere Mädchen produzieren keine Vaginalsekrete - wissen schonmal garnicht, wie diese schmecken (pfui!, bäh!), masturbieren nicht und haben keinerlei eigenen Körpergeruch zu verströhmen. Unsere Körper sind auf Pflegeprodukte genormt. Schon von Kindheit an, ab der Pubertät erst recht!

Wir Frauen sind die haar- und geruchslosen, sterilen und hyperhygienischen, furzfreien Übermenschen, Göttinnen in Pastelltönen, wir sind
himmlisch riechende Frauen, heilige Frauen, die nach Efeu duften

um es in F.J. Wagners Worten zu sagen.

Es hat den Anschein, dass Männer, aber auch Frauen es lieber hätten, weibliche Sexualität würde in gummipuppenhafter Weise, nämlich frei jeglicher Sekretabsonderung (mit Eigengeruch!), ablaufen. In meinen Augen ist das doch eine ziemlich verzerrte Vorstellung von Sexualität. Die Aufregung, die "Feuchtgebiete" allerdings verursacht, legt ein solches Bild allerdings ziemlich nahe.

Häufig habe ich in Bezug auf "Feuchtgebiete", gelesen, es sei vollkommen daneben, ein Buch über "sowas" zu schreiben. Warum denn? In meinen Augen ist Literatur eine Form der Kunst. Somit stehen ihr, genau so wie der Kunst doch auch alle Themenbereiche offen. Es steht Charlotte Roche und jedem anderen Schriftsteller auch frei, über alles zu schreiben, was ihm in den Sinn kommt. Und wenn es Vaginalsekrete sind - nur zu! Es ist das erste Buch, was ich in meinem Leben gelesen habe, in denen solche überhaupt Erwähnung finden. Abgesehen davon, das in dem ein oder anderen Roman eine Frau mal beim Sex als "feucht" beschrieben wird. Uff, das ist aber gewagt! Ja, im Grunde ist es auch das erste Buch, was ich gelesen habe, in dem ein Mensch das macht, was alle Menschen tun: Stuhlgang verrichten. Ich habe noch keinen Roman gelesen, in denen Menschen wirklich Dinge tun, die sie als Menschen ausmachen. Auf Klo gehen, ausgiebig Essen, rülpsen, furzen, evtl. auch masturbieren. Nein, sowas scheint irgendwie kollektiv ausgespart zu werden. Steht das in irgendwelchen literarischen Konventionen drin? In der Filmindustrie ist es ja das selbe. Wer mit sowas nicht umgehen kann, sollte nicht die Schriftstellerin mit ihrem Roman dafür verantwortlich machen, sondern selbst ersteinmal seine eigene Einstellung hinterfragen oder, sollte das zu viel verlangt sein, die Finger davon lassen.

Somit fand ich "Feuchtgebiete" relativ realistisch. Helen macht vollkommen normale Dinge. Dinge, die wohl so normal sind, dass sie nirgendwo Erwähnung finden. Was regen sich die Kritiker also auf? Müssen diese nie kacken?

Ein weiterer Kritikpunkt war die Sprache, die im Buch Verwendung findet. Illustriert werden die Gedanken eines 18-jährigen Mädchens. Jawohl, ihre Gedanken. Ich weiß ja nicht, wie andere Menschen denken. Wenn ich denke, schmeiße ich in meinem Kopf jedenfalls nicht unbeding mit Fachbegriffen um mich. Somit finde ich es alles andere als empörend, dass Helen von ihrer "Muschi" denkt, und von ihrem "Arsch". Es wäre alles andere als realistisch, wenn Helen von ihrer "Vagina" denken würde. Das muss man einfach so sehen und da wird mir jeder zustimmen können.

Desweiteren: Was die Gedanken der guten Helen angehen, so finde ich es auch alles andere als verwunderlich, dass sich diese die größte Zeit ihres überaus langweiligen Krankenhausaufenthalts auf Sex beziehen. Auch das ist ziemlich realistisch. Man müsse sich nur mal selber beobachten, über sich selber reflektieren, wenn man im öffentlichen Verkehrsmittel sitzt, im Wartezimmer der Praxis oder anderorts, wo Spaß und Spannung nicht gerade vorprogrammiert sind, wohin die eigenen Gedanken abschweifen. Wenn man sich nicht gerade das Hirn über schwerwiegende Probleme zermartern muss.

Wer eine weitere, von meinem Standpunkt aus, sehr gelungene Besprechung zu "Feuchtgebiete" lesen möchte (mit vielen Zitaten), sollte hier im Mädchenblog vorbei schauen. Kritischer sieht das Schmitti Roches Werk, vor allem eben in Hinblick auf den Exsessiven Austausch von Körperflüssigkeiten, der dem HIV-Risiko vollkommen bedachtlos gegenüber steht. Eine Gefahr, die trotz Helens mutiger Selbstexperimente wirklich nicht außer Acht gelassen werden sollte.

Alles in allem fand ich das Buch nicht schlecht. Es hat mir doch eigentlich ganz gut gefallen, weil es ein absolut sinnloses Tabu bricht. Ich kann den Vorwurf bezüglich der Provokation nur bedingt verstehen. Wieso es provozierend sein sollte, die Tatsachen auf den Tisch zu legen, entzieht sich meinen Geisteskräften. Dass Helen jedoch ziemlich rumsaut und durchaus auch mehr als denkwürdige Aktionen veranstaltet, ist künstlerische Freiheit.

Samstag, 19. September 2009

Veröffentlichung im Feigenblatt-Magazin

In der aktuellen, 17. Ausgabe des Feigenblatt-Magazins welches sich mit dem überaus interessanten Thema "Macht und Hingabe" befasst, ist auch von mir ein Text zu lesen. Auf S. 35 lässt er sich finden und trägt den Titel "Die Geschichte einer Neigung". Dort thematisiere ich, wie ich zum SM kam, die Hürden, die es zu bezwingen galt und wie man trotz feministischer Grundeinstellung ohne Gewissensbisse devot sein kann.

www.feigenblatt-magazin.de

Freitag, 18. September 2009

Sexy Dance

Sexy. Der Fernseher wird angeschaltet. Viva. Zu sehen ist "She Wolf" von Shakira. Zu sehen ist eine Shakira, im hautfarbenen Body, die im Käfig hockt, lasziv ihre Hüften kreisen lässt. Ihr Becken rotiert, wie sie sich bewegt, all dies steht einem Vorspiel in nichts nach. Und dieser Hintern, dieser Rücken, die Brüste. Wie sie tanzt, ihre weiblichen Attribute so gekonnt in Szene setzt. Sich räkelt, im Käfig. Mit den Gitterstäben rummacht.

Sexy. Der Fernseher wird angeschaltet. Viva. Zu sehen ist "Single Ladies" von Beyoncé. Zu sehen ist eine Beyoncé im schwarzen Body und zwei weitere Frauen. Im Rahmen einer aufwändigen Choreographie lassen auch diese die Hüften kreisen. Recken Brust und Hintern im wechsel vor und zurück, gehen in die Knie, wieder hoch, die Hände zeichnen die Körperkonturen nach.

Ich sehe sie vor mir. Die Zuschauerschaft. Zwölfjährige Mädchen vor dem Fernseher, vor dem Spiegel, die sie imitieren. Ihre Idole, ihre Ikonen. Shakira, Beyoncé, Britney und Christina. Vielleicht auch Kylie und Madonna. Im Prinzip ist es auch egal, denn vollkommen austauschbar. Sie werden lernen, dass das sexy ist. Sie wollen auch sexy sein, also werden sie lernen. Lernen die Hüften zu kreisen, mit den Brüsten und Ärschen zu wippen. Oder es wird ihnen zu doof sein. Sie trauen sich nicht so richtig, oder haben auf diese Spielchen keine Lust. Doch die Gunst des Dancefloors wird in dem Fall nicht die ihre sein. Sie werden herumdrucksen und anderen versuchen weiß zu machen, dass sie nicht gerne tanzen.

Tanzen. Das ist es. Tanzen um des Tanzes willen! Tanzen um mit der Musik zu spielen. Auf den Beats zu treiben. Mit dem Rhythmus eine Symbiose einzugehen. Tanzen, weil man es mag, sich zur Musik zu bewegen. Nicht tanzen, weil man seine sekundären Geschlechtsmerkmale gekonnt in Pose schmeißen will. Oder meint, dies zu müssen. Nicht tanzen, um auf-Teufel-komm-raus sexy zu sein.

Ich musste Tanzen vollkommen neu lernen. Meinen Körper so zu bewegen, wie ich es wollte, nicht wie es zu imitieren einlud. Wie die Musik es mir abverlangte. Die Musik! Für diese tanze ich. Sie macht mich glücklich, wenn mein Körper mit ihr spielen kann, auf ihren Beats treibt. Wenn ich tanze, will ich nicht sexy sein, sondern mich ausleben können. Ob ich dabei dann doch sexy aussehe – es würde mich freuen, wenn meine Authentizität mich sexy macht und nicht die Nachahmungsfreude.

Beyoncé oder Shakira so tanzen zu sehen, wirkt auf mich sexy, weil ihre Inszenierung meinen Trieb anspricht. Ich mag ihre Körper, ihre Gesichter und sie setzten beides gekonnt ins Rampenlicht (ihre Musik lässt mich eher kalt). Aber es ist auch einstudiert. Klar, steckt ja auch eine Choreographie hinter. Doch nicht nur das. Jede Bewegung zielt darauf ab, beim Betrachter eine Wirkung zu erzielen. Sei es Lust, Neid oder Bewunderung. Sie wird nicht um ihrerselbst Willen vollzogen. Und das ist ein ziemlicher Abturner. Und die Wurzel allen Übels. Ich denke nur wieder an die jungen Mädchen, die sein wollen wie die arsch-wackelnden Supervamps.

Wirklich sexy hingegen finde ich Amanda Palmer, die Sängerin der Dresden Dolls. Amanda Palmer, mit ihrer Achsel- und Beinbehaarung, mit ihrer normalsterblichen Figur. Sie ist sexy, weil sie sie selbst ist. Weil sie sich wirklich gehen lässt, auf der Bühne und auch in Videoclips kommt sie so authentisch rüber. Sie ist erfrischend ordinär, und damit einfach scheiße treffend. Sie ist laut, sie ist so herrlich aufgedreht und aufgekratzt und wirkt auch manchmal etwas kirre. Und das alles, macht diese Frau so wahnsinnig attraktiv für mich. Weil sie keine Beyoncé-Choreographien liefert, sondern sich immer zu bewegen und zu geben scheint, wie ihr eben danach ist. Und die Spielchen und bescheuerten Stereotypen der Geschlechter in ihren Songs so schön sarkastisch thematisiert.

Und genau deswegen gibt es hier was fürs Auge und fürs Ohr:
Dresden Dolls - Shores of California

Sonntag, 6. September 2009

Sexspielzeug im Test: Wicked Wand

Artikel in der Form ursprünglich auf dildonews.de erschienen.


Für die Frau, die die „normalen“ Vibratoren schon durch hat, oder auf ein Erlebnis der höheren Vibrationsstufe gespannt ist, verspricht der Wicked Wand ein vollkommen neues Erlebnis.

Er sieht mächtiger und bedrohlicher aus, als er eigentlich ist, vibriert allerdings wirklich aufs heftigste. Die Stimulation mit diesem ist äußerst intensiv. Zumindest hatte ich bei der Stimulation durch dieses monströse Gerät schon mal das Gefühl, bald zu platzen, es nicht mehr aushalten zu können. Also ziemliche Reizüberflutung, was den Genuss jedoch nicht schmälert.

Für Eigenerotik halte ich den Wicked Wand allerdings nur mäßig geeignet, da er recht sperrig und schwer ist. Zwar ist die Masturbation mit diesem Gerät in jedem Fall was neues und spannendes; ich habe schon gehört, dass viele Frauen mit dem Wicked innerhalb von Sekunden zum Orgasmus kommen. Allerdings vibriert der gesamte Arm mit, weswegen es doch am schönsten und effektivsten ist, wenn die Arbeit ein anderer übernimmt. Vom regelmäßigen Gebrauch ist allerdings ab zu raten.

Es besteht nämlich die Gefahr, dass die Empfindlichkeit und Empfindungsfreude der Klitoris und des gesamten Bereiches aufgrund der intensiven Stimulation abnimmt. Auch der Lärmpegel des Wicked Wands ist ziemlich hoch. Wen also die Assoziationen zur Püriermaschine ziemlich ab turnen, der kann das gute Geld lieber anderweitig einsetzen. Ich für meinen Teil nehme den Lärm für die Empfindung gern in Kauf... Hinzu kommt noch, dass das Gerät heiß läuft. Also nicht zu lange gebrauchen, nach Verwendung aus dem Stecker ziehen und nicht lange unter der Bettdecke verwenden, sondern eher an der Luft.

Zumindest als ich den Wicked Wand neu hatte, hatte ich nicht wesentlich mehr Spaß an ihm, als an anderen Vibratoren oder meinem Partner. Mittlerweile jedoch hat sich mein Orgasmus-Verhalten ein wenig verändert und dieser ist mit dem Wicked kein Problem mehr. Das ist allerdings auch eine sehr persönliche Sache, die mehr mit meinem eigenen Körper und meinem Kopf, als mit dem Gerät an sich zu tun hat. Desillusionierend war das damals nicht wirklich, denn schließlich bietet das Spielzeug die Möglichkeit, gerade vom Partner eingesetzt, die Lust wirklich bis ins Unermessliche und an die Grenzen jeglicher Beherrschung zu steigern.

Die Frau, die sich vom Wicked Wand eine Orgasmusmaschine erhofft, muss sich im klaren darüber sein, welcher Orgasmustyp sie ist. Wenn es an sich schon recht schnell und oft geht, wird es mit dem Wicked Wand vielleicht noch schneller und öfter gehen. Wer starke Stimulation bevorzugt, wird mit dem Wicked Wand bestens bedient sein. Wer jedoch bei starker Stimulation leicht überreizt, wird dies auch beim Wicked Wand mit Sicherheit vor dem (ersten) Orgasmus sein. Ein guter Tipp ist in jedem Fall den Wicked über dem Höschen oder an sich eine Schicht Stoff zwischen Gerät und Schritt zu lassen. Die Vibration ist auch so sehr stark, aber einer schnellen Überreizung ist vorgebeugt.

Erstaunlich sind die Preisunterschiede, die auf verschiedenen Internetseiten und in Geschäften zu finden sind. So habe ich ihn in diversen Internetshops für gut 75 € gefunden. Diesen Preis zu zahlen war ich jedoch nicht bereit, also habe ich mich weiter umgeschaut. In einem anderen Online-Shop war der Preis bei 60 € und schließlich habe ich ihn doch für 49,50 € bei www.joy-bayreuth.com gefunden. Zunächst hatte ich auch diesen Preis für recht hoch empfunden, aber da der Spaß am Wicked sich bei mir mit der Zeit einstellte und ich gesehen habe, was das Ding mit anderen Frauen anstellen kann, finde ich ihn gerechtfertigt. Da der Wicked Wand mit Strom aus der Steckdose funktioniert, braucht man sich keine Gedanken über Batterien oder Akkus zu machen. Ich habe mich für die Schwarz-Rot Optik entschieden, weil ich diese brachialer fand, es gibt den Wicked aber auch in sterilem weiß-blau.

Freitag, 4. September 2009

Bilder submissiver Männlichkeit

In der heterosexuellen Welt werden zumeist Frauen in submissiven Posen abgelichtet. Ansehnliche Bilder von Männern in submissiven Posen sind rar. An und für sich gibt es zumindest im semiprofessionellen Bereich nur äußerst wenige Photographien von (heterosexuellen) Männern. So scheint der Wunsch durch Schönheit zu Glänzen, diese im Bild fest zu halten eher bei Frauen ausgeprägt zu sein. Hinzu kommt natürlich die Tatsache, dass es sich beruflich nicht unbedingt positiv auswirkt, wenn man in der Freizeit modelt.

Bei Male Submission Art findet man eine Vielzahl von Bildern unterschiedlicher Qualität und Ästhetik, sowohl heterosexueller als auch homosexueller Erotik und Pornographie zu finden, die Männer in submissiven Posen darstellen. Der Blick auf diese Seite dürfte sich lohnen, ob man einen Hang zu sexueller Dominanz gegenüber Männern hat, oder nicht. Es eröffnen sich einem Bilderwelten, denen man so oft nicht begegnet, sucht man nicht explizit nach ihnen in einer vorzugsweise schwulen SM-Subkultur.

Ich möchte allerdings ausdrücklich darauf hinweisen, dass der nachfolgende Link unter anderem pornographische Darstellungen enthält, beispielsweise erigierter Penisse, somit von Minderjährigen oder Menschen, die Anstoß an derartigen Darstellungen nehmen, den Link nicht anklicken sollen. http://malesubmissionart.com

Donnerstag, 3. September 2009

Erregung - Unterschiede nach Geschlecht?

Persönlicher Inhalt: Dieser Artikel enthält Informationen über mein Intimleben. Wer mit derartigen Informationen nicht umgehen kann, weil er mit mir verwandt, befreundet ist, oder mich sonstwie persönlich kennt und mit meiner Sexualität nichts am Hut haben will, sollte hier nicht weiter lesen.

Wenn es tatsächlich so ist, dass es unglaublich viele Frauen gibt, die auf bestimmte pornographische Darstellungen garnicht anspringen, die für viele Männer sehrwohl lustbringend sind, so muss es doch eine unterschiedliche Auffassung über das, wass als erregend empfunden wird geben. Aber was mag diese sein?

Darüber habe ich schon manches mal mit meinem Partner geredet. Mir ist folgendes aufgefallen: Wenn ich mal außen vor lasse, dass auch ich manchmal einfach nur Druck ablassen will, so fange ich bei der Masturbation immer an, mir ein Szenario auszumalen. Oft auch während ich Pornos schaue, die ohne Handlung auskommen müssen. Ich fange dann an die Handlung in meinem Kopf auszudenken. Vielleicht ist dies auch darin begründet, dass ich auf SM stehe. Geschichten, die von Zwang und Unterwerfung erzählen sind für meinen Orgasmus unerlässlich. 

Ich brauche definitiv Handlung. Eine Story. Damit meine ich nicht, dass ein Porno oder ein Kopfkino für mich einen Verlauf, oder Dialoge benötigt, sondern einfach einen bestimmten Rahmen mit gewissen Personen, die Rollen einnehmen. Darin unterscheide ich mich von meinem Partner, dem das Ersinnen derartiger Geschichten in Verbindung mit Bildern eher fremd ist. Ihm genügt die Darstellung bestimmter Praktiken. Auf dem Bildschirm oder im Kopf. 

Ähnliches viel mir auf im Bezug auf Körper und Gesichter. Für mich ist das Gesicht das wichtigste an einer Person. Wenn mir das Gesicht nicht so zusagt, macht die Person kein anderer Körperteil für mich attraktiv, außer vielleicht ihr Charakter. Gefällt mir ihr Gesicht, so ist für mich der Rest relativ egal. Bei meinem Partner entscheidet eher die Figur über Attraktivität. Was für mich recht unverständlich ist, aber jeder wie er mag. Deswegen turnen mich Pornos, in denen mir die Gesichter der Darsteller nicht gefallen auch nicht an, während mein Partner sich in dem Fall mehr auf die knackigen Hintern der Darstellerinnen konzentriert.

Nun frage ich mich, ob diese großen Unterschiede für unsere geschlechtliche Zugehörigkeit typisch sind. Nicht, ob es diese maßgeblich mit gestaltet. Mich würde interessieren, wie dies bei Euch ist. Begleiten Handlungen und Szenarien euer Masturbationsverhalten? Und entscheidet das Gesicht maßgeblich über Attraktivität oder eher das Aussehen des Körpers?

Mittwoch, 2. September 2009

Rezension: "111 Gründe SM zu lieben" - Cornelia Jönsson

In diesem Buch offenbart Cornelia Jönsson dem Leser auf 231 Seiten - wie der Titel schon sagt- 111 Gründe SM zu lieben. Auf das, was kommen mochte, war ich jedoch nicht gefasst. Ich hatte mich auf eine mehr oder minder sachliche Herangehensweise an das Thema eingestellt, auf einen sanften Einstieg. Doch schon das Vorwort gibt volle Breitseite, findet hier direkt das alles andere als salonfähige Beziehungskonzept der Polyamorie Erwähnung. Der persönliche Bezug des Buches offenbart sich schon zu Beginn. Und darauf folgend auf jeder Seite.

Jeder der 111 Gründe wird begleitet von Anekdoten, persönlichen Gedankengängen und Meinungen. Sie sind witzig, sie regen auch zum Nachdenken an. Sie schockieren oder haben auch einen gewissen Wiedererkennungswert. Und sie sind oft nicht das, was man zu lesen erwartet. Beispielsweise: Grund Nr. 16 - "Weil wir mit Genuss Enid Blyton lesen können" oder Grund Nr. 40 - "Weil wir 'GERMANY'S NEXT TOPMODEL" mit Gewinn sehen können. Beides fand ich ungewöhnlich, in beidem (und vielem mehr) fand ich mich wieder.

Ich denke allerdings, dass an diesem Buch hauptsächlich Menschen Freude finden werden, die SM praktizieren, sich in der SM-Szene herum treiben, oder solche, die dies noch vor haben. Als Aufklärungsbuch für Freunde oder Verwandte, vor denen man sich frisch geoutet hat, halte ich es wegen seiner direkten Art auf für Außenstehende möglicherweise unverständliche Rituale, Verhaltensformen und Arten der Zusammenkunft einzugehen, nicht geeignet.

Dies fiel mir daran auf, dass ich es ja selbst in der Erwartung zu lesen begann, etwas über SM zu "lernen". Mich quasi mit den Augen eines Aussenstehenden dem Buch näherte. Nun laß ich also nicht nur was über Schlagen und geschlagen werden, über Schmerz und Unterwerfung, sondern über Polyamorie, darüber, wie es ist nackt, nur mit einer Schürtze bekleidet Gäste beim Dinner zu bedienen und wurde als Mensch, der kein SM praktiziert als Vanilla bezeichnet. Und das auch garnichtmal so ohne Mitleid. 

Dann habe ich ein paar Tage später weiter gelesen. Als ich. Als Frau, die auf SM steht, sich in der Szene herumtreibt. Und ich hatte riesigen Spaß an den Anekdoten in denen ich mich auf die eine oder andere Weise wiederfand, an den Denkansätzen, die auch mir manches Mal durch den Kopf gingen, an den unzähligen Beispielen für Situationen, in denen man mit SM-Neigungen wirklich anders handelt, als Menschen ohne.

Ich würde sagen, dieses Buch ist aus der Szene für die Szene geschrieben. Es kommt authentisch rüber, auch wenn mir mein Leben wesentlich weniger subkulturell geprägt zu sein scheint, als das der Autorin. Der Schreibstil ist gut, witzig und baut Nähe auf. Als Informationsquelle für Neu-Eingeweihte halte ich es wie oben beschrieben für ungeeignet, doch Neulinge können an diesem Werk auch Freude haben. 

Wer nicht viel Zeit hat, längere Texte zu lesen, kommt mit "111 Gründe SM zu lieben" auf seine Kosten. Jeder Grund ist in sich abgeschlossen und glänzt dank der tollen Sprache und Umsätzung mittels der Beispiele und Anekdoten mit Einmaligkeit und Nachhaltigkeit. Einiges wird sich so schnell nicht aus meinem Gedächnis bannen lassen, und das ist auch gut so.

SM gegenüber aufgeschlossene Leute und solche, die SM praktizieren kann ich zum Kauf dieses Buches nur raten. Wer ausschließlich komplexe Werke lesen mag wird an diesem Buch mit Sicherheit keine Freude haben. Eine Aufgeschlossenheit gegenüber Unterhaltungsliteratur muss natürlich gegeben sein. Ich für meinen Teil habe den Kauf nicht bereut und gerade meine Raucherpausen versüßt dieses Werk ungemein.


Cornelia Jönsson
111 Gründe SM zu lieben
Schwarzkopf&Schwarzkopf
Preis: 9,90€

Dienstag, 1. September 2009

Pornographie, Exhibitionismus und Voyeurismus 2.0

Ich möchte noch einmal auf das Thema Pornographie in einer gewissen Ausführlichkeit eingehen, denn meine Einstellung hat sich seit dem ich den Blog vor etwa einem Jahr eingerichtet habe, geändert. 

Fest steht, dass es auf "Les petits Plaisirs" nie explizite Darstellung in Bild und Text geben wird. Ich möchte diesen Blog einem breiten Publikum zugänglich machen, seien es Jugendliche oder auch Menschen, die sich, aus welchem Grund auch immer, an expliziter Darstellung stören. All das möchte ich berücksichtigen. Dennoch möchte ich mich mit Pornographie auseinander setzen, denn sie gehört für mich zumindest zur Sexualität dazu.

Leider finden sich auf dem Gebiet hauptsächlich Tretminen. Und gerade aus dem Grund, weil nicht alles, was Porno ist, toll und sehenswert ist, finde ich die Auseinandersetzung mit diesem Thema so wichtig und erstrebenswert. 

Ich möchte unterscheiden zwischen pornographischer Darstellung, die wirklich etwas transportiert und solcher, die lediglich kommerzielle Interessen verfolg, wobei die Grenzen natürlich fließend sind, schließlich müssen wir ja alle unseren Lebensunterhalt bestreiten und ein gewisses finanzielles Interesse ist nur billig. Doch habe ich die Erfahrung gemacht, dass man gerade im Internet sehr viel zu sehen bekommt, was keine nachhaltigen Gefühle oder Erinnerungen verursacht. Oder eben aufgrund der Mängel noch lange im Gedächnis bleibt. Fast-Food Produkte die zum schnellen Verzehr gedacht sind. Vielleicht mehr oder minder ernähren aber keinen Genuss verursachen. Das befriedigt vielleicht den körperlichen Hunger aber nicht den geistigen Appetit. Und da liegt für mich der wesentliche Unterschied.

Pornographie unterliegt noch immer einem gewissen Tabu. Sie wird zwar von vielen Teilen der Bevölkerung konsumiert, gleichzeitig jedoch, nicht zuletzt auch von Konsumenten verurteilt. Wirklich schwierig wird es, wenn es darum geht, selbst Pornographie zu produzieren - ein Wunsch, der vielen Menschen nicht fremd ist. Sei es zum privaten Vergnügen, oder auch der Reiz, sich einem breiterem Publikum zu zeigen. 

Vor allem als Frau kann man es sich selten leisten, diesem Wunsch nach zu gehen, ohne den Weg in die Sexarbeit einschlagen zu wollen. Der gesellschaftliche und vor allem auch berufliche Druck ist zu hoch. Der Schaden, den die Veröffentlichung pornographischen Materials im Lebenslauf einer Frau anrichten kann ist nicht zu vergleichen mit dem, was einem Mann in der selben Situation wiederfährt. (Einzelfälle bestätigen auch hier wieder die Regel.) Mal abgesehen davon, dass Paris Hilton beispielsweise ohnehin jenseits von Gut und Böse ist und Schlagzeilen in ihrem Fall immer gute Publicity sind, so hat sich bei Bekanntwerdung ihres Sexfilms niemand Gedanken über den Typen gemacht. Die Tatsache, dass Arnold Schwarzenegger auch mal im Porno darstellte, hat seinen Erfolg in keinster Weise geschmälert, Gouverneur von Californien wurde er trotz dieser "Schattenseite" im Lebenslauf. Bei einer Frau: undenkbar.

Für viele Menschen ist Sexualität etwas sehr privates und intimes. Das ist sehr legitim und zu respektiren. Es gibt allerdings auch viele Menschen, die äußerst gerne am Sexualleben anderer teilhaben und/oder gerne teilhaben lassen. Verbal oder auch visuell. Wäre dem nicht so, so würden Erotik-Plattformen wie Joyclub nicht so boomen. Und YouPorn und ähnliche Kanäle wären - nicht zuletzt auch wegen so genannter "Amateur"-Aufnahmen - kein solcher Erfolg. Exhibitionisten sind nicht bloß die kranken Gestalten, die nackt unter ihrem Mantel ahnungslosen Passanten auflauern. Voyeuristen sind nicht bloß die kranken Gestalten, die nachts mit einem Fernglas am Fenster sitzen und die junge Frau im Wohnblock gegenüber beim Umziehen beobachten. Wir alle sind solche und solche und sitzen am Rechner, sind bei Facebook und Myspace registriert, bloggen, twittern, stöbern durch Profile anderer und lassen diese anderen in unsere hinein, weil wir zeigen und sehen wollen. 

Und einigen von uns bereitet es eben Vergnügen, unser Sexleben nach außen zu tragen, uns zu fotografieren und zu filmen, über unsere erotischen Erlebnisse zu berichten, wie auch viele all dem gerne folgen. Und Mischformen sind nicht selten. Ich wünsche mir, dass dies mehr Akzeptanz erfährt und erotische Fotos im Netz kein Grund für eine Kündigung sind. Denn sie schmälern nicht die Kompetenz des Mitarbeiters. Sie sind ein Teil seines Privatlebens, welches alle Dimensionen annehmen kann, die sich im rechtlichen Rahmen abspielen. 

(Bild von Roman Kasperski.)