Montag, 10. Oktober 2011

Alltägliche Nützlichkeiten

Wozu brauche ich einen Knebel, wenn ich Slips und Socken immer zur Hand habe? In einigen Haushalten findet sich auch Klebeband oder Gaffa-Tape, was für ähnliche Effekte eben auch Verwendung finden kann. Und sehr günstig ist. Wofür also der teure Knebel? Ich gebe zu, dass die Teile hübsch sein können, aber so ein Höschen, welches aus dem Mund quillt, ist auch reizvoll und zielgerichtet. Klebeband eignet sich auch perfekt dafür, dieses mit Worten, Sprüchen oder Bildchen zu verzieren und jedem Einsatz ein Motto oder einfach eine persönliche Note zu verleihen. 

Wozu brauche ich Rohrstock, Gerte, Paddle, Flogger, Rute, Peitsche wenn es doch Hände, Holzkochlöffel und Haarbürsten gibt? Bestimmt auch noch viele andere Utensilien jedes gut sortierten Haushaltes, die mir gerade als Schlaginstrumente nicht einfallen wollen.

Wozu brauche ich eine Leine oder ein Seil, wenn es doch auch Gürtel gibt. Unglaublich praktisch und vielseitig einsatzfähig so ein Gürtel. Aus leder und um den Hals gebunden geeignet das Atmen zu kontrollieren, durch den Raum zu führen und in Position zu bringen. Um den Bauch geschlungen können Körper ebenfalls in Position gebracht werden. Und mit der Schnalle in der eigenen Hand eignet er sich mindestens dafür Respekt zu verschaffen. 

Seidenstrümpfe oder Strumpfhosen mit oder ohne Laufmaschen eignen sich gut, um Arme zu fixieren oder Augen zu verbinden. Kerzen spenden Wachs. Kabelbinder verwendet sogar die Polizei. 

Es gibt so viele Möglichkeiten, Haushaltsgegenstände, Accessoires lustbringend einzusetzen, um ein Spiel zu gestalten. SM hängt nicht von finanziellen Möglichkeiten und der Bestückung an kommerziell erworbenen Spielgeräten und Folterinstrumenten ab. Es muss kein Grundstock an Zubehör erworben werden, um mit dem Spiel zu beginnen, wo doch sowieso das Meiste im Kopf spielt, Kreativität und Intuition den Zauber ausmachen.

Wer SM von den zum Einsatz kommenden Mitteln abhängig macht, von der Kulisse in der er stattfindet, beschränkt sich selbst. Wer meint, nicht genug Spielzeug und Zubehör für ein Spiel zu besitzen, der tut dies ebenfalls. 

Es geht auch ohne. Es geht mit ganz alltäglichen Gegenständen, die so zweckentfremdet doch auch einen besonderen Zauber entwickeln. Die wirklich jedem die Möglichkeit bieten, kreativ zu spielen, ohne Unsummen für "richtiges" Spielzeug ausgeben zu müssen. Nach Bedarf, hier und da etwas zu investieren, kann ja schön sein. Wenn es nicht als Notwendigkeit angesehen wird.

Erlaubt ist doch, was Spaß macht.

Mittwoch, 28. September 2011

Rezension: "Spieler für immer" - Cornelia Jönsson

Seitdem es von Harry Potter keine neuen  Abenteuer zu erwarten gibt, gibt es auch nur noch wenige Neuerscheinungen, auf die ich mich sehnsüchtig freue. Zu diesen Raritäten gehört allerdings Cornelia Jönssons neuster Roman "Spieler für immer", der auch den Abschluss der "Spieler"-Triologie darstellt. Im Folgenden möchte ich gerne meine Eindrucke zu diesem Roman und zur gesamten Reihe wiedergeben.

Spieler für immer

Inhalt: 

"In einer Berliner Dachgeschoss-WG wohnen in trauter Viersamkeit Pauline, Franzi, Mo und Marius. Pauline lässt sich treiben, Franzu etabliert Orte der Lust im urbanen Raum. Mo und Marius kümmern sich um Gestrauchelte. 
Keine sadomasochistische Spielwiese ist vor den vieren sicher und Polyamorie ist wunderbar, solange alle mitspielen. Doch eine fünfte bringt das amouröse Netz zum Zerreißen und eine sechste will auch Liebe, wo bisher nur Leidenschaft war. So werden Spielräume erweitert, bis am Ende alles ganz anders ist."

Der Einstieg ins Buch war etwas schwierig. Wie immer, wenn zwischen dem Lesen des Vorgängerromans und dem aktuellen eine gewisse Zeit liegt. Da denkt man glatt drüber nach, den Vorgänger ersteinmal anzulesen, um wieder in Stimmung zu kommen. Verschwert wurde der Einstieg für mich allerdings auch, weil Cornelia Jönsson im dritten Teil was die erzählerischen Stilmittel angeht noch eine Spur experimenteller wird. Sich auf die Perspektive des Geschehens beobachtender Rotkehlchen einzulassen kenne ich noch von Theaterstücken. War allerdings im Bezug auf das Lesen etwas irritierend.


Dennoch tun die Rotkehlchen und Katzen der Handlung keinen Abbruch. Sie tauchen zu Beginn neuer Kapitel und Abschnitte auf, darauf konnte ich mich einlassen. Die Handlung hat mich mal wieder vollkommen mitgerissen. Die Höhen und Tiefen der Charaktere mit zu erleben. Die Handlung an sich, ist wie schon in den Vorgängern streng genommen nicht sonderlich üppig. Geschildert werden die Träume und Ängste, die Leben von Berlinern, die SM leben und lieben, ihre Beziehungen wahlweise offen gestalten, wahlweise deren Sinn in absoluter Selbstaufgabe und Hörigkeit erfüllt sehen. Die mit Geschlechtergrenzen koquettieren oder sie gleich sprengen wollen. Oder für die sie keine größere Bedeutung haben.

Eine große Stärke des Buches, wie auch der gesamten "Spieler"-Triologie sehe ich in der Darlegung der Gedanken- und Gefühlswelten der ProtagonistInnen. Es wird möglich, sich in jeden Charakter hinein zu versetzen. Sie sind dreidimensional. Sie sind unglaublich menschlich. Keine blassen Heroinen, die viel können, die kennen zu lernen beim Lesen aber garnicht  möglich ist, weil der Autor deren Innenleben nur oberflächlich Preis gibt.

Vor allem in Bezug auf die Gedankenwelten leistet Cornelia Jönsson Großes. So schafft sie es jedes mal aufs neue, philosophische Herangehensweisen, Sichtweisen auf SM, auf Polyamorie, auf Geschlechtergrenzen in das Erleben und Erfahren der ProtagonistInnen einzupflechten. Was daraus entsteht ist etwas, was für mich zumindest über den einfachen aber sehr entspannenden Genuss eines Romans hinaus geht. Ich werde zum Nachdenken angeregt. Ich erkenne eigene Sichtweisen in den Gedanken der Handelnden wieder. Ich lerne Perspektiven kennen, die ich vorher noch nicht eingenommen habe, die mir allerdings nachvollziehbar erscheinen. Kurzum: Ich nehme etwas mit. Und für einen "Erotik-Roman" ist das ja schon eine Menge.

Von meinem Standpunkt aus spielt die Autorin auch mit den Wünschen und Sehnsüchten der LeserInnen. Die Räume, die Partys, die Menschen sind zumindest das, was ich mir so oft von einer intakten, poly, kinky und queeren Szene erhofft habe. Sie schafft Schutzräume und Traumlandschaften, die zum Verweilen und zum Schwelgen einladen und in ihrer Offenheit und Wärme schon auch über das hinaus gehen, was die SM-Szene im Allgemeinen zu bieten hat. 

Etwas kitschig und konstruiert allerdings fand ich das Ende des Buches, wenngleich es meinem Harmonie-Bedürfnis doch sehr entgegen kam. Doch möchte ich dazu nicht zu viel verraten. 

Fazit

Alles in allem kann ich "Spieler für immer" nur wärmstens empfehlen. Irritierend fand ich diese Tier-Perspektiven, die letzten Endes doch etwas von Theater haben, aber das tut dem weiteren Lesefluss und -genuss sowie der Handlung keinen Abbruch. Das Buch reflektiert sehr stark Vorzüge aber auch Nachteile von Sadomasochismus und Polyamorie. Es lässt Geschlechtergrenzen nicht so stehen, unkommentiert, sondern spielt mit ihnen. Beziehungsgepflechte in diesem Buch sind geschlechterumfassend. Der Fokus steht nicht auf einem konkreten Handlungsstrang sondern auf den ProtagonistInnen, ihrer Gedanken- und Gefühlswelt sowie ihrer Beziehungsgepflechte.

Ein sehr intelligentes Buch, welches zum Nachdenken anregt, die Phantasie anregt, Lust in den Mittelpunkt des Lebens rückt, ohne dass andere Aspekte des Lebens verblassen.

Cornelia Jönsson
Spieler für immer
ANAIS Band 20
ISBN: 3896025686
9,95 € (D)

Montag, 26. September 2011

Die Macht der Worte

Über Worte entfacht sich der Großteil unserer zwischenmenschlichen Interaktionen. Wir reden viel, wenn der Tag lang ist. Über alles mögliche. Oft sind Worte leere Hülsen, Floskeln. "Hallo, wie gehts?" zum Beispiel. Oft verschleiern sie Tatsachen, sie werden verwendet, um zu verletzen, oder um Verletzungen vorzubeugen.

Es gibt aber auch einen Umgang mit Worten, der so alltäglich nicht ist. Und für viele Menschen auch eine Hemmschwelle darstellt. In vielerlei Hinsicht.

Das Sprechen im Bett. Das Bitten um sexuelle Handlungen, die an einem Vollzogen werden sollen. Gerade das Spielen mit den Worten in diesem Zusammenhang kann jedoch einen besonderen Reiz haben und das Spektrum der sexuellen Spielweisen erweitern. Im Allgemeinen wird das wohl unter dem doofen Namen "Dirty Talk" zusammen gefasst. Ich für meinen Teil finde diese Bezeichnung zumindest eher abschreckend, als anziehend. Liegt aber vorallem an der deutschen Aussprache ("döaty tok"), glaube ich.

Mir ist aufgefallen, dass beim Sex Worte oft keinen Platz haben, dass eben eher körperlich getan wird, Hände in Positionen gerückt werden und eine Art "Stöhn-Skala" aufzeigt, ob das was da so passiert, auch das richtige ist. Wenn man diese Skala gut zu deuten weiß.

Dabei kann das Spielen mit Worten auch eine eigene Dynamik entwickeln, die ich vor allem auch im SM-Bereich zu schätzen weiß. In der Hinsicht, dass man als passiver Part zum Beispiel darum bitten "muss", dass etwas an ihm getan wird. Dass man als aktiver Part den passiven dazu auffordert, klar und deutlich zu vormulieren, was der denn möchte. Das ist in vielerlei Hinsicht schwierig und gleichzeitig so unglaublich reizvoll.

Einerseits leben wir in einer Gesellschaft, die eher darauf ausrichtet im persönlichen Miteinander, es anderen Recht zu machen. Anderen gut zu tun. Gerade als submissiver Part wird das auch etwas sein, was uns in der Hinsicht wohl auch auszeichnet. Um etwas zu bitten, was uns selbst gut tut ist schwierig, weil wir den Fokus nicht auf die eigenen Bedürfnisse setzen und oft auch in Frage stellen, ob wir das, was wir wollen, eigentlich verdienen oder das Recht haben, darauf Aufmerksam zu machen.

Schwierig ist es zudem auch gerade im sexuellen Bereich, weil der Umgang mit Worten hier nichts alltägliches ist. Vieles läuft "normal" nonverbal ab. Es kostet Überwindung und ist mit Scham verbunden über die triebhaften Dinge, das, was uns geil macht zu reden. Oder darüber, wie wir jetzt, in diesem Moment, sexuelle Erfüllung erlangen können. Worte zu verwenden, die im gesellschaftlichen Kontext etwas schmutziges, versautes, verruchtes an sich haben.

Die Barriere, die mit dem Gebrauch dieses Sprachwortschatzes verbunden ist, überwindet man oft nicht von sich heraus. Und viele Worte, die in bestimmten Situationen hätten gesprochen werden können, verhallen im Nichts. Zwang allerdings, sorgt dafür, dass wir es ja machen müssen und kann damit die Hürde aus Scham oder Angst senken und dazu führen, dass wir aussprechen, was wir brauchen, was wir wollen.

Ich denke, gerade die damit verbundene Scham macht dieses Spiel für die Beteiligten auch so reizvoll. Zu sehen, wie der Partner mit sich ringt, die Worte aussprechen möchte. Sich nicht traut. Rot anläuft. Im Gesicht, am Hals, an den Ohren. Anfängt zu stammeln. Einen ersten Versuch wagt. Inne hält. Sich sammelt. Die Worte leise ausspricht... Es setzt ein Adrenalinstoß ein, gefolgt von einer ersten Erleichterung. Zunichte gemacht mit der Mahnung, doch bitte etwas lauter zu sprechen, die Bitte sei gar nicht angekommen. Ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Katze immer gewinnt. Die Maus letzten Endes aber auch. Sie hat sich ihrer Scham, ihrer Angst gestellt und hat es geschafft die Barriere zu überwinden.

Dieses Spiel lässt sich beliebig oft durchleben, es setzt viele Freiheiten frei in der Person, die sich der Überwindung stellt. Und auch wenn es im Umgang mit Freunden kein Problem ist, über Sex zu sprechen, kann es in der Situation, in der man aufgefordert wird eine explizit sexualisierte Bitte auszusprechen immer noch schwer sein, dem nach zu kommen und gleichzeitig wunderschön, wenn man der damit zusammen hängenden Spannung ausgesetzt ist. Die Erfahrung zu machen, "schmutzige" Bitten auszusprechen und dafür anerkannt zu werden, dass man sich überwinden konnte.

Les petits Plaisirs in der "myself"

Sehr erstaunt war ich, als mich eine Freundin aus Südfrankreich vor 3 Wochen anrief und mir mitteilte, dass Les petits Plaisirs in der Frauenzeitschrift myself als einer der "heißesten Blogs" geführt wurde.

Demnach blogge ich "Smartes zu Erotik und Alltag" (myself, S.154, September 2011).

Das freut mich.

Nachzulesen jetzt auch auf der Website der Zeitschrift unter diesem Link.

Sonntag, 29. Mai 2011

"Nur" Knutschen!

Gestern hatte ich ein interessantes Gespräch mit ein paar Freunden bei Bier nach dem Fußballschauen. (Was tut man nicht alles, um unter Menschen zu kommen?) Und zwar hatten sie sich darüber unterhalten, inwiefern Knutschen, auf einer Party, beim Weggehen, nicht impliziert, dass man mit einer Person auch Sex haben möchte. Diejenigen, die sich darüber unterhalten hatten, führten an, dass sie oft gehemmt seien, mit einer Person auf einer Party „rumzumachen“, wenn sie nicht wirklich auch absehen könnten, dass da zumindest an dem Abend auch mehr draus wird. Dem voran gehe eine unausgesprochene Erwartungshaltung, welcher sie sich ausgesetzt sehen.

Ich habe einen Augenblick lang darüber nachgedacht und mir wurde klar, dass ich es so ähnlich sehe. Auch ich habe das Gefühl, einer Person mit dem Knutschen ein Ticket für weitere sexuelle Aktivitäten zu stempeln. Gleichzeitig fällt mir auf, dass das eine überhaupt nicht erstrebenswerte Haltung ist. Wenn ich knutsche, knutsche ich. Allerdings ist das Knutschen oft auch die erste Stufe eines anregenden Eskalationsprozesses. Zunächst küsst man sich sanft, lernt die Lippen der anderen Person kennen, den Rhythmus, die Zunge, den Mund, die Intensität, man stellt sich aufeinander ein, findet einen gemeinsamen Rhythmus und ehe man sich versieht wandern auch schon die Hände über den Körper des/der anderen. Wenn es toll läuft, so kann man weiter machen. Wenn nicht, dann bricht man ab. Geht auf Toilette. Oder findet passende Worte.

Es kann aber auch sein, dass man einfach nicht weiter machen möchte. Aus welchen Gründen auch immer. So ist es doch schwierig, die passenden Worte zu finden, finde ich. Und vielleicht ist es auch nur eigene Feigheit, dass man sich der Situation gar nicht erst stellt und damit einem Knutschen und damit verbundener möglicher Diskussion, einem Abbruch und/oder Enttäuschung aus dem Weg geht.

Andere Freunde am gestrigen Abend sahen den Konflikt überhaupt nicht. Sie führten an, dass für manche Menschen Knutschen einfach auch etwas ganz anderes ist, als Sex. Also das eine gar nicht in das andere übergehen kann, für einige. Weil sie beispielsweise in einer Beziehung sind, in der Knutschen mit anderen ok ist. Alles was darüber hinaus geht jedoch nicht. Diese Menschen wären dann ja immer diesem Konflikt ausgesetzt. Vielleicht sind sie es auch. Ich weiß es nicht.

Aber mir fiel in diesem Zusammenhang auch noch etwas anders auf: „Erfolgreiche“ Abende werden meistens auch darin gemessen, ob man Sex mit einer Person hatte. Zumindest soweit „abgeschleppt“ hat, dass sich Sex daraus hätte entwickeln können. Manchmal werden solche Überlegungen ja auch von übermäßigem Alkoholkonsum torpediert. Seltener rühmt man sich damit, dass man wundervoll herum geknutscht hat.

Und wie schon gesagt: Häufig hält man sich schon mit dem Knutschen zurück, weil man damit kein implizites Versprechen geben möchte. Ich finde das traurig und denke, dass diese Einstellung zumindest bei mir auch ein kleines Umdenken einfordert. Ein Stichwort in diesem Zusammenhang ist nämlich folgendes: Erwartungshaltung.

Erwartungshaltung ist eine Einstellung, die häufig gar nicht bewusst in Erscheinung tritt. Sie ist verknüpft mit unseren Wünschen. Dem was wir Wollen, oder was unserem Bedürfnis entspricht. Wir möchten, dass eine andere Person sich dem entsprechend verhält. Eine Erwartungshaltung misst eine Person, bzw. deren Handeln also daran, inwiefern dieses auch unseren Bedürfnissen entspricht. Damit jedoch blenden wir aus, dass diese Person wiederum ihre eigenen Bedürfnisse hat, die ja gar nicht mit unseren korrespondieren müssen. Enttäuschung kann dann daraus resultieren, dass unsere Erwartungshaltungen nicht befriedigt werden. Dabei geht es uns aber auch nicht um die andere Person als solche, sondern als Bedürfniserfüllerin.

Wenn nun also jemand enttäuscht ist, weil wir es „nur“ beim Knutschen belassen wollen, so liegt dies daran, dass wir ihren Erwartungen nicht entsprechen, bzw. diese nicht erfüllen (wollen). Das Problem haben allerdings nicht wir, sondern die Person, die diese Ansprüche an uns stellt. Wer also aus Knutschen gleich auf Sex schließt, als logische Konsequenz quasi, der berücksichtigt nicht, dass Knutschen eben auch als eigenständige Handlung begriffen werden kann. Sowie auch alle „darauf folgende Stufen“, wenn man sie als solche bezeichnen mag, wobei auch dem wiederum eine Art der Wertung unterliegt, für sich alleine stehen können.

Es wird möglicherweise schwierig sein, wenn nicht sogar unmöglich, jemand anderes davon zu überzeugen, dass auch „nur“ Knutschen eine geile Angelegenheit sein kann, die nicht automatisch in genitale Aktivitäten mündet. Es ist allerdings möglich selber darüber zu reflektieren, ob man nicht selbst Knutschen lediglich als „Vor-Vorspiel“ betrachtet, welches wiederum ein Vorspiel nach sich zieht und den Hauptakt im Geschlechtsverkehr verkörpert sieht.

Sonntag, 23. Januar 2011

Erotischer Salon Essen - 05. Februar 2011

Am 05. Februar dieses Jahres findet in Essen der Erotische Salon von Silke Maschinger und Enno E. Peter, statt. Heimstätte des Erotische Salon ist eigentlich Berlin und das Gastspiel in der Ruhrmetropole eine Premiere. Ich freue mich sehr darüber, dass durch diese Veranstaltung das Spektrum erotischer Events in NRW, erweitert wird.

Die Gäste auf der Bühne sind Heiko Bender, der Chefredakteur des PO-Magazins, Vertretern des SM-Kulturvereins SMart Rhein-Ruhr e.V und Daniela Köhler, der Geschäftsführerin der Sinneslounge in Oberhausen. Den Abschluss des Abends bildet dann eine Dessous-Modenshow des essener Erotikshops für Frauen, Femme Fatale.

Die Talk-Runde verspricht somit ein breites Spektrum der Erotik, von Porno über SM bis hin zu Tantra, abzudecken. Als ZuschauerIn kann man sich je nach eigenem Interesse, Temperament und Stimmung im Hintergrund halten, oder sich (mit Fragen) am Gespräch beteiligen.

Datum: Samstag, 5.2.2011
Beginn: 20 Uhr
Ort: Theater Courage, Goethestr. 67, 45130 Essen

Abendkasse: 15€

Weitere Informationen: Erotischer Salon Essen

(Copyright des Bildes: http://www.erotischer-salon.de/)

Dienstag, 18. Januar 2011

Les Petits Plaisirs im PO-Magazin und im Feigenblatt

Ich möchte heute gerne zwei Ankündigungen in eigener Sache tätigen:

Zum einen gibt es in der aktuellen Ausgabe des Feigenblatt-Magazins einen Artikel von mir zum Thema Kleidung in der SM- und Fetisch-Szene. Sehr lesenswert! Zu finden ist dieser ab Seite 48.

In der aktuellen Ausgabe des PO-Magazins werden kurz und prägnant Erotik-Blogs von Frauen (für Frauen) vorgestellt. Auch meiner ist dabei! Zu lesen gibt es das auf Seite 88.

Sonntag, 16. Januar 2011

Annäherung - Sex ist Kommunikation

Es gibt viele unterschiedliche Arten, einer ersten sexuellen Begegnung gegenüber zu treten. Oft ist zwischen den zwei Personen unausgesprochen, was geschehen wird. Ob etwas geschehen wird. Wie es überhaupt um die Anziehung steht. Ist man selbst allerdings interessiert, wird man vor einer Verabredung bestimmt schon im Vorfeld einiges an Vorarbeit leisten. Ausgiebige Körperpflege, sich überlegen, was man anzieht. Gedanken an die Wirkung dieser oder jener Kleidung verschwenden. Sich einen Kopf machen.

In gewisser Weise sind dies Momente, die ich gerne genieße. Es ist irgendwie spannend. Und man ist aufgeregt. Die Gedanken kreisen unaufhörlich um das, was geschehen könnte, sollte, wie man dort hin gelangt, ob die andere Person denn auch will, oder doch nicht. Man hat Angst, Hoffnungen, Vorfreude, Aufregung, Lampenfieber, Erwartungen. Man kann das genießen, es kann einen aber auch wahnsinnig machen! Interessanter Weise kommt dieser Nebeneffekt erster "Begegnungen" automatisch. Egal, wie gut man sich darauf vorbereitet hat, also in wieweit die Fronten geklärt sind. 

Ich überlasse solche Dinge ungerne dem Zufall. Zumindest nicht, wenn ich keine  Beziehung anstrebe. Da ich in dieser Hinsicht bestens versorgt bin, geht es mir somit bei derlei Begegnungen um unverbindlichen sexuellen Austausch mit Personen, die mir sympathisch sind, ich interessant und sexuell anziehend finde. Aus diesem Grund, weil Sex in diesem Fall für mich einfach eine erweiterte Form der Kommunikation ist, bzw. Kommunikation auf einer hauptsächlich körperlich-sinnlichen Ebene, vermittel ich lieber möglichst zeitlich, dass ich sexuell interessiert bin. 

Das ist unromantisch. Ja! Das soll es auch! Romantik fände ich in dieser Hinsicht unangebracht. Ich möchte gerne Sex haben, mit einer Person, die mich auf dieser und auch auf anderen Ebenen anspricht. In diesem Zusammenhang muss ich auch immer an eine Szene aus dem Film "A beautiful Mind" denken. Da sagt der Protagonist zu einer hübschen Frau in einer Bar: 
"Ich weiß nicht, was genau von mir zu sagen erwartet wird, damit du Verkehr mit mir hast, aber könnten wir davon ausgehen, dass ich das alles gesagt habe? Ich mein im Wesentlichen sprechen wir von Flüssigkeitsaustausch. Könnten wir nicht einfach direkt zum Sex übergehen?"
Macht man es aber über die subtile Ebene, so wird es entweder schwierig, weil man sich nicht so recht traut, Indizien beim Gegenüber abwartet, die irgendwie andeuten, dass Interesse besteht. Oder es ist schwierig zu vermitteln, dass man Sex haben möchte, aber auf keine Beziehung hinaus ist. Weil man schon eine hat. Ja, aber man geht auch nicht fremd. Ist schon komisch, so etwas gut rüber zu bringen, wenn man nicht schon vorher diese Parameter abgesteckt hat. 

Deswegen - auch wenn Sex (für mich) Kommunikation ist, fängt die Kommunikation über Sex bei mir meistens schon weit im Vorfeld an. Ich möchte gerne wissen, wie es um eine tendenzielle sexuelle Anziehung steht. Auch wenn sowas weitestgehend als unromantisch aufgefasst wird, kann es ja auch schmeicheln zu wissen, dass andere Personen sich von einem angezogen fühlen. Es hilft mir auch bei der Planung, also alleine schon aus pragmatischen Gründen halte ich solche Informationen für sehr wertvoll. Eine erste Tendenz ist zudem ja auch nicht verbindlich. Verbindlich ist ohnehin nichts. Wenn es im entscheidenden Augenblick nicht passt, zu viel wird, etc. ist das so. 

Aber dennoch: Immer diese vorgeschobenen Gründe, sich zum Videoabend zu zweit verabreden, ins Kino gehen, sich über Stunden in Zurückhaltung üben und dann auch noch nicht wissen, wie die andere Person einen findet... Damit macht man es sich doch unnötig schwer. 

Schwer genug ist es ja schon, überhaupt die passende Worte zu finden, um sexuelle Anziehungskraft zu äußern. Es kostet mich auch Überwindung, schließlich hat man doch immer Sorge, Ablehnung zu erfahren, aber wenn es positiv ausgeht, kann man Zuversicht erlangen und das ist gut fürs Selbstvertrauen.

Montag, 29. November 2010

Was geht? Sex, das knappe Gut

In einigen Herangehensweisen an die Sexualität zwischen Mann und Frau wird Sex als knappes Gut dargestellt. Zumindest deutet das Verhalten einiger Menschen in Bezug auf Sexualität und den Umgang mit potenziellen Sexualpartnern darauf hin. Hinzu kommt noch die Sichtweise, dass Frauen in diesem Bereich stark begünstigt sind, also auf viel größere sexuelle Ressourcen, potenzielle Sexualpartner zugreifen können, als Männer. Dass eine Frau, die es nur darauf anlegt rund um die Uhr Sex haben könnte, mit unzähligen Männern, während ein Mann in umgekehrter Weise am langen Arm verhungern muss. 

Es sind mehrere Dinge, die im Rahmen dieser Betrachtung den geneigten Leser stutzig machen müssten.

1) Wer sind die Frauen und die Männer? Frauen zwischen 18 und 80? Männer zwischen 18 und 75 (sie sterben ja früher)? Das sind ja an sich genommen schon sehr große Gruppen, die weder die physischen Merkmale der Personen, noch ihren Charakter, ihre Bedürfnisse, Vorlieben, Neigungen, Werteeinstellungen, Freizeitbeschäftigungen, Bildungsstände, berufliche Tätigkeiten und bestimmt noch andere Dinge, die mir nicht einfallen wollen, berücksichtigen.

2) Selbst wenn wir davon ausgehen, dass eine Frau, wie auch immer sie geartet sein mag, nur mit dem Finger schnipsen muss, um einen Sexualpartner an Land zu ziehen: Will sie das denn überhaupt?

Der entscheidende Punkt scheint mir nicht zu sein, ob eine Person die und die Möglichkeiten hat, sondern ob sie die Absicht verspürt, sie zu ergreifen. Was nützt es mir, mit jedem Mann Sex haben zu können, wenn mich keiner anspricht? Nichts. Ich werde keinen Sex haben. 

Ich werde nicht mit statistischen Daten auftrumpfen, da auch solche nie vollkommen repräsentativ sind. Aber aus persönlichen Erfahrungen kann ich von einigen Männern berichten, die mehr wechselnde Sexualpartnerinnen hatten, als umgekehrt. Ob das repräsentativ ist, sei dahin gestellt. Fakt ist aber, dass sich daraus nicht schließen lässt, dass Männer zwingender Weise weniger Sex mit wechselnden Partnerinnen haben, als umgekehrt. 

Gerade die Herangehensweise, Sex als knappes Gut darzustellen, was in einer monogam strukturierten Gesellschaft zudem auch noch bedeutet, dass in Partnerschaften Männer ihre Partnerinnen "besetzen" und sie somit von dem Markt an verfügbaren potenziellen Sexpartnerinnen ausschließen (Gemeinheit!), halte ich für eine Konstruktion. Eine Konstruktion, die dafür sorgt, dass Männer ständig um ihre "Triebbefriedigung" bangen, dadurch anfangen in ihrem Balzverhalten wie doof zu streuen und sich dann wundern, dass sie nicht punkten. Warum punkten sie denn nicht? Vielleicht ist das Verhalten ja doch leicht durchschaubar? Wenn ich im JoyClub oder anderen Portalen mit ähnlichen Zielen angesprochen werde, so fällt doch sehr schnell auf, dass die Männer, die mich anschreiben, nach Schmema-F vorgehen, dass der Text nicht auf meine Person ausgerichtet ist, dass ihr Geschreibe einfach in keinster Weise mein Interesse weckt. Und: Ich bin einfach auch nicht auf der Suche. 

Der Umgang mit der Sexualität  und der Findung von Sexualpartnern erscheint mir einfach so herrlich unentspannt. Natürlich, wenn ich davon ausgehe, dass mit jedem Schluck Wasser, den ich trinke meine Oase weiter versiegt und ich bald an den Punkt gelangen werde, an dem ich VERDURSTEN muss, während andere Personen aus einem Pool sich ständig neu produzierenden Wassers schöpfen könn,en dann wäre ich auch ganz schön unentspannt. 

Je mehr ein Mann den Eindruck erweckt, auf der Suche zu sein, desto schwieriger wird es wahrscheinlich auch für ihn sein, eine Partnerin zu finden, die mit ihm ins Bett steigen will. Es muss nicht heißen, dass er ein schlechter Kerl ist, doch wird er den gewünschten Effekt nicht so leicht erreichen und damit in seiner Annahme ohnehin bestärkt werden. Die Frau hätte ja mit ihm Sex haben können, er kann aber nicht mit ihr Sex haben. Ergo: Eine Frau kann IMMER Sex haben, ein Mann NIE. 

Zudem erscheint mir diese ganze Sache, dass Sex ein knappes Gut ist, zu stark auf "der" männlichen Seite fokussiert zu sein. Es geht nur darum, was "Frauen" denn alles haben könnten. Nicht aber um das, was sie denn haben wollen, was in diesem Punkt weitaus wichtiger ist. Offenbar wollen "sie" nicht mit jedem x-beliebigen Kerl Sex haben.

Der Fokus richtet sich zudem auch noch auf eine, wie oben schon festgestellt nicht weiter festgelegte, große, globale Gruppe. Nicht auf das Individuum. Nicht auf den Rahmen dessen, in dem sich Interaktionen abspielen. Auf den Radius des Raumes beschränkt, in dem man sich aufhält, der je nach Person sehr unterschiedlich sein kann. Unterschiedlich im geographischen Sinne, in einem (sub)kulturellen Sinne, im virtuellen Sinne. Davon abhängig wird auch der Personenkreis sein, mit dem man sexuelle Kontakte eingehen kann. Hinzu kommen noch die persönlichen Eigenschaften, die bei der einfachen These, dass Frauen öfter mit wechselnden Partnern Sex haben könnten, als Männer, wie gesagt, nicht berücksichtigt werden.

Sonntag, 28. November 2010

Der widerspenstigen Zähmung

Sonntags hat man schonmal Zeit, sich in anderen Blogs umzuschauen. Und manchmal, da wird man auch dazu inspiriert, selbst wieder etwas zu schreiben. Ein Thema, welches sich bei mir zudem auch großer Beliebtheit erfreut, ist die Kommunikation zwischen den Geschlechtern. Vor allem, wenn Sexualität dabei eine Rolle spielt. 
Entzückender Weise konnte ich in dem Zusammenhang heute eine Debatte verfolgen, zwischen den Bloggern Christian und Patrick, die sich dem Nein widmen. Nein, als geäußertes Nein. Aber auch dem Verwehren gewisser Berührungen, also des nonverbalen Neins. Mit dem Nein habe ich mich ja selbst auch in dem Artikel "JA ist JA nicht NEIN" auseinander gesetzt. Wenngleich ich mich dabei vor allem darauf fokussiere, dass Frauen auch darauf achten sollten, ein Ja klar zu formulieren, um es allen Beteiligten entspannter zu machen. 

Während nun in der Debatte zwischen Christian und Patrik als das Nein im Zentrum steht, nimmt ersterer den Standpunkt ein, dass ein Nein eben auch interpretierbar, nicht das letzte Wort und auch nicht absolut sein muss. Für Patrick bedeutet das Nein, gerade in sexuellen Kontexten, dass es wörtlich genommen und eine Aktion abgebrochen werden muss: 
 "In einer irgendwie sexuell gefärbten Situation gilt ohne spezielle, gegenteilige Absprache ein Nein als klares Stoppzeichen, das zum Abbruch der verneinten Handlung führt." 

In einem von Christians Artikeln hingegen, ließt sich folgendes:

"Wenn Unsicherheiten bestehen reicht es, ihr etwas Raum zu geben. Will sie nicht, dass der BH runterkommt, dann knutscht man eben noch etwas rum und versucht es dann vorsichtig noch einmal. Will sie noch nicht im Schritt berührt werden, dann legt man seine Hand eben wieder zurück auf ihren Hintern und knetet den eine Weile. Man kann  spielerisch vorgehen und die Hand langsam auf zwei Finger über ihren Bauch auf den Busen zugehen lassen, wenn man meint, dass sie in der Hinsicht verletzlich ist (ist etwas albern, baut aber Spannung ab).  Oder, wenn sie nichts körperliches will, dann redet man eben eine Weile, schafft Vertrauen und versucht dann noch einmal einen vorsichtigen Kuss oder nur einer Berührung am Arm. Wenn man an ihrer Bereitschaft zweifelt, dann kann man auch sie einfach etwas machen lassen. Sprich: Nur weil man nicht aufhört etwas zu machen, muss man ihre Grenzen nicht überschreiten. Man kann einfach auf den letzten Status zurückgehen, gegen den sie nichts hat und sich von dort aus wieder hocharbeiten."

Nun, was kann ich zu dem Thema aus meiner Sicht sagen? Ich stelle mir eine Situation vor, in der ich mit einem Mann rummache, empfinde, dass er mit seinen Handlungen zu weit geht. Ist das dann ein temporär begrenztes Empfinden? Ist es dann einfach nur zu früh? Er zu drängend? Oder möchte ich es ihm nicht so einfach machen? In erster Linie wäre es wohl eine Situation, in der ich mich unwohl fühlen werde. Sonst würde ich seine Handlungen nicht abweisen. So wie sich die Sätze lesen, die Christian schreibt, handelt es sich bei seinem Umgang mit diesen Zurückweisungen um eine Strategie. Er nimmt sich in der Situation etwas zurück, probiert es an anderer Stelle erneut. Im Vordergrund scheint mir hierbei nicht das Wohlbefinden der anderen Person zu stehen, sondern das Ziel, das man vor Augen hat. Zudem sich die Sätze lesen, wie das Patentrezept für jede Frau, die nicht direkt so will, wie man(n) will und für jede Zeit.

Ich für meinen Teil würde in so einer Situation gerne wissen, warum ich zurück gewiesen werde. Gut, um die Situation nicht zu plätten würde ich eine direkte Frage evtl. hinten an stellen. Aber dennoch, es wäre mir wichtig, dass die Person sich wohl fühlt, und das Ablehnen der Hand auf dem Busen oder im Schritt wäre für mich ein deutliches Signal, das nicht mehr zu versuchen. Ich würde waren, bis die betreffende Person das vielleicht selber einfordert. Wenn dies an dem Abend nicht geschieht, dann ist das so. Entweder die Person reizt mich so sehr, dass ich sie gerne nochmal sehen möchte, oder nicht. Doch sollte nicht alles von einer Begegnung abhängen. Und nachdem die Situation beendet ist, würde ich der Person sagen, dass ich sie nicht bedrängen wollte. Spätestens das sollte eine Grundlage für verbale Kommunikation über nonverbale Handlungen, bieten.

Kommen wir zurück zur Ausgangssituation. Ich mache mit einem Mann rum, er geht mir an den Schritt, ich möchte das jetzt nicht. Es gibt viele Gründe, weshalb ich das nicht möchten kann. Vielleicht ist es mir zu früh, ich bin nicht erregt, ich bin unrasiert und das ist mir unangenehm, oder ich habe meine Tage oder einfach keine Lust. Ist ja auch egal, Jedenfalls lehne ich die Berührung ab. Wenn er das akzeptiert, merke ich, dass er mich und meine Handlungen für voll nimmt. Ihm liegt daran, dass es auch für mich gut ist. Versucht er es wieder, werde ich mich übergangen fühlen. Versucht er es nicht, machen wir also weiter. Wenn ich also nicht unrasiert bin und auch nicht meine Tage habe, kann es durchaus passieren, dass ich im Laufe des Prozesses über Zimmertemperatur komme und es mir doch irgendwann behaglich wäre, wieder eine Hand im Schritt zu haben. Das kann man signalisieren. Ziemlich gut sogar. Wenn ich vorher schon eine Hand im Schritt hatte, dann kann ich sie auch wieder nehmen und in die Richtung führen. Daran wird die Person merken, dass es jetzt doch ok ist. 

Dieses ständige Antesten, ob es jetzt geht, gut, immer noch nicht, vielleicht in einer viertel Stunde, es würde mich wahnsinnig machen! Es hat, auch wenn es bestimmt nicht so intendiert ist, etwas unsouveränes.  Die Person, die sich zurück nehmen kann und es nicht ständig wieder versucht, strahlt mehr Gelassenheit aus, was ich zumindest, wesentlich anregender finde, als das Gefühl zu haben, jemandem geht es nur um den Sex, und nicht um mich.

Und dieser Umgang damit, dieses implizierte "mit Frauen muss man halt ein bisschen Geduld haben, dann wird das schon", es ist so furchtbar. Es ist objektifizierend. Eine Frau kann sehr wohl selber wissen, was für sie ok ist, oder nicht ok ist. Und diese -Zermürbungsstrategie-, denn als solche empfinde ich es, wenn immer wieder angetestet wird, nimmt die Person, die Ablehnung ausdrückt, nicht ernst. 

Ich möchte nicht sagen, dass es nicht auch Frauen gibt, die so ein Verhalten begrüßen, fordern, oder fördern. Doch warum ist das so? Könnte es nicht auch sein, dass es sich dabei um Frauen handelt, die es einfach gewohnt sind, in gewisser Weise fremdbestimmt zu sein? Der Mann weiß schon, was gut für Dich ist?
Und ist nicht es nicht auch eine unglaubliche Doppelmoral, dass Frauen, die durchaus offensiv zeigen, dass sie wollen und was sie wollen, dann als leicht zu haben und als Schlampen gelten?

Um mich noch über einen Punkt in Christians Argumentationstrang aufzuregen, bevor ich den Artikel veröffentliche:

"Eine Frau, die mit einem Mann rummacht, weiß, dass er immer wieder etwas versuchen will und ihm dieser Part zugewiesen ist. Versuche nach den normalen Spielregeln  werden einem nicht übel genommen."

Was heißt das denn nun? Dass ich nciht mit einem Mann rummachen darf, wenn ich ihn nicht auch reinlassen will, weil ein Mann nunmal Sex möchte? Dann darf ich mich doch auch nicht mit ihm zum Essen verabreden, da er das ja nur macht, weil Frauen so ein langwieriges Vorspiel brauchen? Also eigentlich nur etwas mit Männern anfangen, wenn man auch zu ficken bereit ist? Tut mir Leid, aber die Logik dieser Aussage entzieht sich mir. 
Zudem: Wer schreibt wem welchen Part zu? Dass die Gesellschaft, dass irgendwelche sozialen Gruppen etwas von mir erwarten, heißt doch noch lange nicht, dass ich das auch erfüllen muss. Und eine Erwartungshaltung ist noch lange keine Legitimation für irgendwas.

Les petits Plaisirs auf Formspring

Die Mädchenmannschaft hat mich durch einen Post heute auf eine neue Spielerei im Web 2.0 aufmerksam gemacht, die ich natürlich nicht an mir vorbei ziehen lassen kann. Auf der Plattform Formspring kann man Leuten Fragen stellen. Also auch mir kann man über diesen Weg jetzt Fragen stellen. Welche, die diesen Blog betreffen, die darauf thematisierten Bereiche des Lebens, aber gerne auch Dinge, die mit dem Blog weniger zu tun haben. Ich würde mich darüber freuen! :-) Finden könnt Ihr mich unter: http://www.formspring.me/PetitsPlaisirs

Auch über ein Textfeld hier in einer der Seitenleisten des Blogs könnt Ihr die Fragen einsenden.

Dienstag, 9. November 2010

Der erste Schritt soll nicht vom Geschlecht abhängen

Ich möchte gerne einen Leserbrief, den ich vor einigen Tagen erhielt hier veröffentlichen, weil es sich im Kern um ein Dilemma handelt, welches ich schon von mehreren devoten Männern geschildert bekam. Und dieses gern aus meiner Sicht besprechen möchte, es aber auch vom Schreiber selbst erwünscht ist, dass auch im Rahmen der Kommentarfunktion sich andere Menschen dazu äußern können, sofern sie möchten.

"Ich möchte nun einfach ein wenig ausholen, in der Hoffnung, dein Interesse zu wecken. Vielleicht kannst du daraus etwas schöpfen, was für dich und deinen Blog lesenswert ist.
Ich denke, dass, umso älter bzw. reifer man wird, umso mehr sich einem auch die Frage aufdrängt, wie man selbst mit seinen sexuellen Neigungen umgeht, das ist mehr als natürlich. Man mag an sich selbst Bedürfnisse und Wünsche entdecken, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen, und die als "falsch" empfunden werden.
In andren Bereichen, wie etwa BDSM, ist dies noch eher der Fall.

Wenn man als Mann devot und submissiv ist, ist man in der SM-Szene vermutlich kaum allein, sondern am ehesten noch die (gefühlt-intuitiv) breite Masse unter Männern. Unter dem Rest der (allgemeinen, nicht SM-orientierten) Männlichkeit jedoch bildet man sicher nur eine Minderheit.

Hört man sich ein wenig um, oder liest man darüber, wie schwer sich dominante Frauen öfter daran tun ihr passendes männliches Gegenstück zu finden, so drängt sich doch einem der Gedanke auf, dass Mann nicht weiß, wie er sich Frau gegenüber zu verhalten hat.

Was an und für sich auch kein Wunder ist. Mann ist eben normalerweise derjenige, der die Dinge vorgibt. Das beginnt in der Regel auch schon beim Kennenlernen und Dating. So interessant eine Frau auch den Typen an der Bar finden würde, sie würde niemals auf ihn zugehen und ansprechen, ihm ist der erste Schritt überlassen.
Was übrigens auch nachvollziehbar ist. Wenn eine Frau dominant ist, weiß, was sie will und den Typen dann doch anspricht, ist es nur im SM-umfeld wahrscheinlich, dass er ähnliche Interessen haben kann. In einer normalen Umgebung jedoch reagieren die Männer eher verstört, da sie diesen "Stilbruch" einfach nicht gewohnt sind, und so lässt Frau das Ansprechen auch irgendwann dort frustriert bleiben.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eigentlich die meisten Frauen sich einen Partner wünschen, der größer ist. Eine starke Schulter zum Anlehnen, der sie tröstet, ein starker, selbstbewusster Mann der sie "beschützt".

Als devoter Mann bin ich jedoch nicht so stark. Ich bin auch nicht direkt so selbstbewusst, und ich bin auch nicht derjenige, der IHR gegenüber den Ton angeben will oder kann. Ich wünsche mir die Frau, die mich anspricht, es aber nie tun wird.
Ich werd nun einfach mal etwas persönlicher, spätestens hier hättest du so oder so gemerkt, dass dies keine Gedankenspinnerei sein kann.
Dass jedoch nun schon ab dem Kennenlernen in der Regel der Mann derjenige ist, der das Szepter also in der Hand haben soll, ist grade im Bezug auf der umgekehrten (sexuellen) Rollenverteilung gradezu verheerend.
Natürlich ist die dominante Frau angenervt, wenn er sie anspricht. Das mag deswegen sein, weil sie mit ihren Freundinnen grade ein viel zu schönes Gespräch hat, und dabei nicht gestört werden wollte, oder weil der unverschämte Kerl eine Bemerkung zu viel von sich gelassen hat, oder schlicht und ergreifend, weil er nicht ihr Typ ist, oder weil ihr einfach der Zeitpunkt nicht perfekt genug dafür ist.
Manche dieser Frauen lieben es, gleich ab dem ersten Moment als höhergestellt betrachtet und behandelt zu werden, andere bevorzugen die Begegnung auf Augenhöhe.
Grade in diesem Bezug ist etwas eine absolute Verdrehung der sexuellen Realität, die dennoch mehr schlecht als recht in die Norm gepresst werden soll. Und die einfach an allen seiten herausquillt. Dass es nicht zueinander passt, erkennt man schon allein daran, dass Mann viel zu viele Fehler machen kann. Und: woher soll er bitteschön intuitiv, ohne die Frau überhaupt zu kennen, schon zufällig die passende Art und Weise kennen, sie anzusprechen?
Im SM-Umfeld daher die "richtige" Frau kennenzulernen, ist daher mehr als schwierig.

Im normalen Umfeld die richtige kennenzulernen, ist umso unmöglicher. Dominante Frauen sind in der Unterzahl, die meisten Frauen erwarten starke Männer, die sie ansprechen, keine sensiblen, zurückhaltenderen Männer. Wobei ich ohnehin eher seltenst derjenige bin, der Frauen wirklich auch mal anspricht.

Ein weiteres Problem, was sich aus all dem zwangsläufig ergeben würde, ist umso verheerender. Sollte man jemals die passende Partnerin kennengelernt haben, dann ist es mehr als klar, dass sie eine "dominante Aura umgeben" wird, dass sie sich nicht vollständig verstecken können wird. Es wäre daher im normalen Umfeld also letztlich ziemlich schwer, die sexuelle Neigung zu vertuschen, die sich letztlich hinter so einer Partnerin und dem Verhalten ihr gegenüber verbergen wird.

Deswegen ist es klar, dass dominante Frau und devoter Mann schwerer zueinander finden, dass solche Dinge schwerer zu vertuschen sind. Dass sowohl Frauen und Männer frustriert sind, und irgendwann die Suche aufgeben.

Und deswegen hat es sich auch ergeben, dass die richtige Partnerin natürlich auf sich warten lässt."

Ich sehe ein, es ist nicht einfach, gerade weil BDSM mit reinspielt. Es ergibt alles Sinn. Die unnahbare Dame - warum sollte sie sich dazu herab setzen, Dich anzusprechen? Wer bist denn gerade Du, dass sie sich von Dir angezogen fühlen sollte? Oder auch: woran erkennt sie, dass Du genau das bist, was sie gerne hätte? Und anders: wieso sollte sie sich auf Dich einlassen, wenn Du auf sie zukommst? Wer bist Du, dass Du ungefragt, unaufgefordert in ihre Sphäre eindringst? 
Da beist sich die Katze in den Schwanz. Einer muss nunmal den ersten Schritt machen und auch die divenhafteste Dame möchte schließlich ihre Bedürfnisse befriedigen und nicht dank ihrer eigenen Unnahbarkeit verhungern. 

Man sollte ja auch nicht die Rollen mit den Personen gleichsetzen oder vertauschen. Eine dominante Frau wird in den meisten Fällen zumindest nicht nur eine solche sein, und ein devoter Mann auch andere Qualitäten und Interessen haben. Sollte es sich also nicht um eine oberflächliche Begegnung halten, die anberaumt wird, würde ich sagen, dass man eben auch mehr von sich selbst als Person nach außen zeigen sollte. Eins sollte man aber nicht so sehr zeigen: Und zwar, dass man auf der Suche ist. Gut, eigentlich möchte ich auch nicht pauschalisieren. Aber aus eigener Erfahrung und diesem Erfahrungswert, den ich mit anderen Frauen abgeglichen habe, geht hervor, dass es Männer gibt, die einen gewissen Verzweiflungsgrad an den Tag legen, wenn man ihnen anmerkt, dass sie auf der Suche sind.

Letzten Endes wird man Gleichgesinnte was BDSM angeht wohl doch viel eher innerhalb der Szene auf Partys, Stammtischen, Cocktailabenden und sonstigen Veranstaltungen treffen, als zufällig in der Hotelbar. Und da sprichst Du ein weiteres Problem an: 
Die submissiven Männer wie Sand am Meer. Ehrlich gesagt, sind die mir noch nicht in den Massen aufgefallen. Was mir schon auffällt, dass sind auf diversen Veranstaltungen Männer, die kein Profil zu haben scheinen, dieses zumindest nicht zeigen. Für sich sind, aber doch voyeuristisch. Unangenehm, wenngleich auch still, einsam und doch unter Menschen. Ich glaube jeder, der wollte, der ein wenig investiert, kann sich daraus emporheben und davon abgrenzen. Gerade Stammtische und andere Plauderveranstaltungen, im Gegensatz zu den Playpartys eignen sich dafür, neue Kontakte zu knüpfen, zu zeigen wer man ist, dass man wer ist, ohne dass andere sich zu persönlich berührt fühlen müssen. Und auf solchen Abenden ist es auch egal, ob Du domiant oder devot bist, die wenigsten der Anwesenden werden Dich dafür rügen, dass Du sie ansprichtst, obwohl Du devot bist. Schließlich ist man da, um zu reden! Ich für meinen Teil finde es extrem unhöflich und kurz vor übergrifflich, wenn irgendwelche dahergelaufenen Doms meinen, an mir rumtoppen zu dürfen! 

An und für sich kann es nicht schaden, sich einen Pool aus Kontakten zu schaffen, egal ob Geschlecht und Neigung der eigenen Präferenz entsprechen. Denn aus einem Kontakt können sich weitere Kontakte sehr schnell und unkompliziert und ohne dass man den Eindruck macht, verzweifelt auf der Suche zu sein, generieren. 

Aber auch dazu: Ich weiß ja nicht, wie alt Du bist. Aber die Zeiten ändern sich mit und mit. Nicht für jeden, nicht überall, doch kann jeder etwas dazu beitragen. Wer den ersten Schritt macht, sollte nicht vom Geschlecht abhängen. Wer Lust hat, auf jemanden zu zu gehen, sollte das tun, einem Impuls, einem Bedürfnis folgen. Wieso denn nicht? Wenn man Interesse hat?