Sonntags hat man schonmal Zeit, sich in anderen Blogs umzuschauen. Und manchmal, da wird man auch dazu inspiriert, selbst wieder etwas zu schreiben. Ein Thema, welches sich bei mir zudem auch großer Beliebtheit erfreut, ist die Kommunikation zwischen den Geschlechtern. Vor allem, wenn Sexualität dabei eine Rolle spielt.
Entzückender Weise konnte ich in dem Zusammenhang heute eine Debatte verfolgen, zwischen den Bloggern
Christian und
Patrick, die sich dem Nein widmen. Nein, als geäußertes Nein. Aber auch dem Verwehren gewisser Berührungen, also des nonverbalen Neins. Mit dem Nein habe ich mich ja selbst auch in dem Artikel
"JA ist JA nicht NEIN" auseinander gesetzt. Wenngleich ich mich dabei vor allem darauf fokussiere, dass Frauen auch darauf achten sollten, ein Ja klar zu formulieren, um es allen Beteiligten entspannter zu machen.
Während nun in der Debatte zwischen Christian und Patrik als das Nein im Zentrum steht, nimmt ersterer den Standpunkt ein, dass ein Nein eben auch interpretierbar, nicht das letzte Wort und auch nicht absolut sein muss. Für Patrick
bedeutet das Nein, gerade in sexuellen Kontexten, dass es wörtlich genommen und eine Aktion abgebrochen werden muss:
"In einer irgendwie sexuell gefärbten Situation gilt ohne spezielle, gegenteilige Absprache ein Nein als klares Stoppzeichen, das zum Abbruch der verneinten Handlung führt."
"Wenn Unsicherheiten bestehen reicht es, ihr etwas Raum zu geben. Will sie nicht, dass der BH runterkommt, dann knutscht man eben noch etwas rum und versucht es dann vorsichtig noch einmal. Will sie noch nicht im Schritt berührt werden, dann legt man seine Hand eben wieder zurück auf ihren Hintern und knetet den eine Weile. Man kann spielerisch vorgehen und die Hand langsam auf zwei Finger über ihren Bauch auf den Busen zugehen lassen, wenn man meint, dass sie in der Hinsicht verletzlich ist (ist etwas albern, baut aber Spannung ab). Oder, wenn sie nichts körperliches will, dann redet man eben eine Weile, schafft Vertrauen und versucht dann noch einmal einen vorsichtigen Kuss oder nur einer Berührung am Arm. Wenn man an ihrer Bereitschaft zweifelt, dann kann man auch sie einfach etwas machen lassen. Sprich: Nur weil man nicht aufhört etwas zu machen, muss man ihre Grenzen nicht überschreiten. Man kann einfach auf den letzten Status zurückgehen, gegen den sie nichts hat und sich von dort aus wieder hocharbeiten."
Nun, was kann ich zu dem Thema aus meiner Sicht sagen? Ich stelle mir eine Situation vor, in der ich mit einem Mann rummache, empfinde, dass er mit seinen Handlungen zu weit geht. Ist das dann ein temporär begrenztes Empfinden? Ist es dann einfach nur zu früh? Er zu drängend? Oder möchte ich es ihm nicht so einfach machen? In erster Linie wäre es wohl eine Situation, in der ich mich unwohl fühlen werde. Sonst würde ich seine Handlungen nicht abweisen. So wie sich die Sätze lesen, die Christian schreibt, handelt es sich bei seinem Umgang mit diesen Zurückweisungen um eine Strategie. Er nimmt sich in der Situation etwas zurück, probiert es an anderer Stelle erneut. Im Vordergrund scheint mir hierbei nicht das Wohlbefinden der anderen Person zu stehen, sondern das Ziel, das man vor Augen hat. Zudem sich die Sätze lesen, wie das Patentrezept für jede Frau, die nicht direkt so will, wie man(n) will und für jede Zeit.
Ich für meinen Teil würde in so einer Situation gerne wissen, warum ich zurück gewiesen werde. Gut, um die Situation nicht zu plätten würde ich eine direkte Frage evtl. hinten an stellen. Aber dennoch, es wäre mir wichtig, dass die Person sich wohl fühlt, und das Ablehnen der Hand auf dem Busen oder im Schritt wäre für mich ein deutliches Signal, das nicht mehr zu versuchen. Ich würde waren, bis die betreffende Person das vielleicht selber einfordert. Wenn dies an dem Abend nicht geschieht, dann ist das so. Entweder die Person reizt mich so sehr, dass ich sie gerne nochmal sehen möchte, oder nicht. Doch sollte nicht alles von einer Begegnung abhängen. Und nachdem die Situation beendet ist, würde ich der Person sagen, dass ich sie nicht bedrängen wollte. Spätestens das sollte eine Grundlage für verbale Kommunikation über nonverbale Handlungen, bieten.
Kommen wir zurück zur Ausgangssituation. Ich mache mit einem Mann rum, er geht mir an den Schritt, ich möchte das jetzt nicht. Es gibt viele Gründe, weshalb ich das nicht möchten kann. Vielleicht ist es mir zu früh, ich bin nicht erregt, ich bin unrasiert und das ist mir unangenehm, oder ich habe meine Tage oder einfach keine Lust. Ist ja auch egal, Jedenfalls lehne ich die Berührung ab. Wenn er das akzeptiert, merke ich, dass er mich und meine Handlungen für voll nimmt. Ihm liegt daran, dass es auch für mich gut ist. Versucht er es wieder, werde ich mich übergangen fühlen. Versucht er es nicht, machen wir also weiter. Wenn ich also nicht unrasiert bin und auch nicht meine Tage habe, kann es durchaus passieren, dass ich im Laufe des Prozesses über Zimmertemperatur komme und es mir doch irgendwann behaglich wäre, wieder eine Hand im Schritt zu haben. Das kann man signalisieren. Ziemlich gut sogar. Wenn ich vorher schon eine Hand im Schritt hatte, dann kann ich sie auch wieder nehmen und in die Richtung führen. Daran wird die Person merken, dass es jetzt doch ok ist.
Dieses ständige Antesten, ob es jetzt geht, gut, immer noch nicht, vielleicht in einer viertel Stunde, es würde mich wahnsinnig machen! Es hat, auch wenn es bestimmt nicht so intendiert ist, etwas unsouveränes. Die Person, die sich zurück nehmen kann und es nicht ständig wieder versucht, strahlt mehr Gelassenheit aus, was ich zumindest, wesentlich anregender finde, als das Gefühl zu haben, jemandem geht es nur um den Sex, und nicht um mich.
Und dieser Umgang damit, dieses implizierte "mit Frauen muss man halt ein bisschen Geduld haben, dann wird das schon", es ist so furchtbar. Es ist objektifizierend. Eine Frau kann sehr wohl selber wissen, was für sie ok ist, oder nicht ok ist. Und diese -Zermürbungsstrategie-, denn als solche empfinde ich es, wenn immer wieder angetestet wird, nimmt die Person, die Ablehnung ausdrückt, nicht ernst.
Ich möchte nicht sagen, dass es nicht auch Frauen gibt, die so ein Verhalten begrüßen, fordern, oder fördern. Doch warum ist das so? Könnte es nicht auch sein, dass es sich dabei um Frauen handelt, die es einfach gewohnt sind, in gewisser Weise fremdbestimmt zu sein? Der Mann weiß schon, was gut für Dich ist?
Und ist nicht es nicht auch eine unglaubliche Doppelmoral, dass Frauen, die durchaus offensiv zeigen, dass sie wollen und was sie wollen, dann als leicht zu haben und als Schlampen gelten?
Um mich noch über einen Punkt in Christians Argumentationstrang aufzuregen, bevor ich den Artikel veröffentliche:
"Eine Frau, die mit einem Mann rummacht, weiß, dass er immer wieder etwas versuchen will und ihm dieser Part zugewiesen ist. Versuche nach den normalen Spielregeln werden einem nicht übel genommen."
Was heißt das denn nun? Dass ich nciht mit einem Mann rummachen darf, wenn ich ihn nicht auch reinlassen will, weil ein Mann nunmal Sex möchte? Dann darf ich mich doch auch nicht mit ihm zum Essen verabreden, da er das ja nur macht, weil Frauen so ein langwieriges Vorspiel brauchen? Also eigentlich nur etwas mit Männern anfangen, wenn man auch zu ficken bereit ist? Tut mir Leid, aber die Logik dieser Aussage entzieht sich mir.
Zudem: Wer schreibt wem welchen Part zu? Dass die Gesellschaft, dass irgendwelche sozialen Gruppen etwas von mir erwarten, heißt doch noch lange nicht, dass ich das auch erfüllen muss. Und eine Erwartungshaltung ist noch lange keine Legitimation für irgendwas.