Freitag, 11. Mai 2012

Initiative - Berg oder Prophet_in?

Worum es mir heute geht, um nicht um den heißen Brei zu reden, ist die Ergreifung von Initiative beim Flirten, Ansprechen, Anschreiben, Aufgreifen sexuellen Interesses.

Ist es denn wirklich so, dass viele Frauen lieber ihren Gegenüber die Initiative ergreifen lassen? Aber auch im Umkehrschluss frage ich mich: Gibt es nicht auch Männer, die es angenehmer fänden, angesprochen zu werden? Ich glaube nämlich, bequemer ist es allemale, wenn man die Person ist, auf die zugegangen wird. Oft ist man ja doch ängstlich davor, einen Korb zu kriegen. Und die Möglichkeit gibts ja immer wenn man die Person ist, die die Initiative ergreift.

Ich glaube nicht, dass ich da speziell bin, sondern dass es sich um etwas handelt, was mit allgemeinen Verhaltensvorstellungen nicht einher geht, bzw. noch nicht "in der Mitte der Gesellschaft" angekommen ist. Zumindest werde ich häufiger darauf angesprochen, dass das so nicht gängig ist.

Da ist es bei mir eben eher so, dass ich gerne Impulse setze und von mir aus eine Interaktion beginne. Zumindest eben bis zu oder ab einem einem gewissen Punkt. Da gibt es ja nun auch kein Raster für, wie so eine Interaktion ablaufen muss. Aber ich finde es toll und auch angenehmer, von mir aus Interesse zu bekunden. Sei es direkt oder über schüchterne Umwege. Jedenfalls gibt es Personen, die ich attraktiv finde, und da bleibe ich auf die ein oder andere Art am Ball.

Ehrlich gesagt ist es mit beim Weggehen wirklich noch nie passiert, dass ich von Männern angesprochen wurde, die mich auch wirklich ansprachen oder gar überwältigten. Statt Johnny Depp eben eher der Howard Wolowitz. Es ist mir fast ein wenig unangenehm, Körbe auszuteilen, auch wenn es nunmal dazu gehört. Aber schön finde ich das nicht.

Ich mag es nicht, aufgegabelt zu werden. Lieber schaue ich mich um und entdecke jemanden, der mich irgendwie reizt und beginne ihn kennen zu lernen. Oft weiß man ja schon nach wenigen Augenblicken, dass man früher oder später gerne mit der Person Sex hätte. Doch wozu die Eile? Und warum nur den halben Spaß? Es ist schön, Menschen kennen zu lernen, Eigenarten, Eigenschaften heraus zu kitzeln um dann letzten Endes mit mehr als einer ansprechenden äußeren Erscheinung Vergnügungen zu teilen.

Ich lasse mir gerne Kontaktdaten geben, lieber als dass ich meine eigene Nummer rausgebe. Auf meine Zuverlässigkeit kann ich nämlich bauen. Und ich schreibe oder rufe dann gerne an und warte nicht darauf, dass sich jemand bei mir meldet. Vielleicht bin ich in der Hinsicht nicht so geduldig. Aber ich finde es auch nicht schmeichelhafter oder führe mich begehrter, wenn ich auf eine Rückmeldung warte, als wenn ich das Unterfangen selbst in "Angriff" nehme und auf positive Resonanz stoße. Schöner finde ich daran, dass ich die Zügel in der Hand habe, mich nicht von anderen Personen abhängig mache. Warum sollte ich mich aktiv in den Möglichkeiten, die ich habe, an das zu kommen, was ich will, beschneiden?

Ich meine aber, dass es sich hierbei nicht um eine geschlechtsspezifische Differenz handelt, sondern eben um eine Praktik die sich über Jahre und Jahrhunderte eben etabliert hat, der zufolge um "die Frau" geworben wird. Unabhängig davon, ob es für "den Mann" nicht auch tendenziell angenehmer wäre, selbst umworben zu werden.

Wie schaut es bei Euch aus? In welcher Art und Weise ergreift Ihr die Initiative? Gefällt es Euch besser, angesprochen zu werden, oder selber aktiv zu sein? Und warum?

Mittwoch, 9. Mai 2012

Pornos und Fast Food

In meiner Pubertät habe ich echt viele Pornos geschaut. Ja, unglaubich viele, nicht unglaublich lange. Als ich herausgefunden habe, wie ich am Familienrechner den Verlauf des Internetbrowsers löscht, habe ich einiges an Zeit damit verbracht, mir 30-sekündige Vorschauvideos anzusehen und mir aus dem, was ich da zu sehen bekam, einen guten Film zu fahren. 

Da ich noch nicht so viel gesehen hatte, war ich ziemlich einfach zu beeindrucken. Schon das Schummeln bei der Alterszertifizierung machte mich nervös, und das Ganze war furchtbar spannend und aufregend und zu entdecken gab es allemal eine ganze Menge!

Irgendwann gab es dann auch für ohne Geld mehr zu sehen, denn auf einschlägigen (und auch für Schulmädchen gut zugänglichen) Videokanälen gab es dann doch auch Filme, die um einiges länger waren, als 30 Sekunden. Allerdings muss ich gestehen, dass ein gewisser Gewöhnungseffekt gleichzeitig einsetzte und ein Lechzen und Suchen nach neuen Reizen begann. 

Mittlerweile finde ich Pornos schauen ziemlich anstrengend. Eine Suche nach dem Heiligen Gral, die letzten Endes als Abendessen bei einer gängigen Fast Food-Kette endet. Schwer ist es mir geworden, Filme zu finden, die mich kicken. Der Kopf geht so schnell weiter, als das gezeigte, irgendwas stört an der Einstellung, irgendwas hätte toller umgesetzt werden können und ich bin raus. Ich beginne mir einen Streifen anzusehen um irgendwann zu merken, dass es das nicht ist und beginne einen neuen, auf der Suche nach etwas noch geilerem um festzustellen, dass der nächste Film nicht geiler ist, usw. Irgendwann lege ich den PC zur Seite und greife doch wieder auf das bewährte Kopfkino zurück. Oder bleibe halbherzig bei einer Einstellung, an der mich zumindest nicht allzu viel gestört hat. Frustriert darüber, dass ich nichts besseres gefunden habe. 

Der Vergleich mit Fast Food ist wirklich nicht weit hergeholt denn: Auch wenn ich im Nachhinein mir denke, dass das jetzt wirklich nicht das tollste war und ich es mir auch hätte sparen können, kriege ich immer mal wieder totalen Heißhunger darauf, um nachher die selbe Erfahrung zu machen, wie die X Male davor. Manchmal jedoch finde ich wirklich die Ausnahmeerscheinung, nach der ich so lange gesucht habe, und der Frust der letzten Male ist vergessen (beim Porno-Schauen, nicht bei der gängigen Fast Food-Kette). 

Das passiert mir nicht oft, doch finde ich dann Streifen, in denen sich das wiederfindet, was für mich einen sehenswerten und befriedigenden Porno ausmacht: 

- Wichtig ist mir hierbei z.B. das ich irgendwas von den DarstellerInnen mitkriege. Also da muss irgend eine persönliche Note sein, mehr als eine billige Kunstfigur oder eine anonyme, blasse Person, die einfach Geld verdienen muss. Authentizität in einem gewissen Maße finde ich auch großartig. Eine gewisse Trennung zwischen PornodarstellerIn und Person finde ich sehr begrüßenswert, doch finde ich ein hohes Maß an Künstlichkeit (vor allem beim Stöhnen und anderen verbalen Ergüssen) ziemlich abturnend.
- Toll finde ich es, wenn man einen gewissen Bezug zwischen den DarstellerInnen sieht. Also dass diese sich nicht stumpf aneinander abarbeiten, sondern eine gewisse Spannung entsteht. Sie miteinander Sex haben (von mir aus auch [in einem gewissen Rahmen natürlich] gegeneinander) aber nicht nebeneinander. Das ist leider meistens der Fall. Einmal habe ich aber einen gesehen, der ziemlich 0815 war, wo aber irgendwann Dinge passierten (die Darstellerin verlor einen Ohrring) und sich dann alle zusammen erst einmal kurz kaputt lachten. Das fand ich toll.
- Schön finde ich es, wenn ich merke, dass die Personen an dem was sie da tun auch ein gewisses Maß an Spaß haben. Ich kann mir vorstellen, dass Pornographie herzustellen ein ganz schön harter Job ist und wie alle Jobs auch nicht immer Spaß macht, bzw. ganz schön anstrengend sein kann. Dennoch ist es mir wichtig dass Spaß dabei ist.
- Pornos schaue ich mir nicht an, weil ich Menschen beim Liebesspiel beobachten will. In erster Linie geht es mir da schon um Sex der härteren Gangart, um es so zu formulieren. Gerade Produktionen im SM-Bereich machen mir hier deutlich, dass es sehr, sehr wohl möglich ist dies mit den Vorlieben der DarstellerInnen zu kombinieren.
- Wünschenswert fände ich es, wenn in mehr Produktionen Kondome ins Spiel kämen. Die Selbstverständlichkeit, die Kondome in reellen sexuellen Begegnungen einnehmen fehlt in der Pornographie sehr stark. Das stört mich, weil ich der Meinung bin, dass Pornographie eben auch die Einschätzung sexueller Erlebnisse sowie sexueller Phantasien stark beeinflusst. Somit müssen in der Realität immer "Abstriche" gemacht werden, zu Gunsten der Sicherheit. 

Ich weiß, dass vieles, von dem was ich so zu sehen bekomme, dem und auch noch anderen Kriterien nicht entspricht. Doch freue ich mich sehr, wenn ich doch etwas finde, was diesen meinen Anforderungen gerecht wird. Wobei ich wirklich sagen kann, dass mir gerade bei Produktionen im SM-Bereich viel mehr Freude am Geschehen, Mitbestimmung durch die Darstellenden und Authentizität ins Auge gefallen ist, als bei Mainstream-Produktionen, die ja durchaus auch viele Elemente aus dem SM-Bereich mittlerweile aufgreifen.

Ich freue mich dann darüber, etwas geiles und tolles gefunden zu haben, weil ich die Arbeit, die Personen in ihr Produkt investiert haben eben auch schätzen möchte. Sei dies auch einfach mit einem guten Orgasmus.

Dienstag, 1. Mai 2012

Wie originell: Eingerissene Mundwinkel

Den halben Tag habe ich mich damit befasst, ob ich über Werbung, die mich verärgert etwas schreiben soll. Eine Dilemma-Situation. Einerseits ist es mir klar, dass Werbung provozieren möchte und gerade auch negative Reaktionen im Sinne derer, die sie gestalten positiv aufgefasst wird. Hauptsache Aufmerksamkeit. Andererseits geht sie ja auch nicht weg, wenn ich nichts dazu sage. Und wozu habe ich einen Blog, wenn ich nicht auch über so etwas schreiben sollte?

Grund meiner Verärgerung ist folgende Durex-Werbung:


"Geschmacklos" war mein erster Gedanke. Und dabei beziehe ich mich nicht auf das Aroma dieses Kondoms... Geschmacklos finde ich einfach das Bild, die Umsetzung, die Message? 
Es macht mich wütend, dass Werbung, die Kondome für große Penisse zum Inhalt hat, eben diese mit Verletzung und Schmerzen in Verbindung bringen muss. Ich weiß ja nicht, ob die Personen in der Werbeabteilung schon mal eingerissene Mundwinkel hatten. Oder einen großen Penis. 

Ich bin ja nicht prüde. Und habe auch ein feministisches Mindestmaß an Humor. ;-) Ich finde allerdings, Werbung, die (vorangegangene) Brutalität impliziert nicht witzig. Und eingerissene Mundwinkel legen dies einfach nahe. Rühren diese von leidenschaftlichem Oralsex? Mangelnder Kontrolle -  Unfähigkeit mit dem dicken Prengel in einer Weise umgehen zu können, die nicht gleich zu Lädierungen führt? All das bleibt der Fantasie überlassen, Freude ist dieser Öffnung jedenfalls nicht anzusehen. Reduziert wird das dargestellte Modell nämlich auf eine Körperöffnung - im Rahmen sexuell konnotierter Werbung der einzigen, welche unzensiert zeigbar ist -  ihrem Mund. Dieses ist zwar lasziv geöffnet, die Lippen glänzend, doch kennen wir das ja auch aus dem Porno zu genüge.

Dass den Verantwortlichen echt nichts besseres einfällt, als auf diese Schiene zu gehen, finde ich traurig. Tendenziell finde ich es nämlich ziemlich gut, Kondomwerbung mit Oralsex in Verbindung zu bringen, da gerade hierbei der Kondomgebrauch gerne stiefmütterlich behandelt wird. Die zerstörerische Kraft großer Penisse über zu betonen allerdings Klischees reproduzierend und einfallslos.

Samstag, 17. März 2012

Erotische Streifzüge durch Köln: Kinky-a-Fair

Köln ist eine tolle Stadt, die so einiges zu bieten hat. Das reimt sich. Und was sich reimt, ist ja bekanntlich nicht schlecht. Neben einer recht gut gelaunten Bewohnerschaft der Domstadt, vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten in der City und angrenzenden Bezirken, vielen Kneipen, Cafés und günstigen Mittagsangeboten gibt es in Köln doch auch einige Läden, in denen man Abseits des Alltäglichen Kleidung erstehen kann.

Ich möchte heute gerne den kleinen aber recht gut aufgestellten Laden von Sue Reich vorstellen, der da Kinky-a-Fair heißt. Von Schuhen, über Accessoires bis hin zu Bekleidung und Unterwäsche, gibt es hier eine große Vielzahl an Waren für allerlei Geschlechter in allerlei Schnitten, aus allerlei Materialien. Der Fokus liegt ganz klar auf Fetisch. Wobei ich besonders beeindruckt davon war, dass das Repertoire hierbei nicht auf die in diesem Bereich - gerade in Verkaufsläden - besonders typischen schwarzen Lack, Leder Latex-Outfits gesetzt ist. Die gibt es natürlich auch, oftmals aber raffinierter oder verspielter. Sonst gibt es hier auch einiges zu erwerben, was eben von dem konventionellen Schwarz abweicht.

Auch die Einrichtung des Ladens läd zum Verweilen ein und erzeugt vor allem nicht gleich dieses Gefühl, sich an einem verruchten oder gar schmuddeligen Ort zu befinden, an dem sich doch eigentlich nur Perverse rumtreiben. Die Schaufenster sind offen, es kommt Tageslicht hinein und auch die Wände und Böden sind recht hell. Kundschaft wird gut behandelt, beraten und betreut auch Sekt und Kaffee werden angeboten.

Dem Sortiment an Kleidungsstücken und vor allem auch Accessoires und Schuhen sieht man an, dass es Sue selbst eine Herzensangelegenheit ist, den KundInnen eine Auswahl zu bieten , die über das in konventionellen Fetisch und SM-Läden vetriebene Angebot hinaus gehen. In einigen Fällen ist die angebotene Ware sogar ziemlich alltagstauglich.

Die Preise halten sich in dem für Kleidung in diesem  Bereich üblichen Rahmen, wobei sich für 50€ schon sehr schöne Kleidungsstücke finden lassen, Röcke zum Teil schon wesentlich günstiger zu erstehen sind, sodass sich das Angebot von Kinky-a-Fair auch an das kleinere Portemonaie jüngerer Kundschaft richtet. Auch Anhänger der Schwarzen Szene können hier Kleidungsstücke erwerben, die qualitativ das Angebot gängiger Labels in dem Bereich überschreitet und preislich im selben Rahmen liegt, vielleicht sogar günstiger ausfällt.

Neben dem Verkauf von Waren richtet Kinky-a-Fair auch kulturelle Veranstaltungen aus. So hängen hier im wechselnden Turnus erotische Bilder von verschiedenen Künstlern aus den Bereichen Fotographie, Graphik und Malerei, begleitet von einer Vernissage. Verschiedene Fetisch-Partys in Köln begleitend bietet Kinky-a-Fair auch Styling-Specials an, wo man sich für die anstehende Party einkleiden und stylen lassen kann.

Kinky-a-Fair
Engelbertstr. 31a
50674 Köln
Tel: 0221 / 997 488 43

Öffnungszeiten:
Montag - Freitag: 12:00 bis 20:00 Uhr
Samstag: 12:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Facebook: Kinky-a-Fair

(Foto #1 ist von der Facebookseite von Kinky-a-Fair, von blende666
Foto #2 ist auch von der Facebookseite von Kinky-a-Fair)

Samstag, 3. März 2012

Die Mär von der Vergleichbarkeit

In Gesprächen mit Personen, die offenen Beziehungen skeptisch gegenüber eingestellt sind, fällt mir oft auf, dass offenbar einer der als schwierig erachteten Punkte der ist, dass Vergleiche gezogen werden können. Zwischen den verschiedenen Sexualpartner und einem selber.

Vergleichbarkeit finde ich allerdings in sexueller Hinsicht ein schwieriges Thema. Ich persönlich bevorzuge es immer, die Verschiedenartigkeit der Partner, mit denen ich was habe in den Mittelpunkt zu rücken. Mir geht es doch nicht darum, etwas mit Personen zu haben, die "genau so gut" oder vielleicht sogar "besser" als mein Partner sind. Das ist hinfällig. Weil es sich nunmal um grundauf verschiedene Personen handelt, die unterschiedliche Arten haben, Sex zu haben. Wollte ich Sex mit einer Person haben, der vergleichbar ist mit dem, den ich mit meinem Partner habe, dann habe ich Sex mit meinem Partner.

Allgemein gibt es viele Ängste, die sich auf die Performancestärke während des Sex beziehen. Vergleichbarkeit wird vorweggenommen in Bezug auf den Erfahrungsschatz, den der Partner/die Partnerin mit sich trägt. Wir treten in Konkurrenz mit Erfahrungen, Personen, Situationen, die wir nicht kennen, die wir nicht nachempfinden können, weil es nicht unsere sind.

Wozu?

Ich denke, wenn man es so betrachten will, dann kann jede einvernehmliche sexuelle Begegnung eine Berreicherung für beide Seiten darstellen, ohne gleich einer Bilanz, einem Vergleich unterzogen zu werden. Und damit schon Druck abbauen.

Vergleichbarkeit kann nicht hergestellt werden, wo so viele unterschiedliche und höchst subjektive Eindrücke aufeinander treffen. Wie mag man einen intersubjektiv nachvollziehbaren Maßstab in Bezug auf Praktiken, Vorlieben, persönlichen "Stil" und persönlichen Erfahrungsschatz konstruieren?

Mir persönlich hilft diese Sichtweise weiter, wenn es um Eifersucht geht, wenn es darum geht, damit umzugehen, dass ich oder eine Person, die mir sehr viel bedeutet Sex mit einer anderen Person hat. Die Angst davor, den Kürzeren zu ziehen entsteht garnicht erst, wenn ich die Vergleichbarkeit von vorne herein ad absurdum führe.

Donnerstag, 1. März 2012

Gegen Frust auf der Waage hilft:

 keine Waage

Gestern habe ich mich gewogen. Das erste Mal seit mindestens 4 Monaten. Ich selbst besitze so etwas wie eine Waage nicht und bin da recht froh drüber. Ich finde, dass Waagen ein Kontrollmechanismus sind, der mich nicht wirklich zufrieden stimmt. Wenn ich mich mit dem, was ich an mir habe wohl fühle, muss ich nicht wissen, was dieser Luxuskörper auf Kilogramm und Gramm reduziert darstellt. Was wird da eigentlich gemessen? Das Gewicht. Na bravo. Was sagt das schon aus über eine Person? 

Eine gewisse Anzahl von Kilogramm auf eine bestimmte Körpergröße modelliert machen einen Menschen noch nicht attraktiv. Weder körperlich, weder geistlich, noch in sonst irgendeiner Form in der man sich Attraktivität ausmalen mag.

Eine gewisse Anzahl von Kilogramm auf eine bestimmte Körpergröße modelliert machen einen Menschen noch nicht glücklich. Mein Gott! Wie viele Personen kennen wir denn bitte, die wirklich unzufrieden mit ihrem Körper sind und wo wir uns nur ein gewisser Neid oder im besseren Fall Bewunderung für den Körper des Gegenübers übrig bleibt?

Als ich gestern, nach mindestens 4 Monaten, wie gesagt, zum ersten Mal wieder auf die Waage blickte, war ich ein wenig überrascht. Darüber, dass sich in meinem Gewicht seit dem letzten Mal nichts geändert hatte. Darüber, wie unbefangen ich gelebt habe, ohne jeden Abend und jeden Morgen eine Bilanz über mein Essverhalten gezogen zu haben. 

Darüber, wie schön es ist, auch mal Exzesse zu haben, sich Pizza zu bestellen, zu viel süßen, dickflüssigen, cremigen Likör zu trinken, den Heisshunger auf Currywurst und Pommes, Eiscreme, Erdbeerschnitte, Mojito, gebackenem Hühnchen mit Erdnusssauce, Muffins, Brownies und all den anderen so genannten "Dickmachern" zu stillen, ohne sich gedanken darüber zu machen, was die Waage am nächsten Tag dazu sagt. 

Ich weiß nämlich genau dass ich, wenn ich eine Waage hätte gar nicht anders könnte, als mich drauf zu stellen und mich regelmäßig schlecht und bang zu fühlen, ob der Unsicherheit des möglichen Ergebnises, ob der "Sünden", die ich mir "erlaubt" habe. Als gäbe es nichts schöneres, nichts wichtigeres, als sich um diese im Grunde genommen doch tierisch aussagslosen Zahlen zu kümmern. Sie sagen nichts über mich aus. 

Montag, 10. Oktober 2011

Alltägliche Nützlichkeiten

Wozu brauche ich einen Knebel, wenn ich Slips und Socken immer zur Hand habe? In einigen Haushalten findet sich auch Klebeband oder Gaffa-Tape, was für ähnliche Effekte eben auch Verwendung finden kann. Und sehr günstig ist. Wofür also der teure Knebel? Ich gebe zu, dass die Teile hübsch sein können, aber so ein Höschen, welches aus dem Mund quillt, ist auch reizvoll und zielgerichtet. Klebeband eignet sich auch perfekt dafür, dieses mit Worten, Sprüchen oder Bildchen zu verzieren und jedem Einsatz ein Motto oder einfach eine persönliche Note zu verleihen. 

Wozu brauche ich Rohrstock, Gerte, Paddle, Flogger, Rute, Peitsche wenn es doch Hände, Holzkochlöffel und Haarbürsten gibt? Bestimmt auch noch viele andere Utensilien jedes gut sortierten Haushaltes, die mir gerade als Schlaginstrumente nicht einfallen wollen.

Wozu brauche ich eine Leine oder ein Seil, wenn es doch auch Gürtel gibt. Unglaublich praktisch und vielseitig einsatzfähig so ein Gürtel. Aus leder und um den Hals gebunden geeignet das Atmen zu kontrollieren, durch den Raum zu führen und in Position zu bringen. Um den Bauch geschlungen können Körper ebenfalls in Position gebracht werden. Und mit der Schnalle in der eigenen Hand eignet er sich mindestens dafür Respekt zu verschaffen. 

Seidenstrümpfe oder Strumpfhosen mit oder ohne Laufmaschen eignen sich gut, um Arme zu fixieren oder Augen zu verbinden. Kerzen spenden Wachs. Kabelbinder verwendet sogar die Polizei. 

Es gibt so viele Möglichkeiten, Haushaltsgegenstände, Accessoires lustbringend einzusetzen, um ein Spiel zu gestalten. SM hängt nicht von finanziellen Möglichkeiten und der Bestückung an kommerziell erworbenen Spielgeräten und Folterinstrumenten ab. Es muss kein Grundstock an Zubehör erworben werden, um mit dem Spiel zu beginnen, wo doch sowieso das Meiste im Kopf spielt, Kreativität und Intuition den Zauber ausmachen.

Wer SM von den zum Einsatz kommenden Mitteln abhängig macht, von der Kulisse in der er stattfindet, beschränkt sich selbst. Wer meint, nicht genug Spielzeug und Zubehör für ein Spiel zu besitzen, der tut dies ebenfalls. 

Es geht auch ohne. Es geht mit ganz alltäglichen Gegenständen, die so zweckentfremdet doch auch einen besonderen Zauber entwickeln. Die wirklich jedem die Möglichkeit bieten, kreativ zu spielen, ohne Unsummen für "richtiges" Spielzeug ausgeben zu müssen. Nach Bedarf, hier und da etwas zu investieren, kann ja schön sein. Wenn es nicht als Notwendigkeit angesehen wird.

Erlaubt ist doch, was Spaß macht.

Mittwoch, 28. September 2011

Rezension: "Spieler für immer" - Cornelia Jönsson

Seitdem es von Harry Potter keine neuen  Abenteuer zu erwarten gibt, gibt es auch nur noch wenige Neuerscheinungen, auf die ich mich sehnsüchtig freue. Zu diesen Raritäten gehört allerdings Cornelia Jönssons neuster Roman "Spieler für immer", der auch den Abschluss der "Spieler"-Triologie darstellt. Im Folgenden möchte ich gerne meine Eindrucke zu diesem Roman und zur gesamten Reihe wiedergeben.

Spieler für immer

Inhalt: 

"In einer Berliner Dachgeschoss-WG wohnen in trauter Viersamkeit Pauline, Franzi, Mo und Marius. Pauline lässt sich treiben, Franzu etabliert Orte der Lust im urbanen Raum. Mo und Marius kümmern sich um Gestrauchelte. 
Keine sadomasochistische Spielwiese ist vor den vieren sicher und Polyamorie ist wunderbar, solange alle mitspielen. Doch eine fünfte bringt das amouröse Netz zum Zerreißen und eine sechste will auch Liebe, wo bisher nur Leidenschaft war. So werden Spielräume erweitert, bis am Ende alles ganz anders ist."

Der Einstieg ins Buch war etwas schwierig. Wie immer, wenn zwischen dem Lesen des Vorgängerromans und dem aktuellen eine gewisse Zeit liegt. Da denkt man glatt drüber nach, den Vorgänger ersteinmal anzulesen, um wieder in Stimmung zu kommen. Verschwert wurde der Einstieg für mich allerdings auch, weil Cornelia Jönsson im dritten Teil was die erzählerischen Stilmittel angeht noch eine Spur experimenteller wird. Sich auf die Perspektive des Geschehens beobachtender Rotkehlchen einzulassen kenne ich noch von Theaterstücken. War allerdings im Bezug auf das Lesen etwas irritierend.


Dennoch tun die Rotkehlchen und Katzen der Handlung keinen Abbruch. Sie tauchen zu Beginn neuer Kapitel und Abschnitte auf, darauf konnte ich mich einlassen. Die Handlung hat mich mal wieder vollkommen mitgerissen. Die Höhen und Tiefen der Charaktere mit zu erleben. Die Handlung an sich, ist wie schon in den Vorgängern streng genommen nicht sonderlich üppig. Geschildert werden die Träume und Ängste, die Leben von Berlinern, die SM leben und lieben, ihre Beziehungen wahlweise offen gestalten, wahlweise deren Sinn in absoluter Selbstaufgabe und Hörigkeit erfüllt sehen. Die mit Geschlechtergrenzen koquettieren oder sie gleich sprengen wollen. Oder für die sie keine größere Bedeutung haben.

Eine große Stärke des Buches, wie auch der gesamten "Spieler"-Triologie sehe ich in der Darlegung der Gedanken- und Gefühlswelten der ProtagonistInnen. Es wird möglich, sich in jeden Charakter hinein zu versetzen. Sie sind dreidimensional. Sie sind unglaublich menschlich. Keine blassen Heroinen, die viel können, die kennen zu lernen beim Lesen aber garnicht  möglich ist, weil der Autor deren Innenleben nur oberflächlich Preis gibt.

Vor allem in Bezug auf die Gedankenwelten leistet Cornelia Jönsson Großes. So schafft sie es jedes mal aufs neue, philosophische Herangehensweisen, Sichtweisen auf SM, auf Polyamorie, auf Geschlechtergrenzen in das Erleben und Erfahren der ProtagonistInnen einzupflechten. Was daraus entsteht ist etwas, was für mich zumindest über den einfachen aber sehr entspannenden Genuss eines Romans hinaus geht. Ich werde zum Nachdenken angeregt. Ich erkenne eigene Sichtweisen in den Gedanken der Handelnden wieder. Ich lerne Perspektiven kennen, die ich vorher noch nicht eingenommen habe, die mir allerdings nachvollziehbar erscheinen. Kurzum: Ich nehme etwas mit. Und für einen "Erotik-Roman" ist das ja schon eine Menge.

Von meinem Standpunkt aus spielt die Autorin auch mit den Wünschen und Sehnsüchten der LeserInnen. Die Räume, die Partys, die Menschen sind zumindest das, was ich mir so oft von einer intakten, poly, kinky und queeren Szene erhofft habe. Sie schafft Schutzräume und Traumlandschaften, die zum Verweilen und zum Schwelgen einladen und in ihrer Offenheit und Wärme schon auch über das hinaus gehen, was die SM-Szene im Allgemeinen zu bieten hat. 

Etwas kitschig und konstruiert allerdings fand ich das Ende des Buches, wenngleich es meinem Harmonie-Bedürfnis doch sehr entgegen kam. Doch möchte ich dazu nicht zu viel verraten. 

Fazit

Alles in allem kann ich "Spieler für immer" nur wärmstens empfehlen. Irritierend fand ich diese Tier-Perspektiven, die letzten Endes doch etwas von Theater haben, aber das tut dem weiteren Lesefluss und -genuss sowie der Handlung keinen Abbruch. Das Buch reflektiert sehr stark Vorzüge aber auch Nachteile von Sadomasochismus und Polyamorie. Es lässt Geschlechtergrenzen nicht so stehen, unkommentiert, sondern spielt mit ihnen. Beziehungsgepflechte in diesem Buch sind geschlechterumfassend. Der Fokus steht nicht auf einem konkreten Handlungsstrang sondern auf den ProtagonistInnen, ihrer Gedanken- und Gefühlswelt sowie ihrer Beziehungsgepflechte.

Ein sehr intelligentes Buch, welches zum Nachdenken anregt, die Phantasie anregt, Lust in den Mittelpunkt des Lebens rückt, ohne dass andere Aspekte des Lebens verblassen.

Cornelia Jönsson
Spieler für immer
ANAIS Band 20
ISBN: 3896025686
9,95 € (D)

Montag, 26. September 2011

Die Macht der Worte

Über Worte entfacht sich der Großteil unserer zwischenmenschlichen Interaktionen. Wir reden viel, wenn der Tag lang ist. Über alles mögliche. Oft sind Worte leere Hülsen, Floskeln. "Hallo, wie gehts?" zum Beispiel. Oft verschleiern sie Tatsachen, sie werden verwendet, um zu verletzen, oder um Verletzungen vorzubeugen.

Es gibt aber auch einen Umgang mit Worten, der so alltäglich nicht ist. Und für viele Menschen auch eine Hemmschwelle darstellt. In vielerlei Hinsicht.

Das Sprechen im Bett. Das Bitten um sexuelle Handlungen, die an einem Vollzogen werden sollen. Gerade das Spielen mit den Worten in diesem Zusammenhang kann jedoch einen besonderen Reiz haben und das Spektrum der sexuellen Spielweisen erweitern. Im Allgemeinen wird das wohl unter dem doofen Namen "Dirty Talk" zusammen gefasst. Ich für meinen Teil finde diese Bezeichnung zumindest eher abschreckend, als anziehend. Liegt aber vorallem an der deutschen Aussprache ("döaty tok"), glaube ich.

Mir ist aufgefallen, dass beim Sex Worte oft keinen Platz haben, dass eben eher körperlich getan wird, Hände in Positionen gerückt werden und eine Art "Stöhn-Skala" aufzeigt, ob das was da so passiert, auch das richtige ist. Wenn man diese Skala gut zu deuten weiß.

Dabei kann das Spielen mit Worten auch eine eigene Dynamik entwickeln, die ich vor allem auch im SM-Bereich zu schätzen weiß. In der Hinsicht, dass man als passiver Part zum Beispiel darum bitten "muss", dass etwas an ihm getan wird. Dass man als aktiver Part den passiven dazu auffordert, klar und deutlich zu vormulieren, was der denn möchte. Das ist in vielerlei Hinsicht schwierig und gleichzeitig so unglaublich reizvoll.

Einerseits leben wir in einer Gesellschaft, die eher darauf ausrichtet im persönlichen Miteinander, es anderen Recht zu machen. Anderen gut zu tun. Gerade als submissiver Part wird das auch etwas sein, was uns in der Hinsicht wohl auch auszeichnet. Um etwas zu bitten, was uns selbst gut tut ist schwierig, weil wir den Fokus nicht auf die eigenen Bedürfnisse setzen und oft auch in Frage stellen, ob wir das, was wir wollen, eigentlich verdienen oder das Recht haben, darauf Aufmerksam zu machen.

Schwierig ist es zudem auch gerade im sexuellen Bereich, weil der Umgang mit Worten hier nichts alltägliches ist. Vieles läuft "normal" nonverbal ab. Es kostet Überwindung und ist mit Scham verbunden über die triebhaften Dinge, das, was uns geil macht zu reden. Oder darüber, wie wir jetzt, in diesem Moment, sexuelle Erfüllung erlangen können. Worte zu verwenden, die im gesellschaftlichen Kontext etwas schmutziges, versautes, verruchtes an sich haben.

Die Barriere, die mit dem Gebrauch dieses Sprachwortschatzes verbunden ist, überwindet man oft nicht von sich heraus. Und viele Worte, die in bestimmten Situationen hätten gesprochen werden können, verhallen im Nichts. Zwang allerdings, sorgt dafür, dass wir es ja machen müssen und kann damit die Hürde aus Scham oder Angst senken und dazu führen, dass wir aussprechen, was wir brauchen, was wir wollen.

Ich denke, gerade die damit verbundene Scham macht dieses Spiel für die Beteiligten auch so reizvoll. Zu sehen, wie der Partner mit sich ringt, die Worte aussprechen möchte. Sich nicht traut. Rot anläuft. Im Gesicht, am Hals, an den Ohren. Anfängt zu stammeln. Einen ersten Versuch wagt. Inne hält. Sich sammelt. Die Worte leise ausspricht... Es setzt ein Adrenalinstoß ein, gefolgt von einer ersten Erleichterung. Zunichte gemacht mit der Mahnung, doch bitte etwas lauter zu sprechen, die Bitte sei gar nicht angekommen. Ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Katze immer gewinnt. Die Maus letzten Endes aber auch. Sie hat sich ihrer Scham, ihrer Angst gestellt und hat es geschafft die Barriere zu überwinden.

Dieses Spiel lässt sich beliebig oft durchleben, es setzt viele Freiheiten frei in der Person, die sich der Überwindung stellt. Und auch wenn es im Umgang mit Freunden kein Problem ist, über Sex zu sprechen, kann es in der Situation, in der man aufgefordert wird eine explizit sexualisierte Bitte auszusprechen immer noch schwer sein, dem nach zu kommen und gleichzeitig wunderschön, wenn man der damit zusammen hängenden Spannung ausgesetzt ist. Die Erfahrung zu machen, "schmutzige" Bitten auszusprechen und dafür anerkannt zu werden, dass man sich überwinden konnte.

Les petits Plaisirs in der "myself"

Sehr erstaunt war ich, als mich eine Freundin aus Südfrankreich vor 3 Wochen anrief und mir mitteilte, dass Les petits Plaisirs in der Frauenzeitschrift myself als einer der "heißesten Blogs" geführt wurde.

Demnach blogge ich "Smartes zu Erotik und Alltag" (myself, S.154, September 2011).

Das freut mich.

Nachzulesen jetzt auch auf der Website der Zeitschrift unter diesem Link.

Sonntag, 29. Mai 2011

"Nur" Knutschen!

Gestern hatte ich ein interessantes Gespräch mit ein paar Freunden bei Bier nach dem Fußballschauen. (Was tut man nicht alles, um unter Menschen zu kommen?) Und zwar hatten sie sich darüber unterhalten, inwiefern Knutschen, auf einer Party, beim Weggehen, nicht impliziert, dass man mit einer Person auch Sex haben möchte. Diejenigen, die sich darüber unterhalten hatten, führten an, dass sie oft gehemmt seien, mit einer Person auf einer Party „rumzumachen“, wenn sie nicht wirklich auch absehen könnten, dass da zumindest an dem Abend auch mehr draus wird. Dem voran gehe eine unausgesprochene Erwartungshaltung, welcher sie sich ausgesetzt sehen.

Ich habe einen Augenblick lang darüber nachgedacht und mir wurde klar, dass ich es so ähnlich sehe. Auch ich habe das Gefühl, einer Person mit dem Knutschen ein Ticket für weitere sexuelle Aktivitäten zu stempeln. Gleichzeitig fällt mir auf, dass das eine überhaupt nicht erstrebenswerte Haltung ist. Wenn ich knutsche, knutsche ich. Allerdings ist das Knutschen oft auch die erste Stufe eines anregenden Eskalationsprozesses. Zunächst küsst man sich sanft, lernt die Lippen der anderen Person kennen, den Rhythmus, die Zunge, den Mund, die Intensität, man stellt sich aufeinander ein, findet einen gemeinsamen Rhythmus und ehe man sich versieht wandern auch schon die Hände über den Körper des/der anderen. Wenn es toll läuft, so kann man weiter machen. Wenn nicht, dann bricht man ab. Geht auf Toilette. Oder findet passende Worte.

Es kann aber auch sein, dass man einfach nicht weiter machen möchte. Aus welchen Gründen auch immer. So ist es doch schwierig, die passenden Worte zu finden, finde ich. Und vielleicht ist es auch nur eigene Feigheit, dass man sich der Situation gar nicht erst stellt und damit einem Knutschen und damit verbundener möglicher Diskussion, einem Abbruch und/oder Enttäuschung aus dem Weg geht.

Andere Freunde am gestrigen Abend sahen den Konflikt überhaupt nicht. Sie führten an, dass für manche Menschen Knutschen einfach auch etwas ganz anderes ist, als Sex. Also das eine gar nicht in das andere übergehen kann, für einige. Weil sie beispielsweise in einer Beziehung sind, in der Knutschen mit anderen ok ist. Alles was darüber hinaus geht jedoch nicht. Diese Menschen wären dann ja immer diesem Konflikt ausgesetzt. Vielleicht sind sie es auch. Ich weiß es nicht.

Aber mir fiel in diesem Zusammenhang auch noch etwas anders auf: „Erfolgreiche“ Abende werden meistens auch darin gemessen, ob man Sex mit einer Person hatte. Zumindest soweit „abgeschleppt“ hat, dass sich Sex daraus hätte entwickeln können. Manchmal werden solche Überlegungen ja auch von übermäßigem Alkoholkonsum torpediert. Seltener rühmt man sich damit, dass man wundervoll herum geknutscht hat.

Und wie schon gesagt: Häufig hält man sich schon mit dem Knutschen zurück, weil man damit kein implizites Versprechen geben möchte. Ich finde das traurig und denke, dass diese Einstellung zumindest bei mir auch ein kleines Umdenken einfordert. Ein Stichwort in diesem Zusammenhang ist nämlich folgendes: Erwartungshaltung.

Erwartungshaltung ist eine Einstellung, die häufig gar nicht bewusst in Erscheinung tritt. Sie ist verknüpft mit unseren Wünschen. Dem was wir Wollen, oder was unserem Bedürfnis entspricht. Wir möchten, dass eine andere Person sich dem entsprechend verhält. Eine Erwartungshaltung misst eine Person, bzw. deren Handeln also daran, inwiefern dieses auch unseren Bedürfnissen entspricht. Damit jedoch blenden wir aus, dass diese Person wiederum ihre eigenen Bedürfnisse hat, die ja gar nicht mit unseren korrespondieren müssen. Enttäuschung kann dann daraus resultieren, dass unsere Erwartungshaltungen nicht befriedigt werden. Dabei geht es uns aber auch nicht um die andere Person als solche, sondern als Bedürfniserfüllerin.

Wenn nun also jemand enttäuscht ist, weil wir es „nur“ beim Knutschen belassen wollen, so liegt dies daran, dass wir ihren Erwartungen nicht entsprechen, bzw. diese nicht erfüllen (wollen). Das Problem haben allerdings nicht wir, sondern die Person, die diese Ansprüche an uns stellt. Wer also aus Knutschen gleich auf Sex schließt, als logische Konsequenz quasi, der berücksichtigt nicht, dass Knutschen eben auch als eigenständige Handlung begriffen werden kann. Sowie auch alle „darauf folgende Stufen“, wenn man sie als solche bezeichnen mag, wobei auch dem wiederum eine Art der Wertung unterliegt, für sich alleine stehen können.

Es wird möglicherweise schwierig sein, wenn nicht sogar unmöglich, jemand anderes davon zu überzeugen, dass auch „nur“ Knutschen eine geile Angelegenheit sein kann, die nicht automatisch in genitale Aktivitäten mündet. Es ist allerdings möglich selber darüber zu reflektieren, ob man nicht selbst Knutschen lediglich als „Vor-Vorspiel“ betrachtet, welches wiederum ein Vorspiel nach sich zieht und den Hauptakt im Geschlechtsverkehr verkörpert sieht.

Sonntag, 23. Januar 2011

Erotischer Salon Essen - 05. Februar 2011

Am 05. Februar dieses Jahres findet in Essen der Erotische Salon von Silke Maschinger und Enno E. Peter, statt. Heimstätte des Erotische Salon ist eigentlich Berlin und das Gastspiel in der Ruhrmetropole eine Premiere. Ich freue mich sehr darüber, dass durch diese Veranstaltung das Spektrum erotischer Events in NRW, erweitert wird.

Die Gäste auf der Bühne sind Heiko Bender, der Chefredakteur des PO-Magazins, Vertretern des SM-Kulturvereins SMart Rhein-Ruhr e.V und Daniela Köhler, der Geschäftsführerin der Sinneslounge in Oberhausen. Den Abschluss des Abends bildet dann eine Dessous-Modenshow des essener Erotikshops für Frauen, Femme Fatale.

Die Talk-Runde verspricht somit ein breites Spektrum der Erotik, von Porno über SM bis hin zu Tantra, abzudecken. Als ZuschauerIn kann man sich je nach eigenem Interesse, Temperament und Stimmung im Hintergrund halten, oder sich (mit Fragen) am Gespräch beteiligen.

Datum: Samstag, 5.2.2011
Beginn: 20 Uhr
Ort: Theater Courage, Goethestr. 67, 45130 Essen

Abendkasse: 15€

Weitere Informationen: Erotischer Salon Essen

(Copyright des Bildes: http://www.erotischer-salon.de/)