Dienstag, 30. September 2008

Ein Hotel

Wenn ich an ein Hotel denke, dann stelle ich mir schon etwas elegantes, luxuriöses vor. Etwas, dass den Glamour vergangener Tage ausstrahlt. Eine Ausstrahlung hat, die in der heutigen Zeit doch schon lange nicht mehr zur Tagesordnung gehört. Dafür haben wir andere großartige Errungenschaften, die ich nicht missen möchte. Aber das gehört jetzt nicht hier her. Nein, es geht um ein Hotel. Um ein tolles, glamouröses und zudem wahrscheinlich nicht sehr günstiges Hotel. Aber wenn ich mich auf solch eine Kiste schon einlasse, muss es auch etwas spezielleres sein. Was mich erwartet, will ich nicht vergessen. Und das passende Ambiente, die passende Ausstattung gehören nun einmal dazu.

Hotels strahlen Anonymität aus. Im Hotel habe ich keine Eltern, die zur Tür rein platzen. Kein Telefon, dass nach mir klingelt. Im Hotel kennt mich keiner. Braucht mich keiner kennen, will mich keiner kennen. Jeder der da ist, ist froh um die Auszeit, die er sich vom Leben nehmen kann. Um die Tatsache, dass er sich nicht kümmern muss, um frische Betten, frische Handtücher. Das Elementare, die Basis ist geebnet. Der Kopf ist frei für das Wesentliche. Für den Genuss, für das Wagnis, das Abenteuer, den Nervenkitzel, die Leidenschaft und vor allem für die Erotik.

Erotik. Was hat dieser Begriff denn noch an sich? Erotik ist so fein, so zerbrechlich, ein Hauch, der im Lärm des Alltags schlichtweg überhört wird. Erotik braucht Ruhe, Zuwendung und Aufmerksamkeit um sich entwickeln zu können um zu prikeln. Einer dezenten Anspielung mag im Alltag keine Bedeutung bei gemessen werden. Die Sinnlichkeit eines Nackens, der Bewegung eines Handgelenks geht unter in den Fluten der Reize, die auf uns wirken.

Im Hotel, in diesem gemieteten Zimmer sind externe Reize jedoch ausgeschlossen. Gänzlich unerwünscht und zudem auch noch vollkommen überflüssig hinsichtlich der Möglichkeiten, die sich in diesem geschützten Rahmen ergeben. Sie ergeben sich nicht nur, sie preisen sich geradezu an. Sie verzehren sich danach, ergriffen zu werden.

Genau so wie ich, in dem Moment, in dem ich das Zimmer aufsuche.


(Bild mit freundlicher Genehmigung von Roman Kasperski.)

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