Dienstag, 30. September 2008

Roman Kasperski

In den Weiten des Internets finden sich merkwürdige, belanglose, langweilige, bedenkliche und überflüssige Präsenzen en masse. Besonders was Sexualität angeht, vermeintliche Erotik, so wird man überschüttet von Angeboten, die austauschbarer und billiger kaum sein könnten. Ein Sinn für Ästhetik macht gespreizten Schenkeln platz, die Blicke jenseits jeglicher Schamgrenze gewähren. Schnappschüsse, verpixelte Brüste. Fliegenbeinige Wimpern offenbaren willige Blicke. Ästhetik sucht man vergeblich.

Anders ist die Kunst des Photographen Roman Kasperski. Seine Werke sind durchaus der Erotik verschrieben. Doch genau das sind sie auch: erotisch. Mal subtil, mal offensiv, doch nicht über ein Maß hinaus, welches die Grenze zwischen Erotik und Pornographie aufhebt. Seine Motive kitzeln den BDSM- und Fetisch-Bereich, zeigen schöne Menschen, ausdrucksstarke Gesichter und anregende Szenarien.

Viele Bilder des aus Oberhausen stammenden und in dieser Stadt ansässigen Künstlers mögen auf die eine Betrachterin und den anderen Betrachter provozierend wirken, wo doch gefesselte und geknebelte Menschen, vorzugsweise Frauen, gezeigt werden. Allerdings wird dies in einer derartig stilvollen Weise inszeniert, dass von jeglicher Entwürdigung oder Sexismus keine Rede sein kann. Gezeigt werden Szenen, die einer sexuellen Welt entspringen, welche auch heute noch, oder vielleicht sogar mehr denn je, für Entrüstung und Ablehnung in vielen Gemütern sorgt.

Roman Kasperskis Kunst spielt mit gesellschaftlichen Tabus, mit sexuellen Präferenzen. Sie inszeniert sich mal klassisch, mal poppig. Sie spielt mit dem Betrachter und seiner Gedankenwelt, sie spielt mit den Verboten, die wir uns selbst auferlegen. Doch egal in welcher Form sie sich inszeniert, sie ist das Gegenteil von Fast Food Photographie.

Es gibt lediglich einen Punkt, den ich an den Werken dieses Künstlers bemängeln könnte. Und zwar die Tatsache, dass seine Modelle doch schon fast zu perfekt erscheinen.
Natürlich ist es schön, sich einen wohl geformten Körper anzusehen. Doch sind die Körper, die Roman Kasperski zeigt, ziemlich genau das, was auch dem gängigen Schönheitsverständnis entspricht. Es vermittelt den Eindruck, dass Schönheit eben auch Schlankheit bedeutet. Dass große Brüste gepaart mit einem flachen Bauch die Zauberformel für eine ästhetische Frau ist.

Auch wenn ich mir wünschte, dass rundlichere Frauen, weniger perfekte Frauen, schön in Szene gesetzt würden, wertet das Roman Kasperskis Arbeit in meinen Augen in keinster Weise ab. Seine Werke sind ohne Frage ästhetisch, ausgefallen, kontrovers und erotisch. Sie laden ein, sich in erotische Gefilde zu begeben, die abseits von dem liegen, was manch einer als alltäglich begreift. Sie zeigen Motive, Szenen und Menschen, die uns nicht in den alltäglichen Medien begegnen und wenn doch, dann einen besonderen Grad der Verruchtheit darzustellen suchen. Doch in Roman Kasperskis Bildern wirkt es authentisch. All dies wird nicht inszeniert, um zu provozieren. Es ist klar, dass auf der Seite der Sexualität, auf der sich seine Bilder abspielen, Augenbinden, Fesselungen, Lack und Latex ein fester Bestandteil sind.

Fotos mit der freundlichen Genehmigung von Roman Kasperski verwendet.

Kommentare:

  1. hm hm hm. also mir erschließt sich jetzt nicht so ganz, wie sich der junge mann mit seinen werken von seinen genre-kollegInnen abheben soll (ok, vlt dadurch, dass er selbst wohl recht ansehmlich ist?! :D ). aber ich bin auch nicht so vom fach ;)

    diese werke aber pauschal von "jeglichem seximus" freizusprechen (durch siene stilvolle inszeniereung??), finde ich schon etwas gewagt.
    wobei ich den sexismus-begriff zunehmend gar nicht mehr so verwenden mag, da der ja alles und nichts bedeuten kann und vor allem viele leute ihn synonym mit "sexualisiert" verwenden, was ja nun ziemlich an der sache vorbeigeht.
    aber wenn ich mich so durch seine galerie klicke - also ich finde die motive überwiegend genderstereotypisierend (LOL was für ein wort). und dass der frauenateil in seinen werken (laut interview) 'nur' gut 2/3 ausmachen soll halte ich auch für etwas beschönigend.

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  2. Oh, freut mich aber, dass der alte Hut nocheinmal hervorgeholt wird! :-)

    Ich finde, er hebt sich von seiner Art mit Licht und Stimmungen umzugehen, sowie mittels kleiner Details, von Kollegen ab. Seine Fotografie hat immer etwas sachliches, distanziertes. Zumindest wirkt es für mich so.

    Was den Frauen-Männeranteil angeht, hast Du wohl recht, wie er da auf 2/3 kommt, hab ich ihn vorhin nochmal gefragt, es war eher eine subjektive Einschätzung, denn eine empirische Feststellung.

    Das Problem ist nunmal, dass es viel zu wenig Männer gibt, die sich vor die Kamera stellen wollen. Dieser Wunsch oder Drang ist bei Frauen ausgeprägter. Solltest Du Männer kennen, die gerne posieren, schreib mich oder ihn doch bitte an! ;-)

    Ja, in gewisser Weise sind die Sachen schon genderstereotypisierend. Aber zum Teil überspitzt, oder mit einem Augenzwinkern oder einfach so, ohne daraus ein Politikum zu machen. Allerdings hatte ich nie den Eindruck, dass Frauen, auch in submissiver Rolle, schwach inszeniert werden. Was ich bei vielen Modefotografen, auch ohne dass Bilder irgendeinen SM-Bezug haben, schon so sehen würde.

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