Mittwoch, 22. Oktober 2008

Interview mit Ina Küper ("Alley Cat")

Ende September informierte ich geneigte Leser/innen schon über die "Alley Cat",  dem einzigen deutschsprachigen Erotikmagazin für die Frau. Chefredakteurin Ina Küper war so nett, mir ein Interview für "Les petits Plaisirs" zu geben.

Mademoiselle Nocturne: „Alley Cat“ ist das erste Erotikmagazin Deutschlands für die Frau. Was macht ein solches Magazin notwendig?

Ina Küper: Die Daseinsberechtigung von Alley Cat liegt auf der Hand. Männer haben seit jeher unzählige Erotikmagazine, die auf ihre ganz persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Und wir Frauen? seit dem Ende der Playgirl ist uns in diesem Bereich so gut wie nichts geblieben! Frauen sind die Hauptabnehmerinnen von Sextoys, mittlerweile gibt es dutzende Pornos nach weiblichem Geschmack und erotische Bücher überschwemmen den Markt. Da war ein Erotimagazin für Frauen der logische nächste Schritt.

M.N.: Was hat Dich und Deine Redakteurinnen dazu veranlasst, ein solches Magazin zu entwickeln?

I.K.: Wie du bestimmt weißt rührt die ganze Idee aus einer Semester- und Examens-Arbeit. Aufgabe war: Entwickelt ein noch nicht existentes Magazin-Konzept! Quasi unlösbar. Doch dann fiel mir auf, dass es da diese winzig kleine und doch riesengroße Marktlücke gibt und die konkrete Idee war geboren!

M.N.: Wie bewertest Du das Feedback was ihr bisher bekommen habt?

I.K.: Zu 99% positiv! Von 100 Leserinnen sind wirklich (und das sage ich nicht nur so daher) 99 begeistert. Mich erreichen nur ganz selten kritische Stimmen. Und diese zielen meistens auf Kleinigkeiten im Layout oder der Aufmachung ab. Unsere Grundidee hat noch niemand in Frage gestellt. Natürlich sind Journalisten immer etwas kritischer und stellen auch mal provokante Fragen. Oft werde ich in Interviews gefragt: Ist Alley Cat nicht zu harmlos? Andere meinen: Dieses Magazin ist viel zu frivol! Naja, wir bleiben unserem Konzept treu denn unseren Leserinnen (und um die geht es uns) gefällt was wir machen!

M.N.: Mit welchen Themen kann die Leserin der „Alley Cat“ rechnen?

I.K.: Wir beschreiben und visualisieren Alles, was mit weiblicher Lust zu tun hat. Unsere Leserinnen dürfen äußerst unverblümte Interviews, erotische Kurzgeschichten, Kolumnen und Reportagen erwarten. Außerdem legen wir viel Wert auf ansprechende Fotostrecken und eine tolle Aufmachung. In der aktuellen Ausgabe finden sich zum Beispiel die Themen „Die perfekte Penisgröße“, „Fetisch“, „Die besten Gleitgele“ oder „Verbalerotik“. In der kommenden Ausgabe werden wir uns sehr intensiv mit dem Thema „Escort“ und „Pornos für Frauen“ beschäftigen.

M.N.: Lohnt sich ein Blick in Eure Zeitschrift auch als Mann?

I.K.: Durchaus! Allein schon deshalb weil Mann vieles über typisch weibliche Fantasien und Vorlieben erfahren kann. Männer finden in Alley Cat Cunnilingus-Anleitungen, praktische Hilfsmittel, stilvolle Geschenkideen und weibliche Meinungen. Außerdem finden sich in jeder Ausgabe tolle Bilder von nackten Frauen!

M.N.: In wiefern unterscheidet sich die „Alley Cat“ als Erotikmagazin von den Exemplaren, die für Männer konzipiert sind?

I.K.: Viele Männer-Erotik-Magazine leben von nackter Haut und recht anspruchslosen Texten. Das ist bei uns ganz anders! Zwar setzten auch wir gezielt plakative Nacktheit (bei Männern und Frauen) ein, aber unsere Bildsprache ist doch eine ganz andere. Auch wenn auch wir spärlich bekleidete Frauen zeigen ist der Blickwinkel anders. Unsere Fotos sind ästhetisch, teilweise künstlerisch oder auch ganz natürlich. Ein platinblondes Busenwunder aus Plexiglassohlen wird man bei uns nie finden. Unsere Texte sind direkt aber nie anspruchslos oder platt. Neben informativen oder inspirativen Artikeln arbeiten wir zum Beispiel mit sinnlichen Kurzgeschichten. Alley Cat ist ein ästhetisches Bild- und Text-Erlebnis!

M.N.: Auch „Alley Cat“ widmet sich Themen wie Beauty und Wellness. Was unterscheidet sie von gängigen Frauenmagazinen?

I.K.: Wenn wir über Beauty- und Wellness-Themen schreiben, beleuchten wir das Ganze schon aus einer sinnlich-sexuellen Perspektive. Für uns ist Make-up Mittel zum Zweck: Unsere Leserinnen schminken sich, um sich verführerisch zu fühlen und die Femme Fatale zu mimen. Bei uns geht es niemals darum möglichst dünn und der Norm entsprechend zu sein. Diät-Tipps und Schönheits-OPs sind für uns Tabu! Wir plädieren für tolle rote Lippenstifte, künstliche Wimpern, stimulierende Massage-Öle, Intim-Cremes oder Spa-Besuche, die uns Frauen ein sinnliches Selbstbewusstsein verleihen. Kosmetik gehört für uns einfach zum Rundum-Verwöhn-Programm und damit zum Konzept von Alley Cat.

M.N.: Ist die „Alley Cat“ hauptsächlich für heterosexuelle Frauen interessant, oder können sich auch lesbische und bisexuelle in ihr wiederfinden?

I.K.: Ich glaube auch bisexuelle Frauen finden sich in Alley Cat wieder. Schließlich spielen homoerotische Fantasien im Magazin immer wieder eine Rolle. Ich bin mir ziemlich sicher, dass fast alle Frauen von einem gleichgeschlechtlichen Abenteuer träumen und diesen Traum bedienen wir! Bei lesbischen Frauen bin ich mir nicht sicher. Ich bin nicht lesbisch und kann das daher nur schwer beurteilen. Aber ich denke dass auch Frauen-liebende Frauen Spaß an Alley Cat haben. Denn erotische Accessoires oder Spielzeuge sind für jede Frau reizvoll! Nur die dazugehörigen Fantasien decken sich vielleicht nicht immer. ;)

M.N.: Was genau bedeutet Erotik für Dich?

I.K.: Ich unterscheide zwischen Erotik und Sexualität: Sexualität ist für mich ein Grundbedürfnis wie Essen, Schlafen und Trinken. Allerdings bin eine „ganz normale“ Frau mit „ganz normalen“ sexuellen Problemen. Von Zeit zu Zeit leider ich unter Lustlosigkeit, verkrieche mich in mich selbst und bin nicht in der passenden Stimmung. Erotik im Sinne von erotischen Bildern, Texten und Fantasien hilft mir mich zu entspannen, mich fallen zu lassen und verschafft mir im besten Fall sexuelle Erfüllung. All dies versuche ich in Alley Cat zu vereinen! Alley Cat ist für mich Erotik – sinnliche Hilfestellung bei der Befriedigung von typisch fraulichen Bedürfnissen.

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