Donnerstag, 29. Januar 2009

Rezension: Alley Cat - 1. Ausgabe 2009


Schon vor einigen Monaten habe ich über das Erotik-Magazin für die Frau, Alley Cat, in diesem Artikel berichtet. Seit gestern, dem 28. Januar, ist die erste Ausgabe des neuen Jahres bei den Zeitschriftenhändlern größerer Bahnhöfe, erhältlich.

In oben genanntem Artikel habe ich dieses neue Format mit sehr viel Wohlwollen gewürdigt, in der Hoffnung, dass es für sogenannte "Frauenmagazine" doch noch ein Licht am Horizont gibt. Denn gängige Exemplare überbieten sich an der Manifestierung von Geschlechterklischees, Konsumterror und absurden Sextipps, welche die sittsame aber moderne und unabhängige Frau in die perfekte, unersetzbare Liebesdienerin verwandeln.

Auch diese Ausgabe der Alley Cat besticht durch ein sehr ansprechendes, ästhetisches Layout, daran soll das Format wirklich nicht scheitern. Doch kommt es bekanntlicher Weise auch auf den Inhalt an. Und da muss ich, so leid es mir tut, einen raueren Ton anschlagen.

Wie ich schon schrieb, war ich von der vorherigen Ausgabe der Alley Cat nahezu begeistert. Die Themen waren sehr ansprechend, es fand sich kaum Werbung vor und die Zeitschrift war eher textlastig, Produktinformationen hielten sich im Rahmen, passten allerdings auch gut in dieses Format.

Neben interessanteren Themen, wie dem Burlesque Tanz-Workshops der Berlinerinnen "The Teaserettes", weibliche Sicht auf Pornofilme, Einblicke in die Welt der sexuellen Dienstleistungen, zu dem ich die Artikel und Berichte allerdings noch nicht gelesen habe, beschäftigt sich die Alley Cat mit erotischen Fantasien der Frauen. Allerdings in einer Form, die wirklich nichts neues mehr offenbart, sondern im Grunde entbehrlich ist. Fazit: Frauen sind in ihrer Sexualität oft gehemmt, sexuelle Fantasien sind kein Indiz für sexuelle Unzufriedenheit, für sexuelle Fantasien braucht man sich nicht schämen, egal wie sie sind. Nun gut. Ein Artikel, der in der Form auch in der Brigitte stehen könnte. Nein, von einem Erotikmagazin wünsche ich mir doch irgendwie etwas prickelnderes, gewagteres als das.

Doch auch das könnte ich wohlwollend in Kauf nehmen, würden nicht 32 der 102 Seiten des Heftes aus Bildern bestehen, die offizielle Werbung nicht mit eingezählt! (Letztere hält sich allerdings auch noch im Rahmen des Erträglichen.) Also gut 30%. Für mich vollkommen inakzeptabel. Eine Zeitschrift kaufe ich mir aufgrund der Inhalte und nicht der Modestrecken für Marken, deren Produkte ich mir mit größter anzunehmender Wahrscheinlichkeit von meinem lächerlichen Studentengehalt nicht werde leisten können und möglicherweise trotz meines weiblich-natürlichen Hangs zum Konsum, auch garnicht kaufen will. Denn von den in der Alley Cat publizierten Bilder dienen lediglich 10 dazu, Photographen und damit Kunst, vorzustellen. Der Rest dient kommerziellen Zwecken und stellt somit auch keinen Unterschied zu gängigen Frauenzeitschriften dar, denn auch die beworbene Mode ist nicht über alle Maße aufreizend, anrüchig oder kinky.

Für mich gender-sensibilisierte Frau, war allerdings schon das Editorial ein herber Schlag. Etwas misslich finde ich es, ein Thema wie Geschlechterklischees flockig leicht in das Vorwort zu packen, welches der geneigten Leserin schließlich in die Welt des Magazins geleiten soll. So lässt sich zum Beispiel lesen:

"Es gibt unendlich viele Frauen-Klischees. Ein paar davon, etwa die Sache mit den Schuhen, der Lust auf Konsum oder dem Kommunikationsdrang mögen stimmen."
Worte, mit denen ich mich in keinster Weise identifizieren kann. Worte, die mich auf eine Debatte einladen, mit der ich mich gerne in einem anderen Artikel befassen werde. Worte, die vollkommen unreflektiert daher kommen und bei kritischeren Gemütern bestenfalls einen schalen Beigeschmack hinterlassen.

Es ist wirklich nicht mein Anliegen, die Macherinnen der Alley Cat zu diskreditieren und das Format zu zerreißen. Doch gab mir diese Ausgabe mehr als genug Stoff, der durchaus kritikwürdig ist. Ich hoffe, dass die nächste Alley Cat wieder knackiger daher kommt und keine Geschlechterklischees zu Gunsten des Konsums, speist.


Kommentare:

  1. Deine Rezension gefällt mir. Du kannst gute Argumente vorbringen. Ich habe die Alley Cat noch gar nicht gekannt. Ich hoffe immer noch auf Zeitschriften für Frauen, die auch unser geistiges Wohl berücksichtigen. Übrigens stehen bei mir nur fünf oder sechs Paar Schuhe im Schrank :o)

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  2. Hallo Patricia,

    ich denke, die Alley Cat kann man sich in jedem Fall kaufen, um sich selbst ein Bild zu machen. Sie kostet 4,50€ und kommt alle zwei Monate raus. In gewisser Weise ist sie schon was anderes, denn ein Erotikmagazin für Frauen gibt es ja in der Form nicht. Einen feministischen Anspruch hat das Magazin allerdings nicht wirklich. Leider.

    Aber vielleicht kannst Du ja auch was mit meinem Blog anfangen. :-)

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  3. Klar kann ich :o) Du hast einen guten Schreibstil.

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  4. ich find das cover ganz furchtbar. die frau sieht tot aus uns in verbindung mit dem makeup und den männerhänden da kommen bei mir gar keine guten assoziationen auf....

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