Dienstag, 6. Januar 2009

Rezension: Sonia Rossi - Fucking Berlin

Zu meinem Geburtstag überraschte mich ein Freund mit diesem Buch. "Fucking Berlin - Studentin und Teilzeithure". Ich musste lachen, da ich kurz davor stand mein Studium anzufangen und solche Neckereien unter Freunden doch ganz meinem Humor entsprechen.

Seitdem Charlotte Roche "Feuchtgebiete" auf den Markt gebracht hat, ist es fast schon normal geworden, dass junge Frauen sich öffentlich über Sexualität äußern. Und sich selbst als Prostituierte zu bekennen, scheint auch nicht mehr das große Problem zu sein. Im Gegenteil ist dies wohl der Stoff, aus dem Bestseller heut zu Tage gemacht werden. Denn viele Menschen sind sehr neugierig darauf, wie das Leben einer Frau im Rotlichtmilieu wirklich ist, die eine oder der andere wird sich vielleicht auch mit seinen eigenen Phantasien konfrontiert sehen.

Und so beschreibt Sonia Rossi in ihrem Buch die Zeit ihres Studiums, wie sie als Ausländerin nach Berlin kam und ihre einzige Möglichkeit, genügend Geld zu verdienen und gleichzeitig ihr Studium meistern zu können, darin sah, sich zu prostituieren.
Es ist spannend, zu lesen, was sie als Einsteigerin in dieses Milieu erlebt. Spannend, einen Einblick in dieses Gewerbe erhaschen zu können, ohne sich direkt, persönlich damit auseinander setzen zu müssen. Das Buch ist sehr einfach geschrieben, lässt sich flüssig lesen, ist aber schlichtweg und ergreifend einfach ein Erfahrungsbericht und keine literarische Meisterleistung.

Erschreckend jedoch, war es für mich, zu erfahren, was man nicht alles für gerade mal 30€ bekommen kann. Und erstaunlich auch, wie viel Geld man dennoch in diesem Gewerbe verdienen kann. Dies verdeutlich, weshalb es wirklich so viele Frauen gibt, die diesen Beruf mehr oder minder freiwillig ausüben.

Eine Lobeshymne an die Prostitution ist "Fucking Berlin" allerdings nicht. Mich persönlich hat es eher abgeschreckt, als dass ich nun mit dem Gedanken spielen würde, mir auf diese Art mein Studium zu finanzieren. Es macht deutlich, dass die Autorin, auch wenn sie, streng genommen, freiwillig diese Arbeit aufgenommen hat, in einer finanziellen Zwangslage war, die ihr nahezu keine andere Möglichkeit gelassen hat, als sich auf diesen Weg den Lebensunterhalt zu verdienen. Schließlich hatte sie als Ausländerin keinen Anspruch auf staatliche Förderung und andere Jobs zu viel Zeitinvestition benötigt hätten, um nebenbei studieren zu können.

Und dies macht auch sehr deutlich, dass Prostitution schon lange nicht mehr ein Beruf ist, der von Frauen ausgeübt sind, die am sozialen Abgrund balancieren oder schon durchs soziale Raster gefallen sind. Nein, es sind auch junge, kluge Frauen, ambitionierte Studentinnen, die von einer akademischen Karriere träumen - mit finanzieller Unterstützung nicht rechnen können. Sonia Rossi war hatte nun als Ausländerin keinen Anspruch auf BAföG. Doch gibt es auch unzählige BundesbürgerInnen, deren Eltern irgendwie zu viel verdienen - ein Geld, von dem jedoch die Ausbildung und der Lebensunterhalt des Nachwuchses dennoch nicht getragen werden kann. Eine Situation, die sich nun, wo es Studiengebühren gibt, die zum Sozialbeitrag noch hinzu kommen, noch zuspitzt. Dieses Semester waren bei mir beispielsweise 700€ fällig. Dass solche Summen dazu anleiten, möglichst schnell zu studieren und somit wenig Zeit in eine Nebenarbeit zu investieren, ist eine logische Konsequenz.

"Fucking Berlin" lohnt sich zu lesen, für diejenigen, die gerne mal einen Einblick in die Prostitution erhalten wollen, die Anregung oder Abschreckung suchen oder sich über die Folgen der Bildungspolitik aufregen wollen. Wer bei seichter Lektüre allerdings zu Ausfallerscheinungen neigt, sollte die Finger davon lassen. Auch wird das Buch für viele Gemüter nicht kritisch genug sein, was Prostitution als solche, als Handhabe des weiblichen Körpers als Ware, angeht. Ein Kritikpunkt, den ich gut nachvollziehen kann.

Sonia Rossi
"Fucking Berlin - Studentin und Teilzeithure"
8,95€ Ulstein Verlag

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