Freitag, 13. Februar 2009

Doktorspiele 2.0: Jugendsexualität wird Kinderpornographie

Das Entdecken der Sexualität hat viel mit Forschung, mit Enthüllung, mit Experimentieren zu tun. Ich denke, das war schon immer so. Wohl jeder kann sich noch an eine Zeit zurück entsinnen, in der man halb verschämt, halb erregt Doktorspiele oder ähnliches unter Freunden gespielt hat. Wo man sich gegenseitig auszog, anfasste, den Körper verglich, vielleicht auch Lust empfand. Man wohl wusste, dass dies nichts war, was man den Eltern auf die Nase binden musste, doch ernsthafte Schuldgefühle hatte ich zumindest nicht.

Und heute hat das Entdecken der Sexualität noch genau so viel mit Forschen, Enthüllen und Experimentieren zu tun! Ich denke nicht, dass sich das verstärkt hat. Aber die Mittel haben sich geändert. Jugendliche haben nunmal Zugang zu pornographischen Quellen. Daran wird sich so schnell nichts ändern lassen. Und hätte es vor 50 Jahren einen Zugang in ähnlicher Form gegeben, so hätten den auch die Jugendlichen damals genutzt. Während man früher vielleicht bei der älteren Schwester durchs Schlüsselloch geschaut hat, um sie beim Ausziehen zu beobachten, den Eltern beim Sex gelauscht hat, wird dies nun durchs Internet ersetzt.

Zur Zugänglichkeit von pornographischen Medien kommt natürlich noch die Verfügbarkeit von digitalen Foto- und Videokameras dazu. Der Vorteil: man kann alles Mögliche so oft wie man möchte in jeglicher Form fotografieren oder filmen, kann es sofort sehen, löschen oder speichern, ohne dass man ersteinmal etwas entwickeln muss. Ein großartiges Instrument für jeden Teenager, der gerne forscht, enthüllt und experimentiert! Nun kann man sich fotografieren, sich filmen, seinen Körper, seine Sexualität durch das Auge eines zweiten sehen und auch mit dem Auge eines solchen Teilen, wenn man das denn möchte. Es ist das selbe Doktorspiel wie noch vor 10 Jahren, lediglich technisch verfeinert.

Oder es ist, von einem anderen Standpunkt aus betrachtet, eine der höchsten und verwerflichsten Formen von Kriminalität. Nämlich Kinderpornographie.

Jugendliche unter 18 Jahre, die sich selbst aufzeichnen, machen sich zunächst ein mal der Herstellung von Kinderpornographie strafbar. Wenn sie dieses Bild-, bzw. Filmmaterial mit anderen Teilen, so kommt noch der Tatbestand der Verbreitung dergleichen hinzu. Wer Bild-/Filmmaterial von Gleichaltrigen auf dem Rechner oder Handy hat, ist des Besitzes schuldig. Es findet eine Kriminalisierung statt, wo sie am wenigsten etwas zu suchen hat. Wie soll denn ein gesunder Umgang mit der Sexualität entstehen, wenn die neue Form, die mit dieser einher geht, stigmatisiert wird?

Statt sich mit den offensichtlichen Bedürfnissen des Zeigens und Sehens ernsthaft, konstruktiv und verständnisvoll auseinander zu setzen, werden diese zu einem Strafbestand deklariert. Während es wesentlich sinnvoller wäre, die Jugendlichen für Themen, wie Pädophilie zu sensibilisieren, die damit einher gehen, wenn derartiges Bildmaterial ins Internet gelangt. Jugendliche sind selbstständig denkende Menschen. Jugendliche gehören geschützt. Aber sie brauchen Freiräume um sich entwickeln zu können. Wenn ein Jugendlicher das Haus verlässt, besteht immer die Gefahr, dass er entführt wird. Die meisten Fälle sexuellen Missbrauchs finden innerhalb des familiären Umfelds statt. Konsequenz ist es nicht, Kinder und Jugendliche nicht alleine auf die Straße zu schicken, sie nicht alleine mit Verwanden zu lassen. Konsequenz ist es, sie zu sensibilisieren, ihnen zu versichern, dass gewisse Dinge nicht in Ordnung sind. Dass man für sie da ist und ihnen glaubt.

In der Form wäre es wichtig, einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu vermitteln, statt diesen zu verteufeln. Denn wie alles im Leben, sind es gerade die verbotenen Dinge, die ihren ganz besonderen Reiz haben. Und ein Handy ohne Kamera zu finden, ist mehr als schwierig. Wenn Jugendliche beginnen, sich für Sex zu interessieren, klärt man sie über Empfängnisverhütung und Schutz vor Geschlechtskrankheiten auf. Die Kriminalisierung des freiwilligen Exhibitionismus und Voyeurismus unter Jugentlichen ist für mich zumindest ein Schritt in die falsche Richtung.

Kommentare:

  1. Aber hallo, ganz meine Worte!

    Das neue Sexualstrafrecht

    Ein gelungenes Pladoyer, Mademoiselle Nocturne, nicht gegen, sondern für.

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  2. Hallo Promisc,

    danke für Deinen Kommentar!

    Naja, was heißt "für"?

    Persönlich finde ich nicht, dass Jugendliche unbedingt Nacktaufnahmen von sich machen und anderen zeigen müssen. Aber letzten Endes ist es ihre Entscheidung das zu tun. Eine stigmatisierung oder gar kriminalisierung bringt einfach nichts. Es ist wichtig die Bedürfnisse der Jugendlichen ernst zu nehmen. Gerade, wenn es um Umgang mit der Sexualität geht.

    Aber anstatt sich damit auseinander zu setzen, weshalb Jugendliche pornographischen Vorbildern nacheifern, wird einfach der moralische Finger drauf gehalten, der nun sogar an staatlicher Hand verwachsen ist!

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  3. Suchen Sie ein wenig nach "Sexting" und "Scheinminderjährigkeit"..

    Das Mittelalter kam übrigens schon 2001:
    23.11.2001 Cyber Crime Convention

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