Montag, 16. Februar 2009

Let`s talk about SEX!

Es gibt Leute, die Gedanken lesen können, die Blumensprache beherrschen oder einem jeden Wunsch aus den Augen lesen. Auch ich bin solchen Menschen schon oft begegnet.

In meinen Träumen.

Vorhin habe ich gelesen, dass ein Mann sich vom Zieren seiner Partnerin, was beispielsweise den Cunnilingus oder Analsex angeht, nicht von seinem Ziel, ebendies zu tun, abbringen lassen soll, sondern mit Geduld und Spucke (nun weiß ich endlich worauf dieses Sprichwort zurück zu führen ist), einfach vorpreschen soll. Natürlich nicht ohne Gefühl. Nein, nein. Er soll seine Partnerin umgarnen, ihr schöne Augen machen, ihr sagen, wie sehr er sie begehrt und sich immer wieder vortasten. Irgendwann wird sie sich gehen lassen. Die Frage ist nur, ob dies auf ein, als solches empfundenes, Stürmen und Drängen, oder wahre Leidenschaft und die Verführungskunst ihres erfahrenen Liebhabers zurückzuführen ist. 

Ich denke mir meinen Teil.

Liebe Leute, wer den Mund nicht aufkriegt, sollte sich nicht wundern, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie gewünscht sind. Habt ihr es schonmal an der Wursttheke mit nonverbaler Kommunikation versucht? Warum sollte es dann im Bett klappen? 

Warum fragt der Mann nicht einfach nach, weshalb sich die Freundin nicht lecken lassen will? Oder woher ihre Abneigung gegen Analsex kommen? Das wird ja alles wohl einen Grund haben. Und dem, bzw. der Betroffenen bringt es auch nicht, davon auszugehen, dass der Partner schon wissen wird, was das Problem ist. Natürlich werden wir uns schon was dabei denken, wenn wir eine Beziehung eingehen. Unsere Partner sind immer was besonderes. Aber die Fähigkeit des Gedankenlesens, mag ich, bei aller Liebe, doch keinem Unterstellen. 

Was hilft ist Reden. Immer wieder ausprobieren ob es nicht doch klappt, wird nur Druck und Frustration, eventuell auch Bindungsängste auslösen. Kann man den Partner halten, wenn man sich nicht anal penetrieren lässt? Wird er fremdgehen? Vielleicht gibt man sich über diesem Weg Dingen hin, die man eigentlich nicht machen will oder zu denen man einfach noch nicht bereit ist. Wenn man seinen Partner gern hat, wird man das vermeiden wollen. 

Verbale Kommunikation mag im ersten Moment vielleicht Hemmungen hervor rufen, aber wieso sollte man über die Dinge, die man macht, nicht auch reden können? Gerade der Partner, wird einen dafür doch nicht maßregeln. (Und wenn er es tut, sollte er sich schämen, nicht Du!) Verbale Kommunikation wird oft auch nicht als erotisch oder romantisch wahr genommen, aber im Endeffekt ist sie das! Nur so kann man sich unmissverständlich äußern, nur so kann man die eigene Wünsche und Ängste thematisieren und nur so können Pannen beim Sex vermieden werden. Und wer über Sex redet, wirkt selbstbewusster, wird auch seinem Selbstbewusstsein tatsächlich etwas Gutes tun. 

Und über Reden, werden oftmals Erinnerungen an erotische Erlebnisse wach gerüttelt und die Lust auf Sex geweckt. 

Kommentare:

  1. Bin vollkommen deiner Meinung. Der verlinkte Text ist einfach gruselig. Jaja, der Mann weiß besser, was für die Frau gut ist. Einfach mal die Vorlieben der Frau ignorieren, am Ball bleiben, dann bekommt Mann, was er will. Bloß die eigenen Wünsche nicht ändern. "Ihre Aufgabe ist es, die richtigen Knöpfe zu betätigen" Bitte? Frauen sind Automaten, wenn man richtig drückt, kommt der Orgasmus raus oder wie? /headdesk/
    Sex ist toll. Nach dem Sex über den Sex reden ist wunderschön. Mit dem anderen auf Entdeckungsreise zu gehen, einander zu erforschen, und zwischendurch kleine Postkarten aneinander... wie soll man sich sonst kennenlernen?

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  2. Was für ein blöder Beitrag (der verlinkte)!

    "Man wird zur Antwort bekommen, weil man das nicht tut." Und die Antwort darauf: "Ich will dich zum Orgasmus bringen, und das ist der sichere Weg. Also entspann dich endlich, du Kuh." Oder so.

    Der un-durchschnittliche Liebhaber (ich enthalte mich mal, ob über- oder unter-) macht also einfach weiter, und wenn sie etwas nicht will, macht er es trotzdem, denn er hat ja nur ihr Bestes im Sinn, und sie weiß es einfach nicht besser.

    Wohlgemerkt, ich bin ein Befürworter von GGG (Good, Giving and Game), dass man also erst Mal den Wünschen des Partners gegenüber aufgeschlossen sein sollte. Aber trotzdem gibt es Dinge, die Tabu sind, und solche, die erst besprochen werden müssen. Ebenso muss der GGG-Partner natürlich wissen, worauf er sich einlässt; man kann nicht einfach mal Nadeln rausholen und zustechen. Und bei Analverkehr eh nicht.

    In unserer Zeit ist es aber vielleicht so, dass man davon ausgeht, dass jeder Bescheid weiß, und man nicht mehr reden müsse. Es reicht eine SMS oder so. Sex muss wie im Porno sein, und Frauen stehen halt alle auf Analverkehr, sie wissen es nur nicht. Einfach den Nippel durch die Lasche, dann kommts schon.

    Urgs.

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  3. Na im nicht reden können sind beide Geschlechter groß.
    Gedankenlesen kann niemand und es ist albern, eben jenes vom Gegenüber zu erwarten.

    Ich habe nur oft den Eindruck, dass Männer psychologisch eine gewisse Bringschuld haben.
    Zum einen selbst eingeredet oder anerzogen - zum anderen aber auch von den Frauen übergestülpt.

    Er ist im Zweifel der Agressor oder der Langweiler.
    Er hat dafür zu sorgen, das es gut läuft.
    Wenn sie nicht feucht wird, hat er versagt; wenn er keinen hoch bekommt, hat er ebenfalls versagt.

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  4. Bist du ein Mann, anonym? Ich glaube eher, dass beide Geschlechter die "Schuld" auf sich schieben können, oder auf den anderen. Ganz davon ab, dass die Ursachen ja auch anderswo liegen, können auch Frauen denken, sie machten etwas falsch, oder seien frigide, oder was.

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  5. @Anonym, Perry: Zu diesem Thema möchte ich Euch gerne folgenenden Artikel ans Herz legen:
    http://les-petits-plaisirs.blogspot.com/2008/12/bettgeschichten-und-der-mann.html
    Denn auch ich habe das Gefühl, dass Männer im wahrsten Sinne des Wortes die BRINGschuld auferlegt bekommen. Es sollte zwar Quatsch sein, aber viele Frauen erwarten von ihrem männlichen Partner, dass er der Macher im Bett ist und mir ist auch schonmal untergekommen, dass ein Mann sich "Versagen" extrem zu Herzen genommen hat, obwohl es von meiner Seite aus nicht die große Sache war. Davon ließ er sich allerdings nicht beruhigen, sondern er hat sich von seinem "Problem" lieber das Selbstbewusstsein zerfressen lassen.

    Ich war ehrlich gesagt beim Lesen des verlinkten Artikels auch über die Wortwahl und Aussage mit den "richtigen Knöpfen betätigen" ein wenig schockiert... wer Knöpfe betätigen will, sollte sich als Alternative vielleicht ein Sexspielzeug zu legen.

    @Perry: ja, vielleicht lernen sich auch viele übers Internet, schreiben sich da viel ungehemmter Dinge über ihre Vorlieben und meinen damit sei alles im Lot. Und wie im Porno soll es sein, so ists...

    @Skreee: danke auch Dir für Deine Zustimmung und den konstruktiven Kommentar. Finde ich schön, dass verbale Kommunikation doch noch ihre Freunde hat. ;-)

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  6. Hmm, vielleicht stimmt das mit der Bringschuld.

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  7. Kann schon sein, dass es eine gewisse Tendenz gibt, dass Männer eher die Macher sein sollen (im Bett). Aber ich beobachte durchaus auch bei mir, dass es mich niederschlägt, wenn ich nicht kann. Und ich gebe da keineswegs meinem Partner die Schuld.
    Miteinander offen über sexuelle Bedürfnisse und Vorlieben reden muss man lernen, wie ich finde. Und es gehört ein gewisses sexuelles Selbstbewusstsein beider Seiten dazu. Ich habe dazu etwa 8 Jahre sexueller Aktivität gebraucht, bis mir das gelang und ich denke auch die Tatsache, dass einer meiner ersten Partner sehr unsicher war, was seine eigene Sexualität anging hat dazu geführt, dass ich häufig aus Angst, ihn unter Druck zu setzen, wenn ich klar und deutlich artikuliere, was ich mag, eben nichts sagte.

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  8. beide Partner muessen sich wohl fuehlen koennen. ich persoenlich kann das, wenn ich meinem partner vertrauen kann. das kann ich aber doch nicht wenn er mich wie eine maschine behandelt. nach dem motto: wenn ich die richtigen knoepfe druecke, passiert das was ich will. *kopfschuettel*

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  9. @Mademoiselle: Ich denke, daß die Kommunikation über Sex eine der Sachen ist, die ich durch SM gelernt habe. Ich stecke auch damit an, scheint es mir. Zumindest haben mir schon mehrere Männer gesagt, sie hätten noch nie so entspannten und offenen Sex gehabt. Und vor allem nicht so viel gelacht bisher. :)

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  10. ....tolle Beiträge, Madame.

    Und über "...an der Wursttheke mit nonverbaler Kommunikation versuchen..." hab ich mich richtig amüsiert, obwohl zum Lachen ist das nicht, denn m.E. geht nicht nur beim Sex sondern auch in einer Beziehung vieles daneben, weil keiner die Klappe aufmacht.

    Weiterso!

    Ralf

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