Mittwoch, 18. Februar 2009

Tabuthema: Klitoris

Gestern bin ich über das Online-Portal gofemin gestolpert. Auch dort werden Tips und Tricks rund um die Sexualität verraten. Genau so werden dort auch Tabuthemen angesprochen! Sowas reizt mich doch immer ganz besonders. So zum Beispiel das Tabuthema Klitoris.

Moment mal... Tabuthema Klitoris?

Ja, ihr habt richtig gelesen. Bis gestern war mir garnicht bewusst, dass es sich beim wohl wichtigsten Lustorgan der Frau um ein Tabuthema handelt. Tabuthema Analsex, Tabuthema Vergewaltigungsfanasien, Tabuthema Socken-im-Bett: mit allem hätte ich gerechnet, aber was an der Klitoris nun so taburisiert sein soll?

"Sex ist in den Medien ein Dauerbrenner. Über die Klitoris, das Lustzentrum der Frau, wird dagegen oft peinlich geschwiegen. Warum? Weil das Organ nicht der Fortpflanzung dient? Oder weil über das Thema ohnehin schon alles gesagt worden ist?"

Allgemein möchte ich meinen, dass Sexualität in den Medien nicht wirklich im Detail auf die einzelnen Sexualorgane bezogen ist. Es geht ja viel mehr um das Balzverhalten unserer Gattung, und wie man sich bei der Partnerwahl am besten anstellt. Stimmt schon, die Klitoris wird da oft nicht thematisiert, viel eher die Wirkung von Brüsten und Hintern. Allerdings wird auch der Eichel seltenst Sendezeit eingeräumt. G-Punkte und Prostatastimulation sind hingegen schon exotisch genug, um das Publikum vor den Fernsehern zu halten.

Die Tatsache, dass die Klitoris nicht der Fortpflanzung dient, als möglichen Grund für mangelnde Medienpräsenz, zu nennen, diskreditiert den Artikel in meinen Augen allerdings selbst. Irgendwie schafft diese Erwähnung den Eindruck, dass die Vernachlässigung der kleinen Perle unter diesem Gesichtspunkt irgendwie schon eine Berechtigung hat. 

"Möchten Sie der Klitoris in Ihrer Sexualität wieder den Platz einräumen, den sie verdient?"

Was heißt denn hier wieder?!?!

Das Sexualleben der Frau, deren Klitoris in der Sexualität keinen Platz findet, beneide ich nun wirklich nicht! Wie schon im Test, der an diesen Text anknüpft, richtig festgestellt wird, sind es etwa 80% der Frauen, die für einen Orgasmus klitorale Stimulation benötigen. Zu denen gehöre auch ich. Es erschüttert mich gerade, dass es wohl selbst für RedakteurInnen, die sich mit sexuellen Themen befassen, nicht selbstverständlich ist, dass die Klitoris auch in der partnerschaftlichen Sexualität einbezogen wird. 

Indem der Artikel nämlich die Klitoris zum Tabuthema erhebt, betont, dass diese nicht der Fortpflanzung dient, nimmt er ihr die Selbstverständlichkeit, die sie eigentlich haben sollte, statt ihr diese einzuräumen. 

Und dies lässt mich schlussfolgern, dass es tatsächlich Frauen gibt, die ihr eigenes Lustempfinden, ihre Klitoris hinten anstellen. Wenn man sich Mainstreem-Pornographie anschaut, so habe ich dort auch wirklich noch nie eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Klitoris gesehen. Logisch: die Klitoris ist ja kein Loch! In meinem Kopf löste das allerdings eher den Gedanken aus, dass es sich bei den Pornodarstellern um schlechte Liebhaber handelt (bzw. dass es in dem Porno vielleicht auch wirklich nur ums F..... ums Penetrieren geht) und nicht, dass die Klitoris irgendwie unbedeutend sein könnte.

Pornographie als Maßstab für gesunde Sexualität zu nehmen, ist Quatsch. Das sollte Menschen mit Abstraktionsvermögen, klar sein. Pornographie kann nett sein, wenn man zu faul ist, sich eigene Gedanken zu machen, Pornographie kann Fantasien bewegte Bilder geben, Inspiration liefern, aber sie ist kein Leitfaden. Selbst wenn die Darstellerin auch ohne klitorale Stimmulation Orgasmen ohne Ende haben sollte, so muss das für Dich und mich so nicht auch gelten. 

Sex ist Geben und Nehmen. Wir geben unseren Sexualpartnern viel, und haben da Spaß dran. Wieso sollten sie nicht auch Spaß daran haben, uns was zu geben? Ich habe mir sagen lassen, dass es ein unglaubliches Vergnügen ist, eine windende, zuckende, stöhnende Frau vor sich liegen zu haben, die sich ganz ihren Empfindungen hingibt. Und zu wissen, dass man es ist, der ihr dieses lustvolle Erlebnis, gibt. Nun, das sind doch die besten Voraussetzungen um den Kopf auszuschalten und sich gehen zu lassen.



(Bild von Wikipedia Commons, Photograph: Richard Bartz)

Kommentare:

  1. Ich mag keine Tabus, weil das Denkschranken sind, nicht bewusste Grenzen. Aber trotzdem... Socken im Bett? Nein, nie und nicht. Urgs.

    "Ich habe mir sagen lassen, dass es ein unglaubliches Vergnügen ist, eine windende, zuckende, stöhnende Frau vor sich liegen zu haben, die sich ganz ihren Empfindungen hingibt. Und zu wissen, dass man es ist, der ihr dieses lustvolle Erlebnis, gibt."

    Zur Hölle, ja. Besser geht wenig.

    Manchmal störe ich mich an emanzipierten jungen Frauen, die jetzt auch Pornos gucken, weil plötzlich Sexualvorstellungen von beiden Geschlechtern geteilt werden, die einfach Unsinn sind. Und natürlich muss auch immer alles komplett rasiert sein.

    Ein Nebensatz: Ich meine, kürzlich gehört zu haben, dass manche Sexualforscher sogar sagen, dass jede Frau nur einen klitoralen Orgasmus bekommt, dass aber je nach Frau die Klitoris unterschiedlich groß ist und (Achtung!) bei manchen Frauen diese eben auch von "unten" bzw. von "innen" stimuliert werden kann. Sozusagen die Prostatamassage für die Frau :-)

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Patrick,

    danke für Deinen Kommentar!

    "Manchmal störe ich mich an emanzipierten jungen Frauen, die jetzt auch Pornos gucken, weil plötzlich Sexualvorstellungen von beiden Geschlechtern geteilt werden, die einfach Unsinn sind. Und natürlich muss auch immer alles komplett rasiert sein."

    Wie schon im Artikel gesagt, Pornographie als Aufklärungsmaterial und Sexualratgeber ist nicht der Bringer, sollte auch nicht so gesehen werden. Und Pornographie zu konsumieren und gut zu heißen, weil man mit Männern aufschließen will, ist auch doof. Allerdings gibt es ja tatsächlich Frauen, die durch Dinge, die dargestellt werden erregt werden und sich die Darstellungen deswegen gerne anschauen. Das finde ich vollkommen legitim. Ich denke, es muss einfach die Distanz gewahrt werden. Wenn ich Lust darauf habe, mir Menschen beim Sportf***** an zu sehen, dann dürfte es mir beinahe schon egal sein, ob die Klitoris irgendwo stimmuliert wird. Meistens werde ich den Gedanken dennoch nicht los. Jedenfalls halte ich Sexualität, wie sie im Porno erbracht wird, nicht für das höchste der Gefühle.

    Pornographie räumt sich leider einen Platz in der Sexualität ein, der der Phantasie überlassen werden sollte. Ich finde, Pornos haben immer was von FastFood. Es dient der schnellen Sättigung, für die man sich nicht sonderlich anstrengen muss, die im Endeffekt aber auch nicht wirklich befriedigend ist.

    Dennoch werde ich der Intimrasur und der Pornographie bestimmt noch eigene Artikel widmen.

    AntwortenLöschen
  3. Das zeigt doch wieder einmal, dass alle Welt über Sex spricht, aber keiner wirklich darüber redet. Alles nur oberflächlich, denn wenn es dann wirklich um die interessanten Dinge geht, wird plötzlich ein Tabuthema draus...

    AntwortenLöschen
  4. Wie stellt ihr euch denn explizit der Klitoris gewidmeten Sex außerhalb von Oralstimulation und Streicheleinheiten vor? Es wird ja hin und wieder den Manne empfohlen, während der Penetration die Hände zum Einsatz zu bringen, aber meist hört es da schon auf.
    Dein bisher bester Artikel ;)

    AntwortenLöschen
  5. Hallo,
    für mich ist es selbstverständlich dass die Klitoris zu meinem Sexualleben dazugehört. Gott sei dank auch für meinen Mann und so erlebe ich regelmäßig einen wunderschönen Orgasmus.

    AntwortenLöschen
  6. "Fav hat gesagt…

    Wie stellt ihr euch denn explizit der Klitoris gewidmeten Sex außerhalb von Oralstimulation und Streicheleinheiten vor?"

    Unabhängig von der Technik geht es beim Sex um Aufmerksamkeit und um die Art wie man dem Partner begegnet, was der Artikel ja auch sehr schön heraus arbeitet.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Männer es durchaus erregend finden, wenn man sich vor einem Blowjob, während man den erigierten Penis in der Hand hält, die Zeit nimmt diesen zu betrachten, dann wieder den Blickkontakt sucht und ihm mit diesem Blick sagt, dass das, was man sieht, schlicht geil ist, um dann ganz langsam und genussvoll damit zu beginnen zum Beispiel den Außenkranz der Eichel zu lecken. Warum sollte Ähnliches einer Frau nicht gefallen? Auch ich finde das total selbstverständlich! ;-)

    AntwortenLöschen
  7. @senderin: ja, es zeigt vor allem auch, wie verklemmt im grunde auch noch die ach-so-aufgeklärte Welt eigentlich ist...

    @Fav: freut mich, dass Dir der Artikel so gut gefällt! Das aus Deinem Munde ist wirklich eine Ehre! :-)

    @Maria: Ich glaube, dass viele Männer der Klitoris auch mehr Zuwendung schenken würden, wenn sie explizit darauf hingewiesen werden. Im Sexualunterricht in der Schule bekommt die Klit wirklich nicht viel Aufmerksamkeit, in Pornos auch nicht und an sich kenne ich viele junge Männer, die sich nicht sonderlich mit weiblicher (auch nicht mit männlicher) Anatomie auseinander setzen. Somit ist eher learning by doing angesagt und ohne eine "gute" Lehrerin wird bestimmt kein Mann ein "guter" Liebhaber.

    @Fav/Esther Marie: Naja, also ich finde, dass Oralstimulation und Streicheleinheiten doch schonmal der perfekte Weg sind. ;-) Im Prinzip ist es ja auch so, dass Frauen meist unterschiedlicher Stimmulation bedürfen. Die einen mögen direkte und feste Berührungen an der Klitoris, die anderen eher indirekte oder einfach sanftere. Manchmal ist das auch einfach von der Verfassung abhängig.

    Ich denke, es ist wirklich wichtig, dass der Sexualpartner in dem Fall seiner Partnerin zeigt, dass er an dem, was er tut, gefallen hat. Zumindest ich mache mir sonst einfach Gedanken, ob ich meinen Partner nicht damit "langweile", oder so...

    Aber Fav, ehrlich gesagt weiß ich auch nicht genau, was Du mit "explizit der Klitoris" gewidmetem Sex meinst? Dass Dir nicht mehr Praktiken als Oralstimmulation und Streicheleinheiten einfallen, ob es da noch andere Möglichkeiten gibt, oder wie man das speziell variieren könnte?

    Was ich noch äußerst genial finde, ist wirklich der "Wicked Wand", weil der eine äußerst starke Vibration hat und somit sehr gut geeignet ist, die Klitoris zu stimmulieren, selbst wenn der Kopf nicht direkt auf dieser aufliegt. Das ist also auch besonderns gut geeignet, wenn man nicht selbst die Hände frei hat, also fixiert ist, oder sich um den Partner kümmert.

    AntwortenLöschen
  8. Mademoiselle Nocturne hat gesagt…
    "Im Prinzip ist es ja auch so, dass Frauen meist unterschiedlicher Stimmulation bedürfen. Die einen mögen direkte und feste Berührungen an der Klitoris, die anderen eher indirekte oder einfach sanftere. Manchmal ist das auch einfach von der Verfassung abhängig."

    Ich habe neulich zusammen mit einer lesbischen Freundin einen Workshop zum Thema Cunnilingus vs. Fellatio gegeben. Tatsächlich ist es so, dass es im Prinzip zwei weibliche "Wichstechniken" zu geben scheint: Den Kreis und das Hin und Her. Die meisten Frauen können nur mit der gewohnten Technik zum Orgasmus gelangen. Insofern empfiehlt es einer Frau bei der Selbstbefriedigung ganz genau auf die Finger zu schauen, denn eine "Kreis-Frau" wird ein Hin und Her mit der Zunge zwar stimulieren, aber nicht wirklich zum Höhepunkt gelangen lassen.

    Das ist übrigens auch ein Tipp für die Perfektionierung des Blowjobs. Männer sind zwar oftmals leichter zu handhaben, aber auch seine Wichstechnik liefert wertvolle Rückschlüsse.

    AntwortenLöschen
  9. @esther marie: das ist ein interessanter Ansatz! :-) Zumindest wenn ich es mir mache, variiere ich in der Technik überhaupt nicht...

    Halte mich doch bitte mal auf dem Laufenden, wenn Du Workshops gibst. Das hört sich interessant an!

    AntwortenLöschen