Freitag, 20. März 2009

Erotische Streifzüge durch Köln II: Kinky Beats

Der Frühling ist da und wird von uns mit fetischistischen Frühlingsgefühlen eingefeiert. Der Geruch von frischem Latex zieht uns in den Bann, diese besondere Nacht zu zelebrieren. Lasst Euch von uns inspirieren und lebt aus, was ihr fühlt – Kinky Beats!

Meine erotischen Streifzüge durch diese Welt führten mich letzten Samstag wieder ein in eine Welt, die mir noch sehr neu ist, mich jedoch überaus reizt, mich mir selber näher bringt. Dieses Mal habe ich kein sündiges Geschäft aufgesucht, sondern mich auf eine Fetisch & SM-Party begeben. Meine erste – und was für eine Prämiere!

Zunächst war ich aus persönlichen Gründen ein wenig voreingenommen. Man ist jung und sehr misstrauisch der Menschheit gegenüber - was in einem bestimmten Maß wohl auch ganz gesund ist. Aber genau so wie ich etwas Zeit brauchte, damals, mit 15, die Gruselgeschichten über die Gothic-Szene aus meinem Kopf zu kriegen, obwohl ich mit dieser mehr als nur sympathisierte, ist es nun mit der Fetisch- und SM-Szene nicht anders. Auch wenn sich bisher kein Vorbehalt auch nur im Geringsten bestätigt hat. Wie es die Party am Samstag auch wieder einmal bewies.

Und doch, ich war aufgeregt, ich hatte Sorge, doof angesprochen, angemacht und angetoucht zu werden. Und rein gar nichts davon wäre im Nachhinein nötig gewesen. Letztendlich hatte ich einfach das Gefühl, mittendrin zu stehen, dazu zu gehören, es war Geborgenheit, die sich in mir ausbreitete.

Ein leichtes Wohlgefühl begleitet immer noch die Gedanken an diesen Abend. Was natürlich auch mit den Personen zusammenhängt, mit denen ich die Zeit verbrachte, doch auch viel mit der Veranstaltung an sich zu tun hat. 

Die Kinky Beats findet seit gut einem Jahr etwa alle 2 Monate in Köln im Club Room 69 statt. Die Lage im Mediapark 4 ist nahezu perfekt. Zentral gelegen und doch nicht im Mitten der Menschenmassen, sodass man es auch im Outfit nahezu diskret bis in den Ort des Geschehens schafft. Eher unangenehm wäre die Vorstellung, mich Samstag Abends über die Kölner Ringe zum Club durch zu schlagen. 

Den Rahmen der Party bilden ein Dancefloor, eine Bar, recht viele bequeme Sitzmöglichkeiten und einen abgetrennten Spielbereich. Gogo-Tänzer und anregende, wenngleich bizarre Videoinstallationen tun das ihre, um das extasisch-erotische Flair aufkommen zu lassen. Musikalisch kann man sich auf elektronische Klänge einstellen. Eine Wahl, die nicht nur überaus tanzbar ist, sondern auch das Risiko vermeidet, dass mit bestimmten Songs gewisse Erinnerungen wach gerufen werden. Gerade wenn man spielen wollte, kann das ein ziemliches Problem darstellen. Sowie einfach auch Musik mit viel Text, wenn man auf diesen Achtet, schnell zum Abturner werden kann. 

Der Spielbereich ist hinter einem dicken, schwarzen Vorhang gut abgeschirmt. Auch hier gibt es sehr viele Sitzmöglichkeiten, sowie verschiedene SM-Möbel, die man nach Lust und Laune für die eigenen Spiele verwenden kann. Die Beleuchtung ist recht hell, wenngleich nicht grell, sodass man sich jederzeit den Überblick über das Geschehen bewahren kann, sieht und gesehen wird – was wohl auch der Sinn sein sollte, wenn man sich entschließt, vor Publikum intim zu werden. 

Im Grunde genommen bin ich nicht die Freundin eines Dresscodes. Bei einer Party wie der Kinky Beats, halte ich ihn jedoch für unerlässlich. Es ist eine Sache, nicht auf eine Veranstaltung gehen zu können, weil man keine Krawatte trägt, dem Türsteher ein gelbes Top nicht gefällt, oder ähnliches. Etwas anderes ist es jedoch, wenn das Publikum sich seinen tiefsten Neigungen hingibt und sie durch seine Kleidung ausdrückt. Wenn die einen in Latex, die anderen in Korsetts und die nächsten fast nackt unterwegs sind, sind Menschen in Straßenkleidung, Jeans und Polo, schlichtweg fehl am Platz. Sobald auch solches Publikum Zutritt erhält, kann keine Homogenität mehr entstehen, denn diese Menschen öffnen sich nicht, gehen nicht aus sich heraus und geben sich in einer Weise preis, wie es die anderen Gäste tun. Ich denke, das kann nur zu beidseitigem Unwohlsein führen.

Um das Wohlergehen zu garantieren, sind allerdings auch keine privaten Photokameras zulässig. Im Playroom wird gar nicht photographiert. Und auch die offiziell engagierten Photographen fragen zunächst einmal nach, ob man einem Photo zustimmt und zeigen dieses im Nachhinein auch noch. Wer anonym bleiben will, braucht somit keine Sorgen zu haben, mit der Party in Verbindung gebracht zu werden. 

Kritisch jedoch, denn wir wissen ja, dass alles auch seine Schattenseite hat, sind die Getränkepreise. Während 0,5l Becks mit 3,50€ noch halbwegs akzeptabel sind, halte ich 8€ für einen Wodka-RedBull doch für reichlich überzogen. Zumindest für mein knappes Studentenbudget ist dies doch äußerst schmerzlich zu verkraften. Andererseits ist es auch gerade eine Party, wie die Kinky Beats, auf der Ausfälle dank übermäßigen Alkoholkonsums ziemlich stimmungstötend sein können. Und doch trägt oft ein gewises Maß an Alkohol der Auflockerung zu. Zumal sich diese salzigen Preise ja auch auf Softdrinks und Wasser ausbreiten. 

Zudem kann es als problematisch empfunden werden, dass es kein Entfliehen vor der lauten Musik gibt. Auch im Playroom ist diese fast genau so laut, wie im restlichen Bereich auch. Mich persönlich hat das nicht gestört, ich habe auch kein Problem damit, näher an meine Gesprächspartner heran zu treten – zumal es sich bei der Kinky Beats ja auch um eine Tanzveranstaltung und nicht um einen Plauschabend handelt. Gerade in dieser Szene gibt es sehr viele Stammtische und Abendveranstaltungen, die sich der gepflegten Konversation widmen.

Den Eintritt, der 15€ beträgt, halte ich für sehr angemessen. Zum einen findet die Party in überschaubaren Abständen statt, sodass man das Geld auch wirklich einplanen kann, zum anderen sinkt mit dem relativ hohen Preis auch die Attraktivität dieser Party für Menschen, die mit dem Thema nicht so vertraut sind, sondern nur zum Gucken hingehen würden. Zudem kann ich mir auch vorstellen, dass die Miete für das Room 69 nicht so günstig sein wird, sodass die Rentabilität auch von einem solchen Eintrittspreis abhängt. 

Fazit: Ich werde mir gerne jeden Termin der folgenden Kinky Beats rot in meinem Kalender einkringeln! Die Location und die Musik, sowie das Publikum haben mir sehr gut gefallen, ich habe mich wohl gefühlt – auch in den Momenten, in denen ich alleine war, der Playroom gab mir auch unverhofft Freude – der Dancefloor sowieso. Obwohl ich erst um 2h morgens eingetroffen bin, war noch sehr viel los, viele Menschen haben getanzt, die Party machte einen sehr lebendigen Eindruck. Die Getränke sind recht teuer, was für mich heißt, dass ich von diesen nur das Nötigste konsumieren werde. Doch bin ich sparsames Trinkverhalten in Clubs und Bars von jeher gewöhnt, also stellt dies in meinen Augen kein großartiges Minus dar.

Die nächste Kinky Beats findet am 09. Mai 2009 statt.


Kommentare:

  1. Ähem... "Premiere" auch nach neuer Rechtschreibe, glaube ich.

    Ansonsten darf man halt kein Red Bull trinken, das ist wahrscheinlich ein Geschmacks-Aufschlag :-)

    Ansonsten klingt das nach einem guten Abend (du bist erst um 2h aufgetaucht?) – nur dass laute Elektronikmusik für mich eher abschreckend klingt. Na ja, auf einer Party nur bedingt, da hast du sicher Recht.

    Der Altersschnitt war wahrscheinlich eher jung, oder?

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  2. Hi Patrick: Hm... Premiere kann auch gut sein - mein Rechtschreibprogramm fands zumindest nicht falsch. Aber vielleicht sollte ichs der neuen Rechtschreibung angleichen. ;-)

    Ich weiß ja nicht, welche Dimensionen "jung" für Dich beansprucht? Also ich mit meinen 20 Jahren gehörte schon zu den jüngsten. Es gab auch viele, die deutlich über 50 waren. Also ein sehr, sehr gemischtes Publikum. Altersschnitt würde ich jetzt mal so bei 28 festlegen. Also sehr viele in den 30ern.

    Die Sache mit den elektronischen Klängen: Also ich denke, dass es schwierig sein wird, bei einer Szene, die sich über die Sexualität zusammen trifft, den richtigen Nerv zu finden. Da finde ich diese Musik doch schon gut vom Kompromiss her. Vor allem, stell Dir mal vor, da würden die typischen Partyhits laufen, "Rivers of Babylon" beispielsweise, während Du gerade den Hintern verhaust/verhaut kriegst oder sonstwie Sex hast. Das würde mir die Stimmung gehörtig vermiesen. Da doch lieber harte, monotone Beats. ;-)

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  3. Hehe, das mit der Musik stimmt. Obowhl manche der typischen Partyhits ja auch ihre Art von Folter darstellen...

    Ich erinnere mich noch, dass eine kurzzeitige Flamme von mir in der Disco gearbeitet hat, und Discolautstärke ist eben sehr laut. Andererseits sollte man wahrscheinlich in der Szene schon froh sein, wenn nicht die ganze Zeit Death Metal gespielt wird :-)

    Ich hab ja oben schon geschrieben, für Partyatmosphäre sind "harte, monotone Beats" (Mademoiselle Nocturne, 2009) gut geeignet. Selbst, wenn man die Musik nicht mag, gehen die Rhythmen ins Blut, wie man so schön sagt, und tanzen kann man dazu natürlich gut. Als Mann tanze ich aber nicht:

    http://www.youtube.com/watch?v=bVWHQqEyiLI
    sowie
    http://www.stephenfry.com/media/audio/2/episode-2--bored-of-the-dance/

    ^_-

    Als Dreißigjähriger (na gut, 31) hätte ich jetzt mit "jungem Altersschnitt" um die 25 gemeint.

    Und als baldiger Deutschlehrer habe ich ja auch den Rechtschreibduden, der sagt mir "Premiere" und "Prämie". Dein Rechtschreibprogramm sollte sich was schämen *g*

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  4. Nachtrag: Den Stephen Fry kann man sogar lesen, nicht nur hören, wie ich gerade merke:
    http://www.stephenfry.com/blog/2008/03/07/bored-of-the-dance/

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