Donnerstag, 4. Juni 2009

Sexueller Freigang - Polygamie

Persönlicher Inhalt: Dieser Artikel enthält Informationen über mein Intimleben. Wer mit derartigen Informationen nicht umgehen kann, weil er mit mir verwandt, befreundet ist, oder mich sonstwie persönlich kennt und mit meiner Sexualität nichts am Hut haben will, sollte hier nicht weiter lesen.

Vor einiger Zeit hätte ich mir nicht vorstellen können, meinen Partner Sex mit anderen Frauenzu erlauben. Dann kam das Umdenken. Ich frug mich: "Was habe ich das Recht, meinen Partner so sehr in seiner Freiheit einzuschränken?" Mir war bewusst, dass der Wunsch nach sexueller Abwechslung nichts mit Liebe zu tun haben musste. Und dass Sex an sich oftmals einfach ein Mittel der Kommunikation ist. Zumindest für bestimmte Menschen. 

Nicht jeder Mensch hat den Wunsch danach, sexuell die Fühler nach anderen Menschen auszustrecken. Oftmals sind Innigkeit, Liebe, Gefühl wichtiger als die Reize des Neuen, die Bestätigung, die ein anderer, weiterer sexueller Partner einem geben kann. Egal wie man es braucht, es ist legitim. Und ich möchte meinen Partner nicht einschränken und finde es großartig selbst die Wahl zu haben, die Freiheit zu haben, sexuelle Kontakte knüpfen zu können, wenn es mich juckt. 

Mein Partner und ich, wir sind nun etwa ein halbes Jahr zusammen. In der Zeit hatte ich nicht das Bedürfnis mit anderen Männern zu schlafen. Ich bin einfach nicht bereit dazu. Dass muss ich auch nicht sein. Mein Partner hingegen hatte ab und an sexuelle Ausflüge, die mit mir abgesprochen waren. Im Vorfeld. Und auch für mich war es wundervoll im Nachhinein die Details seiner Begegnungen zu erfahren. Somit wurden seine Ausflüge zu einem gemeinsamen Erlebnis. Er teilte sie mit mir, sie wurden in unsere Partnerschaft integriert. Ich blieb nicht außen vor - und ich denke das ist ein Punkt, der beim delikaten Thema der sexuellen Unabhängigkeit innerhalb einer Beziehung essenziell ist. Der Partner darf nicht außenvor bleiben. 

Ich kann nicht sagen, dass ich eifersuchtsfrei bin. Doch möchte ich behaupten, meine Eifersucht gut im Griff zu haben. Weiß ich, dass mein Partner mit einer sehr schönen Frau anbandeln mag (eine die ich schöner finde, als mich selbst), so ist es mir doch wichtig, sie ersteinmal kennen zu lernen, mit ihr auf einen grünen Zweig zu kommen und zu erfahren, dass sie genau so menschlich ist, wie ich. Nicht perfekt. Niemand ist perfekt. Aber oftmals lässt sich das durch persönliche Interaktion besser verinnerlichen. 

Letztens hatte mein Partner Sex mit einer Frau vor meinen Augen. Ich lag auf dem Boden und habe es mir selbst gemacht, während er mit sich mit ihr beschäftigt hat. Aber auch mit mir. Er hat während des Aktes sehr viel Blickkontakt zu mir gehalten, ich habe gemerkt, wie er gewisse Dinge auch gemacht hat, um mich zu unterhalten, mir einen schönen Auftritt hin zu legen. Und das hat mich sehr berührt, ich habe mich in der Situation unglaublich wohl gefühlt. Denn obwohl ich nicht aktiv involviert war, so war ich doch ein Teil der Situation. Ich stand nicht außenvor, isoliert oder ähnliches. Im Gegenteil. Es war so berauschend, die Aktion mal von außen aus anderen Blickwinkeln erleben zu können. Und bei seinen Stößen genau zu wissen, wie sie sich wohl gerade fühlen muss. 

Und ich denke, das ist oftmals der springende Punkt: Was Sex mit Außenstehenden angeht, so können die Gefühle zwischen den Partnern sehr beansprucht werden. Positiv wie negativ. Man muss weit vor der Aktion mit anderen harmonisch miteinander sein, sonst kommt es sehr schnell zu Verletzungen. Harmonie und Vertrauen sind essenziell. Eine Beziehung, in der es hapert, wird kaum durch sexuelle Entgleisungen zu kitten sein. Wichtig ist, dass man nicht das Gefühl hat, etwas wäre nach der Aktion anders, dass man sich nicht weniger begehrt fühlt. 

Für falsch halte ich es allerdings auch, dem Partner Sex mit anderen zu erlauben, nur um nicht spießig zu wirken, oder aus Angst den Partner sonst zu verlieren. Es ist wichtig, seinen eigenen Gefühlen treu zu bleiben, zu hinterfragen, weswegen man sich unwohl damit fühlt, diese Interaktion zu gestatten. Mit dem Partner über die Gedanken, Gefühle, Ängste und Wünsche zu sprechen, ist das wichtigste. Nur so können Rahmen gefunden werden, die für jeden befriedigend sind, wo niemand auf der Strecke bleibt. 

In unserem Falle ist es für mich von absoluter Wichtigkeit, dass er mich davon in Kenntnis setzt, dass er vor hat, Sex mit einer anderen Frau zu haben. Ungewissheit ist das, was mich fertig macht. Die Tatsache, dass ich ihn beispielsweise anrufe, wirkliches Redebedürfnis habe und er geht nicht ans Telefon, auch nicht ans Handy. Ich kann mir in so einer Situation denken, dass er entweder unterwegs ist, mit Freunden beispielsweise oder schläft, oder ich kann mir auch den wildesten Sex mit einer anderen, 100x schöneren Frau vorstellen. Während erstere Variante mich weitestgehend kalt lässt, so fängt bei der zweiten doch mein Herz an zu rasen, ich fühle mich schlecht, mache mir Sorgen, bin gekränkt und eifersüchtig - wahrscheinlich ohne Grund. 

Da es nun aber so ist, dass er mir einfach Bescheid zu sagen braucht, wenn er Sex mir einer anderen haben mag, habe ich in den wenigen Situationen, in denen es dazu kommt, absolute Gewissheit, dass dem so ist - ich plane einen Anruf nicht in mein Abendprogramm ein, sondern mache einen Videoabend, gehe mit Freunden feiern oder ähnliches. Ich stelle mich nicht auf ihn ein und werde somit nicht enttäuscht. Und in den anderen Fällen, in denen er nicht ans Telefon geht, brauche ich mir keine weiteren Gedanken zu machen. 

Derlei Absprachen müssen getroffen werden, sonst geht das Konzept nicht auf. Da wir aber den für uns optimalen Weg gefunden haben, sehe ich seine Ausflüge als Bereicherung für unsere Beziehung an. Sie schweißen uns zusammen, sie kurbeln mein Kopfkino an, sie machen mir bewusst, dass ich einen sehr begehrenswerten Mann an meiner Seite habe und dass das andere Frauen auch so sehen. Der Sex mit ihm ist grandios und eigentlich wäre es fast schon egoistisch von mir, ihn anderen Frauen vorzuenthalten.

Kommentare:

  1. Wow, das ist ja sehr offen. Ich weiss nicht ob ich es auch so handhaben könnte (gefühlstechnisch). So wie du es beschreibst finde ich es sehr logisch nachvollziehbar. Vielen Dank für die Offenheit!

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  2. Ich kann dich da voll und ganz verstehen...
    Und ich habe für mich das Gefühl, das die Verbindung zu meinem Mann von Mal zu Mal enger und vertrauter wird.
    Ich wünsche dir noch viele intensive Erlebnisse.

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  3. :-)

    Ja! Wobei: "100x schönere Frauen" als Dich halte ich für reine Utopie.

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  4. Danke für die offenen Worte. Wirklich sehr schön. Hat mich mal wieder auf dieses Thema gebracht, mit dem ich mich schon vor einiger Zeit beschäftigt habe. Den Denkanstoß konnte ich gebrauchen.

    LG Anna

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  5. Wenn es für Dich so ist, wie Du es beschreibst - und Du Dich dabei nicht selbst beschummelst - ist es tatsächlich eine Bereicherung. Interessant fände ich allerdings, wie Dein Freund reagiert, wenn Du den gleichen Wunsch äußerst... - ?

    An diesem Punkt wird m.E. nach die Sache oft erst richtig interessant.

    Auf jeden Fall viel Spaß weiterhin! ;-)

    Lieben Gruß
    Susanne

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  6. Hey Du :-)

    das deckt sich 100% mit meinen emotionalen Erfahrungen, wenn wir allerdings beide mit anderen Partner aktiv sind. Schön beschrieben!

    Fledermaus

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  7. @Anna: Freut mich, wenn ich durch den Artikel inspirieren konnte! :-)

    @Susanne: Nein, da beschummel ich mich mit Sicherheit nicht. Es geht mir ja nicht drum, auf teufel-komm-raus progressiv, alternativ, "sexuell erleuchtet" zu sein, sondern ist einfach eine prinzipielle Vorstellung von mir, was Verpflichtungen und Freiheiten in einer Beziehung angehen.

    Mein Partner sieht es genau so. Er lebt schon seit Jahren keine monogame Beziehung mehr und seine Partnerinnen hatten auch immer die Möglichkeit, mit anderen Männern zu schlafen, was sie auch wahrgenommen haben. Mich drängt es dazu derzeit jedoch nicht.

    Jedenfalls ist es ein Prinzip, welches auf Gegenseitigkeit beruht, jeder Partner hat die selben Rechte.

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  8. Ein sehr schöner Artikel.
    Ich wurde vor ein paar Monaten von meiner Freundin auch mit diesem Thema konfrontiert. Davor habe ich mich damit nicht beschäftigt, da alle meine vorherigen Partnerinnen eine starke "Stutenbissig" "Eiversuchts"-Schiene fuhren.
    Meine Freundin meinte dann bevor wir zusammen gekommen sind, dass sie eine Freundin hätte, mit der sie ab und an Spass hätte, und dass sie es nicht ausschließen könnte mit einem anderen Mann Sex haben zu wollen...
    Das ganze war für mich im ersten Moment sehr ungewöhnlich, da ich noch keine Frau kennengelernt hatte, die diese Wünsche hatte. Andererseits, freue ich mich darüber wenn meine Partnerin Spass hat, und da ich sie liebe kann ich ihr nur jede Freude wünschen. Ich selbst habe in dieser Beziehung auch jegliche Rechte, doch hatte ich bisher aber noch nicht das Bedürftniss einen solchen "erlaubten Seitensprung" zu wagen. Trotzdem ist es ein schönes Gefühl völlig frei zu sein, ohne das schlechte Gewisse, wenn man eine schöne Frau einmal etwas länger angeschaut hat, oder sich vorstellt mit ihr Sex zu haben. Zudem verlagert es die Bedeutung einer Beziehung, es wird die Beziehung nicht mehr über das Beischlafrecht definiert, sondern über wichtigere Dinge. Wie intellektueller und künstlerischer Austausch oder das geben und nehmen von Geborgenheit.

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  9. Dieser Artikel ist schon etwas älter, trotzdem vielen Dank dafür :) er drückt in etwa das aus, was ich mir auch vorstelle... mein Partner und ich haben schon über Ähnliches gesprochen, allerdings noch nie ausgelebt. Mal sehen, was die Zukunft bringt...

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