Donnerstag, 9. Juli 2009

Rezension: "365 Nächte - ein intimer Erfahrungsbericht"

von Susanne

Ursprünglich erschienen bei der Mädchenmannschaft.


Dieses Buch beginnt mit einem Geburtstagsgeschenk: Charlas Mann wird 40, und sie schenkt ihm ein Jahr lang Sex mit ihr. Jeden Tag. Wenn er will.

Und da fängt die Aufklärungsreise der Autorin Charla Muller schon an. Denn ihr Mann ist nicht – wie sie erwartete – uneingeschränkt happy über das Geschenk, sondern bittet um Bedenkzeit, ob er wirklich jeden Tag Sex haben will. Charla ist kurz geschockt, war sie doch davon ausgegangen, jeder Mann wolle stets und rund um die Uhr Sex und eigentlich auch egal mit welcher Frau. Ihr Mann klärt sie auf, dass dem nicht so sei, und so hat die kreative Schenkerin schon am Tag 1 ihres Experiments etwas dazugelernt.

Es folgen 364 weitere Tage,von denen Charla Muller in “365 Nächte. Ein intimer Erfahrungsbericht” erzählt. Als ich von ihrem Selbstversuch und dem Buch darüber gehört habe, wollte ich es sofort lesen, denn vermutlich würde jede_r von uns unfassbar viel lernen, würden wir ein Jahr lang jeden Tag Sex haben - über uns selbst, unsere_n Partner_in, über unsere Körper, unsere Gelüste.

Leider - und das ist der große Schwachpunkt des Buches und irgendwie auch des Experiments - startet Charla Muller an einem sehr unaufgeklärten, um nicht zu sagen: verklemmten Punkt. Im Laufe des Jahres werden sie und ihr Mann es gerade mal schaffen, ihre Gedanken in Bezug auf Sex auszutauschen - von Experimenten oder ausgefallenen Wünschen sind die beiden dagegen Lichtjahre entfernt. Es geht vor allem um das Hinterfragen der eigenen Vorstellungen von Sex, und die sind bei Muller einfach gestrickt, nämlich: Männer wollen und können immer, Frauen drücken sich lieber um Sex, Spaß hat vor allem der Mann, eine Frau kann beim Sex auch einfach mal so daliegen und abwarten, dass es vorbei geht. Das sei bei ihr so und bei all ihren Freundinnen auch, schreibt Muller. Das macht aber das Lesen an vielen Stellen frustrierend.

ANDERERSEITS: Werden genau diese Vorurteile, die Muller dem Sex, Männern und Frauen gegenüber hegt, dann im Laufe des einen Jahres auch ordentlich durchgerüttelt. Sie und ihr Mann sprechen – scheinbar zum ersten Mal – ernsthaft über ihr Sexleben und überraschen sich dabei gegenseitig. Und sie stellt fest – was sich als Quintessenz des ganzen Buchs lesen lässt–: Sex sollte man nicht auf morgen verschieben, sondern lieber gleich haben.
Erschienen bei Kein & Aber, Zürich 2009. 272 Seiten, 16 Euro 90.

Kommentare:

  1. Hört sich auf jeden Fall gut an, hab vor paar Jahren das Buch "Tagebuch einer Nymphomanin" gelesen und war leider bisschen enttäuscht. Mir fehlte es an leidenschaft sowie an erkenntnisse..

    Vielleicht tue ich mir das Buch mal an..

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  2. @KingG: also nach der Rezension würde ich von dem Buch ja eher abraten. Laut Susanne ist es ja eher mau und verklemmt... was erotische Literatur angeht, so kann ich Dir leider auch nichts empfehlen, da ich erotische Romane eher ablehne, lieber auf Sachbücher und Ratgeber zurück greife.

    Wobei: Einen erotischen Roman kann ich wirklich empfehlen, und zwar "Schattenkuss" von Laurell K. Hamilton. Darin geht es um eine Feenprinzessin, die als Detektivin in Los Angeles inkognito ist, weil der Königshof nach ihr Leben trachtet, so denkt sie. Doch ihre Tante, die Königin lässt sie aufspüren und bietet ihr die Möglichkeit, Thronerbin zu werden. Unter der Bedingung, dass sie vor ihrem Cousin, den missratenen Sohn der Königin, Nachwuchs produziert. Und zu diesem Zwecke stellt die Königig Meredith, so heißt die Feenprinzessin nämlich, die 27 Männer ihrer Leibgarde zur verfügung.

    Ein Buch mit viel Phantasie, Witz, Sex und Frauenpower. ;-)

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  3. Haha.. Frauenpower :-)

    Was ich dir aber noch empfehlen kann ich weiß nicht ob du es gelesen hast ist von Milan Kundera "Sal auf unserer Haut" sehr schön geschrieben, erotisch aber echt super...

    Oder das Buch "Das Buch der lächerlichen Liebe" auch super..

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