Sonntag, 5. Juli 2009

Von den Männern und den Frauen

Die Ungleichheit der Geschlechter muss stehts neu manifestiert werden. Wissenschaftliche Untersuchungen eignen sich dafür perfekt, denn auf seriöse Art und Weise liefern diese Befunde für das, was wir doch alle schon wussten...

So titelte Telopolis letzte Woche: "Männer haben genormte Vorstellungen von Frauen, die als attraktiv gelten" und beziehen sich damit auf die Studie der britischen Psychologen Claudia Brumbaugh und Dustin Wood, die im Journal of Personality and Social Psychology erschienen sei. 

Demnach wurden den 4000 Testpersonen, die zwischen 18 und 72 Jahre alt waren, 98 Fotos mit Männern und Frauen vorgelegt, deren Marktwert sie mittels einer 10-Punkte-Skala festlegen sollten. Aus dem Artikel wird es nicht deutlich, aber den Angaben zu folge handelte es sich wohl um heterosexuelle Menschen, denen Fotos vom anderen Geschlecht vorgesetzt wurden. 

Um es abzukürzen: 

"Um Hinweise darauf zu erhalten, warum Menschen mehr oder weniger attraktiv beurteilt werden, hatten die Psychologen die Fotos zuvor danach bewertet, wie verführerisch, vertrauensvoll, dünn, sensibel, modisch, muskulös (Männer), kurvenbetont (Frauen), männlich/weiblich, gut erzogen etc. die Abgebildeten aussehen. 

Die Männer haben danach die Frauen primär anhand ihrer körperlichen Erscheinung beurteilt. Wichtig war offenbar besonders, dass sie dünn und verführerisch aussehen, aber auch ein vertrauensvoller Eindruck kam gut an. Weniger einheitlich war die "sexuelle Selektion" bei den Frauen. Zwar zogen sie eher dünne und muskulöse Männer vor, aber es gab große Unterschiede in der Bewertung. So fanden manche Frauen Männer sehr attraktiv, die andere überhaupt nicht attraktiv fanden."

Was mir in der Studie, sowie in der Formulierung des Artikels fehlen ist, dass sich nicht auf relative Häufigkeiten, sprich prozentuale Angaben bezogen wird. Zudem wird von "den" Männern und "den" Frauen gesprochen. Für mich schon seit langem ein absolutes Unding.

Die Befunde können ja stimmen. Ich mag garnicht ausschließen, dass es stereotype Wahrnehmungen von Attraktivität der Geschlechter gibt. Ich mag auch nicht ausschließen, dass diese je nach Geschlecht variieren. Aber was ich vermisse ist die Frage nach dem Warum.

Die Schlussfolgerung lautet nämlich lediglich wie folgt:

"Die Psychologen glauben, dass die von ihnen entdeckten Differenzen zu unterschiedlichen Strategien auf dem "Datingmarkt" führen. So könnten Männer eher entspannter sein, wenn es um ihre Attraktivität fürs andere Geschlecht geht, aber wenn sie eine Frau attraktiv finden, sollen sie mehr unter Stress stehen, weil diese höchstwahrscheinlich eben auch von den anderen Männern begehrt wird, weswegen "mehr Zeit und Energie" aufgewendet werden müsse, die Frau für sich zu gewinnen und dann zu behalten. Die Frauen sollen hingegen untereinander nicht so im Konkurrenzkampf stehen, weil sich die Vorlieben stärker unterscheiden und weniger stark als bei den Männern an der körperlichen Erscheinung festgemacht sind. Dafür müssen sie, wenn sie auf dem Markt der sexuellen Partnerwahl größeren Erfolg haben wollen, sich stärker Normen unterwerfen, wie sie auszusehen haben."

Begründungs- oder Lösungsansätze sucht man also vergebens. Und ob eine Stichprobe von 4000 Personen gleich auf alle schließen lässt, frage ich mich auch. Genau so wie ich gerne wüsste, welche Art Menschen zu Testzwecken heran gezogen wurden. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob Menschen mit einem alternativen Lebensstil auch einen alternativen Geschmack haben, irgendwo kann ich mir schon vorstellen dass es sich hierbei um eine unterbewusste Größe handelt, aber interessant wäre es trotzdem. 

Kommentare:

  1. Na, das ist ja mal ne tolle Schlußfolgerung. Wenn fünf Kerle eine Frau toll finden, entsteht unter denen also ein Konkurrenzkampf… und das obwohl die Frau nicht alle gleich toll findet. Naja, wahrscheinlich nimmt sie den mit dem meisten Geld, das hat doch eine andere Studie vor kurzem erforscht.

    Interessant wäre es, diese Studie in verschiedenen Kulturkreisen und unter verschiedenen Schönheitsidealen durchzuführen. Und herauszufinden, ob eine Frau, die einen Mann als weniger attraktiv beurteilt, durch "mehr Zeit und Energie" tatsächlich "umzustimmen" ist. Und und und…

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  2. Liebe Frau Nocturne,

    eine interessante Information für Sie: Die Menschen auf dne Fotos waren zwischen 18 und 25 Jahre alt. Erfahrungsgemäß werden Menschen höheren Alters nun aber anders beurteilt, unter anderem deshalb, weil ihre Gesichtszüge mehr Lebenserfahrung verraten.

    Im Übrigen gebe ich Ihnen recht: die Studie ist den Aufwand nicht wert, zumal mit Fotos gearbeitet wurde, die Rückschlüsse aber auf die Zustände im realen Leben gezogen wurden. Bestenfalls hätte man die Studie als Beispiel für die Partnerwahl beim Online-Dating nehmen können.

    Ihr

    Gebhard Roese

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  3. Ja, das mit den Fotos sehe ich auch als Problem und auch, dass hier nur anfängliche Attraktivität gemessen werden kann. Ich habe schon viele attraktive Frauen gesehen, deren Reiz rapide abnahm, als sie den Mund aufmachten und Unsinn redeten – und Frauen geht das bestimmt genauso.

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  4. @Gebhard Roese: Danke für diese Information. Eine Tatsache, die ja auch impliziert, dass nur junge Menschen attraktiv sind. Wobei es ja wirklich auch ein allgemeines Empfinden gibt, nach welchem Männer höherer Semester noch lange attraktiv bleiben, noch attraktiver werden, während Frauen schlicht und einfach altern.

    @Patrick: ja, und Attraktivität nimmt ja auch häufig erst im Zuge von Bewegungen und Gestik, Mimik, zu.

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