Mittwoch, 5. August 2009

Die reinen, blumig-frischen Frauen

Heute hatte ich ein sehr interessantes, befreiendes Gespräch mit einer Freundin. Es ging um einen bestimmten Typ Frau, der uns beiden zusetzt, verunsichert. Die reinen, blumig-frischen Frauen. 

Das sind Frauen, die, wie schon angedeutet, den Anschein machen, von tiefster Reinheit erfüllt zu sein. Diese Frauen hinterlassen keinen Abdruck auf Gläsern, machen den Eindruck, niemals zu transpirieren. Sind irgendwie mit Perwoll gewaschen.

Ja, sie haben eine Aura, die suggeriert, dass sie sich niemals waschen müssen - wahrscheinlich tun sie es unentwegt. Sie suggeriert, dass sie nie auf Klo müssen, die parfümierten Slipeinlagen, die wohl für diesen Typ Frau entwickelt wurden, garnicht brauchen. Denn sie sondern keine Sekrete ab. Und wenn sie dies doch tun, so müssten auch diese nach Blumen riechen.  Dem Anschein nach. Mein Partner sagt gerne scherzhaft, dass er es an Frauen so schätzt, dass sie selbstreinigend sind. Ich glaube, er meint damit, dass wir uns von selber waschen. Haha. Aber der hier beschriebene Typ Frau, der macht den Anschein, wirklich selbstreinigend zu sein. Aliens mit integriertem Weichspüler.

Warum gibt es diesen Typ Frau? Und warum bin ich nicht eine solche? Es ist verzwickt! Diese Frauen vermitteln mir immer den Eindruck, schmuddelig zu sein. Das noch nicht einmal in sexueller Hinsicht, sondern per se. Sie erscheinen so erhaben, so überirdisch... und doch auch in gewisser Weise asexuell. Ist das das Geheimnis? 

Es ist nur logisch, dass jede Frau Duftstoffe abgibt. Dass jede Frau transpiriert und Vaginalsekrete produziert, die wiederum Duftstoffe absondern. Zuletzt zeigte jedoch der überaus witzige Roman "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche, wie es hierzulande um die Akzeptanz dieser allzu natürlichen Phänomene steht. Das Frau Roche nicht auf dem Scheiterhaufen gelandet ist, verdanken wir lediglich... ach ich weiß nicht, es ist eigentlich ein großes Mysterium. Im Zweifelsfall die Deutschen Schuldfrage. 

Es ist die Negierung der urweiblichen Sekrete, die sich in diesen reinen Frauen manifestiert. Sie erhalten ihre Taburisierung aufrecht. Sie sind der Grund, weshalb ich mich mit einem natürlichen Umgang mit meinen Sekreten schwer tue. Weshalb es Slipeinlagen überhaupt gibt. Und diese ja sogar blumig duftend. Ich habe gelesen, dass es sogar Vaginalspühlungen gibt. Wie körperfeindlich ist das denn bitte?!

Körperfeindlich. Das ist das Stichwort. Blumig-frische Frauen sind körperfeindlich! Auch wenn diese einen oftmals recht aufgehübschten Körper haben, denn zumeist ist dieser Schlag Frau auch in einer Hülle zu finden, die nahezu perfekt ist. Blond oder brünett ist dabei egal (tendenziell blond), aber nicht zu dick, gelegentlich einen Hauch zu dünn. Sie Fastfood essen zu sehen, ist grotesk. Doch die Tatsache, dass sie keinen Schweiß zu produzieren scheinen, genauso wenig, wie die schon so oft erwähnten Vaginalsekrete, macht sie unnatürlich, körperfeindlich, asexuell. 

Sexualität hat viel mit Körperflüssigkeiten zu tun. Auch wenn diese dem Trend nach häufig mit (aromatischen) Gleitmitteln gepanscht werden. Der Geruch der Körperflüssigkeiten, löst in uns oftmals einen animalischen Kick aus, den wir oft verdrängen, weil das ja auch irgendwie schmuddelig ist. Aber er gehört dazu. Deswegen finde ich, so faszinierend diese reinen Frauen auch auf mich wirken mögen, sie in sexueller Hinsicht eher uninteressant. Denn sie vermitteln den Eindruck, mit Sex und seiner Feuchtigkeit, der damit einher gehenden Geilheit nicht umgehen zu können, sie vermitteln den Eindruck, all das spiele keine Rolle. Nur die Rolle, die sie im Bett spielen mache für sie den Akt aus. 

Eine von gesellschaftlichen Normen und Werten geprägte Rolle, die sich widerum in ihrer reinen, blumig-frischen Aura manifestiert. 

(Photo von Roman Kasperski.)

Kommentare:

  1. :-)

    Im Kern triffst Du es! Mit einer solchen "Plastik-Frau" Sex zu haben, kann ich mir auch nicht vorstellen. Plastik möge im Sinne der glatten, fehlerfreien Oberfläche verstanden werden und nicht als Anspielung auf etwaige, implantierte Ersatzteile. Schönheitschirugische Eingriffe haben solche Frauen gar nicht nötig! Im Gegenteil sie atmen Natürlichkeit mit jeder ihrer reinen Poren. Dennoch wimmelt es in Andrew-Blake-Filmen genau von diesem Typus. Männer scheinen Zahnarztfrauen eher erotisieren zu können. Vielleicht weil sie die Frauen an sich lieben in ihrer Vielfalt und in der Bandbreite von schmuddelig bis hin zu blumig-frisch.
    Meine Frigidität in Bezug auf "solche Frauen" hängt wohl eher mit der Perfektion zusammen, die sie verkörpern und weniger mit Sekreten, die ich an ihnen vermisse. Wenn ich einer solchen reinen Schönheit begegne, denke ich unweigerlich: "Das muss aber anstregend sein!" Und ich gebe zu, dass ich die Vorstellung, mich gehen zu lassen, erregender finde, als mich anzustrengen. ;-)
    Es heißt doch immer, Gegensätze ziehen sich an. In Bezug auf Frauen gilt bei mir aber doch wohl eher: Gleich und gleich gesellt sich gern. Vielleicht weil ich nicht "die Frauen" liebe, sondern eigentlich mehr mich in ihnen? Sex ist Kommunikation! Und ich unterhalte mich auf der Ebene lieber mit anderen faulen Schlampen! Vielleicht auch, weil ich insgeheim ahne, dass mir die Plastik-Frauen ihr großes Geheimnis eh nicht verraten würden? Und: Was bleibt dann noch, was von Interesse wäre?

    Auf jeden Fall interessante Gedankengänge und ich freue mich, dass Du sie mit uns teilst! :-)

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  2. Sie beschreiben einen Typ Frau, der vielfach sogar als Ideal dargestellt wird. Ob nun von Frauen oder von Männern, sei dahingestellt. Dennoch lassen Sie sich gesagt sein, dass es VIELE Männer gibt, welche diese "Wesen" zwar hübsch finden, aber eben nicht mehr. Es sind Katalogdamen - ebenso beliebig und leicht, wenig markant wie die Kaufhausmusik, die uns 'umdaddelt'. Wahre Attraktivität hat immer auch mit Kanten, markanten Zügen, Ausstrahlung - sei es Leidenschaft oder Distanz - zu tun. Niemals aber mit Beliebigkeit und Egalität. - Seien Sie daher beruhigt: es gibt viele Menschen, die in ihrem Gegenüber v.a. eines suchen: den Menschen. Nicht einen Katalogtyp! - Meint: OSKAR.

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  3. Toller Text.
    hach, diese Art von Frau kenne ich auch - ich fühle mich dann auch immer ganz schmuddelig daneben.

    Die Frauen von dieser Art, die ich bisher kennengelernt habe waren meist recht fad und auch so ein wenig leblos.

    .. und ja, sie wirken irgendwie geschlechtlos.
    Trotzdem scheint es mir, als ob viele Männer auf diese Art von "Zauberwesen" stehen.

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  4. Vielen Dank für diesen Beitrag - diese Gedanken habe ich in ähnlicher Form auch immer mal wieder, besonders im Sommer. Während mir bei 30 Grad in der Bahn der Schweiß nur so runterläuft, steht die blumig-reine Frau neben mir, das enge weiße Shirt zeigt nicht einen Tropfen Achselschweiß, das offene Haar duftet frisch und die Nase zeigt nicht die Spur eines Glanzes. Doch diese Frauen - so idealisiert sie auch sind - extrem selten und daher vielleicht besonders begehrenswert?

    Einige Männer wissen leider auf der Suche nach Reinheit in weiblicher Form immer noch nicht, dass die meisten Frauen keine blankgeputzten Plastikröhren als Körperöffnungen ihr Eigen nennen.. der schlimmste Fall war ein Mann, der mir unmittelbar nach dem Orgasmus den Analplug rauszog, ins Bad rannte(!) und ihn minutenlang bei offener Tür mit Seife schrubbte.

    Frauen sind zum Glück noch weit davon entfernt, zu genormten Gummipuppen zu mutieren.

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  5. Hahaha!! Eventuell sind diese "Wesen" ja Aliens, denn so unnatürlich wie Du sie hier beschrieben hast kann es nur so sein. Aber sie passen genau in das "neue, saubere, klinisch reine" Weltbild und das sie dieses schlechte Gefühl unter den normalen Frauen erzeugen ist bitter. Wenn man bedenkt, das es bis ins 19. Jahrhundert überhaupt nicht üblich war sich so übertrieben "einzuduften" und in- und auswendig zu reinigen. Selbst Napoléon Bonaparte hat von seiner Joséphine verlangt ganz natürlich weiblich zu duften, wie sein Zitat "Ich werde morgen Abend in Paris ankommen, wasche dich nicht!" deutlich macht. ;-)

    Ein guter Artikel von Dir, wie alle anderen übrigens auch ... sehr lesenswert!!

    Cheers,
    Vivian

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  6. wundervoll. das drama meine badezimmerstunden auf den punkt gebracht. ich bin beim anblick beziehungsweise gedanken an solche menschen immer in der neidphase steckengeblieben. aber wenn ich mich erinnere, wie ätzend es in engen klamotten und zentimeter dickem make-up in der prallen sonne ist- am besten noch in den neuen plateauschuhen die so scheuern-, dann fühle ich mich geneigt im bademantel eine runde um den block zu gehen.
    aber wenn ich morgen so jemanden sehen würde, ärgerte ich mich eh wieder über mich.
    die allerschlimmsten sind die, die dann noch irgendeine form von jacke o.ä. über dem tanktop anhaben, während ich in meinem luftig-großen shirtchen kurz vorm kollaps stehe. ;)
    ansonsten: wie gesagt, neid. attraktiv nicht. ich weiß nicht, vielleicht ist das bezeichnend?

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  7. @Henna: Bezeichnend wofür? Ich selbst kann einen gewissen Neid, oder eher: Neidvolle Faszination auch nicht ganz abstreiten. Aber die Reglementierungen, die mit diesem Lifestyle einher gehen, sind nicht meins. Es würde mich einschränken und mir meiner Lebensqualität berauben.

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