Donnerstag, 6. August 2009

PorYes - 1. Feministischer Pornofilmpreis Europa

Derzeit scheint sich einiges zu tun, was das weibliche Verständnis von Pornographie anbelangt. So hat sich eine Gruppe sexpositiver Feministinnen dazu entschlossen, dem Sexismus in der Mainstreampornographie schlichtweg mit eigenen Kriterien, was positive, pornographische Darstellung angeht, entgegen zu treten:

  • Sex-positive Grundeinstellung, keine menschen- und frauenverachtenden Darstellungen
  • Praktiken in Absprache mit den Agierenden / keine Grenzüberschreitungen
  • Ethische Arbeitsbedingungen / Safer-Sex- Einsatz begrüßenswert.
  • Die Agierenden werden in Beziehung zueinander gezeigt, Augen-, Haut-, Hände- und Körperkontakt, Energieaustausch.
  • Emotionen und Liebesbekundungen sind erwünscht, machbar und zeigbar.
  • Vielfalt der Kamera-Einstellungen, Licht- und Schattenspiel
  • Variationen der Sex-Praktiken in freudvollem Übergang, keine Leistungsschau; Erweiterung des stereotyp dargestellten Spektrums.
  • Vielfalt der Körpertypen, Personen verschiedenen Alters, Geschlechtes, sexueller Orientierung und ethnischen Hintergrundes
  • Authentische Tonaufnahmen oder Musik, keine Geschlechtsstererotypen verstärkenden Synchronisationen des Gestöhnes
  • Darstellung von Lust und Freude, Schwerpunkt auf weiblicher Lust und deren Vielfalt.
  • Keine schematische Darstellung der sexuellen Höhen-Verlaufskurve, d.h. kein geradliniges Hinarbeiten auf die Ejakulation des Mannes, keine Betonung männlicher Cumshots. Orgasmen sind nicht das einzige Ziel
  • Frauen sind maßgeblich bei der Produktion des Filmes beteiligt, als Produzentin, Regisseurin oder Kamerafrau.

Mindestanforderungen für alle Filme sind die sexpositive Darstellung weiblicher Lust, das Aufzeigen vielfältiger sexueller Ausdrucksweisen und das maßgebliche Mitwirken von Frauen bei der Filmproduktion.

Ausgezeichnet werden Filme, die diesen Kriterien entsprechen am 17. Oktober 2009 in Berlin im Rahmen des 1. Feministischen Pornofilmpreis Europa. 

Die Idee hinter diesem Event finde ich sehr unterstützenswert, denn es fuchst mich doch gewaltig, dann pornographische Darstellungen mich zum Großteil bestenfalls langweilen, oftmals jedoch auch äußerst nachdenklich stimmen, wo doch besonders in US-amerikanischen Produktionen mehrheitlich osteuropäische junge Frauen zu sehen sind, mit toten Augen, die, bis auf das obligatorische "Fuck me!" kaum ein Wort Englisch sprechen. 

Zudem halte ich die Kriterien in einer Form ausgefeilt, die nicht nur ein weibliches Publikum ansprechen dürften, im Gegenteil. Ich habe mich schon häufiger gefragt, warum es für Pornos nicht Labels gibt, die auf sowas wie "fair trade" - wie bei Lebensmitteln und Textilien hinweisen. Auf würdevolle Darstellung und positive Arbeitsbedingungen.

Wenn auch über einen, in meinen Augen deutlich positiveren, realistischeren Weg, unterstützt PorYes die von Alice Schwarzer geführte PorNo-Kampagne:

"Der sexpositive Feminismus ist gegen sexistische und rassistische Darstellungen, die als Form von medialer Gewalt die Würde der Menschen verletzen und die Hemmschwelle für reale Gewalt heruntersetzt. Er ist auch gegen die Pornografisierung des Alltags, besonders in Medien, Mode und Kultur, und gegen eine öffentliche Scheinmoral, die dies zulässt, aber keine positive und emotionale Sexualaufklärung von Jugendlichen fördert."

Quelle: PorYes - Hintergrund

Man darf gespannt sein, ob und welche Auswirkungen diese feministische Innitiative auf die Pornographie, ihre Produzenten und Konsumenten ausübt. Ich für meinen Teil erhoffe mir mehr Spannung, Vielfalt, weibliche Orgasmen und dennoch auch Sex der härteren Gangart, der mich auch anspricht. 

Für weitere Informationen empfehle ich die Seite von PorYes.

Kommentare:

  1. Hm, dass in US-Pornoproduktionen mehrheitlich osteuropäische Frauen zu sehen seien, glaube ich nicht. Kannst du das irgendwie belegen?
    Aktuell läuft im Kino der Film "9to5 Days in Porn", der die Pornoindustrie im kalifornischen San Fernando Valley dokumentiert - immerhin der Ort, der den größten Teil an Pornoproduktionen zu verantworten hat. Der Regissuer Jens Hoffmann erklärte dazu auch schon mehrfach, dass sich dort keine illegal eingeschleppten Osteuropäerinnen finden lassen, die zum Pornofilmen gezwungen würden. Auch wenn das Vorurteil immer wieder bemüht wird.
    Mir selber fällt höchstens auf, dass es einen großen Anteil an lateinamerikanischen Frauen gibt, die auch durchaus in Orignalsprache stöhnen dürfen...
    Und was den "tote Augen"-Look angeht: Wenn du den als Darstellerin nicht einigermaßen zu beleben weißt, bist du eh nicht lange im Geschäft...

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  2. Die PorYes- Kampagne finde ich sehr unterstützenswert, Frauen sind schliesslich auch visuell anregbare Wesen. Das hat nichts mit mangelnder Fantasie zu tun. Was ich in herkömmlichen Pornos am meisten vermisse sind gutaussehende Männer (weshalb gibt es die nur in Schwulenpornos??), ich habe jedoch auch im Mainstream einiges gefunden welche mir gefällt und meiner Meinung nach überhaupt nicht Frauenfeindlich ist. Ob die geschriebenen Anforderungen über positive pornographische Darstellungen in der Realität anklang finden? Lust ist ja nicht unbedingt etwas politisch korrektes..Liebesbekundungen wären zb. nicht mein Ding (sollte es aber trotzdem unbedingt mehr geben!).
    Die PorNo Kampagne setzt sich dem Tonlaut nach doch gegen sämtliche Pornos ein, ich konnte jedenfalls keine Zugeständnisse sehen, das "frauenfreundliche" Pornos auch anregend sein können, da es dies ja gar nicht geben könne (weshalb auch immer..) Was wohl die über die Untertützung vom "feindlichen Lager" denken?

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  3. @Verena: Da muss ich mich nochmal erklären: ich ging von meiner eigenen Seh-Erfahrung aus, nicht von Statistiken - wie da der Anteil verschiedener Nationalitäten aussieht wäre sehr interessant!

    Jedenfalls sind mir in der letzten Zeit vermehrt Darstellerinnen unter gekommen, die osteuropäischer Herkunft waren und sichtlich kein ausreichendes Englisch sprachen.

    Ich sage auch nicht, dass diese Frauen dazu gezwungen werden, mit Sicherheit nicht. Aber ich denke schon, dass es oftmals aus einer "Notwendigkeit" heraus getan wird.

    @Sinamore: Ja, also ich hoffe da doch auch auf die Vielfalt der ausgewählten Filme. Liebeserklärungen sind da auch nicht meins. ;-) Aber viele der angeführten Kriterien entsprechen meinen eigenen Forderungen.

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  4. "Darstellung von Lust und Freude, Schwerpunkt auf weiblicher Lust und deren Vielfalt."

    dazu fällt mir ein/auf, dass in mainstreamigen sexuellen bzw. sexualisierten darstellungen der fokus stark auf "weiblicher lust" ist, während die männliche kaum zu sehen ist - so nehm ich das zumindest wahr.

    auf weiblicher seite wird ekstatisch gestöhnt und geschrien, während der männliche part teils kaum eine miene verzieht. der akt an sich ist zwar androzentrisch - sinn und zweck ist der männliche höhepunkt - aber das ganze scheint mir eher auf die ejakulation als "technischer" entladungs-vorgang ausgerichtet zu sein (und evtl. noch auch andere zusätzliche aspekte wie eroberung, erniedrigung o.ä.); nicht so sehr auf einen tatsächlichen (inneren, gefühlsmäßigen) männlichen lustgewinn. schade. selbst der begriff "orgasmus" scheint mir eher mit dem weiblichen assoziiert zu werden, während es beim mann halt das "abspritzen" ist.

    von daher würde ich durchaus auch die darstellung "männlicher lust und freude" begrüßen. :)

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  5. Ich kenne zwar auch keine Zahlen über die Nationalität der Pornodarstellerinnen, aber wen eine Pornofirma nimmt, hängt natürlich auch vom Budget ab. z.B. eine Polin in die USA einfliegen zu lassen, wäre viel zu teuer.
    Es gibt Produktionen, die wirklich Millionen Dollar kosten, und es gibt Produktionen, die mit wenigen Tausend Euros produzieren. Letzere nehmen natürlich lieber osteuropäische Frauen, da die mit dem wenigen, was sie für ihre Mitarbeit bekommen, zu Hause ihre gesamte Familie ernähren können.
    Durch die vereinfachten technischen Bedingungen für die Produktion eines Films und auch durch die Konkurrenz aus dem Internet hat sich ein erheblicher Preisdruck ergeben.
    Viele denken immer noch, in der Pornobranche sei ganz einfach viel Geld zu verdienen, aber dem ist nicht so.
    Das ist mit ein Grund, warum "Frauenpornos" wenig Chancen auf diesem Markt haben, der einfach hart umkämpft ist.

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  6. Ich bin für Frauenpornos und ich bin ein Mann !

    Dann kann ich auch entlich mit gutem gewissen mal einen mir meiner Freundin anschauen.

    Und bei einigen Männerpornos wird sogar mir (einem) Mann schlecht, z.b. Wenn 30 Mäner um eine Frau stehen und... naja ihr wisst schon was ihr meine.

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  7. @Erotische Blogs: wobei sich bestimmt auch für letzteres von Dir beschriebenes Szenario Frauen finden, die es anmacht.

    Ich denke, im großen und ganzen sind es einfach Kriterien, die jeder - vielleicht nicht in 100% wörtlicher Form - für gut befinden kann, unabhängig vom Geschlecht. Sie sind nur in Verbinung mit dem Gedanken, Pornographie für Frauen schmackhafter zu machen, formuliert worden.

    Mich würde wirklich mal interessieren, wie Männer und Frauen, im Unterschied zu einander masturbieren und auch phantasiemäßig ticken. Ich glaube, dazu schreibe ich demnächst noch was.

    @Silke: Ich denke aber, dass Filme wie die von Petra Joy ein bestimmtes Publikum ansprechen, das bereit ist, für einen Film 30€ zu zahlen und vielleicht auch das Betrachten des Films an sich in anderer Form zelebrieren, als wenn man vorm Rechner Druck ablässt (was zugegebener Weise manchmal sein muss - geht mir zumindest so).

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  8. Natürlich gibt es diese Menschen, Nocturne, aber es sind halt keine Massen. Und immer noch zu wenige Menschen wissen davon, welche anderen Pornos es gibt, weil man dafür nicht werben darf. Wie ich schon sagte, der Markt ist hart.

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