Sonntag, 16. August 2009

Rezension: Alley Cat - 3. Ausgabe 2009



Wasch mich, aber mach mich nicht nass!

Seit wenigen Wochen ist die aktuelle Ausgabe der Alley Cat online zu bestellen oder im Zeitschriftenhandel größerer Bahnhöfe zu erwerben. Bunt und wundervoll gelayoutet wie eh und je ist das Magazin ein Augenschmaus. Aber bei den Inhalten hapert es in meinen Augen auch dieses mal wieder gewaltig.

Die Produktinformationen nehmen recht viel Platz ein, sind aber für die geneigte Konsumentin schöner und teurer Accessoires etwas informatives, auch ich lese sie sehr gerne, freue mich bei Zeitschriften aber immer mehr über den redaktionellen Inhalt - warum soll ich schließlich 4,50€ für Werbung ausgeben?

Bei der Alley Cat sind die Artikel allerdings das Sorgenkind. Gerade die Einleitungen führen manches mal zu falschen Schlussfolgerungen, wie beim Artikel "Spot on!":

"Lust auf Sex haben wir nicht nur nachts. Doch Befriedigung suchen wir meistens im Dunkeln. Da stellt sich die Frage: Warum nur schalten wir beim Sex so gerne das Licht aus?"
Ach, das tun wir wirklich? - War meine erste Reaktion auf das gelesene. Der Artikel jedoch kriegt die Kurve und geht darauf ein, dass es sich dabei meist einfach um Scham handelt, die Angst, den unperfekten Körper dem Partner oder Liebhaber zu zeigen. Eine Sorge, die ich nur zu gut selbst verstehe. Aber dann in der Einleitung zu schreiben, dass man "so gerne" das Licht ausschaltet, führt doch zu anderen Schlussfolgerungen.

Ähnliches geht beim Artikel "I love me" vor sich:

"Hemmungslose Abenteuer sind okay. Aber Selbstbefriedigung? Unter Frauen gilt Solo-Sex noch immer als Tabu. Wir verraten Ihnen, warum Sie es trotzdem probieren sollten und welche Hilfsmittel das 'erste Mal' erleichtern."
Ja, auch mich ereilt der Verdacht, dass es sich bei weiblicher Masturbation immernoch um ein Tabu-Thema handelt. Aber den Umgang mit dieser von Seiten eines EROTIK-Magazins erhoffe ich mir doch in einer etwas reiferen Art, als hier geschehen. Schließlich ist die Alley Cat nicht die Sex-Kolumne einer verklemmten Frauenzeitschrift, sondern darf von sich behaupten, das einzige deutschsprachige Erotikmagazin für Frauen zu sein.
Der Artikel konzentriert sich weiterhin nicht auf den Akt der Selbstbefriedigung an sich, also auf die Lust auf sich selbst und den eigenen Körper, sondern fügt als Grund, weshalb man Selbstbefriedigung unbedingt machen sollte die Tatsache an, dass sie den partnerschaftlichen Sex beflügelt.
Auch wird die Möglichkeit nicht ausgelassen, durch diesen Artikel schönes, teures Sexspielzeug anzupreisen. Denn:

"Fremde Berührungen spüren wir viel intensiver als die eigenen und das 'Rubbeln' am eigenen Schritt ist das, was sich für die meisten befremdlich anfühlt. Gut das es Hilfsmittel gibt."
Na bravo! Dem nötigen Selbstverständnis von Masturbation ist gerade solch eine Passage nun nicht sehr zuträglich. Aber es geht weiter:

"Man traut es sich kaum zuzugeben, aber an die Vibrationskräfte eines guten Massagestabs reicht keine noch so geübte Männerhand oder Zunge heran."
Da wüsste ich aber anderes zu berichten... Abgesehen davon, dass auch eine Männerhand nichts mit Selbstbefriedigung zu tun hat, so fand ich es doch unglaublich, in welch herablassendem Ton in dieser Zeitschrift zum Teil über das andere Geschlecht geschrieben wird. So ließt man im selben Artikel auch:

"Wenn Sie seinen Penis in sich und das summende Spielzeug am Kitzler spüren, ist der Orgasmus so gut wie garantiert. Halten sollten Sie das Spielzeug jedoch am besten selbst! So wird Ihr Liebhaber nicht von seinem 'eigentlichen' Job abgelenkt und Sie müssen nicht warten, bis er endlich den richtigen Quadratmillimeter entdeckt."
Zu lesen gibt es weiterhin ein Interview mit einem Escort-Mann, der Autorin Sigrid Neudecker zu ihrem Buch "Wie war ich? - Der Mythos zum perfekten Sex". An beidem hatte ich nichts auszusetzen.

Die Fotostrecken sind sehr schön anzusehen - ich persönlich bin dafür ja nicht so zu begeistern, Freundinnen und mein Partner allerdings schon.

Komisch fand ich auch den Artikel zum Thema Busen. Um den uns die Männer ja so beneiden. Natürlich. Brad Pitt mit Angelinas Jolies Brüsten wäre ja wirklich ein sehr erhabener Anblick. Naja, und wie wir unseren so pflegen und hegen können, dass wir mittels teurer Kosmetika das Gefühl bekommen, er sei doch etwas perfekter, obwohl er nicht Pamela Andersons DD entspricht. - Aber ist diese nicht schon etwa seit der Jahrtausendwende out?

Gekonnt fand ich den Dirty Talk, auch wenn im Untertitel damit kokketiert wurde, dass er "doch ein wenig abgemildert werden musste". Eine Information bei der ich nur wieder die Augen verdrehen konnte.

Gut zu lesen ist die Kolume der "Teaserette" Sandy Beach zu kurvigen Frauen.

Alles in allem wenig gut durchdachte Inhalte in einer wundervollen, ansprechenden Verpackung. Ich kann den Redakteurinnen allerdings nur dazu raten, endlich ihren Weg zu finden. Soll sich die Alley Cat von anderen Frauenzeitschriften abgrenzen? So rate ich zu einer gewagteren, progressiveren Herangehensweise, einen provokanteren, selbstbewussten Umgang mit der weiblichen Sexualität, der leider viel zu kurz kommt.

Und ich rate auch dazu, den süffisanten, leicht abwertenden Ton gegenüber Männern abzulegen. Das soll vielleicht wie Frauen-Power rüberkommen, ist es aber nicht. Es mutet eher einer Abwertung des anderen, zur Aufwertung des (verletzten?) selbst an, was eine sehr fragwürdige Taktik ist.

Kommentare:

  1. Dem kann ich (leider) nur zustimmen. Die Herausgeberin ist tatsächlich nicht reif, um ein derartiges Magazin zielgruppengerecht zu gestalten. Es sei denn, die Zielgruppe wird auf männerfeindliche Frust-Teenies beschränkt. Vom Inhalte können ein paar Hochglanzfotos, die ich mir anderswo auch ansehen kann, nicht ablenken.

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  2. Ein solcher Artikel über Selbstbefriedigung gehört eher in eine Mädchen-Zeitschrift.. eine erwachsene Frau, die ein Erotikmagazin kauft wird doch hoffentlich wissen wie es geht?! Aber das Titelbild ist wirklich toll:-)

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  3. aufschlussreiche, differenzierte rezension, danke :)

    die von dir zitierten pauschalaussagen - arrgh ich krieg da immer so nen hals.

    und ich muss - tut mir leid, wenn ich mich wiederhole - wieder mal anmerken: warum ist auf einem erotik-mag für hetero-frauen -- eine FRAU abgebildet?? wie mich sowas nervt -.-

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  4. Kennst du eigentlich das Jungsheft? http://www.jungsheft.de

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  5. @iLL.One: Also ich glaube es gab da mal Untersuchungen bezüglich der Absatzzahlen von Zeitschriften, wonach die mit Männern auf dem Cover weniger gekauft wurden.

    Zumindest war es so auch mal bei der SM-Zeitschrift "Schlagzeilen", die mal auf einen Mann auf dem Cover gesetzt haben, um die Heftgestaltung ein wenig ausgeglichener zu haben. Da hat sich diese Ausgabe sehr schlecht verkauft, so dass sie es wieder dran gegeben haben.

    Vielleicht ist es auch so, dass viele sich ja eher mit dem eigenen Geschlecht identifizieren, und "sich" deswegen auf dem Cover sehen möchten?

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  6. Bezüglich der Frauenfotos hatten die Macherinnen mal erwähnt, dass es auf dem Markt für Männerfotos wohl nichts brauchbares (oder nur extrem teuer) gibt.

    Letztendlich muss aber auch ich sagen, dass nach der 4. Ausgabe schon etwas die Luft raus ist. Ich habe das Magazin immer für meine Frau gekauft und so auch (gerne) selbst gelesen. Nur mutet es mittlerweile doch sehr nach traditioneller Frauenzeitschrift an. Zu viele Shopping-Tipps.

    Mal sehen wie die nächste Ausgabe wird.

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  7. - Ein leicht abfälliger Ton vs männer finde ich gut z.b. als Teil einer Fotostrecke oder in einem Domina-Artikel, der anmachend daher kommt.

    Was mich stört an ALLEY CAT ist das Hochglanz-Gelackte.
    Da finde ich mich irgendwie nicht mehr wieder und - es wurde bereits angesprochen - Werbung, Konsum, auch Sex unter Konsumgesichtspunkten, das ist es nicht. Vielleicht würde es dem Magazin gut-tun, wenn wie bei den SCHLAGZEILEN die Leserinnen viel stärker zu Wort gelassen werden. Dann kommt Lebenswelt rein statt ausgedachter Texte

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  8. das dachte ich mir schon, dass *frauen* auf dem cover "besser ankommen". aber das finde ich eben so traurig und auch einen teufelskreislauf.
    was schön/ästhetisch/sexy empfunden wird, ist ja keine fixe angelegenheit, sondern "lernbar". aber so wird da natürlich nichts draus :\

    wenn ich mir anschau, was in dem gaymag "Männer aktuell" für unglaublich tolle fotos vorne drauf und drin sind! die kriegen den perfekten spagat zwischen objekthaft und "männlich" und sexy hin.
    ich hatte mir seinerzeit ja mal mit einer freundin die Playgirl angeschaut - abtörn (ich erinner mich nur an sonnbankebräunte, glatte muskeltypen, die in die kamera grinsend auf einem felsen rumliegen. fail.).

    es fehlt einfach an bild-"konzepten" für männliche sexobjekte(!) in der (andro-heteronormativen?) mainstream-medienwelt. und da ist nur doof *schmoll*

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