Dienstag, 1. September 2009

Pornographie, Exhibitionismus und Voyeurismus 2.0

Ich möchte noch einmal auf das Thema Pornographie in einer gewissen Ausführlichkeit eingehen, denn meine Einstellung hat sich seit dem ich den Blog vor etwa einem Jahr eingerichtet habe, geändert. 

Fest steht, dass es auf "Les petits Plaisirs" nie explizite Darstellung in Bild und Text geben wird. Ich möchte diesen Blog einem breiten Publikum zugänglich machen, seien es Jugendliche oder auch Menschen, die sich, aus welchem Grund auch immer, an expliziter Darstellung stören. All das möchte ich berücksichtigen. Dennoch möchte ich mich mit Pornographie auseinander setzen, denn sie gehört für mich zumindest zur Sexualität dazu.

Leider finden sich auf dem Gebiet hauptsächlich Tretminen. Und gerade aus dem Grund, weil nicht alles, was Porno ist, toll und sehenswert ist, finde ich die Auseinandersetzung mit diesem Thema so wichtig und erstrebenswert. 

Ich möchte unterscheiden zwischen pornographischer Darstellung, die wirklich etwas transportiert und solcher, die lediglich kommerzielle Interessen verfolg, wobei die Grenzen natürlich fließend sind, schließlich müssen wir ja alle unseren Lebensunterhalt bestreiten und ein gewisses finanzielles Interesse ist nur billig. Doch habe ich die Erfahrung gemacht, dass man gerade im Internet sehr viel zu sehen bekommt, was keine nachhaltigen Gefühle oder Erinnerungen verursacht. Oder eben aufgrund der Mängel noch lange im Gedächnis bleibt. Fast-Food Produkte die zum schnellen Verzehr gedacht sind. Vielleicht mehr oder minder ernähren aber keinen Genuss verursachen. Das befriedigt vielleicht den körperlichen Hunger aber nicht den geistigen Appetit. Und da liegt für mich der wesentliche Unterschied.

Pornographie unterliegt noch immer einem gewissen Tabu. Sie wird zwar von vielen Teilen der Bevölkerung konsumiert, gleichzeitig jedoch, nicht zuletzt auch von Konsumenten verurteilt. Wirklich schwierig wird es, wenn es darum geht, selbst Pornographie zu produzieren - ein Wunsch, der vielen Menschen nicht fremd ist. Sei es zum privaten Vergnügen, oder auch der Reiz, sich einem breiterem Publikum zu zeigen. 

Vor allem als Frau kann man es sich selten leisten, diesem Wunsch nach zu gehen, ohne den Weg in die Sexarbeit einschlagen zu wollen. Der gesellschaftliche und vor allem auch berufliche Druck ist zu hoch. Der Schaden, den die Veröffentlichung pornographischen Materials im Lebenslauf einer Frau anrichten kann ist nicht zu vergleichen mit dem, was einem Mann in der selben Situation wiederfährt. (Einzelfälle bestätigen auch hier wieder die Regel.) Mal abgesehen davon, dass Paris Hilton beispielsweise ohnehin jenseits von Gut und Böse ist und Schlagzeilen in ihrem Fall immer gute Publicity sind, so hat sich bei Bekanntwerdung ihres Sexfilms niemand Gedanken über den Typen gemacht. Die Tatsache, dass Arnold Schwarzenegger auch mal im Porno darstellte, hat seinen Erfolg in keinster Weise geschmälert, Gouverneur von Californien wurde er trotz dieser "Schattenseite" im Lebenslauf. Bei einer Frau: undenkbar.

Für viele Menschen ist Sexualität etwas sehr privates und intimes. Das ist sehr legitim und zu respektiren. Es gibt allerdings auch viele Menschen, die äußerst gerne am Sexualleben anderer teilhaben und/oder gerne teilhaben lassen. Verbal oder auch visuell. Wäre dem nicht so, so würden Erotik-Plattformen wie Joyclub nicht so boomen. Und YouPorn und ähnliche Kanäle wären - nicht zuletzt auch wegen so genannter "Amateur"-Aufnahmen - kein solcher Erfolg. Exhibitionisten sind nicht bloß die kranken Gestalten, die nackt unter ihrem Mantel ahnungslosen Passanten auflauern. Voyeuristen sind nicht bloß die kranken Gestalten, die nachts mit einem Fernglas am Fenster sitzen und die junge Frau im Wohnblock gegenüber beim Umziehen beobachten. Wir alle sind solche und solche und sitzen am Rechner, sind bei Facebook und Myspace registriert, bloggen, twittern, stöbern durch Profile anderer und lassen diese anderen in unsere hinein, weil wir zeigen und sehen wollen. 

Und einigen von uns bereitet es eben Vergnügen, unser Sexleben nach außen zu tragen, uns zu fotografieren und zu filmen, über unsere erotischen Erlebnisse zu berichten, wie auch viele all dem gerne folgen. Und Mischformen sind nicht selten. Ich wünsche mir, dass dies mehr Akzeptanz erfährt und erotische Fotos im Netz kein Grund für eine Kündigung sind. Denn sie schmälern nicht die Kompetenz des Mitarbeiters. Sie sind ein Teil seines Privatlebens, welches alle Dimensionen annehmen kann, die sich im rechtlichen Rahmen abspielen. 

(Bild von Roman Kasperski.)

Kommentare:

  1. Danke, danke, danke!

    Selten hat es jemand geschafft über das Thema Pornographie so einfühlsam, emotional und gleichzeitig vernünftig, sachlich zu schreiben, wie Du hier in Deinem Artikel!

    Dem Geschriebenen kann ich nur beipflichten!

    lieben Gruß
    Susanne

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  2. Oh, so überschwengliche Begeisterung freut mich ungemein! :-) Vielen lieben Dank für meinen Kommentar und schön zu lesen, dass nicht nur ich es so sehe. :-)

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  3. Dem kann ich nur beipflichten. Lese dein Blog bzw. deine Texte sehr gerne. Gratwanderung gemeistert!

    Liebe Grüße,
    Anna

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