Mittwoch, 30. September 2009

Rezension: "Spieler wie wir" - Cornelia Jönsson

Gute Romane zu finden, die SM thematisieren, ist gar nicht so einfach. Nachdem mich allerdings schon das Buch „111 Gründe SM zu lieben“, von Cornelia Jönsson, welches ich hier rezensiert habe, begeistern konnte, wurde ich auf ihren Erstlingsroman doch ziemlich neugierig. Vielleicht würde es sich doch als Kleinod entpuppen?

Die Handlung

Franzi und Pauline wohnen gemeinsam in Berlin-Kreuzberg. Neben ihrer Überlebensarbeit im Theater, an der Uni, im Café sind sie vor allem mit ihrem Lust- und Liebesleben beschäftigt.

Pauline verfällt der dominanten Ann, erlebt sexuelle Erfüllung und schmerzhafte Abhängigkeit- Anns Mann, Fotograf mit Faible für junge Frauen, wird eifersüchtig. Ann ist überfordert und verlässt Pauline.

Franzi ist seit vier Jahren mit Marius – Jurist, mitte dreißig – zusammen. Ihr Sexleben stagniert. Marius blüht mit der devoten Katharina auf, während Franzi ihre dominante Seite entdeckt. Schließlich teilt Marius seine Geliebte mit seiner Freundin und beide mit anderen Männern.

Auf ihrem Weg geht es den Charakteren nie darum, Scheitern zu vermeiden, sondern darum, authentisch zu scheitern. Und natürlich ergründen sie nebenbei diesen seltsamen Zustand, den wir Liebe nennen…

Von der ersten Seite an, hat mich der Roman in seinen Bann gezogen, seine Charaktere mich gefesselt. Cornelia Jönsson legt viel Wert auf die Innensicht der Protagonisten. Den Zugang zu vielen Geschehnissen erhalten wir aus verschiedenen Perspektiven, wobei der Fokus auf den Protagonistinnen Franzi und Pauline liegt, deren Temperamente sehr unterschiedlich, beide sehr glaubhaft und authentisch ausgearbeitet sind.

Die Handlungsverläufe, Gefühle und Gedankengänge aller Figuren sind so wundervoll nachvollziehbar, schlüssig und wirken nicht konstruiert. Es fällt dem Leser sehr leicht, Anns Bann zu erliegen, genau so wie Pauline es tut, auch ohne ihre Neigungen zu teilen.

Erfreut durfte ich auch feststellen, dass es sich bei den weiblichen Charakteren nicht um trendige Sex-and-the-City-Weibchen handelt, die „irgendwas mit Medien“ machen, sondern um vielschichtige, intelligente Wesen, die einen Lehrstuhl besetzten, Theaterinszenierungen mit Gefängnisinsassinnen leiten, sich mit ihrer Doktorarbeit rumärgern und am Anfang ihres Jurastudiums stehen. Diese Vorlage liefert brauchbaren Stoff für gute Dialoge, aus denen man auch einiges lernen kann, und haucht den Figuren zusätzliches Leben ein.

Die Erotik kommt bei all dem nicht zu kurz, im Gegenteil. Die Passagen mit Pauline und Ann knistern nur so vor erotischer Energie. Und auch an expliziten sexuellen Handlungen mangelt es nicht. Dennoch gelingt es der Autorin, diese so passend in die Handlung einzugliedern, bzw. die Handlung um die Szenen herum so spannend zu gestalten, dass man nicht in die Versuchung gerät, sich von der einen Sexpassage zur nächsten zu stehlen, wie es bei anderen so genannten „erotischen Romanen“ leider oft der Fall ist.

Die Irrungen und Wirrungen, die eine offene Beziehung und SM-Komponenten der Sexualität so bereit halten, sind für die Handlung zentral und jeder, der sich mit beiden Modellen mal auseinander gesetzt hat, wird das dem Roman zugrunde liegende Konfliktpotenzial nachempfinden können. Man merkt deutlich, dass die Autorin hier keine reinen Fantasiegebilde schafft, sondern weiß, wovon sie schreibt.

Fazit

Ein fesselnder Roman der durch starke Charakteren mit allzu menschlichen Schwächen und einr nicht zu unterschätzenden erotischen Komponente, glänzt. Eine Handlung, die alternative Lebens- und Liebesformen ins Zentrum rückt, Eifersucht und Obsession als deren Schattenseiten nicht ausklammert.

„Spieler wie wir“ ist intelligent und einfühlsam geschrieben. Nicht nur die Handlungen, auch die Beziehungen zwischen den Menschen sowie deren Innensicht sind schön und glaubhaft umgesetzt. Empfehlenswert für alle, die SM praktizieren, in einer offenen Beziehung leben oder offen für solche Lebensentwürfe sind. Wobei sich die ANAIS-Reihe doch hauptsächlich an Frauen richtet und auch dieser Roman dank vornehmlich weiblicher Identifikationsfiguren eher ein weibliches Publikum ansprechen wird.

Cornelia Jönsson
Spieler wie wir
ANAIS Band2
Preis: 9,90€

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