Freitag, 18. September 2009

Sexy Dance

Sexy. Der Fernseher wird angeschaltet. Viva. Zu sehen ist "She Wolf" von Shakira. Zu sehen ist eine Shakira, im hautfarbenen Body, die im Käfig hockt, lasziv ihre Hüften kreisen lässt. Ihr Becken rotiert, wie sie sich bewegt, all dies steht einem Vorspiel in nichts nach. Und dieser Hintern, dieser Rücken, die Brüste. Wie sie tanzt, ihre weiblichen Attribute so gekonnt in Szene setzt. Sich räkelt, im Käfig. Mit den Gitterstäben rummacht.

Sexy. Der Fernseher wird angeschaltet. Viva. Zu sehen ist "Single Ladies" von Beyoncé. Zu sehen ist eine Beyoncé im schwarzen Body und zwei weitere Frauen. Im Rahmen einer aufwändigen Choreographie lassen auch diese die Hüften kreisen. Recken Brust und Hintern im wechsel vor und zurück, gehen in die Knie, wieder hoch, die Hände zeichnen die Körperkonturen nach.

Ich sehe sie vor mir. Die Zuschauerschaft. Zwölfjährige Mädchen vor dem Fernseher, vor dem Spiegel, die sie imitieren. Ihre Idole, ihre Ikonen. Shakira, Beyoncé, Britney und Christina. Vielleicht auch Kylie und Madonna. Im Prinzip ist es auch egal, denn vollkommen austauschbar. Sie werden lernen, dass das sexy ist. Sie wollen auch sexy sein, also werden sie lernen. Lernen die Hüften zu kreisen, mit den Brüsten und Ärschen zu wippen. Oder es wird ihnen zu doof sein. Sie trauen sich nicht so richtig, oder haben auf diese Spielchen keine Lust. Doch die Gunst des Dancefloors wird in dem Fall nicht die ihre sein. Sie werden herumdrucksen und anderen versuchen weiß zu machen, dass sie nicht gerne tanzen.

Tanzen. Das ist es. Tanzen um des Tanzes willen! Tanzen um mit der Musik zu spielen. Auf den Beats zu treiben. Mit dem Rhythmus eine Symbiose einzugehen. Tanzen, weil man es mag, sich zur Musik zu bewegen. Nicht tanzen, weil man seine sekundären Geschlechtsmerkmale gekonnt in Pose schmeißen will. Oder meint, dies zu müssen. Nicht tanzen, um auf-Teufel-komm-raus sexy zu sein.

Ich musste Tanzen vollkommen neu lernen. Meinen Körper so zu bewegen, wie ich es wollte, nicht wie es zu imitieren einlud. Wie die Musik es mir abverlangte. Die Musik! Für diese tanze ich. Sie macht mich glücklich, wenn mein Körper mit ihr spielen kann, auf ihren Beats treibt. Wenn ich tanze, will ich nicht sexy sein, sondern mich ausleben können. Ob ich dabei dann doch sexy aussehe – es würde mich freuen, wenn meine Authentizität mich sexy macht und nicht die Nachahmungsfreude.

Beyoncé oder Shakira so tanzen zu sehen, wirkt auf mich sexy, weil ihre Inszenierung meinen Trieb anspricht. Ich mag ihre Körper, ihre Gesichter und sie setzten beides gekonnt ins Rampenlicht (ihre Musik lässt mich eher kalt). Aber es ist auch einstudiert. Klar, steckt ja auch eine Choreographie hinter. Doch nicht nur das. Jede Bewegung zielt darauf ab, beim Betrachter eine Wirkung zu erzielen. Sei es Lust, Neid oder Bewunderung. Sie wird nicht um ihrerselbst Willen vollzogen. Und das ist ein ziemlicher Abturner. Und die Wurzel allen Übels. Ich denke nur wieder an die jungen Mädchen, die sein wollen wie die arsch-wackelnden Supervamps.

Wirklich sexy hingegen finde ich Amanda Palmer, die Sängerin der Dresden Dolls. Amanda Palmer, mit ihrer Achsel- und Beinbehaarung, mit ihrer normalsterblichen Figur. Sie ist sexy, weil sie sie selbst ist. Weil sie sich wirklich gehen lässt, auf der Bühne und auch in Videoclips kommt sie so authentisch rüber. Sie ist erfrischend ordinär, und damit einfach scheiße treffend. Sie ist laut, sie ist so herrlich aufgedreht und aufgekratzt und wirkt auch manchmal etwas kirre. Und das alles, macht diese Frau so wahnsinnig attraktiv für mich. Weil sie keine Beyoncé-Choreographien liefert, sondern sich immer zu bewegen und zu geben scheint, wie ihr eben danach ist. Und die Spielchen und bescheuerten Stereotypen der Geschlechter in ihren Songs so schön sarkastisch thematisiert.

Und genau deswegen gibt es hier was fürs Auge und fürs Ohr:
Dresden Dolls - Shores of California

Kommentare:

  1. Amanda Palmer rockt! Das Beyonce-Video ist aber kacke :)

    Dafür hier noch mal was gutes:
    http://www.youtube.com/watch?v=jlJ9z_LowBI

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  2. wenn ich das neue video von shakira sehe könnte ich im kreis kotzen...ich habe viel respekt vor ihr als songschreiberin...ihr erstes englischsprachige album liebe ich immer noch sehr aber dieses video ist so aufgesetzt und so gewollt aber nicht gekonnt das ich es nicht mal ansatzweise sexy finde...guck mal, eine schöne frau, halbnackt auf den knien...in einem käfig...und kein bischen sexy...fast schon traurig...

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  3. ich bin ja auch eine freundin sexualisierter darstellungen (ok, unter sehr spezifischen einschränkungen^^), aber das Shakira-video hat mich sehr befremdet.
    ich finde, das versucht sehr gezwungen auf den pussy-zug von dem pornösen Love Sex Magic video von Ciara & Timberlake aufzuspringen.
    das mit dem spandex-body und den gitterstäben ist doch fast 1:1 übernommen.
    ich fand Shakira immer recht cool (und das she-wolf lied mag ich auch), aber das hier wirkt doch sehr anbiedernd auf mich -.- jaja, jeder mensch hat das recht, sich zu verändern und zu entwickeln aber....

    sagt mal - soll das eigentlich eine gigantische vagina sein, in der Shakira in diesem einen set performt oder ist das nur meine assoziation?? xDD

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  4. danke für diesen tollen artikel :D und ich freu mich auf die nächste gelegenheit bei der ich wieder für-mich-tanze

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  5. Ich finde Shakira alles andere als sexy.
    Vor allem, wenn sie rumzuckt, pardon, tanzt.
    Wirkt auf mich absolut künstlich, leidenschaftslos, aufgesetzt.

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