Dienstag, 20. Oktober 2009

We are beautyful...

Ein Klassiker aus meinem ersten Blog. Ursprünglich erschienen am 27.02.2008.

Inspiriert haben mich die Blogs zweier Frauen, die sich ebenfalls diesem Thema gewidmet haben. Ich denke, im Grunde kann es nicht genug Menschen geben, die sich mit der Doppelmoral und der Gefahr gängiger Schönheitsideale und daraus resultierenden Süchten beschäftigen! Somit möchte ich auch an Euch beide Artikel weiterleiten, vielleicht findet Ihr ja auch gefallen dran:


Pro-Ana und Pro-Mia: Antwort auf die Knochenlutschgöttin von der Schmitti
und Knochenlutscher von der Alia

Unterernährung in unserer Überflussgesellschaft. Ein Phänomen, das an Perversion grenzt. Nein, eigentlich nicht. Es ist Perversion. Und bezeichnend für unsere Zeit.

Wie kann es sein, dass der Umgang mit dem Essen uns im Westen so schwer fällt? Wie kann es sein, dass in Deutschland ca. 100.000 Menschen von Magersucht betroffen sind - 90% davon Frauen zwischen 15 und 35 Jahren sind? 600.000 unserer Mitbürger unter Bulimie leiden?

Wie kann es sein, dass sich im Internet Imperien einer Pro-Ana und Pro-Mia Bewegung aufbauen, die ihre Erkrankung, ihre Schlankheitssucht verherrlichen und sich bis ins unermessliche abhungern?



Wie kann es sein, dass Keira Knightley, Victoria Beckham oder Lindsay Lohan zu Schönheitsidealen avancieren? Klar - die ganzen Hochglanzmagazine heucheln irgendwie schon ein geringes Maß an Besorgnis vor. Dennoch haben die ständigen Fotos, die wir von diesen Hungerhaken vor die Nase gesetzt bekommen einen anderen Effekt. Nein, sie wirken nicht warnend. Das täten sie vielleicht, wenn die Magazine genannte Damen in misslicheren Situationen als auf dem Roten Teppich, bei irgendwelchen Galas oder Aftershow-Partys zeigen würden. Nicht zu vergessen der wohl verdiente Urlaub am Strand in Hawaii oder Malibu.

Da kommen doch schon Gedanken auf, wie dass es durchaus schön wäre, ein wenig mehr so zu sein, wie sie. Nur ein bischen mehr. Selbstverständlich will man es nicht übertreiben. Aber wo hört man denn auf, wenn man plötzlich Komplimente aufgrund der schlankeren Taille bekommt? Wann wird aus dünn dürr? Wann erreicht einen die Erkenntnis, dass man am Limit ist?

We are beautiful no matter what they say
Yes, words won't bring us down , oh no
We are beautiful in every single way
Yes, words can't bring us down , oh no
So don't you bring me down today

heißt es im Lied "Beautiful" von Christina Aguilera. Eine Hymne an die Selbstakzeptanz. Der Videoclip tut sein übriges. Allerdings ist es auch nicht schwer, sowas in die Welt hinaus zu trällern, wenn man mit seiner Figur mal garnicht zu kämpfen hat. Wenn der Personaltrainer zum Tag gehört, wie das Zähneputzen auch. Den Zeitfaktor darf man beim Nacheifern gängiger Schönheitsidealen nämlich nicht außer Acht lassen. Genau so wenig wie das Geld, welches in ebenso beachtlichem Ausmaß verpulvert wird.

Dennoch: Wie kann es sein, dass wir Frauen uns in solchem Ausmaß mit unseren Maßen beschäftigen? Sage mir: Wann hast Du das letzte mal Nachmittags, nachdem Du am gleichen Tag schon gefrühstückt und zu Mittag gegessen hast einen leckeren Brownie verspeist, dazu einen Milchshake getrunken - ohne dass Dich nachher zumindest eines geplagt hat:

a) Du hattest Schuldgefühle.
b) Du hast Dir darüber Gedanken gemacht, wieviele Punkte/Kalorien das waren.
c) Du denkst über Sanktionen bei der folgenden Mahlzeit nach...
d) ... die erst am nächsten Tag stattfinden wird, bis dahin ist der Brownie hoffentlich weg.
e) Du gehst im Geiste die Termine des morgigen Tages durch um noch eine Extraschicht im Fitnessstudio einzuschieben.
f) Das war nun wirklich, wirklich die letzte Sünde, die Du Dir in Deinem Leben erlaubt hast. Ab morgen gibt es nur noch Salat!
g) ... zumindest bis Weihnachten, da kann man um das ungesunde Zeug ja nicht drum rum.
Jaja, es ist wirklich nicht leicht, heute noch ein ungezwungenes Verhältnis zu seinem Essen und seinem Körper aufzubauen. Auch ich bin mitlerweile so konditioniert, dass ich immer krampfhaft überlege, wie viele Kalorien, ich zu mir nehme. Wenn ich ins Kino gehe muss dennoch eine Tüte Popcorn und eine große Cola her. Und nachher habe ich Schuldgefühle. Das macht doch keinen Spaß.

Ich denke, wir müssen neues Selbstvertrauen in uns setzen. Wie würden wir uns finden, wenn wir uns losgelöst jeglicher Schönheitsideale betrachten würden? Wären wir dann immer noch zu fett? Zu kleinbusig? Was findest Du schön an Dir selbst?

Und was noch?

Und was macht uns als eigenständigen und als solchen liebenswerten Menschen aus? Der Körper ist nicht alles, auch wenn es in gängigen Magazinen fast ausschließlich um diesen geht. Nein, es ist noch sehr viel mehr, was uns aus macht, worauf wir setzen können. Es mag zwar auch aufs Äußere ankommen, aber Schönheit setzt sich nicht an dick oder dünn fest. Schön ist alles, was gesund ist! Ein gefährliches Maß an Übergewicht ist nicht schön, denn es ist ungesund. Ich rede jetzt nicht von den Fettpölsterchen, die bei Frau auch mal Größe L auf den Plan holen. Naja, eigentlich will ich es garnicht an den Größen festmachen. Aber wenn es nicht mehr gesund ist, sollte was dran getan werden, denn ein ungesundes Leben im Übermaß kostet genau so viel Lebensqualität wie ein ungesundes Leben im Untermaß so zu sagen.

Und so schaut es nämlich aus: Hungerhaken sind nicht sexy! Hungerhaken sollten jeden normalen Menschen an diejenigen erinnern, die unter Menschen unwürdigen Bedingungen leben müssen und leben mussten, die keine Optionen haben (es sei denn wir priviligierten Menschen im Überfluss geben sie ihnen endlich einmal) und hatten - nicht an die Laufstege unserer Welt!

Problem an der ganzen Sache ist ja einfach die, dass eben auch so extrem dürre Exemplare wie eben auch Keira Knightley großen Erfolg haben. Man schaue sich auch die Bank weg alle Schauspielerinnen an, die uns mittwochs im Rahmen der Serie "Desperate Houswives" beglücken. Das sind ja alles Frauen über 35. Oder bei "Grey's Anatomy" das selbe Rippenspektakel. Naja, da verdeckt es zumindest der Arztkittel zumeist ein wenig. Verantwortungsbewusster sollten Medien und Akteure werden. Ob dies mit Sponsoren etc. also (wie immer) mit wirtschaftlichen Faktoren zu vereinbaren ist, steht selbstredend auf einem anderen Blatt geschrieben. Klar, dass es lange nicht mehr auf das Wohl der anderen ankommt ist mir schon bewusst, seitdem bekannt wurde, dass Britney Spears doch keine Jungfrau mehr ist.

Vielleicht noch zu guter letzt ein Zitat aus Alias Artikel:

"Das ist nämlich die gute, alte Ausgeglichenheit. Anstrengung ist gut, Muskeln sind toll, doch diese wollen gefüttert und auch manchmal mit Kalorienbomben am Leben erhalten werden. Das ist gesund. Das hat nichts mit fett oder schwach zu tun. Das ist das Leben, liebste Schutzpatronin aller Biologieklassenzimmerskelette und auch dessen Lookalikes. Wer lebt, der sieht eben nicht aus wie ein Skelett. Skelette haben mit dem Tod zu tun. Skelette jagen Kindern Angst ein. Skelette kann man sich zu Halloween ins Zimmer hängen. Doch so aussehen sollte ein lebendiger Mensch nicht."


Meine Güte, eigentlich könnte ich einen ganzen Roman zu diesem Thema schreiben, aber ich befürchte, da würden mir dann doch langsam die Leser ausgehen... vielleicht folgt ja noch ein zweiter Teil zu diesem überaus wichtigen Thema, wir werden es sehen.

Kommentare:

  1. Liebe Mademoiselle Nocturne!

    Wie recht Du doch mit Deinen Zeilen hast!!!
    Ich darf zu dem Thema nicht viel sagen, weil ich das unverschämte Glück habe, in einem Körper zu stecken, den ich sehr gern mag und der auch kaum zunimmt ;-)

    Was aber mal ganz klar ist: fragt mal die Männer - ein Knochengerüst ist definitiv nichts erotisches. Kein Mann "scheuert" sich gerne an einer Frau auf. Wenn Männer die Wahl haben, sind ihnen 5 Kilo zu viel lieber als 5 Kilo zu wenig.

    Außerdem heißt fehlendes Gewicht auch, dass der Kreislauf nicht richtig funktioniert, dass die Verdauung nicht das tut, was sie tun soll und dass man sich insgesamt genauso wenig wohl fühlt, wie wenn man zuviel wiegt.

    Wie in allen Dingen des Lebens, ist das Mittelmaß hier wohl das gesündeste - und da nur Mittelmaß kein Spaß macht, vergesse ich den einen Tag vielleicht zu Essen, weil ich gaaaanz dolle Sachen mache - und andern Tags gibt´s zwei Stück Torte, weil mir einfach danach ist.

    liebe Grüße
    Susanne

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