Freitag, 20. November 2009

Das Verschwinden der Erotik

Ein Klassiker aus meinem ersten Blog, ursprünglich erschienen am 01.04.2008.
Eigentlich sollte ich schon längst im Bett liegen. Und eigentlich sollte ich gerade auch garnicht mehr die Zeit finden, mich dieser Seite zu widmen. Ich stehe nun 8 Tage vorm Abi und habe nun nichts besseres zu tun, als etwas in meinen Blog zu schreiben. Unfassbar.
Doch es ist ein Thema, was mich schon seit geraumer Zeit beschäftigt. Und nun, in nächtlicher Umnachtung, ist die Zeit gekommen, sich der Sinnlichkeit, der Erotik zu widmen.
Nein, ich selbst werde hierzu nichts wirklich priklend ansprechendes schreiben. Wie immer möchte ich auch, was dieses Thema angeht, ein wenig zum Nachdenken anregen, wachrütteln, sensibilisieren. Man muss nicht prüde sein, um von mir angeprangerte Missstände zu erkennen.
Wir leben in einer Welt, in der herzlich wenig unerforscht ist, nicht frei gelegt wird. Nackte Körper, Fleischbeschauung, Sex begleiten uns unweigerlich durch das nachmittagliche Fernsehprogramm. Man schaue nur mal flüchtig bei Big Brother vorbei, wie häufig dort gepoppt wird, das ganze läuft dann von 19h - 20h auf RTL2.
Mit Erotik hat das alles rein garnichts zu tun.
Persönlich frage ich mich, ob das Verständniss von Erotik sich einfach gewandelt hat, oder ob wir garnicht mehr sensibel genug sind, diese wahr zu nehmen. Sind wir abgestumpft? Oder bin ich abgestumpft? Dass ich subtile Erotik garnicht mehr erkenne, wobei sie doch noch vorhanden ist? Vielleicht kann mich ja jemand darauf aufmerksam machen, sollte letzteres der Fall sein. Ich lasse mir gerne helfen.
Jedenfalls finde ich es immer sehr erfrischend, mir ältere Filme, aus den 50gern oder frühen 60gern anzuschauen, in denen auf diesem Gebiet nicht so dick aufgetragen wird, wie heute. Auch interessant finde ich in diesem Zusammenhang, mir die früheren Bilder aus dem Playboy anzuschauen, die wesentlich mehr hergeben, als die aktuellen - vor allem, weil sie nicht retouchiert sind. Und: Erst 1972 sieht man die erste vollkommen nackte Frau in diesem renomierten Männermagazin. Jawohl, ich habe mir die Mühe gemacht, mir jedes einelne Bild des Playmates des Monats anzusehen, um die Entwicklung, die in Bezug auf Nacktheit vonstatten gegangen ist, nachzuvollziehen. Es ist wirklich sehr interessant gewesen. Zu erwähnen wäre auch, dass sich da nach 1972 nicht ein absolut radikaler Wandel vollzogen hat. Nein, nach dieser ersten kompletten Nacktheit, gab es doch noch einige Monate hinter einander, in denen man vom Schambereich garnichts gesehen hat. Auch wenn es vielleicht überflüssig sein mag, ich erwähne dennoch, dass die gezeigten Damen - obwohl sie Schambehaarung aufweisen, durchaus angenehm zu betrachten sind, schöne Körper und schöne Gesichter haben. Dies nurmal so am Rande. Wichtig ist, dass komplette Nacktheit nur optional war. Kein Zwang, nicht wie heute.
Ich frage mich, wann ich das letzte Mal in einem Film etwas gesehen habe, was eine erotische Wirkung auf mich hatte, ohne dass es gleich ums Ganze ging. Mir fällt beim besten Willen nichtst ein.
Vielleicht ist ein subtiles erotisches Ansprechen auch viel zu individuell? In groß angelegten Produktionen geht es ja eher darum, kollektiv zu wirken, die Emotionen der Masse zu bewegen. Auf die Feinheiten, die den einzelnen anregen kann keine Rücksicht genommen werden. Möglich. Und mit dem Wort Produktionen beziehe ich mich nicht auf die Pornoindustrie. Das ist ein ganz anderes Thema.
Mir fehlt etwas. Ich weiß nicht, was es genau ist, aber ich möchte in einem Film etwas sehen, was mir einen Schauer über den Rücken jagt - und zwar keinen kalten! Ich möchte keinen ewig schnulzigen Kitschkram ertragen müssen, der Mädchen unter 16 und Frauen über 40 anspricht. Vielleicht auch noch ein paar dazwischen, aber in jedem Fall nicht mich.
Ich will Leidenschaft, Gefühle, Abgründe, Sinnlichkeit, Erotik... aber ohne expliziten Sex. Ist das so schwer? Muss in jeden verdammten Film eine Sexszene rein, ob es mit der Story was zu tun hat, oder nicht? Einfach so, auf Teufel komm raus, wie man es erst Anfang des Jahres im zweiten Teil von Elisabeth mit Cate Blanchett hatte. DA hab ich mich vielleicht aufgeregt! Aber wenn ich so weiter mache, komme ich nur wieder vom Thema ab.
Und nun weg von der Mattscheibe, hinein ins Leben: Ist Euch mal aufgefallen, wie Frauen heutzutage so rumlaufen? Wie Mädchen zur Schule gehen? Die Kluft eignet sich bestenfalls für die Disco, im schlimmsten Fall für den Swinger Club. Da kann man doch nur den Kopf schütteln. Ich verstehe ja nicht, warum einem die aufgepuschten Titten 15jähriger Mädchen ins Gesicht hoppsen müssen. Wer will mit sowas konfrontiert werden? Mensch, das vermeindlich "geile Stück" ist ein Kind! Und hat bestimmt so viel Ahnung von Erotik, wie ich von Kernphysik. Aber Sex praktiziert sie wahrscheinlich schon, seit etwas längerem wahrscheinlich auch.
Witzig wird es in diesem Zusammenhang auch, wenn man sein Unwesen in der Schwarzen Szene, in der ich mich beheimattet fühle, treibt. Die Gothics von gestern trugen wallende schwarze - eher sackförmige - Gewandungen, oder verspielte schwarze Kleider, die an böse Märchenköniginnen erinnerten. Heute sind Hotpans, Strümpfe und schwarze über die Brustwarzen geklebte Xe , in. Mehr ist tatsächlich auch mehr, denn erotisch ist so ein Aufzug nur bedingt. Zumindest was meine Ansicht angeht, aber jedem das seine.
Hm... zunehmenst habe ich das Gefühl, dass es doch nicht ich bin, die abgestumpft ist. Wäre dem so, hätte ich an der ganzen Entwicklung wohl nichts auszusetzen.
Aber nun gut: Ich suche Erotik und finde keine. Hilft mir wer suchen?

Kommentare:

  1. Hmm..habe nur das Gefühl dass heute mehr Geschmackloses läuft, Stichwort RTL. Aber wo war die Erotik denn früher? Ich denke vor allem in Büchern, wie auch heute noch.
    Erotik findet sich vor allem in zwischenmenschnlichen Begegnungen. In der Anspannung, dem Reiz..dieses lässt sich für Aussenstehende nicht so leicht darstellen, doch besser in Büchern als in Filmen. Was ich auch als Erotisch (nicht gleichzusetzen mit dem was mich sofort anmacht..) empfinde sind gewisse pornographische Bilder, welche aber sehr ästhetisch-künstlerisch gemacht sind.

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  2. Hey,
    ich finde das aber auch. Gestern war ich auf einer Vorabiparty und die jungen Hühner sahen aus wie aus dem Hip-Hop-Video und wackelten mit den Ärschlein. Gleichzeitig sah man, dass es wirklich noch unschuldige junge Dinger waren.
    Was die Gothicszene angeht, so ist der Nuttenlook ebenfalls nicht erotisch. Ein figurbetonter Rock mit Korsett und schön zur Schau gestellten Brüsten ist viel erotischer als Höschen und Strapse. :D

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  3. Sehr interessanter blog- hab`s fasziniert gelesen und werds wieder tun...

    Düstergruß,
    Black dragon

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  4. Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Bei mir sind es aber nicht die Fotos (wenn sie gut gemacht sind), sondern Sex um jeden Preis (siehe Elizabeth). Bei Fotos kann ich hinsehen oder es auch bleiben lassen. Bei den Filmen weiß man ja nicht, wann was auf einen zukommt.
    Bei den Mädchen müssen wir uns aber doch an die eigene Nase greifen. Wie sind denn die Vorbilder (nämlich wir) angezogen? Wenn ich mich so umsehe, herrscht hier auch das Motto "Hauptsache bequem".
    Über ein ähnliches Thema hatte ich auch mal geschrieben. Was mich zusätzlich stört ist, dass solche Attribute mitterweile auf Maschinen übertragen werden. EBooks sind in unserer Zeit "sexy2. Auch Erotik wird mit allem Möglichen gleichgesetzt, nur nicht mehr mit dem, was es eigentlich sein sollte.
    Verhüllend und enthüllend. Lockend und abwehrend. Unschuldig und lasziv. Noch gibt es Frauen, die diese Kunst beherrschen. Fragt sich nur, wie lange.

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