Freitag, 6. November 2009

Vampirromane - 1. Teil: Anne Rice

Es ist Herbst. Das zwar schon seit über einem Monat, doch nun kommt der wirklich ungemütliche Teil. Wenn man so aus dem Fenster schaut, ach, jetzt ist es schon dunkel. Also gut, wenn man vor zwei Stunden aus dem Fenster sah, so war nichts zu sehen, außer tristem, trüben grau und dem Rest rotem und gelbem Laubes. Bedenkt man nun, dass der Herbst noch bis zum 21. Dezember anhält... Welch schaurige Prognose.

Schaurig, das ist das Stichwort. Genau die richtige Zeit, um sich mit Vampirromanen ein klein wenig Lebensfreude zu erhalten, bzw. die herbstlich-melancholische Stimmung zu kultivieren.

Ich möchte nun jede Woche eine Reihe Vampirromane vorstellen, die ich selbst gelesen habe, samt Urteil. So sollte es gelingen, die dunkle Zeit zu überstehen ohne der besonderen Stimmung des Herbstes vollkommen zu trotzen.



Anne Rice

Was Vampirromane angeht, so bin ich Expertin. Angefangen habe ich mit 15, als ich gruftig wurde und mitbekam, dass Anne Rice gruftige Pflichtlektüre ist. Nicht nur gruftige. Wer noch nie "Gespräch mit einem Vampir" gelesen hat, sollte es schleunigst nachholen! Brad Pitt ist in dem Film ja ganz schnuckelig, aber mit dem Buch ist der Film nicht zu vergleichen. Für Anne Rice Verhältnisse liest es sich auch sehr flüssig und verzettelt sich nicht in haarspaltende Details und den seitenlangen Schilderungen der Biographien Unsterblicher, wie es in den meisten ihrer Romane so üblich ist.

Auch "Fürst der Finsternis" darf nicht verschmäht werden. Hier erhaschen wir einen anderen Blickwinkel auf den Rockstar unter den Vampiren, auf Lestat de Liancourt, der in "Gespräch mit einem Vampir" nicht ganz so gut weg kommt.

Chronologisch gesehen folgt weiter "Königin der Verdammten", der einigen aus einer unglaublich schlechten Verfilmung bekannt sein dürfte. Hier wird es langsam knifflig, bei der Stange zu bleiben. Ich habe irgendwann aufgehört es zu lesen, weil mir Rices Schreibstil, die detailreichen Biographien der Nebendarsteller ziemlich auf die Nerven gingen. Wenn es sich so im Detail verliert, ist es schwierig, der Handlung zu folgen. Doch gibt es auch dafür besondere Liebhaber. Vielleicht war es auch einfach die Zeit und ich wage es nochmal.

Im Vergleich zu den meisten anderen Vampir-Reihen ist die von Anne Rice doch ziemlich anspruchsvoll. Die Sprache ist komplex, in der Handlung, den Charakteren, deren Dialogen und Gedankengänge offenbaren sich mach philosophische Fragen. Während die meisten anderen Vampirromane doch eher das Popcorn-Kino der Unterhaltungslektüre sind.

Sehr gefallen hat mir "Pandora", was wohl dem neuen Vampir-Hype zu verdanken neu aufgelegt und umbenannt wurde. Nun heißt es "Die Herrin des Schattenreichs". Ganz schön verwirrend. Hierbei handelt es sich um den einzigen Roman der Vampir-Reihe, der aus der Sicht einer Frau geschrieben ist. Leider. Andere fanden diesen weniger gut. Doch mir gefiel er, weil er sich besonders auf Pandoras Lebens- oder Unlebenszeit in der Antike fokussiert. Während in anderen Romanen mehr Wert auf die Zeit der Aufklärung gelegt wird.

"Armand der Vampir" habe ich angelesen. Auch dieser wurde neu aufgelegt, heißt nun "Der Duft der Unsterblichkeit". Mit 16 Jahren war mir dieses Werk deutlich zu homoerotisch und sadomasochistisch angehaucht. In der Kombination einfach nicht das, was meinem Gusto entsprach. Vielleicht würde ich es jetzt wieder wagen.
Im Zusammenhang mit diesem Roman fällt mir eine Szene ein, die mir immer im Gedächnis bleiben wird. Was mir beweist, dass es toll ist, den Lesegenuss zu zelebrieren! Gerade Anne Rice eignet sich dafür.
Nun, es mag auch so ein finsterer Herbsttag wie der heutige gewesen sein, an dem ich abends alleine zuhause war, die Rolladen runter zog, sämtliche Kerzen im Wohnzimmer anzündete, mir ein Glas (ich weiß nicht mehr was ich da getrunken habe) gönnte und das Requiem von Mozart einlegte um in dieser besonderen Atmosphäre "Armand der Vampir" zu lesen. Es war schaurig schön!

Anne Rice sollte jeder mal angelesen haben. "Gespräch mit einem Vampir" ist der Klassiker unter den Vampirromanen und auch mit anderen Werken dieser Autorin kann man sein Vergnügen haben. Spaß macht Anne Rice jedoch nicht. Nein, sie ist nicht witzig, sie zu lesen tut manchmal auch ein bisschen weh. Aber in diesem Zusammenhang baut sich einfach auch eine besondere Stimmung auf. Gerade jetzt, wo bis Weihnachten so ziemlich nichts wirklich Spaß macht, ist Anne Rice sehr geeignet, Melancholie und Wehmut zu kultivieren.

Ihre Werke haben auch immer etwas latent erotisches. Der Stil berührt einen. Sanft, aber auch innig, wenngleich flüchtig. Unter den Vampiren, jeglichen Geschlechts, herrscht eine unglaubliche Anziehung, ohne dass es explizit oder plumt wirkt. Es ist fast schon alles zu subtil, um erotisch zu sein. Aber doch, es ist erotisch.

Nächste Woche widme ich ich mich meiner Lieblingsautorin, wenn es um Vampire geht: Laurell K. Hamilton.

Kommentare:

  1. ah anne rice...als teenager war ich total verückt nach ihr..so verückt das ich bei einem meiner new orleans besuche mit 16 oder 17 glatt bei ihr klingelte und um audienz bat...frechheit siegt:-)

    leider haben ihre romane ja dann sehr nachgelassen..und ich empfinde es als mehr als nur tragisch wie sie sich heute von ihren alten arbeiten distanziert ..von der qualität der ja nun sehr religiös gefärbten neuen bücher ganz zu schweigen...

    nächste woche gibt es anita blake? ich freu mich:-)

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  2. Kennst du die erotischen Romane von Anne Rice? Exit to Eden und die Sleeping Beauty Trilogie haben mich sehr beeindruckt.

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  3. hmmm... ehrlich gesagt habe ich damals aufgehört, anne rice zu lesen, eben weil es von buch zu buch immer plumper und sexfixiert wurde. sprachlich als auch inhaltlich...

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  4. @ neeva

    tatsächlich? i fand exit to eden extrem öde..und sleeping beauty war..einschläfernd..absolut..:-(

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  5. "Gespräch mit einem Vampir" und "Fürst der Finsternis" hab ich zu Jugendzeiten gelesen...und fand beide anstrengend, aber dennoch fesselnd.
    Es gibt sicherlich deutlich bessere Vampirautoren, und doch ist Anne Rice eine gewisse (und sicherlich auch berechtigte) Prominenz unter Autoren dieses Genres.

    Das Vampirlektüre grundsätzlich eine Tendenz zur Erotik haben mag am vergossenen Körpersaft, der Überwindung von Privatsphäre, an Nähe und Verführung liegen. Sicherlich hat für mich darin immer ein gewisser Anreiz gelegen, entsprechende Thematiken zu lesen....
    ...von den expliziten Romanen Rice's halte ich hingegen herzlich wenig. Gerade die 'Sleeping Beauty'-Reihe ist von so unsagbar schlechter Sprache, dass es mich zusehr anstrengte,um noch erregend sein zu können.

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  6. Also Anne Rice SM-Auswüchse habe ich nicht gelesen. Da scheint die Tendenz ja wirklich dahin zu gehen, dass die große Mehrheit sie richtig schlecht findet.

    Ich selbst vergleiche Anne Rice-Lesen gerne mit dem Verzehr bitterer Schokolade. Also zu beginn, wenn man gerade anfängt, ist es ganz schön lecker, aber je mehr man davon isst, desto klebriger, kleistriger, öliger wird die Substanz, die man verzweifelt versucht den Rachen runter zu schlingen und irgendwann ist es echt kein Genuss mehr.

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