Freitag, 13. November 2009

Vampirromane - 2. Teil: Laurell K. Hamilton

Es ist Herbst, dunkel, trist und trüb, das habe ich letzte Woche schon festgestellt und mich entschlossen, Euch die Zeit mit Abhandlungen über die mir liebsamen und weniger liebsamen Vampirromane zu versüßen.

Angefangen habe ich letzte Woche mit Anne Rice, weiter geht es heute mit Laurell K. Hamilton, meiner Lieblingsautorin in Bezug auf Vampire.

Laurell K. Hamilton

Zugegeben: Wer literarische Hochleistungen erwartet, ist hier falsch. Die "Anita Blake"-Reihe ist weder sprachlich noch inhaltlich in besonderem Maße anspruchsvoll. Sehr unterhaltsam und etwas anders, im Vergleich zu dem, was einen 20:15h im TV erwartet, aber nicht wesentlich komplexer. Und das macht die Werke dieser Autorin für mich als Studentin und Pendlerin so attraktiv! Wenn ich im Zug sitze und abschalten möchte, ist es kein Problem jederzeit in den Roman wieder einzusteigen. Und wieder aufzuhören. Wenngleich die Geschichte doch sehr schnell fesselt und man nicht mehr aufhören möchte - es ist einfach so unterhaltsam!

Die Vampire stehen hier, im Gegensatz zu Anne Rice, nicht im Mittelpunkt. Nein, der Fokus ist auf Anita Blake gerichtet, welche das Amt der staatlich bestellten Vampirhenkerin in Missouri und drei weiteren Bundesstaaten, einnimmt. Unter den Geschöpften der Nacht wird sie respektvoll "der Scharfrichter" genannt. Desweiteren berät Anita die Polizei von St. Louis in Fällen, die auf übernatürliche Täter hindeuten. Ja, in der Welt dieser Bücher, die sich auf die USA, hauptsächlich St. Louis der 90er konzentrieren (was man meist nur an der Beschreibung der Kleidung bemerkt), sind Vampire seit 2 Jahren legal. Sie dürfen nur, wie jeder andere Bürger auch, keine Menschen töten, sonst werden sie hingerichtet, was wiederum in Anitas Aufgabenbereich fällt. Neben Vampiren gibt es aber auch Lykanthrophen, also alle möglichen Gestaltwandler, wobei dies als Krankheit angesehen wird, übertragbar wie AIDS und noch so einige andere übernatürlichen Geschöpfe. Zombies zum Beispiel. Wo wir dann wieder bei Anita Blakes Berufsausübung wären. Diese arbeitet nämlich hauptberuflich als Animatorin. Das heisst, dass sie für Kunden nachts auf einem Friedhof einen Toten erweckt, damit dieser wichtige Fragen beantworten kann.

Eigensinnig, wie ihre Berufsausübung, ist Anita Blake selbst. Während der Meistervampir der Stadt sich in sie verliebt, muss sie sich zusammen reißen, ihn nicht zu töten. Und in brenzlichen Situationen, in die Anita Blake recht häufig gerät, ist es ihrem losen Mundwerk oft genug zu verschulden, dass sie mehr einstecken muss, als nötig.

Anita Blake ist eine Powerfrau, wie sie in Büchern und Filmen nur selten zu finden sind! Sie ist emanzipiert, kann mit Männern, die sie beschützen wollen, ihr die Tür aufhalten und in den Mantel helfen, nichts anfangen. Während andere Bücher ihre Heldinnen immer gern zu Journalistinnen, bzw. "irgendwas in Medien" arbeitenden Frauen machen, ist sie eine vielschichtige toughe Frau, die sich die Hände schmutzig macht und mit Toten hantiert. Während in Filmen Frauen in brenzligen Situationen meist in dem Augenblick gerettet werden, indem Schlimmeres verhindert werden konnte, steckt Anita im Mindesten genau so viel ein, wie Bruce Willis in den "Die Hard"-Filmen. Sie sieht hübsch aus, ist allerdings mit Knapp 1,60m viel zu klein (was mir sehr sympathisch ist), macht sich nichts aus Mode, schläft mit Stoffpinguinen ist kaffeesüchtig und christlich gläubisch und sieht Vampire als Monster an.

In jedem Band erfährt man mehr über sie, ihre Vergangenheit, ihre Interessen, wunde Punkte und moralische Vorstellungen, was den Charakter immer greifbarer macht und eine realistische Annährung an ihn ermöglicht. Der Leser wird in den Büchern von Anita selbst angesprochen, was recht amüsant und flott zu lesen ist.

Eine erotische Grundstimmung kommt auch in diesen Büchern gerne auf, trotz gelegentlicher Splatter-Orgien in guter Horror-Manier. Der Meister der Stadt ist echt ein charmanter Hingucker wenngleich seine Exzentrik ihn auch ein wenig schrullig macht. An sich hält die Reihe schöne Personen und intime Momente berei. Wobei: Ich habe gestern den 5. Band zuende gelesen und bisher ist es noch nie explizit geworden. Was ich auch ganz unterhaltsam finde, weil es einfach Anitas Charakter entspricht, der so schön dreidimensional ist und wird, wie nur in wenigen Geschichten, die ich so lesen durfte.

Die Anita Blake Reihe kann ich echt nur wärmstens empfehlen! Die Bücher sind so kurzweilig, spannend und amüsant, der Charakter so gut ausgepfeilt. Laurell K. Hamilton ist eine wirklich unglaublich fantasievolle Autorin, wo ich mich doch andauernd frage, wie man nur auf solche Ideen kommt. Wer allerdings weder Action noch ein wenig Horror mag, ist hier falsch, da es doch sehr drunter und drüber geht und mitunter ganz schön ekelig wird.

Die Bücher kosten rund 8€.
Band 1: Bittersüße Tode
Band 2: Bleiche Stille
Band 3: Zirkus der Verdammten
Band 4: Gierige Schatten
Band 5: Bleiche Stille
Band 6: Tanz der Toten
Band 7: Dunkle Glut
Band 8: Ruf des Blutes (glaube ich)

Nächste Woche beschäftige ich mich mit der Bis(s)-Reihe von Stephanie Meyer, dem Traum so vieler Teenies - pünktlich zum Kinostart der zweiten Verfilmung.

Kommentare:

  1. Oh, der Beschreibung kann ich mich voll und ganz anschließen! Hab letzte Woche eher zufällig den, wie sich herausstellte 6., Band gelesen und war sehr angetan! Sehr schöne, starke Figur, Anita, auch in ihren Schwächen. Als nächstes kommt Bd. 1 :-)

    AntwortenLöschen
  2. Ich war am Anfang auch sehr begeistert von der Reihe, aber jetzt stecke ich im 12. Band (mittlerweile lese ich auf Englisch weiter) und komme einfach nicht weiter.
    Ich will euch nicht den Spaß nehmen, aber meine Begeisterung ist ab Band zehn etwas verflogen. Anita und die Reihe ändern sich doch ziemlich finde ich. Aber vielleicht geht es euch ja anders als mir.

    AntwortenLöschen
  3. Oh, Deine Prognose finde ich recht schade, weil ich es bisher doch total super fand, aber ich bin mal gespannt darauf, was Du so sagst. Ich bin ja grade mal mit dem 5. Band fertig, also habe ich vielleicht noch ein Paar brauchbare vor mir. ;-)

    Aber freut mich zu lesen, dass es doch auch noch andere Leute gibt, die diese Reihe durchaus brauchbar finden. :-) Bin doch sonst immer die einzige im Freundes- und Bekanntenkreis, die die Leute bekehren muss! *lach*

    AntwortenLöschen
  4. Ich hab jetzt endlich mit dem Lesen angefangen (hab mir wegen Dir sogar das Feienblatt gegönnt ;) ) und bin sehr amüsiert. So flach finde ich es gar nicht, wie es sich bei Dir am Anfang las. Im Gegenteil, die subtile Erotik sprachlich so aufzubauen, wie die Autorin es tut, ist eine Kunst. Und die eher flapsigen Bemerkungen der Protagonistin machen es erst wieder witzig. Ich hoffe, das bleibt so. :)

    AntwortenLöschen
  5. Ich muss sagen, ich hab von Laurell K. Hamilton die Merry Gentry Reihe gelesen, die als Feen Detektiv Roman angekündigt war.

    Die ersten 3 Romane waren auch recht spannend und relativ erotisch. In Band 4&5 rueckte aber Erotik in den Vordergrund und die Detektiv Handlung wurde stark vernachlaessigt (sprich jede/jeder/jedes durfte mal) was ich etwas übertrieben fand. Danach habe ich mir erst ein Jahr später am Flughafen Band 6 gekauft, da ich nicht wirklich daran interessiert wahr, mit welcher Schuessel oder welchem Strauch sie als nächstes Sex hat.

    Aber seit Band 6 gibt es wieder etwas mehr Handlung. Wobei ich mir doch ab und zu wünschen würde, das das ganze mal ein Ende hat.

    AntwortenLöschen