Freitag, 27. November 2009

Vampirromane - 3.Teil: Stephanie Meyer

Zugegeben, ich bin eine Woche zu spät dran, aber Hand aufs Herz: Uni, Arbeit und Krankheit gehen schonmal vor. Doch auch jetzt haben wir einen dunklen, tristen Abend, eines kalten und verregneten Novembertages. Und das passt doch perfekt, sich noch einmal der Vampire zu widmen.

Stephanie Meyer

Bekanter als die Bücher dieser US-Amerikanischen Autorin sind wohl die Verfilmungen dieser. Letzte Woche lief der zweite Teil der Bis(s)-Reihe in den deutschen Kinos an und dürfte auch schon wieder Rekordhöhen eingespielt haben. Der Hype ist überall präsent. Die Zielgruppe vorwiegend weibliche Teenager. 

Zu Bis(s) bin ich auch über den Film gekommen. Vampire sind ja mein Ding. Ich erhoffte mir nicht viel, wurde also auch nicht enttäuscht. Eher im Gegenteil. Ich verfiel in Wehmut und frug mich nur, weshalb es diese Verfilmung nicht schon gab, als ich in einem dankbarerem Alter war. Ich glaube, wäre ich statt 20, 15 gewesen - Edward hätte mich schlichtweg umgehauen. Und die Männerwelt hätte mich fortan in tiefere Verbitterung getrieben, als sie es ohnehin schon tut. Dies ist halb ironisch gemeint. 

Dann habe ich mir das erste Buch geholt, es gelesen. Der Stil ist sehr schön. Es ist sehr gut und schnell zu lesen, anspruchsvoller als Laurell K. Hamilton, nicht so anstrengen, wie Anne Rice. Die Handlung ist eine Teenie-Romanze. Im Großen und Ganzen also unterhaltsam. 

Interesse weckte die Reihe bei mir wirklich hauptsächlich wegen des Hypes. Ich wollte ihn verstehen, ihn durchschauen. Was ist es, was diese jungfräulichen, zahnbespangten Mädchen so ausflippen lässt? 

- Wir haben einen sehr gutaussehenden Jungen, auf der Schwelle zum Mann. Er ist noch nicht ganz ausgereift, zumindest nicht körperlich. Er verströhmt also den Charme der Jungend zum einen, ist noch nicht ganz Mann, d.h. noch nicht ganz "gefährlich". 

- Dieser Kerl sieht nicht nur verdammt gut aus, nein, er ist überdies auch noch sehr intelligent, gebildet, eloquent - da zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzogen, weiß er sich, wie ein Gentleman zu benehmen, was man von seinen "Altersgenossen" - den anderen 17-jährigen ja wohl nicht behaupten kann!

- Hinzu kommt noch, dass der Gute auch noch Gedanken lesen kann. Er lebt seit gut 100 Jahren und hat gut 80 davon mit der Fähigkeit durchlebt, die Gedanken von Frauen lesen zu können. Verschafft ihm das nicht doch einen immensen Vorsprung gegenüber seinen Geschlechtsgenossen? 

- Ja, und zum letzten Punkt kommt noch ein wichtiges Detail hinzu: Dieser Charakter ist von einer Frau erschaffen. Natürlich wehre ich mich wehement gegen allzu umgreifende Verallgemeinerungen. Aaaaaber: man kann es doch wagen, festzuhalten, dass Frauen aufgrund einer Sozialisation, die sie in unserem Kulturkreis doch mehr oder minder in ähnlichen Zügen genossen haben, auf bestimmte Signale reagieren. Sei es auch nur unbewusst. Sei es auch so, dass sie diese, sofern erkannt, sofort hinterfragen und für nicht korrekt befinden. Und eben solche Signale schaffen es Autorinnen erstaunlich oft erstaunlich gut in ihren Protagonisten zu verpflanzen. Edward in dem Falle, Jamie bei Diana Gabaldon. 

Auch wenn ich es wie die Pest hasse, in den Mantel geholfen zu kriegen, oder dass man mir die Tür aufhält, hätte ich das Gefühl, dass der Kerl das nicht macht, weil es sich "so gehört", weil er meint, mit dieser Masche mich ins Bett zu kriegen, nein, wenn ich das Gefühl hätte, dass er es täte, um mir seine "Ergebenheit" (eine emotionale) auszudrücken, würde es mich bestimmt auch anmachen. 

Und das ist es, was Edward Bella, dem durchschnittlichem Mädchen mit Köpfchen mit jeder Pore seines Daseins vermittelt. Dass er sie anbetet, sie liebt, sie sein ein und alles ist. Dass diese Liebe bedingungslos ist, er alles für sie täte und noch mehr (außer sie zu beißen). Es kommt erschwerend hinzu, dass Edward das alles auch noch in schöne Worte fassen kann. Ja, verdammt! Er setzt nicht voraus, dass Bella weiß, dass er sie liebt - sonst würde er mit ihr ja keine Zeit verbringen. Nein! Er spricht es aus! Er gibt seinen Gefühlen Worte, er macht lässt sie wissen, was er an ihr schätzt. 

Indem Edward all dies tut, ohne seinen Schwanz aus der Hose zu holen, ohne auch nur die geringsten Anstalten zu machen, dies im Sinn zu haben, wenngleich er der guten Bella dank einer ausgefeilten Kusstechnik und schönem Streicheln ganz wuschig und töricht macht, suggeriert Stephanie Meyer in der Verbindung der zwei ein gewisses, keusches Ideal. Auch seine Beisserchen behält das gefährliche Raubtier in ihm, er ist ja schließlich ein Vampir, bei sich. 

Wir haben ihn hier also, schwarz auf weiß und auf Leinwand gebannt: Den liebevollen Totschläger. Den Mann, der könnte, wenn er wollte, es aber nicht tut, weil seine Liebe so überirdisch tiefgreifend ist, so rein, so pur, so erhaben, wie sie nur sein kann. 

Kommentare:

  1. Hab die ersten drei Bücher gelesen, den Film habe ich erst danach gesehen.

    Ich finde auch, dass Stephenie Meyer ein Talent zum Schreiben hat, aber ich hab beim Lesen regelmäßig Wutanfälle bekommen, weil sich Bella ständig von Edward hat bevormunden lassen. Und ich fand es echt schlimm (darf ich das sagen, will ja nichts verraten), dass die Reaktion der Vampire auf Sonnenlicht nicht meinem klassisch beprägten Geschmack entsprach.

    In einem muss ich dir aber wirklich Recht geben. Ich habe mich mit meinen 21 Jahren auch irgendwie zu alt dafür gefühlt. Vielleicht finde ich das ganze deshalb auch gar nicht erotisch. Das gleiche ist mir auch bei "Evernight" von Claudia Gray aufgefallen. Die Gefühlswelt einer 16-jährigen erschließt sich mir einfach nicht mehr so wirklich.

    Die Kritik an Meyer, dass sie Keuschheit und Unterwerfung der Frau unter den Mann verbreiten würde, kann ich verstehen. Aber da gibt es eindeutig schlimmeres als diese Bücher.

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  2. Irgendwie scheint mein Kommentar verloren gegangen zu sein, deshalb:

    Sehr schöner Text. Hab die ersten drei Bücher gelesen, später auch den Film gesehen. An der Reihe hat mich vor allem gestört, dass sich Bella ständig von Edward hat bevormunden lassen. Aber auch die propagierte Keuschheit hat mir irgendwie auf den Magen geschlagen. Sonst finde ich Meyers Stil nicht schlecht.

    Was du über das Alter sagst, stimmt. Ich habe auch das Gefühl, dass ich für Twilight schon etwas zu alt bin (obwohl ja auch Frauen in den mittleren Jahren davon schwärmen). Ist mir auch bei "Evernight" von Claudia Gray (auch ein Buch über Vampire) aufgefallen. Die Gefühlswelt einer 16-jährigen erschließt sich mir (21 J.) nicht mehr unbedingt.

    Aber das schlimmste an den Twilight-Vampiren (abgesehen von dem cullenschen "Vegetarismus") ist ihre abartige Reaktion auf Sonnenlicht. Bäh.

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  3. Argh. Wenn du willst, kannst du einen Kommentar löschen. Am besten den ersten.

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  4. Der Vampirmythos hat die romantische Frauenfreundschaft des 19 Jh. ersetzt.
    Habe da auch einen Text zu geschrieben, siehe:
    www.femininelesbians.wordpress.com (Die lesbische Vampirin)

    Claudia

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  5. @Emily: Ich lasse sie alle stehen, weil sie doch das Thema ein wenig anders angehen, finde es wichtig, die Formulierungen so zu lassen, sonst geht doch einiges verloren.

    @Claudia: Vielen Dank für den interessanten Link! :-) Werde Euren Blog gerne auf meiner Linkseite aufnehmen.

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