Dienstag, 1. Dezember 2009

Rezension: "Feigenblatt" - Macht & Hingabe


Es ist genau mein Thema, der Aufhänger des aktuellen Feigenblatts. Deswegen habe ich es mir nicht nehmen lassen, die Redaktion anzuschreiben und ihr meine Seele zu verkaufen. Auf S. 36 ist nun mein sexueller Werdegang im Reich der dunklen Erotik zu lesen. Doch ist dies bei weitem nicht alles. So wie ich dieses Magazin lesen und lieben gelernt habe, verfolgt es weiterhin seine Linie, über den Tellerrand hinaus zu sehen und nicht nur die Fragen zu stellen, die jeder stellen würde. Ein Thema nicht nur von der Seite zu beleuchten, wie jeder es sehen möchte, sondern vielschichtig vorzugehen. Dies gern auch mal unerwartet.

Ja, auch die aktuelle Ausgabe des Feigenblatt-Magazins "Macht & Hingabe" gefällt mir sehr gut. Das Thema ist in meinen Augen allerdings auch ergiebiger und vielschichtiger, als das der Vorgängerausgabe, welche sich mit der Erotik des Wassers befasste. So greift das Feigenblatt diesmal nicht nur die gängigen Klischees über SM auf, welche von der selbst praktizierenden Autorin Kathrin Passig herrlich auf die Schippe genommen werden.

Verschiedene Arten, sich mit Macht und Hingabe zu befassen, greift die Ausgabe in Form von Gedichten, Essays und Kurzgeschichten, auf. Diese weichen ab vom Bild der Lack-Leder Domina und dem winselnden Manager zu ihren Füßen. Auch die Bebilderung gefällt mir sehr gut, so ist auch diese unerwartet eigen und wirkt authentisch. Der Erfahrungsbericht zur "Xplore 2009" ist nur ein Beispiel dafür, wie die Beschäftigung mit Macht und Hingabe von gängigen Vorstellungen abweichen und eigen interpretiert werden kann.

Das Thema ist in einer solchen Form umgesetzt, dass es sowohl für praktizierende, als auch Aussenstehende zugänglich ist.

Wie bisher in jeder Ausgabe, hat mich auch dieses mal besonders Herbert Brauns Interpretation eines Gemäldes beglückt. In gewisser Weise stellt dieses kleine Kernstück des Magazins für mich auch das große Highlight dar. Es ist immer wieder erstaunlich, welche subtile Erotik in einem Gemälde doch verborgen und gleichermaßen offenbart ist, sofern man sich nur ausgiebig damit befasst. In dieser 17. Ausgabe handelt es sich dabei um "Die Weiße Sklavin" von Jean Jules Antoine Lecomte du Nouÿ.

Viel mehr bleibt mir über "Macht & Hingabe" nicht zu sagen, der Kauf lohnt sich, auch wenn bald schon das nächste Exemplar in den Startlöchern steht.

Kommentare:

  1. ah das feigenblatt...ich bin was das magazin angeht auch ein leser der ersten stunde und kann immer nur wieder betonen das es jeden cent wert ist ....

    die aktuelle ausgabe ist mir vom thema her natürlich besonders nah und auch dein beitrag gefiel mir sehr gut...rundum gelungen

    die neue ausgabe ist ja auch schon in sicht und ist ab, so glaube ich zumindest, 17.12 im handel zu haben...

    AntwortenLöschen
  2. Merci, Mademoiselle - das hat mich wirklich sehr, sehr gefreut.

    AntwortenLöschen
  3. Ich schließe mich Deiner gelungenen Rezension 100% an.
    Als (noch) außenstehender aber offen interessierter Leser ein sehr perspektivenreicher Einblick.

    AntwortenLöschen