Sonntag, 13. Dezember 2009

Rezension: "Lucy früh am Morgen" - Monica Belle

Handlung:

Lucy verliert ihren Job im Pfarrhaus ihrer Gemeinde, weil sie dem Gärtner einen geblasen hat. Es ist ihr unmöglich ohne einen neuen Job zurück nach hause zu gehen, zumal sie in wenigen Wochen ihr Studium antreten wird. Sie findet dank einiger Notlügen recht schnell einen neuen Job in einer Zeitarbeitsfirma, was ihr Geld, neue Freundschaften und sexuelle Erlebnisse beschert.


Soweit zur Handlung von "Lucy früh am Morgen", ein Roman der in der ANAIS-Reihe des Schwarzkopf&Schwarzkopf-Verlages erschienen ist. Diese Reihe widmet sich auschließlich erotischer Literatur, die von Frauen geschrieben ist. Bevorzugt auch für ein weibliches Publikum, doch würde ich sagen, dass man Geschmack nicht vom Geschlecht abhängig machen kann.

An diesem Roman hat es mir die doch ziemlich explizite Sprache sehr angetan. Der Schreibstil, der sich durch die Handlung zieht ist nicht sonderlich anspruchsvoll, der Blick auf die Charaktere, auch auf die Hauptakteurin sehr eindimensional, was ich sehr schade finde, da es so sehr schwer ist, ein die Handlung einzutauchen und eine Bindung zum Geschehen aufzubauen. Leider bleibt so die Story sehr dünn, flach und oberflächlich. Sie hangelt sich von einer sexuellen Aktion zur nächsten und wirkt nur als Lückenbüßer.

Doch zurück zur expliziten Sprache: Doch, gerade die ersten paar Sexszenen zu lesen, hat mir, die ich doch hauptsächlich Zeit zu lesen in den Zügen und Bussen des Ruhrgebiets und Rheinlandes habe, ganz schön die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Und eigetlich gibt es nicht so viele Dinge, die mich zum Erröten bringen. Lucys Sprachgebrauch gehört allerdings dazu. Was ich dem Roman positiv anrechne. Leider haben Storys viel zu oft die Eigenschaft nicht direkt genug zu sein. Gerade in Kombination mit einem weiblichen Hauptcharakter ist dies nicht so häufig und nicht so einfach.

Problematisch jedoch ist die Art und Weise, wie Lucy dargestellt wird. Einerseits ist sie ein sehr widersprüchlicher Charakter: Sie ist demnächst Studentin, interessiert sich allerdings nur fürs Trinken, Sex und etwas Shoppen. Sie ist sexuell sehr offen, hat viele One-Night-Stands, findet es aber merkwürdig und ist von sich selbst etwas shockiert, wenn es darum geht, Sex mit Frauen zu haben. Sie lässt den Mann abblitzen, dessen Urlaub sie gegen Geld und mit Sex begleitet, weil er sie einschränkt, prostituiert sich allerdings, um sich die Rückreise bezahlen zu können.
Diese Widersprüchlichkeit und die Tatsache, dass Lucy auch sehr schrullige Tendenzen dazu hat, andere Leute zu ärgern, zu lügen und Blödsinn zu machen, bringen sie beinahe in die Position einer Anti-Heldin. Hier tut sich eigentlich gutes Potenzial auf, was leider nicht umgesetzt wird, da die eindimensionale Sichtweise auf Lucy sowie die flache Handlung selbst dem keinen Raum bieten.


Die Männerwelt teilt sich in dem Buch in drei Schablonen auf. Entweder sie sind groß und grob und versprechen auch groben Sex, was Lucy und ihre Freundinnen sehr zu schätzen wissen, oder sie sind sehr jungenhaft und unterwürfig, sodass sie als Sexpartner rausfallen aber gut zum Ärgern geeignet sind, oder sie sind reifer, reich und charismatisch, was sie nach der Überwindung ersterer Gewissenskämpfe auch wieder zu potenziellen Sexpartnern macht. Keiner dieser Männer hat wirklich was eigenes, auch sie sind eindimensional und recht stereotyp. Was natürlich für einige umgesetzte Phantasien auch seinen Reiz hat, im Zuge eines gesamten Romans allerdings an diesem Reiz verliert.

Lucy selbst ist, soweit ihre doch karge Innensicht diese Interpretation zulässt eine emanzipierte Frau, die nichts darauf gibt, was andere Menschen über sie und ihr Sexleben denken, die einfach ihren Spaß haben will. Dennoch lässt sie sich auf eine Beziehung mit einem unglaublichen Macho ein (der natürlich eine Granate im Bett und ordentlich ausgestattet ist), dem sie aber auch nicht die Parole bietet, sondern versucht mit küchenpsychologischen Strategien zu lenken und ihre Freiheiten eben hinterrücks auslebt.

Große Bauchschmerzen bereitete mir die Tatsache, dass in dem Roman an keiner Stelle ein Kondom vorkommt. Das fand ich beim Lesen doch sehr abturnend. Es sind so viele verschiedene Sexpartner im Spiel. Mein einziger Trost war, dass es sich um eine fiktive Story handelt und ich in den Geschichten in meinem Kopf auch nicht zum Gummi greife. Dennoch fand ich das reichlich unlogisch und wenn ich schon damit rechne, dass es vielleicht doch nicht so unlogisch ist, dann doch zumindest sehr unsafe.

Trotz flacher Charaktere und Handlung ist letztere recht abwechslungsreich und die sexuellen Erlebnisse sind zwar nach 2 dritteln des Buches kaum noch etwas neues, aber sie bietet doch im großen und ganzen einen Unterhaltungswert. Die SM-Szene(n) fand ich allerdings recht lieblos, auch nicht wirklich nachvollziehbar aus der Sicht einer Person, die da doch auch praktische Erfahrung hat.

Fazit:

Der Roman hätte definitiv mehr hergegeben. Die Handlung hätte etwas gespickter sein können, die Charaktere runder und facettenreicher sowie auch mehr Wert auf die Innensicht Lucies und auch ihrer Freundinnen dem Ganzen nur gut getan hätte. Den Gebrauch von Kondomen habe ich mir sehr gewünscht. Den sexuellen Szenen hätte weniger schablonenhaftigkeit der Männer auch keinen Abbruch getan, wenngleich mir hier der Sprachgebrauch in seiner sehr expliziten Form gut gefallen hat.

"Lucy früh am Morgen" ist somit ein zwar kurzweiliges wenngleich auch oberflächliches Leseerlebnis, welches Menschen, die auf explizite Sprache und viele Sexszenen stehen durchaus auch Spaß bereiten kann.

Monica Belle
Lucy früh am Morgen
ANAIS Band 12
9,90€

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