Mittwoch, 16. Juni 2010

Rezension: "Feigenblatt" - Ich liebe mich!

Mit diesem schönen Titel widmet sich die letzte und 19. Ausgabe des Feigenblatts einem meiner Lieblingsthemen, der Selbstbefriedigung.

In meinen Augen ein Thema, das garnicht genug Würdigung erhalten kann, weshalb mich auch die vielseitigen Artikel der Ausgabe sehr zufrieden stellen. Wie doch in allen Ausgaben, die ich vom Feigenblatt bisher gelesen habe, wird die Selbstbefriedigung sehr facettenreich und zum Teil auch von relativ gegensätzlichen Standpunkten betrachtet.

So plädiert Sabine Lüdtke (S.14 f.) für Selbstbefriedigung wie und wann sie eben gerade willkommen ist. Der Artikel von Maggie Tapert (S. 29-33) stellt die Zelebrierung der eigenen Lust in zeitintensiven Ritualen in den Mittelpunkt. Diesen Artikel habe ich zwar sehr genossen, er hat mich angeregt, im großen und ganzen führt er zu Selbstreflektion und ich zumindest fühlte mich von Frau Tapert doch sehr an die Hand genommen. Andererseits jedoch stellte er mir zu viele Kausalitäten auf und das Zelebrieren der Selbstlust, welches für sich genommen bestimmt wichtig und richtig ist, erlangt in dem Artikel doch eine sehr dogmatische Stellung, die meine abendlichen Orgasmen vor dem Einschlafen doch sehr (zu sehr) in den Schatten stellt.


Einig sind sich beide Autorinnen allerdings darin, dass Selbstbefriedigung ein Teil der Sexualität ist, dass er "richtiger Sex" ist und nichts für das man sich schämen sollte. Dass Selbstbefriedigung ein Thema ist, dass aus weiblicher Perspektive leider zu häufig in den Hintergrund tritt, taburisierter ist, als das männliche Pendant und zu dem auch stark von einer pornografischenen, auf "Männer"-Phantasien zugeschnittene Ausbeutung geprägt ist.

Interessant zu lesen war für mich zudem der Abriss einer männlichen "Wichser"-Biographie, geschrieben von Samuel B., zu lesen auf Seite 44 folgende. Der Weg von heterosexueller Phantasiewelt und gelebter Sexualität hin zur homosexuellen und letztlich doch für beide Geschlechter offen.

Herbert Braun schrieb zudem einen sehr interessanten und informativen Artikel zur Geschichte der "Selbstbefleckung" (S. 10-13), die doch noch ihre Schatten auf die heutige Sexualität und Sexualerziehung wirft.

Desweiteren finden sich in dieser Ausgabe eine interessante Umfrage zum Selbstbefriedigungsverhalten der Besucher der Feigenblatt-Webseite. Allerdings ist fraglich in wieweit diese wirklich auch repräsentativ ist, da doch darauf zu schließen ist, dass ein großteil der Leser eines solchen Magazins relativ aufgeschlossen und aufgeklärt sind. Auf die Grundgesamtheit ist also nicht zu schließen.

Weiterhin befinden sich im Heft Nr. 19 auch wieder lesenswerte Konsumhinweise, betreffend Sexspielzeug, erotischer Literatur, Kunst und was die Erotik sonst noch so zu bieten hat.

Fazit:

Eine sehr gelungene Ausgabe mit einem wirklich spannenden Thema! Auch wenn bald schon die neue Ausgabe in den Handel kommt, würde ich jedem, der sich mit dem Thema gerne auseinander setzt und auch gerne die (mehr oder minder fundierten) Sichtweisen anderer dazu liest, diese Ausgabe wärmstens empfehlen.

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