Sonntag, 1. August 2010

Rezension: "Spieler unter sich" - Cornelia Jönsson

Es ist selten, dass Romane auch wirklich intelligent sind. Doch bei der "Spieler-Reihe" kann man dies getrost behaupten und sich sicher sein, auch bei sinnlicher, zuweilen erotischer Lektüre, nicht zu verblöden. 

Nach ihrem Debut-Roman "Spieler wie wir", welches ich an dieser Stelle rezensiert habe, widmet sich Cornelia Jönsson auch in "Spieler unter sich" weiter ihren Protagonistinnen Franzi und Pauline, deren sozialem Umfeld und den Problemen, die nun einmal auftreten, wenn man Kontakte zu anderen Menschen pflegt.

Die Handlung:
Franzi lebt glücklich und dominant mit Marius und Katharina. Doch als Letztere beide verlässt, stößt sie einen komplizierten Reigen an. Franzi widmet sich einer neuen Freundin und beginnt, statt Gefängnistheater erotisches Theater zu machen. Sie sehnt sich nach mehr Sex mit Marius, der sich gerade mit Kelly tröstet. Das geht so lange gut, bis Kelly Franzi eröffnet, dass sie nicht vorhabe, Marius auf ewig mit ihr zu teilen …

Pauline wurde von ihrer großen Liebe, einer dominanten Professorin, verlassen und weiß nicht, was sie mit sich anfangen soll. Sie beobachtet, was um sie herum geschieht, ohne selbst teilzunehmen, und genießt dabei die Dominanz ihrer Mitbewohnerin Franzi, bis sie erneut in aufwühlenden Kontakt zu einer Frau gerät.

Gerade zu Beginn des Buches, fällt einem ein relativ experimenteller, subjektiver Sprachgebrauch auf, der sehr nah an die Charaktere, deren Innenleben, Empfinden, heran führt. Cornelia Jönnson bedient sich der Sprache als Instrument, welches Empfindungen auslösen kann und gerade im Vergleich zum ersten Teil fällt dieser freiere Umgang mit der Sprache auf. Positiv. Die Subjektivität, die darin zum Ausdruck kommt, macht die Chraktere so lebendig, wie es selten ist. Selten vor allem in Romanen, die sich hauptsächlich der Erotik widmen.

Aber auch das wäre zu kurz gegriffen: "Spieler unter sich" als Erotik-Roman zu verbuchen. Während das erste Buch doch einen recht starken Fokus auf das Spielen legt, so geht dieses Werk mehr auf die zwischenmenschliche Meta-Ebene ein. Die Folgen des Spiels, wenn es sich ausgespielt hat. Oder falsch gespielt wurde. Pauline, die Ann verfallen war, deren Liebesbeziehung sich nach deren Ende immer mehr als eine ungesunde Obsession entpuppt.
Franzi, die so gerne polyamor leben möchte, Katharina allerdings nicht leiden kann und nicht zuletzt aufgrund dieser Antipathie ihre dominante Ader entdeckt und mit ihr auslebt. Um zu entdecken, dass die ungeliebte Nebenbuhlerin letzten Endes doch Stabilität in eine stagnierende Beziehung gebracht hat.

Im Grunde genommen dreht sich auch bei "Spieler unter sich" im Wesentlichen sehr viel um Sexualität. Doch die Ausschreibung sexueller Szenen, welche in einem selbst erotische Gefühle auslösen, rückt in anbetracht der zwischenmenschlichen Dramen drum herum eher in den Hintergrund. Was das Buch in meinen Augen nicht abwertet. Es gewinnt dadurch viel mehr an Tiefe. Die Frage ist dabei nur, ob man nicht doch lieber etwas mehr Zerstreuung haben möchte.

Sehr gut gefällt mir, wie die Autorin ihren Charakteren Leben einhaucht. Es macht den Eindruck, Franzi, Pauline aber auch all die anderen seien keine fiktiven Figuren. Je weiter man sich in deren Leben begibt, desto mehr hat man das Gefühl, hier gute Bekannte vor sich zu haben. Und doch auch ein Stück weit einen Spiegel seiner selbst. Ich weiß noch genau, wie gut ich mich in Franzi hinein versetzen konnte. Wie ihre Eifersucht auch mir ab und an einen Stich versetzte und Katharina mich zur Weißglut brachte. Diese starke Frau, die natürlich nicht immer stark sein kann. Schwächen und Fehler hat. Und dadurch so schön greifbar wird. Auch Pauline. Wenn auch nur in sehr abgeschwächter Form, so war es auch bei ihr möglich, mich in sie hinein zu versetzen, mit zu fühlen. Diese Sehnsucht nach absoluter Hingabe zu verspüren, die allerdings auch etwas sehr destruktives beinhaltet, da sie doch auch immer absoluten Verlust bedeuten kann.

Insgesamt auch sehr schön die immer einfließenden philosophischen Impulse, die dazu anregen, die im Buch angeführten, aber auch den eigenen Lebensstil zu überdenken und sich den Fragen der Liebe, der Beziehung und vor allem auch der Kommunikation zu widmen.

Fazit:

Ein sehr lesenswertes Buch, deren Chraktere scheinbar ein Eigenleben führen, zumindest macht die Handlung in keinem Moment den Eindruck, am Reißbrett entstanden zu sein. Dieses Buch läd ein, über die Geschehnisse in der Handlung, aber auch über das eigene Leben und Empfinden nachzudenken. Es propagiert alternative Lebensstile, die nicht perfekt sind. Weil Menschen nicht perfekt sind und dies auch garnicht sein müssen/sollen/können. Es ist spannend zu lesen, sehr gut geschrieben und mit einem Ende gesegnet, der nach einer Fortsetzung schreit. Erotisch, aber nicht stumpf. Ein Buch, was ich jeder und jedem empfehlen kann, die sich für SM, für offene Beziehungen oder an und für sich für andere Lebensstile interessiert. Oder auch einfach nur ein gutes Buch lesen will.

Cornelia Jönsson
SPIELER UNTER SICH
ANAIS Band 16
9,90€
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Kommentare:

  1. Was ich gut fand, war dass sich die Charaktere entwickeln, und mehr Hintergrund gezeigt wird. Wobei die Handlung ein bisschen kurz kommt.

    Und was ich nicht so toll fand, waren die Cliffhanger am Ende. Ich hätte schon gern gewusst, was mit den vielen offenen Handlungsstraengen passiert. Besonders da einige nur ein paar Seiten vor Buchende angefangen wurden ... aber der dritte Band kommt ja hoffentlich bald.

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  2. Wow, das klingt wirklich sehr interessant. Deine Rezension macht mir gerade total Lust, mir das Buch zu besorgen! Sollte man den ersten Teil kennen, um in den vollen Lesegenuss zu kommen oder sind die beiden Bücher prinzipiell unabhängig voneinander?

    Übrigens ganz wunderbar, dass es jetzt wieder "petits plaisirs" gibt, die hatte ich hier sehr vermisst! <3

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  3. @E*phi: Freut mich zu lesen, dass Du Dich freust. :-) Also ich würde doch auf jeden Fall bei "Spieler wie wir" anfangen. Wie Du der Rezension an gegebener Stelle entnehmen kannst, war ich davon doch auch sehr begeistert. Jedenfalls baut der zweite Band doch sehr stark auf den ersten auf.

    @yellobird: Dass mit den Cliffhangern fand ich gar nicht so schlecht, weil es einem doch auch zeigt, wie sehr man selbst doch in der Geschichte drin ist und in gewisser Weise erlaubt sich da die Autorin doch auch ein kleines Spiel mit den Lesern.

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  4. Danke schön! Werd mir also erstmal "Spieler wie wir" schnappen und bin gespannt, ob es den gehobenen Erwartungen gerecht wird! ;) Brauch neben der Diplomarbeit eh ganz dringend wieder ein gutes "Entspannungsbuch"!

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  5. Hier ein Link zu einem interessanten Interview mit der Autorin Cornelia Jönsson:
    http://www.sklavenzentrale.com/?act=mag&article&artID=4568

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