Freitag, 10. September 2010

Vorzeitig gibts nicht.

Orgasmuskontrolle. Sehr viele Menschen werden sich mit diesem Thema auf die ein oder andere Weise mal auseinander gesetzt haben. Zu verstehen ist hierbei beispielsweise die Verhinderung oder Verzögerung eines Orgasmus, seitens des Mannes zwecks längerem Koitus. Fatal wäre es natürlich auch, wenn der Samenerguss (=Orgasmus) eintritt, bevor es zum entscheidenden Akt, nämlich dem Geschlechtsverkehr gekommen ist. Sowas wäre peinlich. Unreif. Unmännlich. Unerotisch. Die Kaskade an negativen Gedanken und Empfindungen, die mit einem vorzeitigen Höhepunkt einher gehen, nimmt schier kein Ende.

Bekannt ist beispielsweise auch die Szene aus der Teenager-Komödie "American Pie", in der der Protagonist Besuch von der sexy tschechischen Austausschülerin erhält und beim Anblick ihrer nackten Brüste ejakuliert, während sie (lediglich) sein Bein berührt. Ein Brüller im Kino und bei der Vorstadtjugend, die Jim, den Protagonisten bei seinem Fiasko über die Web-Cam beobachtet.

Das Motiv des vorzeitigen Orgasmus setzt zwei Bedingungen voraus.
1.: Ein Orgasmus kann nur vorzeitig sein, wenn er für etwas anderes bestimmt gewesen wäre. In den meisten Fällen wird der vorzeitige Orgasmus, als einer gesehen, der (noch) vor dem Geschlechtsverkehr - welcher in einem klassischen linearen Verlauf sexueller Betätigung im Mittelpunkt steht, der Hauptgang quasi ist - oder in einem sehr "frühen" Stadium des Geschlechtsverkehrs, eintritt.
2.: Ein weiterer Orgasmus ist ausgeschlossen. Die sexuelle Betätigung steht und fällt mit dem Zeitpunkt des männlichen Höhepunkts, dieser ist innerhalb der sexuellen Betätigung ein einmaliges Ereignis und zeitgleich auch Indikator für die Qualität=Intensität und zeitliche Dauer dieser Betätigung.

Es sind mehrere Faktoren, die dabei nicht berücksichtigt werden. Ich möchte vom heterosexuellen Verkehr ausgehen, da ich mich in der Konstellation damit nunmal am besten auskenne. Es ist doch schon so, dass die meisten Männer durchaus auch darum bemüht sind, einer Frau einen Orgasmus zu verschaffen. Man geht sogar soweit, dass es besser ist, wenn die Frau vor dem Mann kommt, also entweder vor dem Geschlechtsverkehr, sofern sie durch die Penetration keinen Orgasmus haben kann, oder eben beim Geschlechtsverkehr. Also wenn es noch zum GV kommen soll, muss der Mann sich beim Vorspiel zusammenreißen, bzw. die Frau dieses auch nicht so intensiv gestalten, dass ihr Partner einen Vorzeitigen haben könnte und auch beim GV ist Kontrolle seitens des Mannes angesagt, dass er nicht vor ihr kommt.

Liest sich für mich alles sehr, sehr unentspannt. Ich für meinen Fall wäre dafür, Parameter wie vorzeitig, Vorspiel, Geschlechtsverkehr als zentrales Moment sexueller Betätigung und ähnlicher Konventionen über Bord zu werfen. Es mal ganz anders angehen. Sich mal gehen lassen und mal sehen, was passiert. Eine Ejakulation muss nicht immer das Finale sein. Der Höhepunkt nicht einmalig, nicht der Gipfel, nachdem es ersteinmal wieder ins Tal, bergab geht. Er kann auch ein Auftakt sein, zu etwas neuem, einem anderen Erlebnis, dass, wenn man es nicht an irgendwelchen Standards misst, oder gerade dann, ungemein viel entspannender sein kann.

Kommentare:

  1. Dass es viel entspannender sein könnte, sehe ich auch so. Nur setzt das m.E. voraus, dass sich die meisten Männer dann zuerst mit ihrem Männlichkeitswahn befassen müssten, weil sie sich damit selbst unter Erfolgszwang setzen, und folglich auch deswegen zu früh kommen.

    Damit fängt nämlich der GV für die Betroffenen schon an. Obwohl von dem Objekt ihrer Begierde überhaupt noch nichts zu sehen ist.

    Liebe Grüße,
    Lucia

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    1. Wieso gehen Sie davon aus, dass der Mann "zu früh" kommt? Ist es nicht eher so, dass die Frau "zu spät" kommt? Warum ist der Zeitpunkt des weiblichen Orgasmus der Maßstab für den richtigen Zeitpunkt? Ich finde das ziemlich sexistisch. Ein Mann ejakuliert an dem Punkt wo die Reizung eben den Höhepunkt erreicht hat. Das hat die Natur so gewollt. Sensible Männer benötigen eben weniger Reizung. Darauf muss die Frau sich auch einstellen. Immerhin muss nicht allein der Mann Rücksicht auf den Partner nehmen. Sex ist eine beiderseitige Angelegenheit.

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  2. Ich habe gerade gelesen, dass du dich über Anregungen freust. Was hältst du davon, dieses scheußliche weiblich tradierte Rosa zu ersetzen? *zwinker*

    LG,
    Lucia

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  3. Ein Problem beim männlichen Orgasmus ist sicher, dass danach erst einmal die Geilheit verloren geht, Mann will also eine kurze Pause einlegen. Aber wie du sagst, heißt das nicht, dass es danach nicht weitergehen kann.

    Auch wenn ich Orgasmuskontrolle in anderer Bedeutung bevorzuge, ein guter Beitrag. Danke!

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  4. Umdenken wäre da in der Tat erforderlich - seitens der Frauen aber auch.

    Ich denke, mit etwas Experimentierfreude oder erotisierung anderer Erlebnismöglichkeiten kann man auch eine Refraktärzeit "überbrücken", ohne dass der Fluss gestört ist.

    Über die andere Art der Orgasmuskontrolle schreibe ich vielleicht auch mal was. Die mag ich im übrigen auch nicht. ;P

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  5. Lucia, welche Farben würdest Du denn Bevorzugen? Ich habe schon mehrere Kombinationen durch, aber die ist mir am liebsten, weil ich sie einerseits relativ sachlich finde aber doch auch warm und zu den Themen passend. Rottöne wären vielleicht noch eine Möglichkeit, wenn akzentuiert, sonst auch zu aggressiv, bei blau, grün, gelb, orange, lila passt es mir thematisch nicht, ist entweder zu "technisch" oder nichtssagend. Den Blog in dunklen Tönen macht ihn mir zu "dunkel", das soll er auch nicht sein.

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  6. Hi MN:

    Hi, zu deinen genannten Tönen, die du nicht magst, ich im übrigen auch nicht, pack ich gleich noch das ebenfalls tradierte Himmelblau, was mich an plärrende Jung-Machos erinnert, von denen sich die später Größeren? ja nun wirklich nicht wesentlich unterscheiden. Denn Tiefon-Geplärre hört sich ja auch nicht besser an.

    So, jetzt bin ich vom Thema abgekommen.
    Öhm?
    Ach ja.
    Die Farbe passt genauso wenig wie ein Rotlichtmilieu geschädigtes Rot.
    Rot - Schwarz? Schwarz - Rot?
    Egal, erinnert beides an Anarchie, deren freiheitliches Konzept zwar den Monogamie-Mief vertreiben könnte, ääääh?
    Nee, passt trotzdem nicht.

    Bleibt also nur akzentuiertes Rot übrig.

    Da aber du die Farbpötte hast, wünsche ich dir ein frohes Akzentuieren. *fett-grins*

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  7. Du schreibst, dass die Ejakulation nicht das Finale sein muss. Ich frage mich, muss sie überhaupt das Ziel sein? Warum muss die Ejakulation unbedingt der Auftakt zu einem neuen Erlebnis sein?
    Ich finde es durchaus spannend und erregend, wenn Frau den Mann soweit reizt, aber er nicht kommen darf. Wenn sie sich ihren Orgasmen hingibt, er aber wie im Rausch von Erregung zu Erregung taumelt. Das ist ein Gefühl, das high -und ja, auch stolz macht-.

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  8. a.) Farbe: persoenlich bin ich fuer die Farbe die mir momentan am besten gefaellt, sehr zum Leidwesen meiner Umwelt ... kann man ja auch ab und zu aendern, ja nach Lust und Laune.

    b.) Wenn eine Beziehung so weit ist, dass man sich gegenseitig voll vertrauen kann (und damit meine ich nicht das gemeinsame Bankkonto), nimmt es normalerweise den Erfolgsdruck und man kann allerlei verschiedenes entspannt gemeinsam machen.
    Bei Beziehungen, die nicht soweit sind (oder nie werden), ist dann doch ein gewisser Druck da, da man(n) fuehlt den Bluemchensex-erwartungen entsprechen zu muessen.
    ... der emotionale Druck wird aber besser mit dem Alter (oder vielleicht traut man sich mehr und ist selbstbewusster). Bei meiner ersten Freundin war ich dagegen noch immer am Boden zerstoert wenn ich vor ihr kam.

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  9. "Sich mal gehen lassen und mal sehen, was passiert. Eine Ejakulation muss nicht immer das Finale sein. Der Höhepunkt nicht einmalig, nicht der Gipfel, nachdem es ersteinmal wieder ins Tal, bergab geht. Er kann auch ein Auftakt sein, zu etwas neuem, einem anderen Erlebnis, dass, wenn man es nicht an irgendwelchen Standards misst, oder gerade dann, ungemein viel entspannender sein kann."

    Diesen Schlußsatz finde ich absolut klasse.

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  10. Sehr schöner Artikel, genau das versuche ich meinem Freund auch immer begreiflich zu machen - der sich da gern unnötig Gedanken macht.

    Wobei "vorzeitig" auch Definitionssache ist; warum viele Männer meinen, eine Frau müsste eine Stunde am Stück durchgerammelt werden, um Spaß zu haben, wird sich mir nie erschließen. Qualität geht doch noch immervor Quantität, und ein kurzes, intensives Erleben ist mir immer noch lieber als stundenlanges Mittelmaßvögeln.

    Zum Sex gehört soviel mehr; vorher, hinterher, mittendrin - eigentlich kann man zwei Stunden am Stück Sex haben, obwohl die Hauptaktion nach drei Minuten rum ist.

    Und zu den Farben: Ich hasse rosa aus tiefster Seele, aber zu diesem Blog passt es irgendwie. Es wirkt weder künstlich verrucht noch billig :)

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  11. Schöner Artikel!

    Zur Farbe: Hast Du mal ein transparentes Rot versucht? Das wirkt dann einerseits nicht so knallig, wie normales rot, ist aber andererseits nicht so hässlich wie das Rosa.

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  12. Toller Artikel!

    Schade ist, wenn der Ehrgeiz des Mannes der Frau einen Orgasmus zu verschaffen so weit geht, dass er sich selbst für seine(n) entschuldigt. Dabei ist ein Orgasmus meiner Meinung nach sicher keine Sache, für die man sich entschuldigen sollte.

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  13. Liebe Mademoiselle Nocturne,

    die von Dir gewählte Farbe finde ich wunderschön und zu deiner Seite passend. Sie weckt Erwartungen an diese Seite, dass es sich hierbei weder um etwas möchte-gerne Versautes, noch um klinisch sterile Beiträge zu bestimmten Themen handelt. Man entspannt sich und geniesst. Das finde ich sehr passend zu der Thematik.

    Freude, Respekt und Fantasie, das sind Worte, welche mir spontan beim ersten Besuch dieser Seite einfallen. Alles an Dich und die damit beschäftigten Menschen gerichtet.

    Zu diesem Artikel: besonders Jugendlichen würde ich deine Meinung zu lesen geben, am Besten im Schulunterricht, was aber sicherlich erst unter mehreren Gesichtspunkten bedacht werden müsste.. Denn als Junge entnimmt man der Literatur: Männer wären sehr egoistisch und nur auf eigene Freuden bedacht. Darunter würden Frauen sehr leiden. Folgeschluss: man möchte (natürlich besonders, wenn man den Partner liebt und ihr Schönes schenken möchte) sich von vorneherein bewusst mehr auf die Partnerin konzentrieren und weniger auf sich. Da ein Jugendlicher nun mal leichter, als ein Mädchen (vaginal) zum Orgasmus kommt, fühlt er sich in eigener Schuld gegenüber den o.G. Vorwürfen bestätigt. So wird es zu einer Idee-fix. Nicht zu früh kommen (sehr schöne Auseinandersetzung von dir mit dem Begriff "wann ist früh"). Das ist zum Einen.

    Zum Anderen: es freut sicherlich eine Frau, wenn der Mann aus Liebe zu ihr und wegen Ihrer Reize zum Höhepunkt kommt. So fühlt es sich unheimlich schön an, wenn die geliebte Frau auf dem Höhepunkt sich befindet. Ein tolles Gefühl.

    Hinzu kommt: wenn man selbst als Mann nicht kommt, dann fehlt es einem sehr! Deswegen ist es schwer nachempfindbar für einen Jungen, wie es für ein Mädchen immer noch schön sein kann, wenn sie aber nicht gekommen ist! Schade, wenn einige Frauen alles auf das Ego des Mannes schieben. Dadurch wird die erotische Welt nicht besser. Dafür ist die positive Wirkung durch einfaches Sagen der Protagonistin des Beitrages auf alle umso stärker, je vorurteilsfreier sie sich damit auseinandersetzt und Ihre weibliche Sicht darstellt. Das tut sie, deswegen ist es schön und SINNVOLL zu lesen. Dafür gibt es für Dich DANKE, Respekt und großen Beifall. Weiter so!

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