Freitag, 1. Oktober 2010

Entzückte Gesichter

Gesichter üben auf mich eine besondere Faszination aus. In der Hinsicht, dass sie doch so unglaublich wandelbar sind, je nach dem, in welcher Gemütsverfassung sich die Gesichtsträger befinden. Zumeist liegt Gesichtern ein mehr oder minder neutraler Ausdruck bei. Neutral in dem Sinne, dass extreme Gefühlsregungen den Gesichtsausdruck nicht prägen.

Vielleicht ertappt man sich auch schonmal dabei, sich vorzustellen, wie Person XY beim Sex wohl aussieht? Zumeist reicht dafür die Vorstellungskraft nicht. Und auch, wenn es möglich ist, sich etwas vorzustellen, wird man eventuell feststellen, dass dieses Bild im Kopf der Realität in keinster Weise gerecht wird.

Ich für meinen Teil finde einen Menschen kaum schöner, als in den Momenten, in denen die Erregung Macht über die Mimik erlangt. Es ist so ein unfassbares Wunder, was dieses Gefühl mit Gesichtern macht. Sie weicher werden lässt. Die Augen ihrerseits erscheinen dafür umso hungriger, lebendiger, dunkler. Während der Mund, leicht geöffnet, einerseits zum Küssen einläd, andererseits jedoch etwas verkniffenes, aggressives an sich hat, ähnlich den Augen. 

Dieser Entrückte Moment, indem die Lust auf den Gesichtern spielt, wie ein Virtuose auf seinem Klavier, ist einzigartig. Für mich liegt diesem Moment, oder diesen Augenblicken eine solche Wahrhaftigkeit zu Grunde. Sie zeugen davon, dass die Person, mit der man es zu tun hat, den Moment genießt, ihn ihren Empfindungen aufgeht und sich nicht verstellt. Was für mich das wichtigste überhaupt ist. 

Mit Verstellen meine ich noch nicht einmal, dass die Person versucht, etwas vorzuspielen. Sondern lediglich die Tatsache, dass die Person versucht, etwas zu verstecken. Dass sie sich beispielsweise dafür schämt, erregt zu sein, dass sie um ihre Selbstbeherrschung liegt. In der Tat kann es auch ein wunderbares Spiel sein, diesen inneren Konflikt zu beobachten, Zeuge dieses Kampfes um Selbstbeherrschung, zu werden. 

Befriedigender und befreiender finde ich es jedoch zu sehen, dass dieser Kampf entweder garnicht erst statt gefunden hat, oder schon ausgefochten wurde. Und die Niederlage in diesem Fall garkeine ist, sondern offenbart, dass der Verlust über die Selbstkontrolle des Gesichtsausdrucks kein Bedauern nach sich zieht. Vielleicht noch nicht einmal bewusst wahr genommen wird. Sondern allein ich es bin, die in diesem Moment, indem sich mir so schöne Gesichter zeigen, über derartiges nachdenkt.

Kommentare:

  1. Dann müsste beautiful agony ja was für dich sein:
    http://beautifulagony.com/public/main.php

    Und vielleicht, wenn auch etwas expliziter, I feel myself:
    http://nl.ifeelmyself.com/public/main.php

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  2. @Patrick:

    Ohne bei beiden zu bezahlen, was sich m.E. nur bei ifeelmyself durchaus lohnen würde, hat man keinen wirklich guten Einblick ins Geschehen.

    Lg, Lucia

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  3. Ein wirklich schöner Text, ich kann mich dir in allem eigentlich nur anschließen. Ich denke, das hat unter anderem auch sehr viel mit Vertrauen zu tun, ob man sich so "bedenkenlos hingeben" kann (so ein bisschen ein Zeichen der großen Nähe, sozusagen die ästhetischere Variante des "vor dem anderem im Bad am Klo sitzen und laut furzen" ;D ).

    Ich kann mich gut erinnern, dass mir das selber mal peinlich war, "Oh Gott, wie bescheuert muss ich grad drein geschaut haben" etc. Vielleicht ein bisschen unterbewusst eingebläutes "Frauen müssen immer gut aussehen" (im Sinne von "mainstream gut"). Vielleicht auch einfach ein bisschen persönliche Neurose. Auf alle Fälle gut, dass man mit den Jahren dazulernt.

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  4. Lucia: kann sein, ich kenne die Seiten selbst nur von den Promotions.

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  5. Nein, die Sache ist eher, dass der Reiz für mich davon ausgeht, dass ich die Person an sich auch kenne, und zwar auch, vielleicht sogar vor allem aus einem nicht-sexuellem Kontext. Fremde Menschen in Extase zu erleben, vor allem bildlich festgehaltne finde ich nicht so spannend. Kann zwar auch schön sein, aber es geht mir darum, dass ich die Person kenne. Und auch, dass man die Situation im Rahmen eher erfasst. Direkt da ist. Mit dem Bild, welches sich einem bietet auch noch die Geräusche, die Atmung, der Körper. Und vor allem eben das Gesicht dieser Personen, die man sonst doch so anders erlebt.

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  6. Kann ich nachempfinden. Mich fasziniert es, wie Menschen sich verändern, wenn sie stark erregt sind.

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  7. Schon nach flüchtiger Durchsicht kann ich sagen, dass dies ein außerordentlich sympathisches Erotik-Blog ist.

    Konkret zum o. a. Thema: Titten und Genitalien - alles schön und gut (und nett anzuschauen auf den einschlägigen Webseiten im Internet).

    Aber der optisch interessanteste Teil des Menschen ist immer noch das Gesicht (das, und nicht die Brüste oder Schamteile) sieht man ja auch die allermeiste Zeit, wenn man mit einem Menschen zusammen ist.

    Danke, dass Sie auch diesen Aspekt thematisiert haben!

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