Samstag, 3. März 2012

Die Mär von der Vergleichbarkeit

In Gesprächen mit Personen, die offenen Beziehungen skeptisch gegenüber eingestellt sind, fällt mir oft auf, dass offenbar einer der als schwierig erachteten Punkte der ist, dass Vergleiche gezogen werden können. Zwischen den verschiedenen Sexualpartner und einem selber.

Vergleichbarkeit finde ich allerdings in sexueller Hinsicht ein schwieriges Thema. Ich persönlich bevorzuge es immer, die Verschiedenartigkeit der Partner, mit denen ich was habe in den Mittelpunkt zu rücken. Mir geht es doch nicht darum, etwas mit Personen zu haben, die "genau so gut" oder vielleicht sogar "besser" als mein Partner sind. Das ist hinfällig. Weil es sich nunmal um grundauf verschiedene Personen handelt, die unterschiedliche Arten haben, Sex zu haben. Wollte ich Sex mit einer Person haben, der vergleichbar ist mit dem, den ich mit meinem Partner habe, dann habe ich Sex mit meinem Partner.

Allgemein gibt es viele Ängste, die sich auf die Performancestärke während des Sex beziehen. Vergleichbarkeit wird vorweggenommen in Bezug auf den Erfahrungsschatz, den der Partner/die Partnerin mit sich trägt. Wir treten in Konkurrenz mit Erfahrungen, Personen, Situationen, die wir nicht kennen, die wir nicht nachempfinden können, weil es nicht unsere sind.

Wozu?

Ich denke, wenn man es so betrachten will, dann kann jede einvernehmliche sexuelle Begegnung eine Berreicherung für beide Seiten darstellen, ohne gleich einer Bilanz, einem Vergleich unterzogen zu werden. Und damit schon Druck abbauen.

Vergleichbarkeit kann nicht hergestellt werden, wo so viele unterschiedliche und höchst subjektive Eindrücke aufeinander treffen. Wie mag man einen intersubjektiv nachvollziehbaren Maßstab in Bezug auf Praktiken, Vorlieben, persönlichen "Stil" und persönlichen Erfahrungsschatz konstruieren?

Mir persönlich hilft diese Sichtweise weiter, wenn es um Eifersucht geht, wenn es darum geht, damit umzugehen, dass ich oder eine Person, die mir sehr viel bedeutet Sex mit einer anderen Person hat. Die Angst davor, den Kürzeren zu ziehen entsteht garnicht erst, wenn ich die Vergleichbarkeit von vorne herein ad absurdum führe.

Kommentare:

  1. Ein sehr sinnvoller Post zum Thema. Gut geschrieben.

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  2. Der Beitrag hat mich unheimlich zum Nachdenken gebracht. Zum Beispiel über die Frage, wieso wir überhaupt vergleichen? Und wieso hat das Ergebnis ("Bin ich besser im Bett als er/sie oder schlechter" bei manchen soviel Bedeutung für das Selbstbewusstsein? Ich persönlich erlebe es so, dass Männer vor allem die sexuelle Leistungsfähigkeit vergleichen und Frauen ihre körperliche Attraktivität, und beides finde ich sehr ungesund. Obwohl ich mich leider ebenfalls zu den Frauen zählen muss, die sich mit anderen Frauen vergleichen und sich dadurch viele schöne Momente verderben :-((
    Aber ich teile absolut den Standpunkt, dass man Menschen bzw. Persönlichkeiten nicht vergleichen kann und sollte, und auch Sexualität ist Teil der eigenen Persönlichkeit.

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  3. Ich kann dem Beitrag von Chris nur beipflichten. Meiner Ansicht nach hat Vergleich und die Einschätzung besser oder schlechter bei intimen Begegnungen überhaupt nichts verloren.
    Ist die sexuelle Begegnung mit einem Partner, welcher Art auch immer, nicht immer etwas Einmaliges? Ich zumindest empfinde das so. Das sollte frau und man sich immer klar machen und vor allem auch so fühlen. Wobei Gefühle ja nicht zu steuern sind. Und liebe Chris, ich glaube auch wenn Gefühle nicht zu steuern sind und dies auch gut ist, versuch die Vergleichsgedanken nicht nur zurückzustellen sondern ihr Entstehen ganz zu verhindern, denn wenn ein Mann sich sich wirklich für Dich interessiert und sich Dir hingeben will dann wird er sicherlich keine Vergleiche anstellen, denkst Du nicht?

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  4. Es ist ja kein Wettbewerb. Intime Erlebnisse werden gerade durch ihre Einzigartigkeit so spannend. Wer vergleicht, der betreibt wohl (unbewusst) Leistungssport.

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