Dienstag, 1. Mai 2012

Wie originell: Eingerissene Mundwinkel

Den halben Tag habe ich mich damit befasst, ob ich über Werbung, die mich verärgert etwas schreiben soll. Eine Dilemma-Situation. Einerseits ist es mir klar, dass Werbung provozieren möchte und gerade auch negative Reaktionen im Sinne derer, die sie gestalten positiv aufgefasst wird. Hauptsache Aufmerksamkeit. Andererseits geht sie ja auch nicht weg, wenn ich nichts dazu sage. Und wozu habe ich einen Blog, wenn ich nicht auch über so etwas schreiben sollte?

Grund meiner Verärgerung ist folgende Durex-Werbung:


"Geschmacklos" war mein erster Gedanke. Und dabei beziehe ich mich nicht auf das Aroma dieses Kondoms... Geschmacklos finde ich einfach das Bild, die Umsetzung, die Message? 
Es macht mich wütend, dass Werbung, die Kondome für große Penisse zum Inhalt hat, eben diese mit Verletzung und Schmerzen in Verbindung bringen muss. Ich weiß ja nicht, ob die Personen in der Werbeabteilung schon mal eingerissene Mundwinkel hatten. Oder einen großen Penis. 

Ich bin ja nicht prüde. Und habe auch ein feministisches Mindestmaß an Humor. ;-) Ich finde allerdings, Werbung, die (vorangegangene) Brutalität impliziert nicht witzig. Und eingerissene Mundwinkel legen dies einfach nahe. Rühren diese von leidenschaftlichem Oralsex? Mangelnder Kontrolle -  Unfähigkeit mit dem dicken Prengel in einer Weise umgehen zu können, die nicht gleich zu Lädierungen führt? All das bleibt der Fantasie überlassen, Freude ist dieser Öffnung jedenfalls nicht anzusehen. Reduziert wird das dargestellte Modell nämlich auf eine Körperöffnung - im Rahmen sexuell konnotierter Werbung der einzigen, welche unzensiert zeigbar ist -  ihrem Mund. Dieses ist zwar lasziv geöffnet, die Lippen glänzend, doch kennen wir das ja auch aus dem Porno zu genüge.

Dass den Verantwortlichen echt nichts besseres einfällt, als auf diese Schiene zu gehen, finde ich traurig. Tendenziell finde ich es nämlich ziemlich gut, Kondomwerbung mit Oralsex in Verbindung zu bringen, da gerade hierbei der Kondomgebrauch gerne stiefmütterlich behandelt wird. Die zerstörerische Kraft großer Penisse über zu betonen allerdings Klischees reproduzierend und einfallslos.

Kommentare:

  1. Meld das doch bitte an den Werberat:
    http://www.werberat.de/content/Anleitung.php

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  2. Hm. Ich weiß nicht. Der "Kalauer" mit dem Riesengemächt und den eingerissenen Mundwinkeln trägt, nun ja, einen recht langen Bart ist kaum mehr als eine Hyperbel. Die Werbung nun mit (männlicher) Gewaltausübung in Verbindung zu bringen, finde ich persönlich etwas (zu) weit hergeholt.

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    1. naja frauen sind in unserer gesellschaft sehr oft (meist männlicher) körperlicher gewalt ausgesetzt. dann in der werbung eine verletzung so zu thematisieren ist natürlich arg. ist als schmäh gemeint und dann wird gelacht darüber, dass eine frau aufgrund grossen schwanzes der mund blutet.. SEHR lustig

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  3. Wenn man diesen Zusammenhang zu (männlicher) Gewaltausübung herstellen will, kann man das natürlich tun. Ich sehe ihn nicht. Ich sehe eine junge Frau, die sich beim Versuch, etwas zu großes in den Mund zu stecken, die Mundwinkel eingerissen hat. Zumindest sehe ich Werbung, die diese Botschaft transportieren soll. Das kann man lustig finden oder eben auch nicht. Ich finde: geht so. Was das Bild jetzt zwangsläufig mit angewandter Gewalt, absichtlich zugefügten Verletzungen oder Zwang zu tun haben soll, verstehe ich nicht ganz.

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    1. Wie oft hast Du Dir denn schon die Mundwinkel eingerissen?

      Lass mich raten: noch überhaupt nicht?

      Was denkst Du denn, welche (Fremd)Krafteinwirkung es dafür bedarf?

      Oder meinst Du wirklich, dass Frauen, wenn sie geil sind, es nicht merkten, wenn etwas "zu groß" für sie wäre und instinktiv stoppten, BEVOR es zu Verletzungen kommt?

      Fragen über Fragen...

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    2. Nachtrag:
      Ich kenn eingerissene Mundwinkel übrigens auch nur von einer Kiefer-OP. Da wurde mir der Knochen (unter Vollnarkose) zersägt...
      Klar, dass die da nicht zimperlich sein konnten...

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    3. Hm. Eingerissene Mundwinkel haben sich recht schnell. Kälte, Trockenheit und dann eine zu weit aufgrissene Klappe - z. B. durch beherztes Gähnen - Aua. Von eingerissenen Mundwinkeln durch genmanipulierte Penisse mit 40 cm Umfang habe ich aber noch nix gehört.

      Ansonsten, wie ich schon sagte: Man kann diesen Zusammenhang herstellen, wenn man das unbedingt möchte. Man kann auch jeden Mann für einen potentiellen Gewalttäter halten und liegt damit genauso wenig wirklich falsch. Man kann auch jeden sexuell orientierte urbane Legende als frauenfreindlich und gewaltverherrlichend empfinden und allen und jeden nur das Schlechteste unterstellen. Kann man, muss man aber nicht, das hängt vom persönlichen Weltbild ab.

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  4. @Cpt_Koons
    Das hier kannst du richtig gut!

    Mach doch damit woanders weiter.

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  5. @dieTilde: Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, womit ich mir diesen Kommentar Ihrer Ansicht nach "verdient" habe, was genau das bzw. Ihr Problem ist, und weiß auch nicht, wer Sie sind, um mir nahezulegen zu können, womit auch immer "woanders" weiterzumachen.
    Irgendetwas zu "trivialisieren" (falls das Ihre Meinung über meine Meinung sein sollte) lag jedenfalls nicht in meiner Absicht. Sollte es einfach nur ein Problem (für Sie) sein, eine andere Meinung als die Ihrige zu vertreten: Auch gut. Ist ja kein Diskussionsforum hier.

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  6. @Cpt_Koons: Den Aspekt mit der Gewalt habe ich eigentlich beim Schreiben bewusst außen vor gelassen. Ich wollte erwähnen, dass man es auch so sehen kann, wie Du gesagt hast. Wie dem auch sei, wird aber mit einer Verletzung beworben, was ich schon etwas schwierig finde. Und in diesem Zusammenhang eben mit einer Verletzung, die von einem Penis hervorgerufen wird, was ich in diesem Zusammenhang noch schwieriger finde.

    Die Menschen sollen es ja miteinander treiben, wie sie Spaß daran haben, aber ich finde das Läsionen in der Werbung einfach einen schlechten Fokus setzen.

    Ich finde, dass eine Werbung, die primär mit dem Verletzungspotenzial eines großen Penis wirbt, dem Glied schlichtweg nicht gerecht wird!

    Gleichzeitig bedient diese Werbung sich (zumindest meiner Assoziation nach, wo ich doch auch Pornos konsumiere) der eher "zerstörerischen" Komponente des Oralverkehrs, wie sie in Pornofilmen sehr häufig praktiziert wird. Ich gebe zu - das ist reine Interpretation, doch musste ich da gleich dran denken, da nunmal eingerissene Mundwinkel ein gewisses Maß an äußerer Einwirkung bedürfen...

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  7. Solche Motive erinnern an UCoB Kampagnen, und nähert sich dem Trollen an.

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