Freitag, 11. Mai 2012

Initiative - Berg oder Prophet_in?

Worum es mir heute geht, um nicht um den heißen Brei zu reden, ist die Ergreifung von Initiative beim Flirten, Ansprechen, Anschreiben, Aufgreifen sexuellen Interesses.

Ist es denn wirklich so, dass viele Frauen lieber ihren Gegenüber die Initiative ergreifen lassen? Aber auch im Umkehrschluss frage ich mich: Gibt es nicht auch Männer, die es angenehmer fänden, angesprochen zu werden? Ich glaube nämlich, bequemer ist es allemale, wenn man die Person ist, auf die zugegangen wird. Oft ist man ja doch ängstlich davor, einen Korb zu kriegen. Und die Möglichkeit gibts ja immer wenn man die Person ist, die die Initiative ergreift.

Ich glaube nicht, dass ich da speziell bin, sondern dass es sich um etwas handelt, was mit allgemeinen Verhaltensvorstellungen nicht einher geht, bzw. noch nicht "in der Mitte der Gesellschaft" angekommen ist. Zumindest werde ich häufiger darauf angesprochen, dass das so nicht gängig ist.

Da ist es bei mir eben eher so, dass ich gerne Impulse setze und von mir aus eine Interaktion beginne. Zumindest eben bis zu oder ab einem einem gewissen Punkt. Da gibt es ja nun auch kein Raster für, wie so eine Interaktion ablaufen muss. Aber ich finde es toll und auch angenehmer, von mir aus Interesse zu bekunden. Sei es direkt oder über schüchterne Umwege. Jedenfalls gibt es Personen, die ich attraktiv finde, und da bleibe ich auf die ein oder andere Art am Ball.

Ehrlich gesagt ist es mit beim Weggehen wirklich noch nie passiert, dass ich von Männern angesprochen wurde, die mich auch wirklich ansprachen oder gar überwältigten. Statt Johnny Depp eben eher der Howard Wolowitz. Es ist mir fast ein wenig unangenehm, Körbe auszuteilen, auch wenn es nunmal dazu gehört. Aber schön finde ich das nicht.

Ich mag es nicht, aufgegabelt zu werden. Lieber schaue ich mich um und entdecke jemanden, der mich irgendwie reizt und beginne ihn kennen zu lernen. Oft weiß man ja schon nach wenigen Augenblicken, dass man früher oder später gerne mit der Person Sex hätte. Doch wozu die Eile? Und warum nur den halben Spaß? Es ist schön, Menschen kennen zu lernen, Eigenarten, Eigenschaften heraus zu kitzeln um dann letzten Endes mit mehr als einer ansprechenden äußeren Erscheinung Vergnügungen zu teilen.

Ich lasse mir gerne Kontaktdaten geben, lieber als dass ich meine eigene Nummer rausgebe. Auf meine Zuverlässigkeit kann ich nämlich bauen. Und ich schreibe oder rufe dann gerne an und warte nicht darauf, dass sich jemand bei mir meldet. Vielleicht bin ich in der Hinsicht nicht so geduldig. Aber ich finde es auch nicht schmeichelhafter oder führe mich begehrter, wenn ich auf eine Rückmeldung warte, als wenn ich das Unterfangen selbst in "Angriff" nehme und auf positive Resonanz stoße. Schöner finde ich daran, dass ich die Zügel in der Hand habe, mich nicht von anderen Personen abhängig mache. Warum sollte ich mich aktiv in den Möglichkeiten, die ich habe, an das zu kommen, was ich will, beschneiden?

Ich meine aber, dass es sich hierbei nicht um eine geschlechtsspezifische Differenz handelt, sondern eben um eine Praktik die sich über Jahre und Jahrhunderte eben etabliert hat, der zufolge um "die Frau" geworben wird. Unabhängig davon, ob es für "den Mann" nicht auch tendenziell angenehmer wäre, selbst umworben zu werden.

Wie schaut es bei Euch aus? In welcher Art und Weise ergreift Ihr die Initiative? Gefällt es Euch besser, angesprochen zu werden, oder selber aktiv zu sein? Und warum?

Kommentare:

  1. Interessanten Punkt sprichst du an.
    Bisher war ich der Auffassung, dass ich selten den ersten Schritt mache bzw. lieber den Mann auf mich zukommen lasse, soben wurde mir aber klar, dass das gar nicht stimmt.
    Wenn mir jemand wirklich richtig gut gefällt, habe ich viel zu viel Angst dass er mir durch die Lappen geht, wenn ich nichts unternehme. Ich bin immer sehr subtil, aber den Kontakt nehme ich dann schon selber auf. Sobald aber mehr oder weniger feststeht, dass das Interesse auf Gegenseitigkeit beruht, möchte dann doch ich diejenige sein, die erobert wird. :)

    Und du hast Recht: mir ist es nämlich auch oft unangenehm, angesprochen zu werden. Seitdem ich fast überall mit meinem Freund aufkreuze, passiert das nicht mehr so häufig *g, aber "früher" haben mich auch hauptsächlich Kerle angesprochen, die eben erstmal nicht so mein Fall waren, was dazu führte, dass ich mich direkt eher unwohl fühlte. Da ist es doch schon angenehmer, wenn man selber sich den Menschen aussucht, den man ansprechen oder mit dem man irgendwie Kontakt aufnehmen mag...

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    1. Hi! Danke für Deine Antwort!

      Wenn ich meinen Schüchternen habe, dann wäge ich immer ab, ob ich mich nicht doch sehr ärgern werde, wenn ich nichts unternehme. Und dann traue ich mich. ;-)

      Später ist es bei mir oft so, dass ich mich etwas zurück halte, weil ich die andere Person nicht überfordern will... also ich möchte einfach keinen Schritt zu weit gehen und versuche dann eher so deutlich wie möglich subtile Andeutungen zu machen von denen ich mir dann erhoffe, dass mein Gegenüber das peilt und bei Interesse dann aktiv wird. ;-) Wenn DAS aber nicht klappt, und ich mag nicht ausschließen dass nonverbale, subtile Kommunikation einfach auch falsch oder anders oder garnicht gedeutet werden kann, dann spreche ich es irgendwann an.

      Und siehe da... meistens sind einfach alle etwas schüchtern. ;-)

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  2. Ich bin mir nicht ganz sicher, welche Botschaft dieser Text zwischen den Zeilen enthält, unbewusst oder auch nicht. Ich fasse das einmal so zusammen: Wenn man attraktiv genug ist, dann kann man sich seine "Beute" aussuchen und direkt anpeilen. Menschen die weniger attraktiv sind (die "Wolowitzes", egal ob männlich oder weiblich) werden bestensfalls als lästige Störer empfunden, die sich in ihrer Anmaßung erdreisten attraktivere Menschen anzusprechen. Man könnte jetzt argumentieren, dass das eben nur menschlich sei. Warum jemanden nehmen, der einen tollen Charakter hat, wenn man jemanden haben kann, der zusätzlich noch attraktiv ist? Verhaltensforscher wollen ja herausgefunden haben, dass man sich seinen Partner instinktiv unter jenen sucht die in etwa gleich attraktiv sind.
    Anstatt sich also von Wolowitzes ansprechen lassen, und diese (ob s einem unangenehm ist oder auch nicht) abblitzen zu lassen, soll man losziehen und sich sein Zielobjekt selber raussuchen. Aber das machen doch eben die Wolowitzes auch. Die werden nämlich auch nicht so einfach von selbst angesprochen, und sind noch viel eher darauf angewiesen von sich aus die Initiative zu ergreifen. Dabei treffen sie dann vermutlich auf deutlich mehr Abweisungen als attraktive(re) Menschen.
    Untermauerst du hier, dass Menschen doch bitte in ihrer eigenen "Gesichtsklasse" jagen sollen? Höre ich da den entrüsteten Ruf attraktiver Frauen? "Was fällt dem häßlichen Zwerg eigentlich ein mich anzusprechen?"

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    1. Interessant, was du zwischen den Zeilen liest. :-)

      "Untermauerst du hier, dass Menschen doch bitte in ihrer eigenen 'Gesichtsklasse' jagen sollen? Höre ich da den entrüsteten Ruf attraktiver Frauen? 'Was fällt dem häßlichen Zwerg eigentlich ein mich anzusprechen?'"

      Nein.

      Im Grunde genommen handelt es sich bei dem Beispiel mit Johnny Depp und Howard Wolowitz auch einfach um ironische Übertreibung, die auf das bezogen ist, was in den ersten Augenblicken so in einem abgeht.
      Wolowitz habe ich als Beispiel genommen, weil er sich in vielerlei Hinsicht selbst Steine in den Weg legt. Dass er von sich aus los zieht und anspricht ist ja prinzipiell toll und nicht das Problem. Die Art und Weise wie er es tut, gepaart mit seinem Auftreten (vollkommen losgelöst von seinem Aussehen oder Kleidungsstil!) ist allerdings suboptimal, weil aufgesetzt, platt, schmierig und äußerst oberflächlich.

      Im Großen und Ganzen geht es mir in dem Beitrag aber nicht darum, wer attraktiv genug ist, irgendwas zu unternehmen oder wer in welcher "Gesichtsklasse" spielt. Prinzipiell finde ich das unerheblich und nicht zu pauschalisieren.

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    2. Welche Inhalte und Muster die Figuren "Depp" und "Wolowitz" darstellen, war aus dem Text nicht unmittelbar zu entnehmen. Ein entsprechender Schlüssel oder eine Legende war nicht beigefügt. Depp und Wolowitz als jeweilige Extrema eines Spektrums zu definieren schreit doch durchaus nach einer Aufschlüsselung, da sich sonst jeder selber reindenkt wofür das stehen mag, und das ist mitunter nicht derselbe Bedeutungsinhalt, wie der Deine.
      Was mich bei solchen Texten anspitzt ist eine mehr oder minder mitklingende Hybris. Ob sich ein Text vordergründig darum dreht oder nicht spielt da keine große Rolle, weil körperliche Erscheinung zwangsläufig damit assoziiert wird.
      Das Portfolio von Werten und Eigenschaften ist einem Menschen mitunter nur schwer anzusehen (sofern es eben nicht plakativ durch entsprechende Erkennungszeichen nach aussen getragen wird).

      Aber danke für die Antwort :)

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    3. Ich kann mich nur wiederholen:

      "Wolowitz habe ich als Beispiel genommen, weil er sich in vielerlei Hinsicht selbst Steine in den Weg legt. Dass er von sich aus los zieht und anspricht ist ja prinzipiell toll und nicht das Problem. Die Art und Weise wie er es tut, gepaart mit seinem Auftreten (vollkommen losgelöst von seinem Aussehen oder Kleidungsstil!) ist allerdings suboptimal, weil [b]aufgesetzt, platt, schmierig und äußerst oberflächlich[/b]."

      Im Grunde genommen finde ich es ja auch interessant, dass man Texte verschieden verstehen kann. Deine Lesart war mir nicht bewusst gewesen, bevor ich den Text durch Dein Deutungsmuster erneut gelesen habe. Aber wie gesagt, es geht um Wolowitz Art, nicht um sein Aussehen.

      Was die von Dir angesprochene Hybris angeht, so glaube ich, dass das irgendwie Dein Film ist, losgelöst von dem, was ich geschrieben habe. Ich weiß also auch nicht genau, worauf Du hinaus willst, davon abgesehen, dass ich den Eindruck habe, dass Du in mein "ich suche mir lieber selber aus, wer mir gefällt" (ohne weiter darauf einzugehen, was es genau ist, was dazu führt, dass Personen mir gefallen), ein "ich finde mich zu geil für den Durchschnittstypen" machst. Das finde ich komisch. Aber vielleicht habe ich Dich auch falsch verstanden.

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  3. Ich wollte feststellen ob eine Hybris in Form von "Ich kann es mir auf Grund meiner Beschaffenheit erlauben mir auszusuchen wen ich haben will", und "ich räume mir dadurch eine hohe Erfolgschance ein" vorhanden ist, und Dich aktivieren dazu eine Aussage zu machen.

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    1. Dann gefällt mir der Begriff der Hybris nicht. Hybris heißt ja, dass man sich selbst gottgleich macht und sich Dinge heraus nimmt, die einem eigentlich nicht zustehen. Ein "Ich kann es mir auf Grund meiner Beschaffenheit erlauben mir auszusuchen wen ich haben will" würde ich gesundem Selbstwertgefühl zuordnen und ich würde mir wünschen, dass sich jeder selbst die Wertigkeit zuspricht, sich eine (Aus-)Wahl "erlauben" zu können... die Beschaffenheit eines jeden einzelnen mag ich hierbei nicht auf Körperlichkeiten reduzieren.

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  4. Hybris werte ich wiederum als ungesunde Selbstüberschätzung, weniger als selbstattestierte Apotheose in der Art eines umstritten darsestellten Perserkönigs aus "300".
    Wer nimmt sich denn die Zeit zu prüfen, ob derjenige, von dem man angesprochen wird mehr ist, als nur ein Gesicht?
    Solche Begegnungen/Beurteilungen können, je nach Umfeld, in sehr kurzen Zeitabständen ablaufen. Wenn Du schon sehr bald weißt ob für Dich jemand in Frage kommt (bei einem Blick quer durch den Raum, ohne dass auch bis nur ein Wort gefallen wär), dann basiert das doch eher auf Äusserlichkeiten, oder? Geht denn irgendwer in Bars und lässt sich Persönlichkeitsprofile aushändigen, wählt und schaut dann erst nach?
    Wenn jemand seinem (gesunden) Selbstwertgefühl folgend Dich anspricht und abgewiesen wird, ist das dann seiner Hybris zuzuschreiben? Sagst du dann "Schraub deine Ansprüche runter, dann klappt es vllt." ?

    Vllt. geht es mir auch nur um Deine Skala. Nur Depps und Wolowitzens? Nichts dazwischen? Top oder Flop?

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  5. "Vllt. geht es mir auch nur um Deine Skala. Nur Depps und Wolowitzens? Nichts dazwischen? Top oder Flop?"

    Gäbe es nur das eine oder das andere, wäre es keine Skala... aber wie bereits gesagt, es handelte sich um ironisch überzogene Beispiele, da kann ich mich wieder nur wiederholen...

    Zudem unterstellst Du mir Dinge, die ich in keinster Weise gesagt habe und deren Andeutungen mir auch nicht gleich ins Auge springen. Sowas z.B.:

    "Wenn jemand seinem (gesunden) Selbstwertgefühl folgend Dich anspricht und abgewiesen wird, ist das dann seiner Hybris zuzuschreiben? Sagst du dann 'Schraub deine Ansprüche runter, dann klappt es vllt.' ?"

    Wie schon gesagt: Ich sehe hier keine Hybris (=Anmaßung), anders als Du offenbar. Jemanden Ansprechen werte ich nicht als Anmaßung. Jemanden ablehnen werte ich als solches auch nicht als Anmaßung. Die Art jedoch, wie dies geschieht, kann anmaßend sein.

    Wenn es Dich irgendwie glücklich macht oder in Deinen Ansichten befriedigt, stell Dir aber einfach weiterhin vor, ich würde solche Sachen sagen. Es scheint ja dem Bild, was Du hast zu entsprechen, ohne dass Dir jemand ein Persönlichkeitsprofil in die Hand gedrückt hat.

    Dass Du damit völlig falsch liegst, ist eine andere Sache.

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  6. Meine Annahmen können verifiziert und falsifiziert werden. Soweit hast Du mir ein paar gute Antworten entgegengebracht und kann und festellen, wo und inwiefern ich in meinen Annahmen von den tatsächlichen Verhältnissen abgewichen bin.
    Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast.
    Ein schönes WE noch.

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  7. Hallo.
    Ich definiere mich selbst als Frau und spreche immer mal wieder interessant erscheinende Menschen in allen möglichen Situationen und Umgebungen an, mag es aber wenig bis überhaupt nicht, selbst angesprochen zu werden.
    Ich bin mir nicht so ganz sicher, woran das eigentlich liegt, aber es ist eine sehr ausgeprägte Einstellung. Gehe ich tanzen und werde dabei von zu vielen Menschen angemacht, krieg ich schlechte Laune und muss den Club verlassen. Was ich häufig genug ziemlich schade finde.
    Ich denke es hängt viel mit dem gesellschaftlichen Verständnis zusammen, nachdem Frauen* per se als Beute und Männer* als Jäger definiert werden. Ich bin aber keine Beute! Ich gehe tanzen, weil ich tanzen gehen will und ich tanze so, wie mir das Spaß macht und nicht, um irgendwem anders zu gefallen. Ich habe keine Lust auf blöde Antanzversuche, ohne einen gewissen Flirtkontakt davor und ich möchte nicht gesagt bekommen, ob ich gut aussehe, ob den Menschen mein Tanzstil gefällt, etc. Es interessiert mich nicht, es nervt mich hingegen, dass ich so offensichtlich und unverhohlen die ganze Zeit bewertet und als verfügbar angesehen werde.
    Aber auch vernünftige, interessante Ansprechversuche seitens anderer Menschen verlaufen meistens im Sande und da bin ich mir noch nicht so sicher, woran das liegt. Spreche ich hingegen Menschen an, die mir gefallen, wird daraus meistens was.

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  8. Ich spreche eigentlich so gut wie nie Frauen an -- zumindest nicht um mit ihnen zu flirten. Irgendwie habe ich in den Zeitpunkt verpasst zu dem alle als Jugendlichen ausprobiert haben wie das geht. Je mehr Zeit ins Land geht desto größer wird der Fluss der einen von den anderen trennt. Passender fiktionaler Charakter wäre dann wohl Rajesh Koothrappali. Ach wenn dieser die entsprechenden Charaktereigenschaften bei jedem Umgang mit Frauen und nicht nur bei der Beziehungsanbahnung hat.
    Um auf die Fragen zurückzukommen: Ich glaube, dass es für schüchterne Menschen deutlich einfacher ist wenn sie angesprochen werden. Vielleicht haben es schüchterne Frauen da ein wenig leichter, da die gesellschaftliche Norm nicht von ihnen verlangt selbst aktiv zu werden.

    Die andere Seite der Medaille ist aber dann wohl, dass Frauen dafür häufiger von übermäßig vielen Kontaktanbahnungen genervt werden was (heterosexuellen) Männern wahrscheinlich selten passieren dürfte.

    Das Grundsatzproblem, dass immer erst nachher klar sein kann ob die Kontaktaufnahme gewünscht ist oder nicht könnten aber auch eine andere Verteilung der Geschlechterrollen nicht lösen.
    Solange die Rollen sind wie sie sind dürfte Wollowitz einen Tick bessere Chancen haben eine Beziehung zu finden als sein schüchterner indischer Freund.
    Der am souveränsten im Umgang mit dem anderen Geschlecht wirkende Nerd ist dann wohl Shaldon der Frauen und Männer konsequent gleich behandelt und einfach ignoriert dass seine Beziehungsunfähigkeit ein Problem darstellt.

    Interessant ist ob die Verteilung aktiver und passiver Rollen auf die Geschlechter eher Biologie oder Gesellschaft ist.
    Mir scheint allerdings, dass gerade die von der Autorin eher kritisierten Geschlechterrollenmuster dafür sorgen, dass das weibliche Ausbrechen aus Ihnen so gute "Ergebnisse" zeigt. Wenn die Norm darin besteht dem Mann eine suchende* und der Frau eine eher wählende Rolle zuzuweisen, dann dürfte ein suchende Frau viel seltener auf Ablehnung stoßen als ein suchender Mann.
    Im Gegenzug ist ein männliches Nichtsuchen ziemlich gut dafür geeignet Beziehungen zu verhindern.

    @ SusanHadAGun

    Ich frage mich ja gerade -- reichlich theoretisch -- wie mann eigentlich erkennen soll ob eine andere Person angesprochen werden will. Ich kann mir schon vorstellen, dass es nervt ständig von Leuten angesprochen zu werden von denen man nichts will, aber welche Verhältensweise wäre denn gewünscht? Wenn jede(r) das Ansprechen unbekannter Personen meidet weil es ja unerwünscht sein könnte, dann nimmt primär die Zahl der Singels zu.

    Vielleicht liegt das Problem in der Kombination zweier Beschäftigungen/Ziele am selben Ort? Wenn die eine Hälfte der Menschen nur Tanzen möchte und die andere gerne Beziehungen anbahnen würde, dann passt das nicht so gut zusammen.

    Gruß Jast

    *Ich finde die Jäger-Beute-Metapher unpassend. Für mich klingt das zu sehr nach Täter-Opfer. Das Ansprechen einer Frau scheint mit eher nicht mit der Abfeuern einer Waffe auf ein lebendes Ziel vergleichbar zu sein.

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  9. Ich gehöre auch zu den Männern die gerne mal angesprochen werden möchten (auch wenn mir das erst ein, zwei Mal passiert ist). Das liegt wohl zum Einen daran, dass ich eben auch mal schüchtern bin und zum Anderen, dass ich einfach starke Frauen sehr anziehend finde.

    Das Problem daran ist aber wohl auch, dass so selbstbewusste Frauen ihrerseits eher nach selbstbewussten Männern Ausschau halten. Also spreche ich von mir aus zu wenig Frauen an und die Frauen von denen ich gerne angesprochen werden möchte sehen mich wohl eher nicht in ihrem "Beuteschema".

    Gelegentlich frage ich mich aber am Morgen nach einer Disconacht ob ich in der letzten Nacht vielleicht einfach nur Signale nicht begriffen habe. Aber es ist schön zu lesen, dass du in solchen Momenten einfach direkter wirst.

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  10. Ansprechen... Ein geflügeltes Wort, scheint's mir. Hab ich tatsächlich auch noch nie gemacht. Oder zumindest nicht bewusst. Mit Leuten ins Gespräch gekommen bin ich sicher, oft und gerne, aber "ansprechen" hat für mich einen ähnlichen Charakter wie "daten". Konnotiert wird damit gemeinhin, mit einem wie auch immer gearteten Ziel mit einer Person in Kontakt zu kommen, und den Verlauf des Kontaktes - bewusst oder unbewusst - am Erreichen dieses Ziels entlangzuhangeln, vielleicht sogar anhand dessen zu bewerten.
    Das merkt der Gegenüber sicher auch. Schön, wenn das passt und man sich im Subtext darüber einig ist, wohin die Reise gehen soll. Unzufriedenstellend, wenn nicht - man nennt es dann wohl Korb.

    Auf mich ganz persönlich wirkt all das viel zu zwanghaft. Die Spielarten des menschlichen Miteinanders sind so facettenreich, dass es doch recht unangemessen erscheint, jemanden von vorneherein an ein Ziel zu koppeln. Daher plädiere ich für's Ins-Gespräch-Kommen und versuche stets zu vermitteln, dass ich eben kein konkretes Ziel, sondern ein allgemeines Interesse an interessant scheinenden Personen habe. Daraus können wunderbare Freundschaften, lustige Thekenbekanntschaften, bei "sexueller Kompatibilität" auch die ein oder andere Bettodersonstigergemütlicherortgeschichte entstehen.. Aber woher soll ich vorher wissen, was passiert?

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  11. An one-night-stands interessierte Männer überschätzen häufig das sexuelle Interesse von Frauen:
    http://www.forschung-erleben.uni-mannheim.de/index.php?q=node/753

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  12. Ich spreche nie Frauen an im Sinne von Partnersuche. In dieser Disziplin bin ich einfach zu schlecht. Ich gehe auch nicht einfach so "weg".

    Viel lieber lerne ich Frauen einfach so kennen, ohne Flirtabsicht. Die Flirtabsicht kommt dann eventuell dazu oder eben auch nicht. Wenn sich etwas entwickelt, dann kann ich später gar nicht mehr sagen, wer jetzt wirklich den ersten Schritt gemacht hat.

    Mit dieser Herangehensweise -- oder besser gesagt Nichtherangehensweise -- komme ich immer mal wieder zu schönen ganz verschiedenartigen Begegnungen. In Discos/Bars/Clubs wildfremde Frauen ansprechen, nur weil sie mir optisch gefallen, ist nicht meine Welt.

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  13. Liebe Auorin,

    danke für deinen Blog. Ist mit viel Engagement und Intelligenz gemacht.

    Ich hätte es liebend gerne, wenn Frauen mehr Initiative ergreifen würden. Ich habe aber Eindruck, sie scheuen sich davor, sich zu exponieren und Verantwortung zu übernehmen. Da ist es viel praktischer und sicherer, erst mal nix zu machen.(Man merkt mir an, dass ich frustriert bin, nicht?)

    Inzwischen lasse ich erotische Momente verstreichen oder bleibe gleich auf dem Sofa sitzen, weil ich so müde bin davon, mich angreifbar und beurteilbar zu machen. Das ist Schade, weil ich meine Energie wichsend am Computer vergeude, statt sie in ein schönes Erlebnis zu stecken.

    Eine Anmerkung noch zu dem Absatz, dass du es lieber ganz relaxt angehen lässt - warum die Dinge übereilen, lieber Spaß auf dem Weg haben und so. Das hat einen Grund: Als Frau kannst du zu, na, sagen wir mal fünfzig Prozent sicher sein, dass der Mann auf dich reagieren wird. Als Mann liegt die Quote bei hmja, dreißig? Zwanzig Prozent? Das bedeutet mehr Stress. Wenn ich im Swingerclub bin, wo meine Quote als Mann auch bei fünfzig liegt, bin ich viel relaxter. Da fühle ich mich fast wie eine Frau, wunderbar.

    Viele Grüße,
    H.

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