Mittwoch, 9. Mai 2012

Pornos und Fast Food

In meiner Pubertät habe ich echt viele Pornos geschaut. Ja, unglaubich viele, nicht unglaublich lange. Als ich herausgefunden habe, wie ich am Familienrechner den Verlauf des Internetbrowsers löscht, habe ich einiges an Zeit damit verbracht, mir 30-sekündige Vorschauvideos anzusehen und mir aus dem, was ich da zu sehen bekam, einen guten Film zu fahren. 

Da ich noch nicht so viel gesehen hatte, war ich ziemlich einfach zu beeindrucken. Schon das Schummeln bei der Alterszertifizierung machte mich nervös, und das Ganze war furchtbar spannend und aufregend und zu entdecken gab es allemal eine ganze Menge!

Irgendwann gab es dann auch für ohne Geld mehr zu sehen, denn auf einschlägigen (und auch für Schulmädchen gut zugänglichen) Videokanälen gab es dann doch auch Filme, die um einiges länger waren, als 30 Sekunden. Allerdings muss ich gestehen, dass ein gewisser Gewöhnungseffekt gleichzeitig einsetzte und ein Lechzen und Suchen nach neuen Reizen begann. 

Mittlerweile finde ich Pornos schauen ziemlich anstrengend. Eine Suche nach dem Heiligen Gral, die letzten Endes als Abendessen bei einer gängigen Fast Food-Kette endet. Schwer ist es mir geworden, Filme zu finden, die mich kicken. Der Kopf geht so schnell weiter, als das gezeigte, irgendwas stört an der Einstellung, irgendwas hätte toller umgesetzt werden können und ich bin raus. Ich beginne mir einen Streifen anzusehen um irgendwann zu merken, dass es das nicht ist und beginne einen neuen, auf der Suche nach etwas noch geilerem um festzustellen, dass der nächste Film nicht geiler ist, usw. Irgendwann lege ich den PC zur Seite und greife doch wieder auf das bewährte Kopfkino zurück. Oder bleibe halbherzig bei einer Einstellung, an der mich zumindest nicht allzu viel gestört hat. Frustriert darüber, dass ich nichts besseres gefunden habe. 

Der Vergleich mit Fast Food ist wirklich nicht weit hergeholt denn: Auch wenn ich im Nachhinein mir denke, dass das jetzt wirklich nicht das tollste war und ich es mir auch hätte sparen können, kriege ich immer mal wieder totalen Heißhunger darauf, um nachher die selbe Erfahrung zu machen, wie die X Male davor. Manchmal jedoch finde ich wirklich die Ausnahmeerscheinung, nach der ich so lange gesucht habe, und der Frust der letzten Male ist vergessen (beim Porno-Schauen, nicht bei der gängigen Fast Food-Kette). 

Das passiert mir nicht oft, doch finde ich dann Streifen, in denen sich das wiederfindet, was für mich einen sehenswerten und befriedigenden Porno ausmacht: 

- Wichtig ist mir hierbei z.B. das ich irgendwas von den DarstellerInnen mitkriege. Also da muss irgend eine persönliche Note sein, mehr als eine billige Kunstfigur oder eine anonyme, blasse Person, die einfach Geld verdienen muss. Authentizität in einem gewissen Maße finde ich auch großartig. Eine gewisse Trennung zwischen PornodarstellerIn und Person finde ich sehr begrüßenswert, doch finde ich ein hohes Maß an Künstlichkeit (vor allem beim Stöhnen und anderen verbalen Ergüssen) ziemlich abturnend.
- Toll finde ich es, wenn man einen gewissen Bezug zwischen den DarstellerInnen sieht. Also dass diese sich nicht stumpf aneinander abarbeiten, sondern eine gewisse Spannung entsteht. Sie miteinander Sex haben (von mir aus auch [in einem gewissen Rahmen natürlich] gegeneinander) aber nicht nebeneinander. Das ist leider meistens der Fall. Einmal habe ich aber einen gesehen, der ziemlich 0815 war, wo aber irgendwann Dinge passierten (die Darstellerin verlor einen Ohrring) und sich dann alle zusammen erst einmal kurz kaputt lachten. Das fand ich toll.
- Schön finde ich es, wenn ich merke, dass die Personen an dem was sie da tun auch ein gewisses Maß an Spaß haben. Ich kann mir vorstellen, dass Pornographie herzustellen ein ganz schön harter Job ist und wie alle Jobs auch nicht immer Spaß macht, bzw. ganz schön anstrengend sein kann. Dennoch ist es mir wichtig dass Spaß dabei ist.
- Pornos schaue ich mir nicht an, weil ich Menschen beim Liebesspiel beobachten will. In erster Linie geht es mir da schon um Sex der härteren Gangart, um es so zu formulieren. Gerade Produktionen im SM-Bereich machen mir hier deutlich, dass es sehr, sehr wohl möglich ist dies mit den Vorlieben der DarstellerInnen zu kombinieren.
- Wünschenswert fände ich es, wenn in mehr Produktionen Kondome ins Spiel kämen. Die Selbstverständlichkeit, die Kondome in reellen sexuellen Begegnungen einnehmen fehlt in der Pornographie sehr stark. Das stört mich, weil ich der Meinung bin, dass Pornographie eben auch die Einschätzung sexueller Erlebnisse sowie sexueller Phantasien stark beeinflusst. Somit müssen in der Realität immer "Abstriche" gemacht werden, zu Gunsten der Sicherheit. 

Ich weiß, dass vieles, von dem was ich so zu sehen bekomme, dem und auch noch anderen Kriterien nicht entspricht. Doch freue ich mich sehr, wenn ich doch etwas finde, was diesen meinen Anforderungen gerecht wird. Wobei ich wirklich sagen kann, dass mir gerade bei Produktionen im SM-Bereich viel mehr Freude am Geschehen, Mitbestimmung durch die Darstellenden und Authentizität ins Auge gefallen ist, als bei Mainstream-Produktionen, die ja durchaus auch viele Elemente aus dem SM-Bereich mittlerweile aufgreifen.

Ich freue mich dann darüber, etwas geiles und tolles gefunden zu haben, weil ich die Arbeit, die Personen in ihr Produkt investiert haben eben auch schätzen möchte. Sei dies auch einfach mit einem guten Orgasmus.

Kommentare:

  1. Genau deshalb mag ich Kink.com. Die Gespräche ganz am Anfang und ganz am Ende machen teilweise das ganze Geschehen spannend :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja genau, diese Gespräche (auch wenn ich sie mir nicht immer ganz anschaue ;-) ) finde ich auch echt toll! Und gerade da sieht man wirklich Spaß bei dem was so gemacht wird!

      Löschen
  2. Stimmt, die Kink Produktionen haben etwas für sich. Je nach Region wo die Videos veröffentlicht werden sind derartige Gespräche oder Einspieler aber auch fast ein must have - aus gesetzlichen Gründen.

    Ein eher entfernt bekannter hat hier in Deutschland mehrere SM Filme produziert die in einem schön mittelalterlichen Ambiente mit all seinem Charme spielten. Mit alten aufwendigen Outfits und dergleichen. Während im Internet alles etwas liberaler zu geht ist gerade die Produktion auf DVDs, inbesondere in unserem Land, stark eingeschränkt. Viele Szenen, welche SM Anhänger als äußerst soft bezeichnen würden, sind hier beispielsweise schon für derartige Produktionen nicht erlaubt. Zudem muss stets, selbst für den unwissensten Zuschauer der sich noch nie mit BDSM befasst hat, stets ersichtlich sein dass die Person dies auch möchte was den Handlungsspielraum dann schon sehr eingeschränkt. Gerade dieses ist dann aber auch oft ein Anlass für die bekannten Anfangs und Endszenen wo freundschaftlich und locker gesprochen wird. Dies ist wohl auch einer der Gründe warum man SM Produktionen fast nur aus Übersee findet. Die deutschen Titel sind dann meist viel mehr auf Festishe und dergleichen fixiert weil dieses leichter veröffentlicht werden kann.
    Mal ein Video der etwas anderen Art von Cédric Blaisbois. Die Musik ist zwar absolut nicht mein Fall, aber der Schnitt hat was.
    https://vimeo.com/11986796

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. p.s: Schade ist auch dass man gerade an die interessanten Filme der Film Festivals kaum herankommt. In Kiel findet mittlerweile fast jährlich das Fetish Film Festival statt wo einige hervorragende Künstler ihre Werke präsentieren die man außerhalb derartiger Festivals jedoch kaum zu Gesicht bekommt. Leider findet dieses dann auch immer über eine ganze Woche verteilt statt, so dass man sich dafür schon fast eine Woche Urlaub nehmen müsste.

      Löschen
  3. Das 5. FETISCH FILM FESTIVAL in Kiel
    findet drei Tage lang statt:
    Donnerstag 27.9. bis einschließlich Samstag 29.9.12
    Man muss sich da also nicht allzuviel Urlaub nehmen
    http://www.fetisch-film-festival.de

    AntwortenLöschen
  4. Hey Viktoria,
    lang lang ists her, und ich habe gerade meine alten Lesezeichen durchgesehen und bin dabei auf Deinem Blog gelandet. Ich war/bin im AGF angemeldet, wir hatten auch ein paarmal geschrieben :).
    Anyways, also ich wollte sagen - ganz abgesehen davon dass mir Dein ganzer Blog immer noch sehr gut gefällt - gerade bei diesem Artikel kann ich Deine Meinung zu 100% teilen, da hast Du voll ins Schwarze getroffen :). Das ungeduldige Suchen; ganz selten entdeckt man mal eine Perle, aber hauptsächlich klickt man furchtbar viel an und macht es nach drei Minuten wieder zu. Ich frage mich immer ob das bei Zahlseiten anders ist, aber ich möchte dann doch auf keinen Fall meinen echten Namen im Zusammenhang mit so einer Seite haben (was ja leider irgendwie passiert sobald man online zahlt).
    Naja. Also. Das wollte ich loswerden :). Ich hoffe Dir geht's gut!
    Liebe Grüße aus München, wo ich inzwischen lebe.

    AntwortenLöschen