Sonntag, 15. Juli 2012

"Shades of Grey" - Das Experiment Teil II

Die Schmonzette lese ich seit Samstag. Da schlechtes Wetter ist, hatte ich einige Zeit es zu lesen. Langsam geht es endlich, nach dem ganzen Angeschmachte ans Eingemachte.

Einiges stört mich. Z.B:

"Unter Kates unermüdlicher und ziemlich aufdringlicher Anleitung wurden meine Beine und Achseln glatt rasiert, meine Augenbrauen gezupft, und außerdem wurde ich am ganzen Körper auf Hochglanz poliert. Eine ausgesprochen unangenehme Prozedur. Kate versicherte mir dabei, dass Männer das heutzutage erwarten." (S.99)
Oh... wow... was Männer nicht alles erwarten und wir ihnen bereitwillig geben. Auch wenn es sich um "ausgesprochen unangenehme Prozeduren" handelt.  Wohlgemerkt: Zu diesem Zeitpunkt handelt es sich noch nicht um ein ausgesprochenes Machtgefälle zwischen Ana(stasia) und Mr. Grey...

Doch auch die ewige Unsicherheit... Die "winzig kleine Göttin" in Ana(stasia). Das ist doch doof. Also klar, wir alle haben unsere Problemchen, unsere Unsicherheiten. Aber muss das immer in so einen künstlichen Kontrast zu Mr. Supermann alias schwarzer Ritter alias verführerischer Unbekanne stehen?

Zweites Zwischenfazit: (SPOILER ALARM!)


- Nein, es reicht nicht aus, dass Ana(stasia) tierisch unerfahren ist, mit ihren 21 Lenzen. Sie muss auch noch Jungfrau sein. Sich selbstbefriedigt hat sie auch noch nicht. Geschweige denn, in den Genuss eines Orgasmus gekommen zu sein. 

- Trotzdem - oh Wunder - bereiter ihr Mr. Grey in der ersten Nacht zwei Orgasmen. Den ersten durch pure Nippelstimulation, den zweiten bei der Entjungferung. 

- Mr. Grey ist im Übrigen gut bestückt. 

- Mr. Grey besteht auf Regeln und Verträge. Bürokratie finde ich persönlich so sexy wie... den Besuch beim Finanzamt itself. Anders ausgedrückt: Nicht mein SM...

- Immerhin: SIE BENUTZEN KONDOME!!! *Daumen hoch*

Langsam erscheint mir der Bezug auf Feminismus allerdings eine billige Werbemasche gewesen zu sein. Hätte Anastasia zumindest schonmal an sich selbst rumgefummelt und sich dabei vorgestellt vom starken, selbstbeherrschten und doch wilden Sexualpartner ins Kissen gedrückt zu werden. Dann könnte ich sagen: "Ja, ja!!! Die junge Frau nutzt die Gelegenheit, ihre Sexualität selbstbestimmt, jenseits dessen, was sich für ein Fräulein ziehmt, auszuleben! Sie traut sich, zu ihren Phantasien und Wünschen zu stehen und findet nun den unglaublich gut dazu passenden Partner." Aber so...

Kommentare:

  1. Es ist halt doch eher eine klassische 10groschen Liebesgeschichte, die eher klischeehafte Märchen ist. Wobei ich nach anfänglichem Ärgern sie doch fertig gelesen habe ... ab und zu leichte Lektüre muß hält mal auch sein.

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  2. Kenne die Geschichte nur dem Namen nach, aber was ich gerade gelesen habe, entspricht doch dem Klischee, was Männer gerne lesen. Oder ist das jetzt wieder ein Klischee?

    Interessant wären die Verkaufszahlen nach Geschlecht und eine anschließende jeweilige Bewertung.

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    1. Ich glaube eher nicht, da es äusserst schwierig ist sich mit einem arroganten self-made 26jährigen billionär zu identifizieren.

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  3. Ok, also was die Verkaufszahlen betrifft, die zeigen ja scheinbar eindeutig Richtung Frau.

    Dann wissen sie vielleicht nicht, was sie zu lesen bekommen werden oder sie wünschen sich so zu sein, wie Ana.

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    1. Hi Ron!

      Also wenn ich das so lese, vom Stil her, die Selbstwahrnehmung der Protagonistin und die Art, wie sie Mr. Grey anschmachtet - das drum herum um die Hard Facts, die ich oben zusammengefasst habe also, deuten schon sehr darauf hin, dass von einer hauptsächlich weiblichen Leserschaft ausgegangen wird. Ist vom Stil her schon sehr darauf ausgerichtet.

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  4. es scheint so, ja.

    Dazu passend läuft gerade im Kino ein Film an, meine, ein Japaner hat ihn gedreht, aber der Titel ist mir leider entfallen. Läßt sich aber sicher finden.

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