Montag, 23. Juli 2012

"Shades of Grey" - Das Experiment Teil III

Es folgt nun der dritte Teil meiner Rezension von "Shades of Grey", dem Erotik-Bestseller der britischen Autorin E L James. Solltet Ihr Euch fragen, warum das so lange gedauert hat: Klar, ich hatte viel zu tun aber das Hauptproblem war schlichtweg meine Motivation. Das Buch hat mich echt nicht sonderlich im Griff... Gestern abend jedoch habe ich mich aufgerafft und, in erster Linie Euch zu Liebe mal weitergelesen.

Ein Zitat zur Einstimmung:

"Eines ist mir klar  wenn ich mich auf diese Sache mit ihm einlasse, wird er mir wehtun. Er ist weder bereit noch interessiert noch in der lage, mir mehr zu geben  aber ich will mehr. Viel mehr. Die Eifersucht, die ich vor wenigen Augenblicken empfunden habe, verrät mir, dass meine Gefühle für ihn tiefer sind, also ich mir bisher eingestanden habe." (S. 223)
Für mich wäre das doch ein klarer Fall von: Nochmal drüber reden - sollte es zu keiner Einigung, oder Entgegenkommen kommen, die Sache auf sich beruhen lassen. Aber nein... dann gäbe es nicht noch gut 300 Seiten Plus zwei Fortsetzungen. 


Kurzes Zwischenfazit

- Äußerst unsexy: Das viele Labern über den Vertrag.

- Die Charaktere sind total blass, haben keine Tiefe. Die Reibung zwischen ihnen entsteht über künstlich, seitens der Autorin indoziertes Drama. 

- Obwohl Ana wirklich keinerlei Berührungspunkte zum Sadomasochismus zu haben scheint, Grey für einen Perversen hält, lässt sie sich trotzdem auf ihn ein. Hingabe für die möglicher Weise unerfüllte Liebe? Sowas von unsexy!

- Der Schreibstil schwankt zwischen oberschnulzig und unterirdisch langweilig.

Der Vertrag

Was mich derzeit mit am meisten juckt ist immer noch dieser doofe Vertrag. Ich habe ihn letztens meinem Partner vorgelesen. Dreißig Minuten der reine Bürokratenwahnsinn. Nichts zum in Stimmung kommen. Doch Frauen brauchen bekannter Maßen etwas mehr Story dafür. Diese kommt dabei allerdings auch etwas zu kurz. Statt dass die zwei einfach mal Anfangen, zicken sie sich gut 30 Seiten über die Modalitäten dieses sinnlosen Vertrages an. Sinnlos weil: Alles was in diesem Vertrag festgehalten wird, entspricht entweder dem gesunden Menschenverstand (Ausschluss von Krankheiten, regelmäßige Nahrungsaufnahme, ausreichende Nachtruhe) oder wird schon Seitens des Dom kraft seiner "Hard Limits" ausgeschlossen (Kot und Urin, Blut, bleibende Spuren, etc.). Aber dennoch: Ersteinmal muss der Vertrag durch sein, damit Ana sich ihrem Mr. Grey gemäß der Paragraphen unterordnen kann. 

Sex als Waffe und Grenzüberschreitung


Diese weiß allerdings nicht so recht, ob sie das will. Die Welt des BDSM ist ihr nicht so ganz geheuer:

"Er braucht nur ein neues Spielzeug - ein praktisches Spielzeug, mit dem er regelmäßig unsägliche Schweinereien anstellen kann. Mein Herz zieht sich zusammen. Das ist sie, die knallharte Realität." (S.225)
Christian für sie ein perverser reicher Mann mit psychischen Leiden und Bindungsangst. Doch benimmt sie sich wie das süße Reh im Scheinwerferlicht. Den Reiz, den das alles auf die Leserin ausüben soll, ist mir schleierhaft. Klar, oho... ein gefährlicher Mann. Der passt aber in ein anderes Setting à la "Pirat meiner Sehnsucht" oder einen historischen Roman, vielleicht auch wieder was mit Vampiren. Oder wenn er doch zumindest wirklich böse wäre... Stattdessen ist er ähnlich schizophren wie Edward Cullen aus Twighlight, ist einerseits um Anas Nahrungsaufnahme besorgt (die in der Tat ziemlich besorgniserregend ist... ein ziemlicher Abturner), andererseits versucht er sie mit Sex zu manipulieren, damit sie von ihren Vorbehalten und Kritikpunkten abweicht: 

"'Christian, du setzt Sex als Waffe ein. Das ist nicht fair', flüstere ich und blicke zuerst auf meine Hände, dann in sein Gesicht.
Erstaunt hebt er die Brauen und streicht sich nachdenklich übers Kinn. 'Du hast Recht. Das tue ich tatsächlich.'" (S.251)
An dieser Stelle könnte man ja Einsicht erwarten und dass er Ana ernst nimmt. Aber nein, er richtet folgende Worte an das Objekt seiner Begierde:
"'Wenn man etwas erreichen will, mus man seine Hähigkeiten eben nutzen, Anastasia. Das ändert aber nichts daran, wie sehr ich dich will. Hier. Jetzt.'" (S.251)

Romantisch? Einen Scheiß! Das ist es, was mich an diesen Storys so aufregt. Es geht nicht einfach um geilen Sex, um schöne Augenblicke und um die Bewältigung der Hürden, die sich nunmal so stellen. Nein, es ist eben wieder dieses bescheuerte Moment, in dem es darum geht, die Grenzen der Frau auszuloten, sie zu umgarnen, zu verführen, zu überreden. Sie weiß nicht was sie will. Ist etwas nervig, aber ok... Doch sie macht klar, was sie nicht will, verdammt! Dennoch lässt sie sich halb hinreißen, er setzt sich über ihre Grenzen hinweg - und zwar bevor es überhaupt zum SM kommt! Indem er eben ihre Einwände ignoriert.

Siehe auch:

50 Shades of what the Fuck - Einschätzung des Buches auf dem Blog des Feigenblatt Magazins.


Kommentare:

  1. Hey,
    ich habe das Buch auch gelesen. Bin zwar noch nicht beim 3. Teil angekommen, aber der erste hat mich schon begeistert.
    In meinem Freundeskreis lesen viele das Buch und sie finden es spannend. Deine Einwände sind verständlich, aber mich reist das Buch dann doch wieder in den Bann. Vielleicht liegt es daran, wenn man sich mit der Thematik SM noch nicht auseinander gesetzt hat, dass es die Spannung erhöht und man das Buch nicht mal eben beiseite legen kann.

    lg Amy

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  2. Wer sich bereits mit der Thematik SM auseinander gesetzt hat findet das Buch flach und nervig ...ich bin über Kapitel 7 nicht hinweggekommen und das Buch weiterverschenkt ;-)

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  3. Ich habe dieses Buch nicht gelesen und werde dies auch nicht tun. Da einige meiner Freundinnen es aber gelesen und darüber berichtet haben, habe ich einiges vom Inhalt mitbekommen. Fazit: Das Buch reflektiert alles, was an modernen Vorstellungen über "Romantik" für Beziehungen schädlich ist. Und dann ist da natürlich noch die Darstellung von SM- Neigungen als etwas, das aus einer unglücklichen Kindheit entstehen muss. Ich finde es echt verstörend, wie viele Frauen dieses Buch gut finden.

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