Donnerstag, 2. August 2012

Von den knabenhaften, den rundlichen und den weiblichen Frauen

Wahrscheinlich hat jede Person Tage, an denen sie sich nicht schön findet. Damit meine ich, dass sie ihr Aussehen nicht als schön wahrnimmt. Mir passiert das zumindest manchmal. Es gibt Tage, an denen bin ich mit meinem Äußeren ziemlich unzufrieden. Es fängt mit dem Gesicht an und geht über den ganzen Körper. Am liebsten würde ich mich in einen Sack stecken und das Licht ausknipsen. Aber das geht nicht. Ein paar Tage später, kann ich dann darüber etwas weniger emotional gehemmt nachdenken und schreiben.

Wenn ich mich von anderen Personen begehrt fühle, dann überkommen mich diese negativen Selbstwahrnehmungen seltener. Doof, dass ich dieses Empfinden von anderen Personen abhängig mache. Aber anderseits ja auch verständlich. Immerhin: Wir sehen uns ja nur im Spiegel. Die anderen sind hingegen ja auch unser Spiegel - mit Kommentarfunktion. Also wenn wir ein positives Feedback bekommen, dann heißt es, dass wir anderen wohl ein angenehmer Anblick sind. Das muss man nicht überbewerten, aber, aus meiner Sicht eben auch nicht unterbewerten.

Schlimm sieht das Selbst-Feedback aus, wenn ich nebenbei Frauenzeitschriften blätter, zu viel fernsehe oder im Bikini am Strand meinen Körper mit dem 16-jähriger Mädels vergleiche. Das ist ein Fehler, den ich definitiv unterlassen sollte. Vergleiche an sich hinken ja meistens. Eigentlich immer. Aber einerseits Körper als Maßstab zu nehmen, die absolut retuschiert wurden, ist Schwachsinn, ebenso eben Körper von Mädels, die noch nicht ausgewachsen sind, deren Hormonhaushalt wohl möglich auch noch die ein oder andere Veränderung mit ihren Körpern vornehmen wird.

Es ist schon komisch. Aber Tatsache ist ja, dass die Laufstege voll sind mit Mädchen, die diesem Körperideal nur entsprechen können, weil sie die Pubertät noch nicht hinter sich haben, sondern noch davon profitieren können, dass sich die Brüste zwar schon entwickeln, während die Fettpölsterchen an anderer Stelle noch auf sich warten lassen. 



Kennt Ihr/erinnert Ihr Euch an diese Gegenüberstellung? Sie ist scheiße! Denn sie propagiert ein Bild von heißer, das heißt: begehrenswerter Weiblichkeit, die ausschließlich an "weibliche" Kurven/Rundungen gebunden ist, Frauen, an denen was dran ist. Aber bitte, bitte auch nicht zu viel! Das Ideal, Marilyn Monroe, Bettie Page, zeigt sich auch, zwar mit mehr Fleisch, so dennoch ohne "Speckröllchen" oder Cellulitis.  

Gegenüber gestellt, sind die "mageren", die knorrigen, flachen Frauen "ohne" Brüste, Hintern, Hüften. "Knabenhaft" nennt man sie auch. Sie sind nicht weiblich, denn Weiblichkeit impliziert ja ein gebärfreudiges Becken, Brüste, die viel Raum für Milch bieten. Diese Kurven, über die man redet.  

Vielleicht gut gemeint wird so eben eine Diskriminierung gegen eine andere ausgetauscht und einfach nur wieder gewertet, verglichen, bewertet. 

Frauen und ihre Körper. Jeder hat eine Meinung dazu. Jeder meint, sie äußern zu dürfen. Sie sind der Maßstab, an den Weiblichkeit gekoppelt wird, an den Begehrlichkeiten im Zusammenhang mit Frauen gebunden sind. Ob eine Frau zu dürr, zu fett, zu burschikos, zu mädchenhaft ist. Ein Busenwunder, Tittenmonster, ein Brett mit Warzen oder flach wie Holland. Graziös, grazil, anmutig, verführerisch, schön, hübsch, augenfällig, sexy, hot, rassig, erotisch, eine Beauty, Schönheitskönigin, das hässliche Entlein, ein Aschenputtel, aus dem noch eine Prinzessin werden kann. Eine, die mehr aus sich machen könnte. Eine, bei der alles verloren ist. Augenkrebs. Hässlich, ungepflegt, gewöhnlich, nichts besonderes. Unscheinbar. Keine für den ersten Blick. Eine Nette (d.h.: sie ist dick), eine Liebe (d.h. sie ist dick), eine dicke (d.h. sie ist hässlich)...

Eine gute, wenn auch ältere Stellungnahme zu dieser Kollage gibt es zudem noch bei der Mädchenmannschaft zu lesen.

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Hi Anonymus!
      Also ich konnte mein persönliches Fazit ziehen ;)

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  2. eine ganz kleine sache: das heißt cellulite.

    zellulitis ist eine entzündliche krankheit und hat nichts mit dellen in der haut zu tun.

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  3. Ich bewundere ja deinen Blog....nur erschließt sich mir absolut nicht der Sinn hinter diesem Post...

    Du zielst darauf ab, dass deine Schönheit fremdbestimmt ist. Alles im Auge des Betrachters, ja sogar Zeitgeist ist...
    Eine wertende Collage welche eben jenen Trend zur Magersucht zeigt zu kritisieren, sich jedoch im selben Atemzug an allgemeingültige Schheitsidealbewegegungen orientieren...ich weiß ja nicht...

    Mag sein, dass ich das alles falsch gelesen habe, doch kommt es mir vor als wüsstest du nicht welchem Schönheitsideal du nachlaufen sollst...kurvig, rund, üppig...oder definiert, schlank und rank...

    Fakt jedoch ist, dass es sich ,ähnlich wie in der Sexualität nicht um das eine Ideal drehen kann..hier haben zu viele Leute zu viele Geschmäcker...einzig wichtig ist hier, wem willst du gefallen?
    Dir? ganz sicher nicht...ein so sexuell aktiver Mensch wie du will gut ankommen...
    Also dem anderem Geschlecht...

    Gut, du bist mal mit deinem Körper nicht ganz zufrieden..doch welcher Mann ist das nicht auch nicht?

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  4. Hallo Anonym:

    Ja, du hast mich falsch verstanden.

    Die Hauptaussage ist: "Frauen und ihre Körper. Jeder hat eine Meinung dazu. Jeder meint, sie äußern zu dürfen. Sie sind der Maßstab, an den Weiblichkeit gekoppelt wird, an den Begehrlichkeiten im Zusammenhang mit Frauen gebunden sind."

    Nein, ich bin nicht verwirrt darüber, welchem "Trend" ich nachlaufen soll.

    Deine Aussage: "Dir? ganz sicher nicht...ein so sexuell aktiver Mensch wie du will gut ankommen...
    Also dem anderem Geschlecht..."
    würde ich an Deiner Stelle noch einmal überdenken. Weil Du mir damit nämlich etwas unterstellst und als gegeben hinnimmst, wofür du keine Beweise hast. Ob und wie sexuell aktiv ich bin, zum einen, und die unmittelbare Koppelung zwischen "gut ankommen wollen" und sexueller Aktivität. Und dann noch der Koppelung zwischen "gut ankommen wollen" und körperlichen Trends hinterher rennen.

    Sex zu haben, um Selbstbestätigung zu erlangen, ist natürlich eine Möglichkeit. In meinen Augen aber nicht die Beste. Lieber mit sich und seinem Körper zufrieden sein, darüber Attraktivität ausstrahlen, und Sex mit Personen haben, weil man mit EBEN DIESEN PERSONEN Sex haben will, und nicht, um sich selbst damit was zu beweisen.

    So sehe ich das.

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  5. Es steht natürlich jedem Menschen frei selbst zu "entscheiden" welche optische Erscheinung sie oder er "schön" findet.
    Es ist auch ein moralisch sehr begrüßenswerter Wunsch, dass Schönheit nicht an Äußerlichkeiten festgemacht werden möge. Ich glaube aber, dass dieser Wunsch ein wenig unrealistisch ist. Schönheit ist nun mal eine Eigenschaft die sich am äußeren Erscheinungsbild festmacht. Die Empfindung welches Erscheinungsbild "schön" ist ist sicher subjektiv, aber es wird wohl eine Frage der Äußerlichkeiten bleiben.

    Ich halte es auch nicht unbedingt für angebracht das subjektive Schönheitsempfinden per see als "Diskriminierend" einzustufen.
    Wenn ich in der Mensa eine schöne Frau sehe, mein Blick eine viertel Sekunde länger verweilt und mir der Gedanke durch den Kopf geht, dass dies doch eine schöne Frau ist, dann sehe ich darin keinen moralisch verwerflichen Gedanken.

    Eigentlich finde ich es schade wenn du nun als Frau sagst das du diesen Gedanken schon als Diskriminierung empfindest.

    Gruß Jast

    PS: Natürlich hat niemand deiner Leser "Beweise" für die Behauptung du seist eine sexuell aktive Frau. Ich hätte diese Schlussfolgerung angesichts des Blogthemas aber für nahe liegend gehalten.

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  6. sehr schönes Blog, wollte meines hier auch einstellen:

    http://naughtycat-games.blogspot.de/

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  7. Ich finde den Artikel sehr gut. Und ein Fazit kann ich mir selbst bilden. Ich würde gern mal wissen, wieso ich so extrem auf knabenhafte Frauen stehe... wodurch bildet sich so eine Vorliebe?

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