Freitag, 9. November 2012

Review Lesung: "Das erste Mal"

Für eine Review zur ersten Lesung ist es ja eigentlich schon zu spät. Aber ich lasse mich einfach mal nicht von herkömmlichen Konventionen abhalten und wage mich trotzdem mal an einen Rückblick, der mit dem Abstand, der nun zwischen mir und der Lesung liegt, natürlich viel objektiver ist, als er drei Tage nach diesem schicksalshaften Abend gewesen wäre.

Mit Abstand kann ich nämlich sagen, dass meine Lesung am 09.09. im Rahmen des 1. Essen Unpluged-Festivals  keine Katastrophe und auch kein Reinfall war. Direkt im Anschluss hätte ich mich zu einer solchen Aussage nämlich verleiten lassen. Weil das Mikro gezickt hat und ich es die ganze Zeit festhalten musste, was mich etwas davon ablenkte, mich voll und ganz auf den Text zu konzentrieren. 

Oder weil ich mir tatsächlich vor Aufregung fast ins Höschen gemacht hätte und damit meinen Einstieg ruinierte. Das ist jetzt nicht wort-wörtlich gemeint. Doch zumindest hatte ich selbst den Eindruck, dass ich, bevor ich mich in meinen ersten Text stürzte, keinen vollständigen und vor allen Dingen grammatikalisch korrekten Satz von mir gegeben habe. 

Mit dem Lesen der Texte wurde es besser. Auch mein Publikum machte es mir recht einfach, mich zunehmend wohl zu fühlen. Ich hörte es lachen, an ein paar Stellen. Tatsächlich wurde mir später zugetragen, dass gerade meine Mutter viel lachen musste. Eltern auf einer (ersten) Lesung sind ohnehin ein Faktor, der nicht gerade zur Beruhigung beiträgt. Anders als beim Zahnarzt, zum Beispiel. Eltern auf der eigenen Erotiklesung sind dies noch viel weniger. Aber ihnen hat's gefallen und sie bewundern meine Courage. =)

Die Lesung begann mit einem Text über das erste Mal im Pornokino. Ein Erfahrungsbericht, so gesehen. Diesen werde ich mir auch für die nächsten Lesungen noch warm halten. Ich bin in der Tat davon überzeugt, dass das nicht die letzte war. Daher werde ich ihn auch weiterhin nicht im Blog publizieren, um einen Anreiz zu schaffen und auch etwas neues zu präsentieren. 

Mit einer leichten Abwandlung von "Wichsen ist Wellness... oder Autofahren" ging es dann weiter. Die Gegenüberstellung von auf Frauen und auf Männer angelegte Werbetexten mit den unterschiedlichen Foki kam ziemlich gut an und konnte das Publikum sogar ein wenig schocken. Begleitet wurde der Text mit Anschauungsobjekten, nämlich den beworbenen Sexspielzeugen. 

Das Ende der Lesung - wir waren nämlich leider etwas im Verzug - machte ebenfalls eine leichte Abwandlung des Textes "Penis, Nacktheit und Porno" die ich der Griffigkeit halber "Die Bedrohlichkeit des Penis und Männer von Format" nannte. Dieser Text ist nicht ganz so lustig wie die ersten beiden, aber es ist mir ja tatsächlich oft auch wichtiger nochmal nachzu bohren, in die gesellschaftlichen Druckstellen. 

Etwas traurig war ich zunächst darüber, dass so wenig Publikum da war. Gefreut habe ich mich hingegen über die vielen bekannten Gesichter. Freunde und Freundesfreunde und Eltern. Mir fremd habe ich nur 5-10 Personen wahrgenommen. Da ich aber tatsächlich ja auch viel Angst vor einem großen Publikum hatte, bin ich im Nachhinein recht froh darüber, dass mir die wogenden Massen erspart geblieben sind. 

Etwas Angst hatte ich tatsächlich davor, dass ich doof angepöbelt werde. Weniger von Freunden und Familie, sondern viel mehr von Passanten. Immerhin fand die Lesung an diesem lauen Sommerabend draußen auf der Friedrich-Ebert-Straße zwischen Unperfekthaus und Einkaufszentrum statt. Aus dem Kontext gerissene Sätze und Schlagworte (Porno, Penis, wichsen...) schienen allerdings niemanden zu animieren, einen Kommentar dazu abzugeben. 

Fürs nächste Mal nehme ich mit, dass ich mir mehr Raum und Zeit für die Vorbereitung lasse und in diesem Zuge auch konkreter überlege, wie ich den Anfang gestalte, die Übergänge schön mache und einen ordentlichen Schluss konstruiere. Ich glaube, Bühnentätigkeit ist ein wenig Übungs- und Gewohnheitssache. Aufregung ist ja auch etwas normales. Aber sich nicht von einem Mikro fertig machen zu lassen oder davon, dass die Zeit davon läuft, davon, dass einen so viele Menschen anschauen, ich glaube das kommt mit der Routine. 

Ich möchte mich hiermit noch einmal offiziell bei allen bedanken, bei denen ich mich inoffiziell schon bedankt habe. Bei all denen, die zu meiner Lesung gekommen sind, mir Mut zu sprachen und gechillt vor der kleinen Bühne auf dem Boden und den Bänken saßen, Bier tranken und sich Zigaretten drehten. Bei meinen Eltern, die mir tatsächlich keinen Grund gaben und auch niemals gegeben haben, dass das, was ich mit diesem Blog oder im Rahmen einer Lesung zu dem Thema mache, etwas schmutziges tue. Bei meinem Opa, der leider 9 Tage vor meiner Lesung verstarb. Dank des guten Verhältnisses, welches wir zu einander hatten, ermöglichte er es mir trotz des für mich persönlich unsagbar traurigen Rahmens, Kraft zu schöpfen für diesen ersten "großen" Auftritt und trotz seines Todes diesen schönen Abend genießen zu können.

Ich freue mich schon sehr aufs nächste Mal und werde Euch auf dem Laufenden halten, wann es so weit ist! =)

Kommentare:

  1. Die mangelnde Reaktion der Passanten finde ich in der Tat verwunderlich.;)
    Na aber ist ja gut. Ich wäre gerne dabei gewesen.

    Viele Grüße
    Klaus

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  2. Hast du denn hier aus dem Blog gelesen oder woher die Textesammlung? Wenn es ein Buch ist: Wo kann man es kaufen?
    Bin begeistert von deinem Blog!
    (Hatte dir diesbezüglich auch schonmal eine ausführlichere Mail geschrieben.)

    Janna

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  3. 9-10 Unbekannte sind für den Anfang eigentlich gar nicht so schlecht. Ich war letztens auf dem Fetisch Film Festival in Kiel, wo Nala Martin aus ihrem Buch "Safeword" vorgelesen hat und es waren erschreckend wenig Leute da, obwohl die Party hinterher überfüllt war. Verstehe ich nicht ganz - aber vielleicht finden die Veranstalter ja noch irgendwann den Grund heraus und machen es dann besser. Zu wünschen wäre es.

    Deine Lesung klang spannend - ist aber doch etwas weit weg gewesen, sonst wäre ich sicher vorbei gekommen. Vielleicht bin ich ja mal in der Gegend, wenn du die nächste machst?

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  4. toller blog!
    weiter so!!!



    http://www.privat-cam24.com

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  5. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  6. Was mir, wie auch weiter oben im Kommentar noch fehlen würde, wäre ein Link zu einem Shop, wo dieses Buch bestellt werden kann. Vielen Dank & toller Beitrag!

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  7. Hallo Zusammen!

    Also bisher ist noch kein Buch erschienen, sonst hätte ich das bestimmt schon groß angepriesen. ;-)

    Die Lesung bestand aus Texten aus dem Blog und einem Text, den ich bisher nicht veröffentlicht habe, damit man auch als VielleserIn von Les petits Plaisirs noch etwas neues geboten bekommt. :-)

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