Montag, 19. November 2012

Wookies und Nacktschnecken


Mit dieser Kampagne sagt die Tierrechtsorganisation dem Gebrauch von Pelzen den Kampf an. Grundsätzlich ja sehr löblich. Die Inszenierung der Message, im Deutschen übrigens, "Pelzbesatz: Nicht sexy!", stößt bei mir allerdings nicht auf Gegenliebe. 

Klar. Haha. Die Doppeldeutigkeit ist ein bisschen lustig, Pelz mit Schamhaar gleich zu setzen. Iiih... Schamhaar! 

Warum eigentlich? Tatsächlich nervt es mich sehr, das Schamhaar als etwas abstoßendes betrachtet und wie eine Krankheit behandelt wird. Es gibt durchaus Perverse Personen, die Schamhaar ästhetisch finden. Nein, hier übernehmen PETA allerdings herrschende Auffassungen von Ästhetik und marginalisieren damit, vielleicht sogar unbewusst, Personen, für die Schamhaar mehr ist, als hässliches, unnötig wucherndes Haar zwischen den Beinen. Es wird ein Schönheitsideal als das richtige dargestellt, welches schon während der Pubertät zu enormen Komplexen und zu Scham führen kann, welches mit enormen Aufwand und nicht gerade geringem Einsatz an finanziellen Mitteln verbunden ist, welches mit negativen Begleiterscheinungen, wie irritierter Haut, einwachsenden Haaren, hässlichen Pusteln und Pickeln verbunden ist. 

Ich kann es nicht mehr hören: "Schamhaar ist unhygienisch!", "Schamhaar ist ungepflegt!", "Schon mal Flokati  geleckt?!" Nein, habe ich tatsächlich nicht. Und du? Ich meine: Wie viele Personen haben denn in meiner Generation Erfahrungen damit gesammelt, Oralverkehr mit einer Frau zu haben, die keine rasierten Schamlippen hatte? Vielleicht ist das ja gar nicht so schlimm. Wie oft Verirren sich beim Knutschen zwischen zwei Menschen Haare in den Mund? Da verlangt auch niemand einen Kahlschlag. 

Möglicher Weise würde mich das Lecken mit Schamhaar aber auch nerven. Das kann schon sein. Ich kann mir vorstellen, dass das Schamhaar kitzelt. Und tatsächlich habe ich die Erfahrung gesammelt, dass meine Schamlippen empfindlicher sind, wenn sie rasiert sind. Ein praktischer Nutzen, der dem Genuss dient. Das gefällt mir!

Aber Moment: Warum muss denn immer alles ab? Und warum werden die Haare, die wir in der Intimzone haben so hysterisiert? 

Tatsächlich hatte ich lange Zeit ein sehr panisches Verhältnis zu meiner Schambehaarung. Normalisiert hat es sich immer noch nicht. Aber ich fange mal an. Klassischer Weise: Die Umkleidekabine des Schulsports. Wir waren pubertierende Mädchen und bei den einen und anderen fing es an aus den Achselhöhlen und den Höschen zu sprießen. Ganz normal eigentlich. Ich zumindest war ziemlich stolz darauf, dass diese Veränderungen durch meinen Körper gingen. Ich fand das cool. Es machte mich irgendwie markanter, das gefiel mir. 
Bis zu dem Tag, als ein paar gemeinen Mädels auffiel, dass D. tatsächlich ganz schön viel und ganz schön dunkles Haar aus dem Höschen sprießen hatte. Ja wie ein "Affe" aussähe, und noch andere hässliche Sachen gesagt wurden und alle lachten. Tatsächlich hatte ich nicht die Courage da etwas zu zu sagen. Ich hatte Angst, selber in die Schusslinie zu geraten. Und fortan achtete ich darauf, dass mir beim Umziehen niemand auf den Bund meines Höschens schauen konnte. Denn das Rasieren mochte ich nicht. Es brannte und juckte später und die Stellen waren immer gereizt. Also spielte ich lieber Verstecken.
So ging das über Jahre, die 'coolen' Mädels unterhielten sich darüber wie sie sich alles glatt rasierten oder wachsten oder was auch immer, und wie ekelhaft Schambehaarung sei, und wie widerlich und überhaupt. Und ich hatte einfach Angst als ekelig und widerlich zu gelten, weil mir diese Haarentfernung schlichtweg keine Freude bereitete. 

Bei Treffen mit neuen SexualpartnerInnen heißt es: Stunden im Bad verbringen und beim rasieren darauf achten, auch noch das kleinste Haar zu erwischen! Es wäre doch nur allzu peinlich, dass bei der späteren Leibesvisitation ein Härchen unangenehm auffallen würde. Also vorher alles ausmerzen, was schön sein stören könnte. 

Natürlich: Die Darstellung des Schamhaars in der Kampagne von PETA ist übertrieben. Tatsächlich habe ich aber den Eindruck, dass jegliches Haar, welches aus dem Höschenbund gewunden kommt, in der Imagination derer, die es sehen, aus einer Frau einen Wookie macht. 

Vom ästhetischen Standpunkt aus finde ich, dass Geschmäcker nun mal verschieden sind und vieles verschiedene Vorzüge haben kann. Was mich stört, sind militante Haltungen, die Schamhaar verteufeln oder rasierte Vulven als "Kindermuschis" darstellen. 

Persönlich wünsche ich mir mittlerweile, ich hätte statt struppigem Schamhaar schön wolliges, weiches, dunkles, dichtes bekommen. 

Kommentare:

  1. Ich mag zwar an mir selbst kein Schamhaar oder höchstens mal einen schmalen Streifen, stimme dir aber dennoch vollkommen zu. Es gibt so viele, die Schamhaar toll finden (mein Ex zum Beispiel)! Wieso machen wir da so eine Hektik draus, bloß alles weg zu rasieren? Wir lassen uns zu oft von der Einstellung der Gesellschaft davon abhalten, uns eine eigene Meinung zu bilden.

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  2. Interessanterweise ist das ja ein Thema, was ganz hart an der Jahr-2000-Grenze verläuft.
    Die ganze Sache hat mich mal eine Zeitlang beschäftigt und ich habe versucht zu recherchieren, auch mit einigen Menschen darüber gesprochen, vor allem peseudonym im Netz.

    Egal ob Pornografie oder auch relativ unpornografische Publikationen mit nackten Menschen wie die Bravo: Vor Mitte der 90er war Intimbehaarung absoluter Standard, ab Mitte bis Ende der 90er wurden immer mehr von den Rändern getrimmt, dann waren Striche in und kurz nach 2000 gab's den ersten Bravo Bodycheck mit Frauen komplett ohne Schamhaare.

    Was ich aber eigentlich sagen wollte, ist ja dass wer behauptet, beim Oralsex bleibten zwangsläufig Haare im Mund hängen, nicht verstanden hat, dass sich so Schamlippen auch auseinander ziehen lassen, damit die Zunge auch an die richtigen Stellen kommt.

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  3. Ich stamme aus der Generation in der Körper- und damit Schambehaarung vollkommen normal war.
    Dann begann Frau mit der Rasur der Beine und Achselhaare, später der Bikinizone - danach folgte der "Kahlschlag".
    Ich finde die Frisur ist auf dem Kopf und in den "private parts" Ausdruck einer individuellen Einstellung. Interessant ist aber, dass häufig meine Geschlechtsgenossen Erwartungen haben, zu denen sie selbst nie bereite wären.
    Ich expiremtiere gerne mit meiner Behaarung und hab Spaß daran. Ich lass mir aber nicht vorschreiben wie ich zu sein habe.
    Hygiene hat nichts mit Haaren zu tun.
    Erst in den letzten Tagen hab ich es wieder gelesen: Die eleganteste Art ein Schamhaar aus dem Mund zu entfernen ist mit zwei Fingern.

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  4. Interessanter Artikel! Ich gebe dir da vollkommen Recht.

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  5. Danke für das großartige Feedback! :-)

    @igby: ich hatte auch mal angefangen, zu recherchieren, ab wann man die ersten komplett glatt rasierten Venushügel sieht. Auch ich habe das mit der Bravo und den Playmates des amerikanischen Playboys abgeglichen. In der Bravo war der Trend auf jeden Fall später da. Das erste komplett rasierte Playmate entdeckte ich in einer Ausgabe von 2001. Da war dann erst noch Abwechslung, also eher ein schleichender Prozess, bis es dann immer häufiger und Standard wurde.

    Ich bin positiv davon überrascht, so viel von Personen zu lesen, die tatsächlich auch mit "haarigem" Oralverkehr keine schlechten Erfahrungen gemacht haben.

    Ich glaube, ich werde mir noch mehr Gedanken zu dem Thema machen und irgendwann nochmal dazu schreiben. :-)

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  6. (Generell halte ich es aber für relevant, nochmal auf die in jeder Hinsicht rassistische, (hetero)sexistische oder antisemitische Kampagnen von PETA hinzuweisen, welche den Veganismus in erster Linie mit Holocaustrelativierungen oder der Darstellung nackter, erniedrigter Frauen mit großen Brüsten propagieren.)

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  7. Vor vielen Jahren gab es mal einen Witz, den heute anscheinend niemand mehr verstehen kann: Da wurde gefragt, wann eine Frau am kostbarsten sei. Die Antwort lautet: Nach dem Duschen, weil sie dann Perlen im Netz hätte.

    Nun ja, wenn das Netz fehlt, hat auch niemand diese Perlen beobachten können und versteht dann natürlich auch die Antwort nicht.

    Persönlich hat es mir nie wirklich gefallen, eine blankrasierte Muschi zu küssen. Wenn dann die ersten Stoppel spürbar sind, ist es schon ein wenig wie an einem Kaktus zu knabbern - wer will das schon? Ein gepflegter Pelz mittlerer Länge ist da bestimmt viel angenehmer und lädt förmlich zum Streicheln und Kraulen ein, was auch ihr bestimmt besser gefiele - und was stört da schon das eine oder andere Haar im Mund?

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  8. Ich experimentiere ebenfalls gerne herum - wobei ich den Kahlschlag bereits vor ein paar Jahren aufgegeben habe, denn irgendwie sind Schamhaare für mich auch ein Zeichen von Weiblich- und Fruchtbarkeit. Ein Freund von mir, ebenfalls Anfang 20, findet "einen gepflegten Busch" sogar ästhetischer. Dennoch stehe ich als Frau unter einem gewissen Erwartungsdruck, wenn sich eine neue Bekanntschaft ergibt. Aber das bringt mich nicht davon ab, zumindest einen Streifen stehen zu lassen.

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  9. Laut Tante Wiki wurden Achsel- und Schamhaare ja schon im alten Rom entfernt.
    Meine Theorie dazu: Je mehr ein Körperteil öffentlich bewusst sichtbar und sexualisiert ist, desto eher wird es rasiert.
    In (einigen) Kulturen mit Bade- oder Dampfbadkultur (Rom, arabischer Kulturkreis), waren Scham und Achseln sichtbarer, als im "wilden" christlichen Mittelalter. Rasur oder Wachsen waren gängig.
    Im westlichen Kulturkreis kam das Rasieren der Beine in Mode, als die Röcke kürzer wurden und die Strümpfe wegfielen. Die Achseln rasierten sich zunächst vor allem Frauen, die größere mediale Präsenz zeigten.
    Als die Sichtbarkeit der weiblichen Scham mit der Verbreitung von Pornos und Dr. Sommer stieg, wurde auch diese rasiert.
    Und je mehr der männliche Körper objektifiziert wird, desto mehr wird auch dort Rasur zur Norm.

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  10. Ein wirklich wunderbar geschriebener Artikel, der vieles genau auf den Punkt bringt.
    Ich persönlich bin zwar eine Anhängerin einer glattrasierten Intimzone, aber ich würde mir niemals anmaßen, es zur Norm zu erklären oder gar zum Schönheitsideal zu erheben.
    Meiner Ansicht nach liegt Schönheit grundsätzlich im Auge des Betrachters und was für den einen hocherotisch erscheint, ist dem anderen vielleicht komplett zuwider.
    Wenn sich gängige Mainstream-Pornos dem Zeitgeist anpassen und sich nach dem Ideal einer breiten Masse richten, mag das eventuell noch verständlich erscheinen, aber eine Tierrechtsorganisation sollte schon den Blick auch mal über den Tellerrand richten und nicht nur nach einem werbewirksamen Aufhänger schielen.

    Belinda

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  11. zeig mal bild von dein schamlippen, mfg mac
    ps ich liebe dich

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  12. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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