Samstag, 8. Dezember 2012

Attraktivität und Blicke

Wenn ich grad nichts zum Schreiben habe, fällt mir immer eine Menge ein, die ich zu Papier bringen könnte. Oder manchmal, wenn ich nichts Besseres zu tun habe, dann sitze ich hier, vor meinem PC und denke mir: "Ach Vicky, du könntest mal wieder einen Blogeintrag schreiben." So wie just in diesem Moment. Mein Schlafrhytmus ist aus dem Takt, ich glaube, ich könnte etwas schreiben. Doch wie es der Zufall so will - sobald das Textfeld sich öffnet, weiß ich einfach nicht mehr, was ich von mir geben könnte. Was stingend sein könnte. Lesenswert, interessant, informativ, gar sinnlich, erotisch oder was auch immer den Erwartungen der LeserInnenschaft entsprechen könnte.

Eine Freundin meinte mal, wenn man unter einer Schreibblockade leide, sollte man einfach alles niederschreiben, was einem in den Sinn kommt. Spross dieser Technik ist alles bis hierhin geschriebene.

Der Grund, weshalb ich das Textfenster öffnete, war der, dass ich über Attraktivität schreiben wollte. Ich weiß gerade nicht mehr, ob ich dazu schonmal einen Eintrag verfasst habe. Aber alles in allem ein sehr interessantes und komplexes und bestimmt auch kritisch zu würdigendes Thema.

Attraktivität. So recht weiß ich noch nicht was ich schreiben könnte. Aber wenn ich an den Begriff denke, dann habe ich zwei direkte Assoziationen. Einmal Oberflächlichkeit und das Pendant, den zweiten Blick.

Oberflächlichkeit


Es gibt Attraktivität, die sich mit dem Auge greifen lässt und sich geradezu aufdrängt. Ganz allgemein gehalten. Dass ich Personen für attraktiv halte, die andere überhaupt nicht so sehen, liegt bestimmt an sehr vielen verschiedenen Faktoren. Runtergebrochen liegt es wohl am "Geschmack", was auch immer "Geschmack" sein soll. Wahrscheinlich spielen Assoziationen auch eine Rolle. Ein Rückgriff auf Erfahrungen vielleicht. Es gibt bestimmt Personen, die Johnny Depp oder Christian Bale nicht attraktiv finden. Tatsächlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass zumindest Johnny Depp meist ein gemeinsamer Nenner war, wenn man sich überlegt hat, welche Männer des öffentlichen Lebens attraktiv sind. Angelina Jolie ist eine Göttin polarisiert.

Aber was heißt das schon? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich eine der genannten Personen irgendwann einmal treffe und sich daraus "mehr" ergibt, ist äußerst gering. Starkult. Ein interessantes Thema, was an dieser Stelle aber zu weit führt und zudem ich gerne noch mehr lesen würde.

Fakt ist allerdings, dass gerade bei prominenten Personen, die wir nicht kennen, sondern nur mal sehen und sprechen und schauspielen sehen, die Attraktivität unglaublich stark am Äußeren fest gemacht ist - vielleicht noch an der Stimme - aber eher weniger am Charakter. Mitspielen könnten noch Zuschreibungen, Eigenschaften, die wir den Personen, die wir nicht kennen, unterstellen. Weil sie Aussehen, wie sie Aussehen, Sprechen, wie sie Sprechen oder Gestikulieren, wie sie es tun. Und so oberflächlich ja auch in unserer Lebenswirklichkeit, wenn wir davon ausgehen, dass der "erste Eindruck" zählt und ein Urteil oft schon getroffen wird, bevor unser Gegenüber den Mund aufmacht.


 Der zweite Blick - der andere Blick


Ich war etwas geschockt, als ich einmal neben einem jungen Mann saß, den ich nett und hübsch fand, der mich aber nicht auf Anhieb als Sexualpartner ins Auge sprang - nicht dass mir solche Personen ausgesprochen oft über den Weg laufen. Ich nahm seinen Körpergeruch wahr und ich merkte, dass mich das in ein wildes Raubtier, mit dem Wunsch, seine Beute zu jagen und zu erlegen, verwandelte ...ziemlich ansprach. So heftig hatte ich noch nicht erlebt, dass der Geruch einer Person, meine olfaktorische Sinneswahrnehmung, die sexuelle Attraktivität beeinflusste. Seitdem achte ich mehr auf die Gerüche und das ist unglaublich spannend. Tatsächlich gibt es Personen, die einen Geruch an sich haben, der bei Einatmung zu meiner persönlichen Katzenminze wird. 

(Ich gehe mal schlafen. [03:20h])

Und dann kommt natürlich noch das Erfahrbare hinzu, was hinter der Äußeren Hülle steckt. Der Charakter, "wahre Schönheit kommt von Innen"-Blabla. Die Eigenschaften, die sich vor uns entfalten, wenn wir Personen kennen lernen. Das Kennenlernen von dem, was hinter dem Offensichtlichen steckt, was sich eben erst aufdeckt, zeigt, sich beweisen kann, wenn auch das Kennenlernen der Person fort schreitet. Oft auch situationsabhängig ist. In meinem bisherigen Leben ist es mir öfter passiert, dass sich über diesen Weg der Attraktivität entwickeln konnte, als dass ich vom ersten Kennenlernen an, sexuelles Interesse an einer Person gehabt hätte. Das finde ich ungemein wichtig - und ist auch eine tolle Erkenntnis. Das Attraktivität nicht nur ein schönes Äußeres ist, auch nichts statisches, sondern variieren und sich auch erst später ausprägen kann.


Der virtuelle Blick


Übers Internet gibt es ja zuhauf Möglichkeiten, an potenzielle (Sexual-)Partner zu kommen. Ich weiß nicht, wie viele Partnerbörsen es gibt - auf jegliche Interessensgruppen, Subkulturen, soziale (Status-)Gruppen zugeschnitten. Gerade hier läuft der erste Kontakt so oberflächlich ab, wie der, den ich zu Angelina Jolie seit meinem 14. Lebensjahr pflege. Wir sehen von der Person, was diese zeigen will. Wenn wir uns anmaßen, zwischen den Zeilen zu lesen, dann sehen wir möglicher Weise auch Dinge, die Person nicht von sich zeigen wollte. Letzten Endes läuft es aber auf eine ökonomisierte Selbstdarstellung heraus, die darauf ausgerichtet ist, sich selbst gut zu verkaufen - an Personen, an denen man selbst auch Interesse hat, bzw. haben wird. Wir sehen Bilder von Personen, und auf diesen Bildern sehen die Personen auf eine bestimmte Art aus und wir entscheiden uns anhand dessen, ob wir weiter interessiert sind. Denn das Bild, das strahlt etwas aus, das uns anspricht: Lange gepflegte Haare sind ästhetisch, das Lächeln auf den Lippen suggeriert Eloquenz, etc. Der Profiltext zeigt uns, ob wir es mit einem Prahlhans zutun haben, ob die Person in der Lage ist drei Sätze zu schreiben und ob unsere Interessen und Vorlieben (die sich natürlich auf Schlagworte reduzieren lassen) miteinander kompartibel sind.

Sinnlichkeit entsteht durch die Sinne. Attraktivität lässt sich nicht auf Äußerlichkeiten reduzieren und auch nicht einfach aufs Foto bannen. Es braucht schon eine tatsächlich ziemlich besondere Ausstrahlung, eine/n gute/n Fotograf/in oder Glück im Einfangen des Momentes, um Personen auf dem statisch festgehaltenen Foto attraktiv zu machen. Attraktivität impliziert die Persönlichkeit einer Person, impliziert Situationen, (politische) Einstellungen, Körpergeruch.

Kommentare:

  1. Ich glaube dass der erste Blick meistends der wichtigste ist, da er bestimmt ob es zu einem zweiten kommt. Dabei spielen natuerlich Erfahrungen, Interpretation etc. eine Rolle ... die leider nicht immer korrekt sind, wie man manchmal feststellt wenn man in Situationen geraet wo man dazu keine Moeglichkeiten hat.

    Im Internet ist "erster Blick" der klassischen Art nicht moeglich, da Fotos und Typ-beschreibungen eher selten und wenn, dann beschoent sind (zugegebenerweise sind "Beschoeniigungen" Teil des dating-rituals auch im echten Leben).

    Y||B

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  2. Ich glaube, dass der Reiz des Internets bei der Partnersuche tatsächlich eher ist, den zweiten Blick zu betonen. Wenn es kein Foto gibt, kann man gar nicht direkt oberflächlich urteilen (wie mein Vorposter schon erwähnt hat) und es gibt zwar schon einen ersten Eindruck, allerdings ist der - glaube ich - nicht ganz so gefestigt wie er wäre, wenn wir der Person gegenüber gestanden hätten, eben weil wir wissen, dass sie dann ganz anders gewirkt hätte.

    Allerdings birgt das Internet immer die Gefahr, dass sich jemand komplett verstellt und das ist natürlich nicht schön.

    Alles in allem finde ich, dass wir dem ersten Blick nicht ganz so viel Beachtung schenken sollten, aber das ist sehr schwer, weil wir nun einmal sehr visuelle Wesen sind.

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  3. Wieder mal sehr schön geschrieben und treffend formuliert.
    Ich bin auch eine Verfechterin des zweiten Blicks, wenn ich auch zugeben muss, dass der erste optische Eindruck ziemlich entscheidend darüber ist, ob ich einen zweiten Blick riskiere.
    Dennoch springe ich immer wieder liebend gerne über meinen Schatten und stelle sehr häufig erstaunt fest, dass wahre Schönheit eine echte Charakterfrage ist.
    Es ist schon vorgekommen, dass mir Menschen erst auf den zweiten oder sogar dritten Blick attraktiv erschienen. Ich könnte jetzt als Beispiel Andrea Sawatzki anführen, denn die finde ich mittlerweile richtig hübsch und sehr erotisch, obwohl sie mir anfangs nicht besonders ansehnlich vorkam.
    Nun ja, Geschmäcker sind halt verschieden und ich bin der Meinung, dass auch die Fantasie einen nicht unerheblichen Anteil an unseren Schönheitsbildern hat.
    Alles in allem lässt sich wohl festhalten, dass jeder Mensch attraktiv ist - für den einen mehr und für den anderen weniger.
    Immer nur eine Frage der Perspektive.

    Belinda

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  4. Es ist eine Geschmacksfrage, wer den zweiten Blick braucht. Frauen mit fettigen Haaren, männlicher Apfelfigur und Fistelstimme sind auch nicht jederman(n)'s Sache. Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

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  5. schöner Artikel! Zu diesem Themenbereich fällt mir noch ein:

    Für mich sind die Erscheinung auf Fotos und im realem Gegenüber stehen komplett verschieden. Und für mich gibt es zwei Fälle: Die Person sieht auf Fotos gut aus, wenn ich sie in real sehe, ist davon aber nichts übrig. Man könnte sagen, dass die Person einfach fotogen wäre, aber das ist es nicht.
    Der gegenteilige Fall ist für mich sehr interessant: eine Person wirkt real auf mich sehr anziehend, attraktiv und schön. Auf Fotos dafür nicht. In beiden Fällen handelt es sich nicht im Studioaufnahmen oder Spaßfotos, ganz normale Fotos wie die eines Profils in einem sozialen Netzwerks. So ist es mir schon passiert, dass ich auf einer Party jemanden kennen gelern habe, dann im sozialen Netzwerk aufgesucht habe, und enttäuscht und fast schockiert war. Die Person, die mir so gut gefallen hat ist so unscheinbar, gefällt mir gar nicht? Wenn man die Person dann aber wieder real sieht, und nach den äußeren "Fehlern" sucht, und sie nicht mehr sieht, freut man sich doppelt.

    Für mich hat das zu Folge, dass ich Fotos aus Kontaktanzeigen beispielsweise versuche so gut es geht zu ignorierren. Ich präsentiere mich auch nicht gerne durch Fotos. Für mich enthalten sie nicht nur kaum eine Aussage, sie irri mich sogar.

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  6. Das Aussehen entscheidet, ob man zusammen kommt und der Charakter, ob man auch zusammen bleibt.

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