Montag, 27. Januar 2014

Ein Jahr ohne "die Pille". Ein Rückblick.

Im Dezember letzten Jahres habe ich die Pille abgesetzt. Ich hatte keinen Vorsatz, sondern einfach die Pille in meiner Tasche in der Uni übers Wochenende liegen gelassen und dann entschlossen für den Rest des Monats auszusetzen. Daraus ist jetzt etwas mehr als ein Jahr geworden.

Ich habe auch nicht vor, mit dem Hormonpräparat wieder anzufangen. Dem Zufall geschuldet war das Absetzen der Pille eine der besten Sachen, die ich gemacht habe. Natürlich ist es schwierig von so einem Ereignis Kausalitäten auf andere Ber
eiche des Lebens zu schließen, aber ich habe den Eindruck, dass dadurch tatsächlich viele Prozesse in Gang gesetzt worden - und letzten Endes haben sich wirklich einige Dinge in und rund um meinen Körper verändert.

- Ich bin wesentlich emotionaler, als mit der Pille; Einige Wochen nach dem Absetzen fing es an, dass ich einfach mehr emotional empfunden habe. Ich hatte den Eindruck, Jahre zuvor unter einer Art Käseglocke gelebt zu haben, von meinen Emotionen weitestgehend isoliert. Mir ging es dann halt "gut", aber mit einer gleichgültigen Ausgeglichenheit, die sich nun mehr dahingehend geändert hat, dass ich wirklich ein breiteres, intensiveres Spektrum an Gefühlen/Emotionen/Befindlichkeiten und Stimmungen empfinde. Dadurch fühle ich mich lebendiger als vorher.

- Während ich mit der Pille beim Sex meistens nicht sehr feucht geworden bin und die Zuhilfenahme von Gleitmittel der Regelfall war, ist das nun nicht mehr nötig. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die sexuelle Empfindsamkeit, Erregbarkeit wesentlich intensiver geworden ist.

- Zum ersten Mal, seit vor der Pille hatte ich mich wieder richtig, aber so richtig krass, mega, doll verliebt.

- Einmal ist ein Gummi gerissen und der Institutionen-Marathon um die Besorgung der Pille danach ging los. Wie das immer so ist: Nach 18h/vor einem Feiertag. Vier Stunden später und nach dem Hinweis des Apothekers in der Notapotheke, dass er mir gerade das letzte Präparat verkauft hat, hatte ich die PiDaNa. Ich hoffe das bleibt für lange Zeit der einzige Unfall. Seitdem kontrolliere ich meinen Zyklus stärker im Hinblick auf Fruchbare Tage. Ein Leben mit der Natürlichen Familienplanung als Verhütungsmittel ist mir derzeit aber zu riskant, ob des studentischen Lebenswandels rund um Rauschmittel und lange Nächte.

- Ich bin aktiver. Das Absetzen der Pille motivierte mich dazu, einfach mal Dinge in meinem Leben zu tun, die ich mir gut vorstelle, statt mir immer nur vorzustellen, dass sie gut sein könnten - mich aber nicht an die Umsetzung heran zu trauen. So gehe ich seit März zum Bauchtanz und seit April zum Tango. Das Tanzen macht unglaublich viel Spaß und gibt mir ein so unfassbar gutes Körpergefühl, wie es andere Auseinandersetzungen mit dem eigenen Körper einfach nicht schaffen. Ich habe den Eindruck dadurch mehr bei mir zu sein. 

- Ich habe abgenommen. Mein Essverhalten hat sich dahingehend geändert, dass ich weniger Hunger, bzw. Appetit habe. Ich esse weniger bei den Hauptmahlzeiten und snacke nicht mehr zwischendurch. Das Bedürfnis ist nicht da, welches vorher einfach da war. Ich habs nicht aufs Abnehmen abgesehen - aber das war ein interessanter Nebeneffekt.

Die Vorstellung, mit der Pille wieder anzufangen ist mir zuwider. Ich sträube mich da wirklich gegen. Nicht dass ich jemals schlimme Nebenwirkungen gehabt hätte - aber die leisen Nebenwirkungen, die die man eben nicht merkt, die sich eben einschleichen. Nicht so feucht zu werden, weniger Stimmungen, Gefühle zu erleben - das finde ich in der Nachbetrachtung richtig bedenklich. Das ist ein Umgang mit mir selbst, den ich mir nicht wieder zumuten will. Und ich finde es sehr bedenklich, dass über diese leisen Nebenwirkungen nicht in angemessener Weise aufgeklärt wird. Dass die Nebenwirkungen von Hormonpräperaten einfach in Kauf genommen werden.

Kommentare:

  1. Ich glaube die Nebenwirkungen sind so unterschiedlich und persönlich dass es schwer ist darüber aufzuklären, aber ich finde auch man könnte die Tatsache, dass es auch negative Aspekte gibt, ruhig mal anmerken...

    AntwortenLöschen
  2. Wäre z.b. eine Kupferspirale als Alternative für dich denkbar? Soll nicht als Aufforderung verstanden sein. Wenn du zufrieden bist, bist du zufrieden.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein, die ist für mich keine Alternative. Ich hab so schlimme Stories über das Einsetzen und Rausnehmen gehört, dass mir dabei schon die Lust vergeht.

      Der Text der Aufklärungsseite der Bundeszentrale für Gesundheitliche Bildung (die Seite heißt familienplanung.de) macht mich auch nicht so glücklich. Ich finde es komisch, dass ein Ding, dessen Bändchen in die Scheide rein ragt da über so einen langen Zeitraum drin bleibt. "Die genaue Wirkungsweise der Spirale ist nicht endgültig geklärt." -> finde ich auch doof. Man weiß, es wirkt irgendwie, warum aber nicht? Ist mir suspekt.

      Dass die Untersuchungen ob der Lage der Spirale selbst gezahlt werden müssen, gefällt mir auch nicht.

      Zu Kondomen und Beschäftigung mit dem Zyklus sind mir einfach echt keine Alternativen gekommen. Ich hab schon viel über andere Möglichkeiten gelesen.

      Löschen
  3. Meine ex hatte damals auch Probleme mit der Pille (emotional als auch mit Gewicht), und wollte dann auch nicht ein anderes Medikament ausprobieren. Aber es ging dann auch 10 Jahre mit Kondomen gut, von dem her war es auch keine große Sache.

    AntwortenLöschen
  4. Entdeckte gerade durch eine Bekannte diese Alternative zu den sonst bekannten Verhütungsmethoden. Habe es noch nicht ausprobiert, wird aber sobald als möglich ausprobiert. Vielleicht hat wer Erfahrung?

    http://bitchmagazine.org/post/oh-joy-sex-toy-the-internal-condom

    AntwortenLöschen
  5. Mir gehts ohne Pille auch wesentlich besser. Kann die Gynefix-Kuferkette empfehlen! Einsetzen war zwar (wie du bereits beschrieben hast) ziemlich schmerzhaft, aber dafür ist seither Ruhe und das ja auch noch ein paar Jahre lang. Also ich finde schon, dass es sich lohnt. Einmal die Zähne zusammen beissen und dann hat man endlich mal ne unbeschwerte Zeit :)

    AntwortenLöschen
  6. Ich finde wirklich gut, dass du darüber schreibst, denn der allgemeine Umgang mit der Pille, als wäre sie ein "Bonbon", macht mich nachdenklich und auch besorgt.
    Vorsicht, abgefahrene Theorie: Frauen, die unter Einfluss der Pilleneinnahme stehen (Hormone machen was mit einem!) lernen möglicherweise andere Partner kennen als die, die sie sonst ausgewählt hätten. Und wenn die Pille abgesetzt wird, kann das zu erstaunlichen Überraschungen führen :D Dazu hätte ich gern mal eine Studie oder ähnliches. Aber, wie gesagt, das habe ich mir nur mal so am Rande ausgemalt ;)

    Viele Grüße,
    Symphonee

    AntwortenLöschen