Freitag, 4. April 2014

Duftnot(iz)en

Der Geruchssinn ist ein sehr feiner. Ich weiß ihn oft zu schätzen, manchmal verfluche ich ihn auch. Wenn es um Sex geht, dann trägt er viel zu meiner Stimmung bei. Ich mag Menschengeruch sehr gerne. Ich schnuppere am liebsten bei Menschen hinterm Ohr und am Hals, am Nacken um dann die am Rücken, an der Brust und dem Bauch immer dezenter werdenden Duftnuancen einzuatmen, bis diese sich an besonderen Stellen, unter den Armen, zwischen den Beinen wieder verdichten. Frischer Schweiß ist auch wundervoll. Vom Geruch des Schweißes nach dem Sex ganz zu schweigen. Ich rieche gerne an getragenen T-Shirts meiner geschätzten Personen und vor allem an Halstüchern oder Schals, falls solche getragen werden.
Wenn mein Bett nur temporär Besuch hatte, dann rieche ich gerne am Kissen. Es ist so faszinierend, wie eine Person zwar weg sein kann, aber ihren Geruch hinterlässt. So kann man sich noch ein bisschen einkuscheln, die Augen schließen, schnuppern und schwelgen. Ich liebe dieses Schwelgen, welches durch das Einsaugen des Geruches an Kontur gewinnt, Erinnerungen für den Moment des Wahrnehmens geradezu greifbar macht.

Ich habe den Eindruck, dass an Sonnentagen, die Sonne selbst den Geruch von Haut, die sie bestrahlte, beeinflusst. Nachdem ich gestern aus dem Garten kam und an meinem Arm schnupperte, fiel mir auf, dass ich nach "Sonne" rieche. Ich dachte vorher immer, diese besondere Duftnote, die für mich immer mit dem Sonnenbad verbunden ist, sei der Sonnencreme geschuldet. Da ich gestern keine Sonnencreme drauf hatte, muss es mehr mit meiner Haut zu tun haben. Ein wunderbarer Geruch.

Meinen eigenen Geruch mag ich sehr. Parfum verwende ich fast nie. Wenn dann sehr intendiert, um darüber etwas auszudrücken, zu verstärken. Sowas wie Glamour oder Präsenz. Bei Dates verzichte ich meist darauf, außer ich will ein wenig Distanz aufrecht erhalten und gleichzeitig, riechbarer, wahrnehmbarer sein. Ich weiß noch nicht einmal, ob die anderen Personen meinen Eigengeruch überhaupt, oder so deutlich und positiv aufnehmen wie ich, deshalb finde ich diesen schon ziemlich intim. Aber es ist mir auch wichtig, "ich" zu sein. Und nicht ich und, sei die Note noch so dezent, ein bestimmtes Parfum und die den Duftkomponenten zugeschriebene Eigenschaften.

Von den meisten Parfums und Eau de Toilette kriege ich zudem auch Kopfschmerzen. Zumindest von denen für Frauen konzipieren. Bei anderen Personen muss der Geruch schon sehr stark sein, um Kopfschmerzen auszulösen, bei mir selbst reicht der kleinste Spritzer aus, und ich muss mich waschen, ich fühle mich fremd in der eigenen Haut. Das bin nicht ich und der Kopf leidet unter dem Geruch, auch wenn ich den Duft grundsätzlich schön fand. BVLGARI pour femme mag ich. Das ist "mein" Parfum, das einzige, wenn den solches Verwendung findet. Eine eher schwere, klassisch feminine, dunkle Note die mich an die großen, tragischen Filmdivas des zwanzigsten Jahrhunderts denken lässt, an eine femme fatale, ein Geruch der teuer riecht und auch teuer war.

Am liebsten mag ich mich ganz ohne Fremdgeruch. Ohne Duschgelnuancen, ohne Parfum oder anderes Duftwasser oder Cremes, einfach nur ich, meine Haut und der Geruch von dem, was ich gemacht habe. Der Geruch von Leben. Im Sommer, da roch ich einmal so gut am Arm (wenn man den Arm anwinkelt und an der Ellenbeuge riecht), nach Sonne und nach Lagerfeuer. Nach schönen Aktivitäten. Auch nach dem Sex rieche ich mich gerne. Dann hat das Duschen schon fast etwas zerstörerisches, denn es wäscht diese Mischung aus Eigen-und Fremdgeruch weg. Diesen Duft der von großem Vergnügen zeugte. 

Der Duft nach dem Sex ist eine Momentaufnahme. Er ist flüchtig, denn er weicht der Reinigung, die ja auch notwendig ist. Er ist so vergänglich, wie ein Strauß Blumen, der seine Schönheit ja auch nur kurz entfaltet, bevor sie verwelken.

Kommentare:

  1. Dieser Text spricht mir aus der Seele. Wie oft habe ich geliehene Pullover, T-Shirts oder benutzte Bettwäsche "etwas länger" zum Schnüffeln und Schwelgen behalten. Wie sehr verachte ich den Trend, alles mit Deos, Parfüms oder sonstigen Geruchsinnsstörern zu übertünchen.

    Auch der Duft der Haut nach direkter Sonneneinstrahlung ist bei mir fest im Gedächtnis eingebrannt. Natürlich verbindet ich damit meist etwas schönes, eben Sonnenschein und gutes Wetter. Aber auch der Geruch von verschiedenen Orten ruft bei mir immer wieder Erinnerungen hervor, oft aus dem Urlaub. Der Geruch eines Mittelmeerhafens, aber auch der Gestank von Dieselabgasen auf einer feuchten Wiese, und zack, bin ich in Gedanken wieder im Urlaub. Lustiger Weise kommen diese Gerüche teilweise in ganz anderen Zusammenhängen wieder vor und treffen mich so unvorbereitet.

    Und Sex und Erotik ohne Riechen stelle ich mir auch nur bedingt schön vor. Ich liebe dabei einfach alle meine Sinne! Natürlich sehe ich gerne meine Partnerin, ich höre sie gerne, aber könnte ich sie nicht riechen? Ich bilde mir ein, dass ich Leidenschaft riechen kann, und das will ich auch. Und auch der Geschmack von Salz auf der Haut, verschiedener Körperflüssigkeiten gehört dazu, und Schmecken ohne Riechen geht ja nur sehr beschränkt.

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  2. Wie schrecklich da doch die ganzen billigen Deos sind, deren brachialen Düfte durch die U-Bahn wabern und alles in sich ersticken. :)

    Glücklich, wenn man sein eigenes Parfüm gefunden hat und bei sich selbst und Anderen für einen bestimmten, feinen Duft steht.
    Der Eigengeruch einer geliebten Person ist derweilen noch das Angenehmste; es heißt ja auch nicht umsonst: "jemanden riechen können".

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