Donnerstag, 27. November 2014

Zauber der Sexualität - ein Mythos von Mann und Frau

 Eine kleine Verbildlichung von Sexualität. Wer den ganzen Text ("Zur Entzauberung von Sexualität") kennen möchte, muss sich in näherer oder fernerer Zukunft auf eine Lesung begeben. Hier also ein kleiner Auszug, in dem ich meinen Assoziationen gefolgt bin und der mir sehr gefällt und mich jedes Mal, wenn ich mich mit ihm auseinander setze zum Nachdenken und Stirnrunzeln anregt. Eingeflossen ist einfach mein "Alltagswissen" zur Sexualität was ich hier und dort im Laufe meines Lebens mit und um Sex herum aufgeschnappt habe und ein paar Überlegungen dazu, ohne zu versuchen den Zauber im Beschreiben selbst zu bannen.

Die Sexualität hatte ein Leben, bevor sie auf dem Seziertisch landete. Sie hatte einen Zauber. Dieser lebte durch ihre männliche und ihre weibliche Seite. Beide ergänzten sich. Aber sie waren niemals deckungsgleich. Eine Symbiose war daher ebenso ausgeschlossen, wie durchdringendes Verständnis für einander. 

Die männliche und weibliche Seite waren Gegenpole und die Spannung zwischen diesen das Entscheidende, zauberhafte. 

Sie tanzten miteinander Tango, Salsa und Bachata. Er führte und sie sah gut aus. Dieses Paar strahlte. Zwischen ihnen die Spannung, ein erotisches Knistern bei jedem Schritt den er anleitete, bei jeder Figur, die sie ausführte, grazil, elegant in diesen hohen Pumps, dem enggeschnittenen Kleid, sexy, in diesen Netzstrüpfen, dem hohen Beinausschnitt, feminin, die langen Haare in aufwändiger Frisur, von Brillanten gehalten, die er ihr schenkte. Er selbst war stattlich und markant im dunklen Anzug. Von rauer Eleganz. Nie hübsch. Nur maskulin. Das visuelle an ihnen unterstrich ihren Gegensatz. Er führte, sie folgte. 

Doch eigentlich, so wusste sie, war sie es, die führte und er, der der folgte. Er strahlte unter ihrem Glanz. 

Sie war der Diamant an seiner Seite, der ihm all die Bewunderung und all den Neid einbrachte. Eine Zierde von unschätzbarem Wert. Das war ihre Macht, mächtig zudem der Teil den sie der Sexualität einbrachte. Er, also der Mann an ihrer Seite war animalisch und doch durch und durch rational. Seine Rationalität beherrschte den Animalismus. Stärker war jedoch letzterer, den sie anzusprechen wusste. Sie war emotional und empathisch, listig zudem und wusste die Rationalität zu unterwandern und ihn an den Stellen seines Wesens zu berühren, welche die Rationalität stets mied und daher niemals kontrollierte.
Diese Berührungen entfachten das Feuer in ihm, weckten seine Leidenschaften, warm und dunkel, einen Hunger, den zu stillen das Einnehmen ihres Körpers, ihres Wesens versprach. Das Eindringen in ihren Körper, in ihre Öffnungen, das Ergreifen ihres Fleisches. Ihren Körper vollends mit dem seinen zu bedecken, vollends mit dem seinen auszufüllen. Es war das Tier in ihm, das sie ansprach, über welches seine Rationalität sich redlich Mühe gab, die Kontrolle zu bewahren. Und doch, das Tier war stets stärker und es war niemals seine Rationalität, sondern immer ihre Macht die mit den Facetten seines Seins spielten. Ihn reizte, lockte, verführte. Ihn fütterte, sich ihm verweigerte, sich aufsparte, Sehnsucht in ihm weckte. Ihm gab, was zu geben ihr für ihre Zwecke, listig wie sie war, nützte. 

Sie war komplex, komplexer als er und doch auch durch und durch von ihm abhängig. 

Nur durch ihn konnte sie strahlen. Sie bedurfte seiner Aufmerksamkeit, seines Blickes voll von Begierde den sie nur in Bewunderung erwidern konnte. Sie waren nicht deckungsgleich, er begehrte sie, sie bewunderte ihn, denn er überragte sie, ein Größenunterschied den auch ihre Pumps niemals auszugleichen vermochten und er war stärker, konnte sie auf Händen tragen, sie beschützen, um sie kämpfen, für sich morden und er hatte eine weltliche Macht; für sie ein Buch mit sieben Siegeln. Sie musste ihn bewundern, sie konnte nicht anders. Und seinen Blick auf sich lenken, wo seine lästige Rationalität, die ihm all den Zugang zu diesem ihr verschlossenen Bereich ermöglichte, seine Größe ihn auf Augenhöhe mit sich brachte und seine Stärke ihn schützte. Seine Rationalität ihn Frei machte, während sie nie in der Lage wäre, sich von ihm zu lösen. 

Sie konnte ohne seine Aufmerksamkeit nicht überleben. 

Sie wäre nichts ohne ihn, während er ohne sie alles hätte. Sie hatte sich. Ihren Geist, ihren Körper, ihre Reize, ihr Verhalten. Durch die von ihm in Gang gesetzten zivilisatorischen Prozesse hatte sie auch Mode, Kosmetik und Geschmeide. Sie hatte Kunst, Musik und Tanz. Sie hatte Lyrik und Prosa. 

(Er hatte Empirie, Humanismus und Dialektik.) 

Sie konnte ihn unterhalten, ihm schmeicheln, ihn herausfordern. Ihm ihre Bewunderung schenken und dadurch strahlen lassen, sich selbst gegenüber. Sie musste seine Aufmerksamkeit und sein Begehren wecken und halten, mit all den Mitteln, die ihr zur Verfügung standen. Sie hatte Gefühle, die sich nur gut anfühlten, wenn er sie erwiderte. Sie waren nicht deckungsgleich. Sie fühlte, er begehrte. Und dachte. Sie war nicht berechenbar, entzog sich seiner Rationalität. Machte ihm Angst, lenkte ihn ab. Von den wichtigen Dingen, das Geschick der Welt zu lenken. 

Gleichsam sprach sie einen vergessenen Teil seines Wesens an. 

Als er noch nicht der Weltenlenker war, sondern ein kleiner Junge, der einmal an einen weichen Körper geschmiegt, von weichen Armen gewogen, Geborgenheit gefunden hatte. Während er in seiner Mannwerdung dieses Weib, das ihn einst überragte, überholt hatte, so wie jede andere Frau auch, würde sie in ihm immer diesen schützenden, bergenden, Sicherheit und Zuversicht spendenden Vater finden, den sie einst verlor, als sie begann zu werden, was jener nicht begehren durfte. Doch dieser, der durfte, sollte und musste sie begehren. Die Geborgenheit blieb außenvor, sie wäre zu familiär gewesen, hätte damit das Begehren ersetzt, denn beides zusammen wäre inzestuös gewesen. Er Vater, sie Mutter, er Bruder, sie Schwester. 

Stattdessen blieben sie also Mann und Frau, sie seine Zierde, er ihr Beschützer. 

Und sie liebte es, unter seinem mächtigen Körper zu ruhen, von ihm erfüllt zu werden, das an sie gerichtere Begehren in seinem Gesicht und seinem Körper zu lesen, begehrt zu werden und für diese kurzen, wiederkehrenden Momente die Angst zu vergessen, er könne den Blick von ihr abwenden.

Kommentare:

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  2. Tanzen habe ich immer unheimlich erregend gefunden. Vorallem bei Männern mit engen Hosen und knackigen Hintern. Ohhh nein, kann nicht mal daran denken ohne das etwas böses in meinem Kopf erscheint. Eigentlich habe ich immer gedacht, dass Tanzen eine Erfindung der Menschheit gewesen ist um die Libido des anderen Geschlechts zu steigern , bei mir wirkt es wie ein Zauber !

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  3. "Er hatte Empirie, Humanismus und Dialektik." - sehr fein. Danke für diese schönen Überlegungen!

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